STRIKER - Adam Brown

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Heutzutage musst du einem Label um die acht Euro zahlen für eine CD, die du selbst aufgenommen hast

Adam Brown, der dauerlächelnde Sonnenschein hinter STRIKER’s Schlagzeug, nahm sich vor ihrer Show im Helvete Club in Oberhausen die Zeit für einen Plausch mit Stormbringer. An Gesprächsthemen mangelte es nicht, vom neuen Album “Play To Win” bis hin zu Sex, Drugs & Rock 'n' Roll.

Veröffentlicht am 07.09.2018

Chris [Segger, Gitarrist] ist wieder in der Band. Wie kam es dazu?
Oh, das war eine nette Überraschung. Er meinte: „Hey Jungs, wir sollten mal gemeinsam Abendessen gehen!“ Also trafen wir uns, setzten uns zusammen und tranken ein paar Bier und da sagte er: „Ich möchte wieder zur Band zurückkehren.“ Die Entscheidung fiel leicht, verstehst du, wie ein gut sitzender Handschuh, es fühlte sich einfach natürlich an. Ich freue mich, dass er wieder in der Band ist.

Im Herbst erscheint euer neues Album “Play To Win”. Kannst du uns schon etwas darüber verraten?
Es erscheint am 26. Oktober, das Album ist fertig, komplett, und wir sind sehr damit zufrieden. Ich glaube, es ist möglicherweise bisher unser Bestes, aber vielleicht reagieren die alten Fans ja (aaahh!), wer weiß. (lacht) Es ist wieder ein Independent Release, selbst aufgenommen,  gemischt und mastered mit Hendrik Udd in Schweden im Studio Fredman. Ich glaube, wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis. Es klingt sehr nach STRIKER, also warden alte und neue Fans zufrieden sein.

Euer letztes Album, “Striker”, erhielt sehr gute Reviews. Glaubt ihr, ihr könnt das toppen?
(lacht) Wir hoffen es zumindest. In unserem Heimatland wurden wir für einen Juno nomiert, größer kann man in Kanada nicht werden. Dieses Mal hoffen wir, ihn mit dem neuen Album zu gewinnen. Also ja, wir hoffen auf alle Fälle dass es noch erfolgreicher wird.

Viele Musiker glauben noch immer, dass man ein Label braucht, um Musik zu veröffentlichen. In unserem letzten Interview habt ihr gesagt, dass es euch selbständig gut geht.
Yeah.

Warum glaubst du scheuen so viele davor zurück sich selbstständig zu machen?
Das hängt davon ab, in welcher Phase sich deine Band befindet. Wenn du eine kleine Band bist, gerade erst anfängst, hat ein Label sicher viele Vorteile. Sie haben Verbindungen, auch wenn sie diese nicht unbedingt für dich nutzen, aber sie haben sie. Sie haben auch Budgets für Promotion, die sie nicht unbedingt für dich nutzen, aber haben. Du könntest also bei Napalm Records unter Vertrag stehen, das heißt nicht, dass du alle ihre Kontakte bekommst. Im Endeffekt bist du noch immer auf dich selbst angewiesen. Heutzutage musst du einem Label um die acht Euro zahlen für eine CD, die du selbst aufgenommen hast. Selbst wenn du einen Vorschuss bekommst, geht alles dafür drauf, deine eigenen CDs zu kaufen. Für uns machte das keinen Sinn, aber wir waren bereits etabliert. Ich kann verstehen, dass eine jüngere, neuere Band… Ja, es kann helfen. Mit einem Label kommt eine gewisse Legitimität und Möglichkeiten, die wir jetzt nicht haben, weil wir bei keinem Label sind. Das sehen wir zwar ein, aber finanziell und auch als Künstler… Verstehst du, du kannst deine eigenen Entscheidungen treffen, mit Leuten arbeiten mit denen du willst und das Ganze? Und nach deinem eigenen Zeitplan! Wir haben jetzt so ziemlich jedes Jahr ein Album rausgebracht seit wir independent sind, und der Plan ist, so weiter zu machen. Das war meine Tirade dazu.

Für die Fans ist es auch schön, jedes Jahr ein neues Album zu haben, anstatt fünf Jahre warten zu müssen. Beim Marketing habt ihr etwas Unterstützung, da arbeitet ihr mit CMM [CMM Communication Management Marketing GmbH] zusammen.
Ja, CMM, das ist eine großartige Firma. Wenn du selbstständig bist, brauchst du noch immer Dienste, die normalerweise das Label übernimmt, du brauchst Distribution und Marketing. Wenn jemand darüber nachdenkt es independent zu versuchen, würde ich selbstverständlich sie empfehlen, es ist eine fantastische Truppe. Aber es ist halt nicht umsonst, sondern kostet auch Geld. Nichts im Leben ist gratis. Selbstständig zu sein bedeutet nicht zwangsläufig, CDs nur über deine Website zu verkaufen. Wir haben ein großes Team, wir haben Booking Agents, Promotion Leute in vier Kontinenten, Distributionspartner, es sind also nicht nur wir fünf Jungs. Es geht also mehr darum, die Rechte zu besitzen und solche Sachen. Aber ja, Daumen nach oben für CMM, großartige Firma.

Auf Spotify hat die Band eine Playlist erstellt, was eure Begeisterung für Metal weckte.  Ich war sehr überrascht, Bands wie KORN, FIVE FINGER DEATH PUNCH, LIMP BIZKIT und SLIPKNOT dort zu sehen.
(lacht) Ich weiß nicht mehr wessen Playlist das war, da wir ein paar gemacht haben, aber wir alle haben unsere eigene musikalische Entwicklung. Ich glaube SLIPKNOT war wahrscheinlich die erste Band, für die ich mich begeisterte, als ich zwölf war. Und CRADLE OF FILTH! Aber dann entdeckte ich JUDAS PRIEST als ich so etwa 14 war und dachte: “Oh, wow, JUDAS PRIEST! IRON MAIDEN! METALLICA! Wow! Das ist so viel cooler.” Aber das war halt das Zeug vom Radio, weißt du, da wo wir her kommen, also…

Auch euer Alter.
Ja, das gehört halt dazu wenn man erwachsen wird. Wir können wahrscheinlich bei mehr Songs mitsingen als wir zugeben möchten. Aber ich bin mir sicher, viele Leute durchlaufen eine ähnliche Entwicklung, wenn auch nicht mit diesen Bands.

Glaubst du, dass diese Bands irgendwie auf euch abgefärbt haben?
Uns beinflusst haben? Möglich. Tief drinnen weißt du es nie als Musiker, du hast halt ein großes Reservoir an Musik in dir. Aber nein, ich kann nicht direkt sagen dass SLIPKNOT STRIKER in irgendeiner Weise beeinflusst hat (lacht). Aber unser Sänger [Dan Cleary] hat viel Hardcore Musik gehört, und das kann man irgendwie ein bisschen heraushören. Oder in letzter Zeit haben wir viel TOTO gehört und man kann es auf gewisse Weise in den Melodien hören. Aber SLIPKNOT und KORN wahrscheinlich nicht (lacht).

Zum Thema Spotify, da gibt es ein Zitat von Tim, der in einem Interview darüber meinte, dass du froh sein kannst, wenn du dir ein Sixpack mit deinen Streaming-Tantiemen kaufen kannst. (Adam lacht) Glaubst du Spotify hat dennoch Vorteile für Bands?
Oh, absolut! Es steht außer Frage, dass Streaming wahrscheinlich die Zukunft ist, was das Musikhören betrifft. Z.B. gibt es Autos ohne CD-Player, Laptops haben kein CD-Laufwerk, das muss man zu einem gewissen Grad anerkennen. Pro Stream zahlt Spotify tatsächlich auch viel mehr als beispielsweise YouTube, wo du ungefähr nur ein Zehntel davon bekommst. Ich kann zwar nicht sagen, dass Spotify uns dabei hilft wirklich Geld zu machen, dazu bräuchtest du erst eine Milliarde Streams, dann machst du Geld. Auch wie Spotify funktioniert, es ist größtenteils im Besitz der drei größten Labels, also geht auch fast alles Geld von Spotify an diese großen Labels. Als selbstständiger Künstler machst du damit kaum was, aber immerhin wirst du noch immer bezahlt, im Gegensatz zu illegalen Downloads oder Piraterie, also hat es sicher auch seine Vorteile. Ich nutze Spotify, ich denke wir haben alle Spotify-Konten, also unterstützen wir es, Es ist eine gute Möglichkeit, Musik zu hören, schön wäre wenn es mehr zahlen würde (lacht). Ich weiß nicht, vielleicht brauchen wir auch nur mehr Streams.

Verdienen würdet ihr sie euch!
Yeah, mehr Streams wären schön.

Auf Facebook habt ihr angedeutet, dass ihr im Herbst nach Europa zurückkehrt.
Ja!

Denkst du, dass ihr wieder nach Deutschland kommt und vielleicht auch nach Österreich?
Nach Deutschland auf alle Fälle! Wenn wir nach Europa kommen führt kein Weg an Deutschland vorbei oder Österreich, außer dieses mal. Sie ist noch nicht völlig ausgebucht, das passiert gerade, wir bestätigen noch einige Dates. Die Tour wird vor allem um den Release unseres neuen Albums „Play To Win“ stattfinden. Wir freuen uns sehr darauf, nachdem wir in den letzten drei Jahren nur zwei Tourneen als Support Act für PRIMAL FEAR - das war toll - und für SONATA ARCTICA absolviert haben. Jetzt versuchen wir es noch mal als Headliner. Viele Fans meinten: “Wir zahlen keine 30 Euro um euch um 19:30 eine halbe Stunde lang spielen zu sehen”, verstehst du? Sie kommen aber und zahlen 20 Euro, um uns eineinhalb Stunden spielen zu sehen. Es ist also für die Fans.

Ihr seid in letzter Zeit viel auf Tour. Wie könnt ihr das mit euren Jobs arrangieren?
(lacht) Es ist ein Krampf! Es variiert, wir haben zwar alle einen ganz guten Rhythmus gefunden, aber es ist ziemlich schwer in einer tourenden Band zu sein. Ich denke, wir haben Glück, dass wir gute Chefs haben. Wenn du nicht ständig auf Tour bist musst du arbeiten und wenn du arbeitest ist es schwer auf Tour zu gehen (lacht). Es ist sehr schwer das auszubalancieren. Ich kann nicht sagen, dass wir das schon gemeistert haben, aber ich glaube wir würden lieber mehr touren und weniger arbeiten (lacht). Das ist der Traum.

Du bist vor kurzem Marketing Vizepräsident von Nanolog Audio geworden.
Ja, das stimmt, danke!

Die Firma verkauft Pedale für Gitarren. Spielst du auch selbst Gitarre?
Ich spiele Gitarre. Etwa zehn Jahre lange habe ich sogar Gitarren in einem Musikladen verkauft. Ich bin nicht annähernd so gut wie meine Bandkollegen, aber ein bisschen SCORPIONS kann ich spielen. Ich muss sagen, ich hatte Glück, denn das ist der perfekte Job um auf Tour zu gehen. Außerdem ist es eine großartige Firma, ein tolles Gitarrenpedal und ich freue mich auf die Zukunft.

Ihr habt Steckbriefe auf eurer Facebook-Seite veröffentlicht. Auf die Frage was das Schlimmste daran ist in einer Band zu sein, gaben alle ziemlich nachvollziehbare Antworten, du z.B.: “das Bankkonto” (Adam lacht), aber William meinte, das Schlimmste seien Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll. Warum glaubst du, hat er das gesagt?
(lacht) Warum es das Schlimmste ist? Keine Ahnung. Es ist ermüdend, das Leben auf Tour macht dich fertig. Alle scheinen zu glauben, wir machen Urlaub, etwa: “Oh, wir gehen jetzt für drei Monate auf Tour! Das wird ein Riesenspaß!“ Es macht Spaß, aber jeder will ständig mit der Band trinken. Das ist zwar cool, aber sieben Tage die Woche trinken, sieben Tage die Woche spielen, da wirst du einfach physisch und psychisch erschöpft! Am Schluss willst du dich nur noch zu Hause in deinem Keller verstecken. (lacht) Nach dem Motto: „Bitte redet mich nicht an!“ Ich nehme an, dass er das gemeint hat, aber wer weiß, vielleicht gibt es da ein paar Geheimnisse von denen ich nichts weiß (lacht).

Auch das Reisen muss ziemlich anstrengend sein.
Das Touren? Ja, selbst eine kleine Tour. Und dann wird dir klar, dass wir jetzt wahrscheinlich drei Monate auf Tour vor uns haben, von September bis November oder Dezember. Das wird lange, aber das gehört halt dazu.

Wenn ihr nach Europa kommt, mit dem Zeitunterschied, bekommt ihr da Jetlag?
Wir haben das zwar schon fast gemeistert, aber ja, du bekommst immer Jetlag, darfst aber nicht einschlafen. Nur eine Regel, wenn du hierher kommst. musst du wach bleiben, in eine Bar gehen, tun als wäre es ein normaler Tag.

Ihr habt auch eure Lieblingsgigs genannt. Ist es für eine Band die so viel getourt hat, überhaupt möglich sich an alle zu erinnern?
Überhaupt erinnern? (lacht) Ja und nein. Die außergewöhnlichen bleiben dir immer besonders im Gedächtnis. Etwa haben wir 2012 für METALLICA eröffnet, unvergesslich. Für mich das Headbangers Open Air Festival, das war, glaube ich, 2015, das war ein unglaubliches Erlebnis. Das Publikum hat gepasst, die Zeit war richtig, wir haben gut gespielt, das war halt einer dieser Momente. Oder gestern haben wir auf dem Bang Your Head gespielt, das war auch unvergesslich. Also es gibt definitiv Highlights, an die sich jeder wohl immer erinnern wird. Oder unsere erste Show in Spanien, wo alle mitsangen und wir dachten uns: „Ach, du heilige Scheiße!“ (lacht) das ist Wahnsinn! Ja, also diese Momente bestimmt, aber dann gibt es auch ein paar Gigs, du weißt, mitten in den USA an einem Mittwoch, an die du dich nie erinnern wirst. (lacht)

Was macht für dich einen guten Gig aus?
So viele Dinge. Wahrscheinlich vor allem die Fans. Als Drummer bin ich immer im Hintergrund und kann nicht so gut interagieren. Wenn das Publikum nur rumsteht ist es schwer es einzunehmen, es ist schwer Spaß zu haben, aber wenn Energie im Publikum ist, kannst du davon zehren, du fühlst dich viel besser. Für mich ist das wahrscheinlich die größte Sache.

Spielt ihr neue Songs oder noch nicht, da Leute mit Smartphones da sind, die alles aufnehmen und es auf YouTube stellen?
Wir werden heute Nacht einen neuen spielen [“Heart of Lies”]. Wegen dem YouTube Zeugs mache ich mir keine Gedanken, aber wir haben das gemerkt, als wir andere Bands gesehen haben, die zu viele neue Songs gespielt haben, die noch keiner gehört hat, keiner weiß was er tun soll, keiner kennt den Text, sie wissen nicht was passiert. Es ist eine neue Erfahrung für Fans, einen neuen Song zu hören. Eine meiner Lieblingsbands kam nach Edmonton, ich kenne ihre Musik wirklich gut, aber die spielten diese ganzen neuen Songs und ich fragte mich: „Wer sind die Typen?“ Sie haben keinen Song gespielt, den ich hören wollte. Deshalb limitieren wir es auf einen, als Vorgeschmack, der dich hoffentlich für das neue Album begeistert.
 

 


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