DARKNESS - Lacky, Arnd, Lee, Meik, Dirk

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Denen ist nichts peinlich!

Im Herbst 2018 erscheint das neue Album. Über dieses, Rentabilität (oder auch nicht) von Liveauftritten, Fluch und Segen des Internets und warum sie sich das alles antun erzählt die Band im Interview.

Veröffentlicht am 13.06.2018

2016 erschien mit „The Gasoline Solution“ (dem ein Jahr davor die EP „XXIX“ voran ging) das superbe, hammerharte Comebackalbum der deutschen Thrash Metaller, das den Vergleich mit den Vorgängeralben – auch der Kultplatte „Death Squad“ – nicht zu scheuen braucht und die Band in ihrer jetzigen (auch live) sehr starken Inkarnation präsentiert. Aus den alten Zeiten sind Drummer Lacky und Gitarrist Arnd übrig, die sich mit Lee Weinberg (Vocals), Meik Heitkamp (Gitarre) und Dirk Hamiliton (Bass) mehr als fähige Mitstreiter mit ins Boot geholt haben.

Ihr arbeitet derzeit an eurem neuen Studioalbum, könnt ihr schon etwas darüber erzählen?

Lee: Weiter!
(lachen)
Lacky: Ich würde sagen, dass können die Neuen beantworten.
Lee: Viel können wir noch nicht erzählen, außer dass es dieses Jahr im Herbst (12.10.2018) rauskommt bei Massacre.

Wie seid ihr denn bei Massacre Records gelandet?

Lee: Du fängst ja irgendwann an, wenn du neues Material geschrieben hast, dich mit den Plattenfirmen zu unterhalten und wir haben da über Kontakte mit ein paar Plattenfirmen Gespräche geführt und uns dann am Ende des Tages, weil wir uns da wirklich wohl gefühlt haben bei dem Gespräch, für Massacre entschieden.

Lacky, du hast in einem Interview gesagt, dass das letzte Album, „The Gasoline Solution“, an die ersten beiden Alben anknüpft, weniger an das dritte. Kann man vom neuen Album dann auch erwarten, dass sich das da auch einreiht oder wird es musikalisch wieder in eine bisschen andere Richtung gehen?

Lacky: Nein. Wir haben mit der „Gasoline Solution“ schon ein richtig guten Weg eingeschlagen, der, sag‘ ich mal, den Spirit der ursprünglichen DARKNESS am besten rüber gebracht hat und ich glaube, dass passiert jetzt wieder. Wir gehen einfach einen Schritt weiter als bei „The Gasoline Solution“. Die Songs sind vielleicht ein bisschen abwechslungsreicher, vielleicht ein bisschen eingängiger, aber genauso hart und kompromisslos. Die Marschroute wird beibehalten!

Arnd: Vielleicht sollte man festhalten, dass die alten DARKNESS, die man von den ersten beiden Alben kennt, ein Stück weit abgelöst werden, da wir vom Line-Up her jetzt anders sind, von der Musik her glaub‘ ich zwar noch den Ruhrpott-Thrash machen, reinen Thrash würd‘ ich’s mal nennen, den Thrash den wir immer gespielt haben, aber der schon im Gewand des 21. Jahrhunderts ist. Ich persönlich empfinde es als eine andere Band, als die, die damals die ersten beiden Alben aufgenommen hat.

Lacky: Ich geb‘ dem Arnd natürlich recht. Es ist immer so eine Sache, moderner zu werden oder Entwicklungen, die man als Band hat, zuzulassen und gleichzeitig den alten Spirit wiederzubeleben und den auch durchspüren zu lassen. Aber der ist ja trotzdem da.

Arnd: Den haben wir im Blut, sozusagen. Beim Songschreiben setzt sich ja keiner hin und sagt: „Ich will jetzt klingen wie NEVERMORE“ oder was, sondern wir schreiben die Dinger und dann ist das halt so der Spirit den wir haben.

Lee: Aber die gleiche Wut eigentlich noch aus den 80ern. Was die Inhalte der Songs betrifft, reden wir eigentlich immer noch über dieselben Themen.

Arnd: Da hat sich auch nicht viel geändert.

Lee: Das wollte ich ja sagen. Es hat sich nicht viel getan. Wenn wir auf die Bühne gehen und „They Need A War“ spielen, dann ist der Text so, als wäre er gestern geschrieben worden. Und bei den neuen Songs, gerade bei der neuen Platte, hab‘ ich das Gefühl, dass das mit der gleichen Wut vonstatten geht wie in den 80ern auch.

Die Texte vom letzten Album stammen größtenteils von dir [Arnd], einer von Dirk und ich glaube, Lee, du hast auch einen geschrieben. Lee hat es gerade schon ein bisschen angesprochen, thematisch hat sich nicht viel verändert. Kommen die Inspirationen noch immer vom aktuellen Welt- und Tagesgeschehen?

Arnd: Die nehmen wir vom Welt- und Tagesgeschehen und ich komme mir manchmal vor, als schriebe ich bei mir selber ab. Manchmal denke ich, du müsstest jetzt mal wieder über Tod und Teufel schreiben oder irgendwelche satanistische Themen, weil in der Tagespolitik, in der Welt tut sich ja, wie Lee schon gesagt hat, nicht so viel, als dass man da immer wieder die gleichen Themen aufgreifen müsste, um den Leuten die Augen zu öffnen, oder um sie zur Sprache zu bringen.

Glaubt ihr, dass ihr diesmal die Gelegenheit haben werdet, etwas ausgiebiger zu touren als das letzte Mal?

Lacky: Das Problem ist ja, dass wir trotz alledem alle noch in Berufen unterwegs sind und da ist es halt nicht einfach, sich auf eine längere Tour einzulassen. Aber das Schöne ist ja, dass sich uns auch, da wir dann doch relativ erfolgreich sind, einige Festivals annähern und wir auch bessere Shows kriegen und dadurch im Endeffekt auch mehr rumkommen.

Es ist ja mittlerweile schon weithin bekannt, dass man heutzutage Musiker, insbesondere Metalmusiker, nicht des Geldes wegen wird, denn mit Verkäufen von Tonträgern oder gar Downloads oder Streams, verdient man ja nicht wirklich Geld. Ich denke, auch als Band eurer Größe verdient man mit dem Touren höchstwahrscheinlich nicht so viel Geld. Macht ihr da überhaupt Gewinn? Achtet ihr darauf, wenn ihr Angebote bekommt, dass ihr zumindest ohne Verluste aussteigt oder spielt ihr auch manchmal mit Verlust?

Arnd: Ne! Mit Verlust, nein, nein. Wir gehen da mindestens mir einer Null raus. Allein schon um uns ein Stück weit zu schützen. Man könnte theoretisch jeden Tag an jeder Steckdose spielen, was nicht viel bringen würde, weder den Leuten noch der Band und auf Dauer bist du auch finanziell völlig ausgelaugt. Man kann es sich eigentlich gar nicht leisten, ohne Gage zu spielen, zumindest um die Auslagen drin zu haben, sonst bist du als Band irgendwann völlig verloren. Ich mein‘, jeder muss auch wohnen und Miete zahlen und auch mal ein bisschen Butter auf dem Brot haben, von daher kannst du nicht immer nur draufzahlen.

Lee: Es gibt so Sachen, die sehr prestigeträchtig sind, wo du dann sagst: „Das muss auf jeden Fall sein!“ Wir waren ja jüngst in Japan, vor einem Jahr, und da gehst du natürlich hin und verhandelst nicht unbedingt über Gage, sondern freust dich darüber, dass die dich da einfliegen lassen, unterbringen und deine Nahrungsmittel bezahlen und du da feiern kannst, weil das ein großartiges Erlebnis ist. Nur ist es ja eigentlich schier unmöglich zu sagen: „Och komm, jetzt spielst du mal jedes Wochenende für eine warme Mahlzeit“, das geht mit dem, was wir da bewegen, nicht. Das wäre gar nicht möglich.

Lacky: Man muss vielleicht hinzufügen, dass Auslandsshows anders behandelt werden, weil wenn jetzt so einer aus Japan kommt und eh schon 7000 Euro auf den Tisch blättern muss, dass wir da antanzen können, dann ist das eh schon ein anderes Niveau. Wenn du dann noch über die Merch-Verkäufe etwas Geld mit nach Hause nimmst ist das ja schön und gut, aber finde mal in Deutschland einen Veranstalter, der 7000 Euro auf den Tisch legt, damit du da eine Show spielst (Lee lacht). Das muss man immer ein bisschen abwägen. Wir sind ja immer noch, sagen wir mal, sehr entgegenkommend.

Arnd: Ja gut, das ist aber wahrscheinlich auch unserem Geist, unserem Spirit, zuzuschreiben. Denn wir machen das Ganze ja nicht ausschließlich wegen des Geldes (lacht), das ist eine sehr winzige Facette. Also das hat schon viel mit Idealismus zu tun und damit, dass wir Bock haben so eine Musik vor dem entsprechenden Publikum und entsprechende Shows zu spielen. Nur fürs Geld verdienen kannst du auch als Musiker Top-40 Musik spielen auf Galas oder so.

Lee: Oder auf Hochzeiten.

Arnd: Oder auf Hochzeiten, ja. Da kannst du vielleicht noch Geld verdienen, aber ansonsten… Also es hat schon viel mit Idealismus zu tun was wir hier machen.

Was ist das Peinlichste, das euch bisher auf der Bühne passiert ist?

(lachen)
Lacky: Tom (Stage Manager, Drumtech) sagte eben: „Denen ist nichts peinlich.“

Dirk: Ich glaube, mit DARKNESS ist mir noch nie so was wirklich Peinliches passiert. Du hast immer mal ein kaputtes Kabel oder in meinem Fall ein Hemd, das viel zu eng war und viele Fotografen da Fotos gemacht haben und ich hoffte, dass das am Licht liegt. Aber es stellte sich dann doch raus, dass ich nicht 8kg Schuhe zugenommen hatte, sondern 8kg Körpergewicht. Aber ich glaube so mit DARKNESS, was richtig Peinliches, in der Besetzung jedenfalls noch nicht.

Lee: Das einzige, das wir hatten, das war tatsächlich meine allererste Show mit DARKNESS. Wir standen hinter dem Vorhang neben der Bühne und unterhielten uns noch, obwohl ich relativ nervös war, und merkten gar nicht, dass das Intro schon längst lief und wir eigentlich schon auf der Bühne hätten stehen müssen. Aber so wirklich peinlich… hat ja keiner bemerkt.

Arnd: Hat ja keiner mitbekommen.

Lee: Irgendwann winkten die Leute, dass wir dann auch auf die Bühne kommen und nicht weiter quatschen sollten. Viele Sachen, die für andere vielleicht peinlich sind, das gehört bei uns mehr oder weniger zum guten Ton. Ich weiß nicht wie viele Shows wir zusammen gespielt haben, aber ich glaube bei zwei Drittel der Shows hat Lacky z.B. das Schlagzeug kaputt gehauen. Eigentlich wartet man schon darauf, dass Lacky irgendwie ein Schlagzeugteil kaputt haut. Das ist gang und gäbe. Aber so richtig Peinliches, dass einer ausgerutscht ist oder so, ist noch nicht passiert. Das meiste sind wirklich technische Ausfälle. Aber die Band ist mittlerweile eingespielt genug, dass solche Sachen nicht passieren. Eigentlich.

Praktiziert ihr das Gitarristenwerfen noch?

(lachen)
Lee: Nicht nachdem die so zugenommen haben. (zeigt auf Arnd)

Arnd: Nein, tun wir nicht.

Lee: Sollte man aber eigentlich wieder einführen.

Lacky: Auf diversen Flugshows wird eingeführt, dass der Sänger den Schlagzeuger schubst. Das haben wir jetzt ein paar Mal gehabt. Schubsen, aber nicht werfen.

Arnd: Wäre auch ein bisschen schwierig. Zur Erklärung, wenn wir irgendwo hinfliegen, sagen wir Flugshow dazu. Flugshow heißt nicht, dass jemand von uns fliegt, zum Beispiel in den Graben.

Lacky: Hast du dir mal die beiden Gitarristen angeguckt? Die wiegen ein bisschen mehr als damals der Pierre (Danielczyk). Die kannst du nicht mehr so einfach durch die Gegend werfen. Die kriegst du ja kaum über den Bordstein gehievt.
(lachen)

Arnd: Als wir den Pierre geworfen haben, der ist ja wie ein Blatt gefallen. Oft total zu spät zu Shows gekommen, weil der Pierre so lange zum Aufschlagen gebraucht hat beim Gitarristenwerfen und wir warten mussten.

Lacky: Kennst du das, wenn man einen Stein über einen See wirft, wie oft der so auftrifft?
(lachen)

Spielt ihr lieber die alten Songs oder die neueren?

Dirk: Falsche Frage!

Arnd: Ich oute mich, die neuen, ganz ohne Frage. Ich komme mir manchmal vor wie scheiß Chris Norman von SMOKIE, der auch seit 40 Jahren „(Living Next Door To) Alice“ spielen muss. Ich spiel‘ die alten Songs immer mal wieder gerne, aber man hat ja auch so, meiner Meinung nach, gute neue Songs im Gepäck und die bleiben dann einfach brach liegen dafür, dass die „Death Squad“ runtergenudelt wird – die „Death Squad“ in allen Ehren jetzt nicht werten wollend. Ich mein, ich bin ja selber so ein Arsch. Als wir TANK gesehen haben vor einiger Zeit, da haben die dann auch gesagt: „Jetzt spielen wir eine neue Nummer“, und ich: „Oh, ne! Komm spiel die alten Sachen!“ Ich bin ja selber so ein Penner. Ich spiel‘ lieber die neuen Songs, weil neu ist für mich interessanter zu spielen und ich finde, die gehören unters Volk und die Leute sollten die hören.

Lee: Der Unterschied ist natürlich, für mich sind auch die alten Songs neu. (lacht)

Arnd: Ja.

Lee: Ich guck halt immer gerne, was die Leute da so tun, spiele am liebsten Songs, wo ich das Gefühl habe, dass die Leute da am meisten steil bei gehen und das sind neue wie alte genauso. Wir haben mittlerweile „Gasoline Solution“ und „Tinkerbell Must Die“ wirklich, glaube ich, als Livesongs etabliert, und dass macht dann halt doppelt Spaß. Vom reinen Spielen her, wenn wir jetzt vom Proberaum reden würden, eigentlich die neuen, klar, aber mit Sicht auf das Publikum, wenn du da hinguckst, ist es natürlich schön, wenn die Songs etabliert sind, die Leute mitsingen können, möglicherweise schon wissen was jetzt kommt, das macht schon Spaß. Aber da haben wir ja, wie gesagt, jetzt neue und alte Lieder, die so funktionieren.

Wie stellt ihr die Setlist zusammen? Es gibt ja Bands wie EXODUS, die suchen immer Songs, die die Dynamik in der Show aufrechterhalten, damit es wirklich Schlag auf Schlag geht und es keine Durchhänger gibt.

Lee: Das kannst du natürlich, wenn du 70 Minuten spielst, nicht machen. Die Dynamik 70 Minuten lang ertragen, ohne mal einen langsameren Song zu spielen, geht natürlich nicht, aber wir diskutieren das.

Arnd: Ja, leider. (lacht)

Lacky: Wir diskutieren das tatsächlich. Und zwar läuft das meistens so ab: Lee gibt seine Vorstellung einer funktionierenden Songliste ab. Dann lach ich da drüber, dann gebe ich ihm meine Vorstellung und dann kommt Arnd und gibt uns 16 verschiedene Songlistemöglichkeiten, die wir alle nicht schnallen. Am Ende einigen wir uns kurz vor der Show dann drauf, was drin geblieben ist oder was rausgeflogen ist.

Dirk: Das ist tatsächlich ein sehr, sehr großes Thema bei uns.

Arnd: Ich freu‘ mich darauf, dass jetzt neun neue Songs dazukommen werden, über die wir sprechen können für die Setlist.

Heute wählen viele neue Bands ausgefallene Namen oder Schreibweisen, damit man sie leichter im Internet findet. Mit einem Namen wie DARKNESS ist es natürlich etwas schwieriger. Habt ihr schon mal versucht nach eurer Band zu googeln und was habt ihr da als Suchbegriff eingegeben?

Lee: Was immer funktioniert ist „DARKNESS thrash“.

Dirk: Ja, „DARKNESS thrash metal“, „DARKNESS Ruhrpott thrash“, „DARKNESS Death Squad“ funktioniert. Gut, als Lacky damals die Band ins Leben gerufen hat, gab’s kein Internet. Da hat sich niemand Gedanken darüber gemacht, dass mal irgendwer in einer Suchmaschine nach dem Namen suchen würde. Es gibt natürlich heute Bands, die gucken nach „Was gibt’s noch nicht?“ Ich war natürlich 1984 noch nicht dabei, aber es war halt wichtig einen Bandnamen zu finden, der nach Metal klingt und den man gut rufen kann. Es gibt heute natürlich Bands, die man hier nicht bloßstellen muss, deren Namen die Fans einfach nicht rufen können. Die kürzen die ab, oder benutzen nur einen Teil. Manche Bands, deren Bandname ist länger, als wir Texte haben.

Arnd: Was schwer ist. (lacht)

Dirk: Aber im Ernst: jeder googelt sich mal und jede Band googelt sich mal, alleine um irgendwelche Sachen zu finden, die man selber nicht kennt oder selber nicht hat. Es gibt ja mittlerweile YouTube und dieses ganze Zeug, man bekommt da ja selten Bescheid: „Ich hab‘ ein Video von euch hochgeladen.“ Klar googelt man sich dann. Wir haben natürlich noch die Kollegen aus England, THE DARKNESS, klar, die findet man dann auch.

Lee: Wenn du nur DARKNESS googelst, hast du von Höhlenforschung bis Pornos ja alles, nur keine Band.

Dirk: Wobei Höhlenforschung und Pornos ist manchmal das Gleiche.

Lacky: Wir haben die Band extra schon nicht BEATLES genannt, wegen dem „the“ (lachen). Heute müsste man wahrscheinlich eine Band gründen und die müsste mit A anfangen, weil sie dann als erstes gelistet ist. Mit zwei A oder drei A. AAA, das fängt dann wieder mit T an (Triple A). Nein, aber DARKNESS, ich kann mal kurz was zu der Entstehung sagen. Ich war als Jugendlicher der totale KISS-Fan und wollte die Band eigentlich „Destroyer“ nennen und hab dann mit 16 gemerkt, dass das eigentlich zu abgefuckt ist, aber das D wollte ich behalten und dann fiel mir nur DARKNESS ein. So einfach war das.
(lachen)

Seht ihr das Internet und Social Media eher als Fluch oder als Segen?

Lee: Es ist toll. Tape-Trading war ja früher extrem anstrengend. Das hat natürlich auch Spaß gemacht, aber da hatten wir noch viel mehr Zeit, weil wir maximal zur Schule gegangen sind. Das ist heute natürlich einfacher. Der Fluch ist dabei, du wirst halt überflutet, alles was dir angeboten wird, kannst du gar nicht mehr testen. Es war schon deutlich exklusiver früher, ein Tape nach vier Wochen Rumdiskutiererei, Briefschreiberei und Briefmarken zurückschicken und dann das Tape in der Hand zu halten, das hat man sich schon wie einen guten Cocktail in seinem Zimmer ganz gemütlich reingezogen. Und heute wo du so überflutet wirst, dass du gar nicht mehr weißt, wie du das sondieren sollst, was du dir anhören möchtest und was nicht.

Dirk: Ich glaub‘ der Fluch, der da drüber ist, ist die Tatsache, dass viele Leute gierig sind und nicht genug kriegen. Wenn ich damals mein Taschengeld bekommen habe oder ein paar Mark zusammengespart hatte, dann konnte ich mir im Monat eine Platte leisten. Und maximal habe ich noch von einem Kumpel eine Platte irgendwie überspielt bekommen, sodass ich im Monat auf zwei Platten kam. Die hab‘ ich rauf und runter gehört, vier Wochen lang, bis Geld für eine neue da war. Das heißt, ich kannte jeden Song auf dem Album, ich kannte die Texte oder sonst was und heute durch dieses illegale Runterziehen, egal was man davon jetzt hält, ziehen sich Leute dreißig Alben am Tag. Das heißt die hören sich dein Album gar nicht an, selbst wenn sie es sich illegal runterladen. Das skippen sie durch, weil noch 29 andere Alben warten. Die Leute, und auch man selbst, man bekommt von einzelnen Bands unheimlich wenig mit, weil alleine wenn man seine Facebook-Seite einmal am Tag aufmacht, da sind 50 Meldungen. Welche interessiert mich denn? Dann scroll ich sie nur noch durch und denke: „Gut, okay, das ist eine Band, die mich schon immer interessiert hat“, da fällt natürlich eine neue Band einfach durch. Nicht weil ich die nicht mag, sondern weil ich die einfach nicht wahrnehme. Und Facebook ist ja jetzt nur eine Sache, da gibt es ja noch tausend andere Sachen. Ist natürlich schön heute mit einem iTunes-Account, mit einem Click, aber man kauft halt nicht mehr so wie früher, man ist mit einer gewissen Summe Geld in den Plattenladen gegangen, man konnte sich nur eine Platte leisten. Also in meinem Fall war das so, ich konnte mir nur eine Platte leisten und das war entweder eine, die das beste Cover hatte, ich habe damals echt nach Cover gekauft, oder eine Band, die ich halt sehr mochte und die in dem Monat veröffentlicht hatte. Heute ist es für jeden jederzeit möglich darauf zuzugreifen, du musst ja nicht mal einen Computer haben, es reicht ja ein Handy. Da fällt halt viel durch, finde ich. Andererseits ist es natürlich, wie Lee gerade richtig sagte, du kannst halt deine Sachen weltweit verbreiten, ohne irgendwo Zeitungsannoncen zu schalten, oder du musst nicht mal Kontakte haben, um in Asien oder sonst wo anzukündigen, dass du ‘ne neue Platte hast. Das geht über Social Media super.

Abschließend noch, wenn ihr euch selbst interviewen müsstet, was würdet ihr euch fragen?

Lacky: Warum?

Meik: Warum tut ihr euch das an?

Arnd: Ich kann dir sagen, was ich nicht fragen würde. Nämlich definitiv keine Fragen, die DARKNESS vor 2013 betreffen, weil, bitte nicht böse sein die Leute da draußen, ich bin es einfach leid, Sachen zu erzählen, die 30 Jahre her sind, die in 100000 Foren 100000 mal erzählt wurden. Ich will nichts mehr über die alten DARKNESS erzählen. Wen das interessiert, der soll googeln, da steht genug drin.

Meik: Ich kann auch nichts von vor 2013 erzählen.

Dirk: Wenn ich mich, oder wenn ich uns interviewen müsste, würde ich wirklich die Frage stellen: „Warum nach 35 Jahren immer noch?“ Das ist auch eine Frage, die ich mir manchmal stelle bei anderen Bands. Warum machen die das immer noch? Nötig haben es so große Bands schon lange nicht mehr und von der Gesundheit her, die könnten ganz andere Sachen machen. Aber die Frage ist ja schon ganz am Anfang von Arnd beantwortet worden: Weil ich kann nix anderes! Man hat es irgendwie schon immer gemacht. Wir kommen nun mal aus ‘ner Ecke, wo der Thrash Metal (in Deutschland) geboren wurde. Zu der Zeit, als sich DARKNESS gegründet haben, gab es ein paar andere Bands, wie SODOM und KREATOR, die waren zwei Jahre vorher da, aber es war irgendwie klar, wenn du aus der Ecke kommst, dass du das machen wirst. Ein Kumpel von mir hat mal irgendwann zu mir gesagt: „Wer einmal auf der Bühne gestanden hat und ehrlichen Applaus gekriegt hat, der will das immer wieder haben, der hört nicht auf!“ Und genauso ist es auch.

Lacky: Ich kann vielleicht noch ein Geheimnis verraten, was unsere Mutter uns fragen würde. Die würde nämlich sagen: „Wann werdet ihr endlich erwachsen?“

Dirk: Und auch da lautet die eindeutige Antwort: Höchstwahrscheinlich nie!


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