GIANTS IN THE TREES - Jillian Raye, Krist Novoselić

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Ich kann nicht sagen, was die Zukunft bringt. Was ich sagen kann, ist, dass alles, was sein soll, sein wird. Ich habe keine Angst vor Neuanfängen und Dingen, die ihren natürlichen Lauf nehmen.

Stormbringer bringt das erste deutschsprachige GIANTS IN THE TREES- Interview mit Jillian Raye und Krist Novoselić! Werden wir sie wohl auf NIRVANA und Kurt Cobain ansprechen...?

Veröffentlicht am 12.12.2017

Nein, wir verzichten ganz bewusst darauf, mit GIANTS IN THE TREES über die Grunge Pioniere zu sprechen. Aber STORMBRINGER kitzelt im ersten deutschsprachigen Interview Infos heraus, die ihr sonst nirgends bekommt. Was hält die sympathische Sängerin Jillian Raye von Stephen Hawkings Prophezeihung, der Mensch müsse in wenigen Jahren die Erde verlassen? Spricht Krist Novoselić eigentlich Serbokroatisch? Und welche Auskunft gibt uns Jillian bereits zwei Wochen nach dem Erscheinen des Debüts über Album Nr. 2? 


 

(Von li. nach re.: Ray Prestegard, Erik Friend, Jillian Raye, Krist Novoselić - Pic by Melanie Yaris)

Jillian, deine Stimme hat diesen schönen dunklen Klang und du spielst Banjo. In welchen Bands hast du denn vorher so gespielt?

Jillian: Meine vorherigen Bandprojekte waren auch im Folk Genre angesiedelt, aber da war auch eine Electronic-Band dabei. Ich spiele Gitarre seit meiner Kindheit und hab dann zum Banjo-Tar und Bass gewechselt. Ich habe erst in den letzten Jahren die Wirkung schwerer Vocal Töne entdeckt, welche wie zu einem eigenen Stil wurden.

"Sasquatch" und "Seed Song" wurden kürzlich offiziell veröffentlicht. Wann erscheint das dazugehörige Album?

Jillian: "Sasquatch" und "Seed Song" wurden als Singles mit Video-Clips veröffentlicht, und das Album ist vor ein paar Tagen auch erschienen! Wir können es gar nicht abwarten, mehr Musik und Musikvideos zu machen.

Eure Promotionfotos erinnern ein wenig an den Stil der 90er Jahre. Eure Videos sind simpel gehalten und neben euch selbst, gibt es Naturaufnahmen zu bestaunen. Alles wirkt, als hättet ihr es independent halten wollen. Wie fühlt sich die große Medienaufmerksamkeit an, die ihr bereits vor dem Release auf euch gezogen habt? Darunter waren ja auch die Seattle Times, der Rolling Stone usw..

Jillian: Wir sind eine echte Do-It-Yourself Band. Wir geben den Leuten Einblick in unser Leben, unseren Wohnraum und die Themen, die uns wichtig sind. Wir freuen uns über die Medienaufmerksamkeit, denn sie bringt unsere Musik zu einem breiteren Publikum.

(Pic by Melanie Yaris)

Bitte erzähle uns von der Umweltorganisation, bei der du die anderen GIANTS IN THE TREES Mitglieder kennengelernt hast.

Jillian: Wir trafen uns alle bei einer zufälligen Jam Session im The Grange. Wir waren die einzigen vier, die an diesem Tag auftauchten. (Lacht) Wir begannen dort unser erstes Lied zu schreiben, "Sasquatch".

Das Washington State Grange wurde 1889 gegründet und ist eine gemeinnützige, parteiunabhängige Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensqualität von Washingtons Einwohnern durch gemeinnützige Arbeit und legislative Maßnahmen verschrieben hat.

(Pic by Melanie Yaris)

Krist, jetzt da es dich auch musikalisch in Folk Gefilde verschlagen hat, muss ich dich auch über Volksmusik im ehemaligen Jugoslawien ansprechen, wo Deine Eltern ja herkommen. Die beliebtesten Genres waren damals "Zabavna Muzika" und "Narodna Muzika" und die Sängerin LEPA BRENA mixte beide miteinander, was auch dazu beitrug, dass sie in mehreren europäischen Ländern ikonisch verehrt wurde. Verbindest du etwas mit dieser Zeit und Kultur?

Krist: Ich wurde in den Vereinigten Staaten geboren und sollte deshalb kulturell ein Amerikaner sein. Aber aus verschiedenen Gründen habe ich nie richtig reingepasst. Dieses Gefühl hat mich zu Dingen wie Punk Rock Musik gebracht. Ich bin unter kroatisch sprechenden Menschen aufgewachsen und spreche fließend Serbokroatisch. Als ich mit 5 Jahren in die Schule kam, war es für mich neu, in allein englischsprachigem Umfeld zu sein. Zu dieser Zeit arbeitete ich mit meinem Vater in seiner Werkstatt, wo er Rock n'Roll wie CHUCK BERRY, THE ROLLING STONES und DICK DALE spielte. Ich liebe diese Musik immer noch.

Du spielst aber auch Akkordeon. Ist etwas von kroatischem oder jugoslawischem Einfluss in GIANTS IN THE TREES übergegangen?

Krist: In meiner Jugend hörte ich nicht Volksmusik. Aber ich habe sehr früh das Akkordeon spielen gelernt und dieses Instrument ist ein natürlicher Teil von mir. 1980 lebte ich ein Jahr in Jugoslawien. Dort kam ich mit Volksmusik aus den verschiedenen jugoslawischen Republiken und Kulturen in Kontakt. Ich lebte in Zadar, was dalmatinischer Kultur angehört. Trotzdem fühlte ich mich vom Yugo Rock der Zeit angezogen. Ich kaufte neue Platten von BIJELO DUGME, PARNI VALJAK, BULDUŽER und anderen. Wie gesagt, Rockmusik hat mich am meisten angesprochen.

Irgendwann kam der Krieg. Folk Musik scheint eine Sehnsucht nach Orten innezuhaben, an denen Menschen in Freiheit und im Einklang mit der Natur leben können. Aber in Wirklichkeit sind Tschernobyl und Fukushima für Tausende von Jahren verstrahlt, unser Lebensraum schrumpft, während die Weltbevölkerung dramatisch zunimmt. Woher bekommt ihr eure Energie und Inspiration für so optimistische und harmonische Musik?

Jillian: Es gibt so viel Schönheit im Alltag. Ich arbeite daran, ein Leben zu gestalten, das im Einklang mit der Natur ist. Ich habe viel Hoffnung für die Menschheit und unseren Planeten. Es beginnt mit dem Individuum und den Entscheidungen, die wir von Moment zu Moment treffen. Sie können einen Dominoeffekt wie Wellen im Wasser auslösen.

Was denkst du über Stephen Hawkings Aussage, dass wir noch etwa hundert Jahre haben, bis wir die Erde verlassen müssen? Kannst du dir vorstellen, dass sich die Menschheit früher oder später wirklich auslöschen wird oder die Natur für immer zerstören könnte?

Jillian: Ich kann nicht sagen, was die Zukunft bringt. Was ich sagen kann, ist, dass alles, was sein soll, sein wird. Ich habe keine Angst vor Neuanfängen und Dingen, die ihren natürlichen Lauf nehmen.

Thematisiert ihr in einem eurer Songs ein solches Szenario?

Jillian: Unsere Lieder greifen Ideen der Unabhängigkeit, des Überflusses und der Schaffung einer Lebensweise auf, die mit der Natur und dem Selbst harmoniert. Ich habe begonnen, den Text zu einem Song namens "Star Machine" zu schreiben. Aber er ist noch in Arbeit, und seine Bedeutung wird interpretationsfähig sein.

Bist du eine religiöse Person? Wenn Gott existiert, glaubst du, er würde der Menschheit die Möglichkeit geben, sich erneut zu beweisen, nicht in einer ätherischen Form oder Dimension, sondern in einer anderen materiellen Welt?

Jillian: Es ist nie zu spät, zu seinem wahren Selbst zu werden.

Meine nächste Frage stellte ich einmal dem Sänger einer satanischen Black Metal-Band, aber er hat sie mir nicht beantwortet. Jetzt denke ich, dass sie zu meiner vorherigen Frage passen würde: Kürzlich haben Wissenschaftler es geschafft, die Schimpansin Noel im Chimfunshi Wildlife Orphanse Trust zu filmen, als sie die Zähne des toten Schimpansen Thomas reinigte. Es ist möglich, dass die Wissenschaftler Zeugen eines Trauerrituals wurden. Aber stell dir vor, dass Tiere einen Eindruck von Spiritualität bekommen könnten. Was würde das für die Menschheit bedeuten?

Jillian: Ich glaube, wir sind alle miteinander verbunden, Pflanzen, Tiere, Menschen, alles. Ich denke, viele von uns haben die liebevolle Verbindung zwischen Tieren erfahren. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl und besseres Verständnis für alles Leben kann die Menschheit nur stärker machen.

So, genug der schwermütigen Fragen! Kommt ihr mal nach Deutschland oder Österreich? Wird es eine Europatour geben?

Jillian: Wir hoffen es! Wir stehen ja gerade erst am Anfang, aber wir würden sehr gerne Übersee spielen!

Und noch ein Statement zum GIANTS IN THE TREES Status: Ist das ein einmaliges Projekt, oder bekommen wir in Zukunft mehr?

Jillian: Wir arbeiten bereits an unserem zweiten Album!

Vielen Dank, Jillian und Krist, dass ihr euch die Zeit für ein Interview genommen habt! Es war uns ein Vergnügen und es gibt viele Fans da draußen, die darauf brennen, eure Worte zu lesen!

(Cover-Artwork by Tim Gabor)


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