Bassinvaders - Markus Grosskopf

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Hört euch doch mal die BASSINVADERS Sachen ganz einfach als Songs an! Lasst euch einfach mal drauf ein - ohne im Kopf zu haben, dass es sich um ein Album ohne Gitarren handelt!

Ein gut gelaunter und redseliger Markus Grosskopf über die Voraussetungen um die BASSINVADERS auf die Bühne zu bekommen, die Möglichkeiten der modernen Technologie, den Entstehungsprozess dieses ambitionierten Projektes und noch viel mehr......

Text: El Greco
Veröffentlicht am 03.02.2008

Als das Telefon klingelte, war eine Legende traditionellen Metal am anderen Ende der Leitung: MArkus Grosskopf von HELLOWEEN, der ja bekanntlich sein interessantes Projekt namens BASSINVADERS startete. Um Herrn Grosskopf zu beschreiben reichen wenige Worte nicht wirklich aus. Wenn eine solche Kurzbeschreibung getroffen werden müsste, wären die Eigenschaften geduldig, gut gelaunt, redselig, sympathisch, locker, höflich und definitiv auch witzig passend.
Gleich zu Beginn des Gesprächs bekam ich deshalb folgende Anekdote zu hören, die ich euch auch nicht vorenthalten will:

O-Ton Markus:
'Da hab ich doch tatsächlich vorhin bei einer Frau angerufen und gesagt "Da ist der Markus von HELLOWEEN, ich rufe an wegen dem Interview!". Sie sagte: "Worum gehts?" "Jo, um das BASSINVADERS Interview!"
Woraufhin sie entgegnete: "Da bin ich nicht daran interessiert" und auflegte.'
Tja, die Gefahr der Phoner Interviews. Wenn die Dame nur gewusst hätte, mit wem sie da das Vergnügen hatte! ;-)
Aber nun zum Interview!


Servus Markus! Freut mich, dass wir mal plaudern können! ;-)
Moin moin! Schon auf den Beinen? ;-)
Wo kommst du nun eigentlich er?

Aus Oberösterreich, bzw. der Nähe von Linz. Sozusagen "zentral-Österreich".
Aha, da haben wir in der Nähe gespielt?!

Muss schon etwas her sein. Grundsätzlich sind die Österreich Termine von HELLOWEEN eher rar gesät!
Jo, scheint nicht so eine gute Ecke zu sein für uns. Sonst würden sie uns zumindest öfter buchen.

Ich selbst finde es auch schade, dass die traditionellen Metal Bands in Österreich nicht so oft gebucht werden. V.a. im Vergleich zu Death Metal oder Black Metal Bands, die doch in einer viel größeren Anzahl durch Austria tingeln...
Ja, da ist in der Hinsicht mehr los bei euch, ne? Naja, schade eigentlich. ;)

Versucht es doch einfach mal wieder bei uns. Auch die BASSINVADERS könnten den Markt ja mal austesten....
Vielleicht läuft dann alles gerade deshalb so gut, weil wir dann längere Zeit nicht dort waren. Naja, wir werden sehen was da die Zukunft bringt, ne? ;-)

Nun aber zum "tatsächlichen" Interview, bevor wir uns komplett "verplaudern". ;-) Zuerst mal Gratulation zum starken Album! Wie Du meinem Review entnehmen konntest, war ich äußerst zufrieden mit "Hellbassbeaters"....
Danke schön! Du hast mir ja den Link geschickt, und ich hab mir natürlich das review angesehen!

Stimmt es eigentlich tatsächlich, dass du sozusagen im Suff auf die Idee gekommen bist dieses Projekt zu starten, oder ist das nur "Plattenfirmen-Propaganda"?
Och naja, ein paar Bier hatte ich schon getrunken. Du weißt ja wie das ist, wenn man am Tresen sitzt und mit den Leuten schnackt. Da werden oft gute Ideen geboren! Leider werden sie nur selten in die Tat umgesetzt. Doch dieses Mal dachte ich mir, dass ich das auf jeden Fall tatsächlich machen sollte!
Ich hatte auch etwas Panik, dass irgendjemand mal auf die Idee kommt, und es sozusagen vor mir macht. Deshalb hab ich das dann auch sofort in Angriff genommen!

Ein guter Punkt: Im traditionellen Metal Bereich fällt mir nun auch spontan niemand ein, der dieses Experiment gewagt hätte....
Eben, aber es hätte durchaus sein können. Ich hab ja auch mit D.D. Verni geplaudert - der ja ebenfalls ein Solo beigesteuert hat - und der hat mir mitgeteilt, dass auch er mal diese Idee hatte. Nur ist er dann im Endeffekt nicht dazu gekommen. Joey Vera meinte ebenfalls, dass es mal an der Zeit sei, dass jemand mal so ein Projekt durchzieht. Wahrscheinlich hatte auch er schon mal die gleiche Idee. Anscheinend war ich wirklich nicht der einzige!

Die einzigen, die mir zu diesem Thema jetzt spontan einfallen sind NECROMANTIA! Auch wenn das natürlich eine komplett andere Sparte ist...
Ach ja? Die haben auch nur Bässe verwendet? Kannte ich gar nicht - zum Glück nannten sie sich nicht BASSINVADERS. ;-)

Stimmt! ;) Die Herren hatten angeblich nur keinen Gitarristen und haben sich dann entschlossen ihren ureigenen Underground Black Metal one Gitarren durchzuziehen.
Wirklich? Sehr interessant! Da muss ich mal reinhören!

Was mir auch aufgefallen ist anhand der wirklich langen Gästeliste des BASSINVADERS-Projekts: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit all den Musikern? Du wirst sie ja wohl kaum alle einfach angerufen und sozusagen zur Zusammenarbeit eingeladen haben?
Ne, um Rudy Sarzo, Billy Sheehan o.ä. zu kontaktieren, muss man doch etwas behutsamer vorgehen. Dafür hab ich viel im Internet geforscht. Wo sind da nun die Kontaktmöglichkeiten etc.? Teilweise kannte ich diese Musiker ja gar nicht persönlich, sondern nur als Teil des Publikums bei einem Konzert. Das war sozusagen früher unser Verhältnis. Inzwischen mailen wir uns natürlich schon gelegentlich mal. ;-)
Grundsätzlich hab ich mir lange überlegt, wen ich da nun genau als Gast dabei haben möchte. Natürlich sind das einerseits viele Kumpels, aber eben auch Leute die mich bereits früher inspiriert haben, bzw. deren Karriere ich verfolgt habe. Rudy Sarzo z.B. hab ich bereits Anfang der 80er mit Quiet Riot erlebt. Bei Billy Sheehan war es da ähnlich. Früher hab ich ja eher Punk gehört, sowieso Bands wie die STRAY CATS, da deren Musik einfach eine geile Energie rüberbringt. Da wars dann relativ klar, welche Leute ich dabei haben möchte. Nach der Internet Recherche und myspace Kontakten, half mir auch die japanische Plattenfirma mit Adressen/Nummern etc. etwas weiter.
Zusammenarbeiten konnten wir in dem Sinne von Angesicht zu Angesicht ja nicht, da es so viele Leute aus verschiedenen Teilen der Welt waren, die da mitwirkten. Ich konnte auch nicht zu jedem fliegen, da das Budget natürlich nicht groß genug dafür gewesen wäre. Sonst wäre kein Budget mehr fürs Studio geblieben. Auch die Zeit wäre dafür kaum vorhanden gewesen.
Ich hab die ganzen Playbacks auf den Server geladen, sie haben sie runtergeladen, ihre Soli gespielt und dann wieder auf den Server gepackt. Wir haben also mit der modernsten Technik gearbeitet, sonst hätte ich das nie geschafft. Ich hätte es liebend gerne anders gemacht, aber da viele irgendwo in Amerika hausen, hätte ich dafür wohl ein Jahr in der Weltgeschichte herumfahren müssen.

Negativ aufgefallen ist mir die Tatsache, dass relativ wenig Trubel um die Veröffentlichung stattfand, obwohl so viele Größen des Genres aktiv sind auf "Hellbassbeaters". Hat das Label die Promotion etwas verschlafen? Ich hab bisher kaum Artikel über die BASSINVADERS finden können.....
Nun ja, Projekte sind von Natur aus eine etwas schwierige Sache. Was ich da bei Frontiers sehr gute finde: Ich mache momentan viele Interviews auch bei Radiostationen etc. Da leisten sie schon gute Arbeit! Es ist schon schwierig mit so einem Projekt die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen - da eben keine Gitarren auf "Hellbassbeaters" zu hören sind, bekommt man von teilweise schon richtig beschissene Reaktionen. Aber gut, damit muss ich wohl leben.

Also musstest du aufgrund der Tatsache, dass du dir dieses Maß an Innovation zugetraut hast, doch einiges an Kritik einstecken?
Hm, die Reaktionen waren sehr gemischt. Manche haben das Projekt gleich mal ordentlich kritisiert, während andere es wiederum sehr geil fanden. Aber ich war ganz zufrieden - es ist schließlich besser unterschiedliche Reaktionen zu bekommen als komplett ignoriert zu werden. ;)

Besser eine schlechte Reaktion als keine, hm? ;)
Klar! Die ganze Sache war gleich zu Beginn sehr schwierig, weil die Leute keine Ahnung hatten was ich eigentlich damit wollte. Die dachten zuerst, ich mach so eine Fachblatt-Kacke in der ein Basslauf den nächsten jagt. Demnach musste ich zuerst Demos machen und sie mit Apollo ausarbeiten, um den Leuten zu zeigen was ich eigentlich machen will. Ich wollte einfach Songs schreiben!

Und jene sind dann auch wirklich sehr unterschiedlich geworden. War das von Beginn an dein Plan auf diese Vielseitigkeit zu setzen, oder war das ein natürlicher Lauf der Dinge?
Das war schon so geplant! Ich hatte auch keinen Bock alles alleine zu machen, und alleine im Studio zu sitzen und rumzuwerken. Das hätte ich natürlich machen können und eben einfach 6-7 Songs mehr schreiben können. Aber ich wollte daran schon andere Leute teilhaben lassen. Schmier, Peavy und Tom haben ihre jeweiligen Songs ja auch selbst geschrieben! Diese Vielseitigkeit wollte ich sowieso drin haben. Vor allem sind singende Bassspieler wie diese drei Jungs, ja wirklich prädestiniert für dieses Projekt! Zudem wollte ich auch einfach nicht ganz alleine arbeiten. Wir kennen uns ja auch schon sehr lange! Wir sind alle vier ja bereits seit über 20 Jahren im Geschäft, da wissen wir worums geht. Ich habe ihnen jeweils gesagt, was ich ungefähr haben will und dann war es gar kein Problem für die drei dies durchzuführen!

Und auch die logistischen Schwierigkeiten dürfte bei der Zusammenarbeit mit diesen drei Herren keine so negative Rolle gespielt haben.....
Och, das war kein großes Problem. Ab und an war das Timing etwas schwierig, da alle Bands eben auch auf Tour waren, bzw. Festivals gespielt haben und demnach viel unterwegs waren.

Was natürlich auch keine gemeinsame Tour um einiges erschwert, falls sowas eigentlich geplant ist?!
Geplant ist bislang noch nix! Das hängt natürlich auch in erster Linie von den Verkaufszahlen ab! Wenn sich die Platte gut verkauft, und uns die Veranstalter daraufhin haben wollen - warum nicht? Aber die Veranstalter müssen natürlich schon wirkliches Interesse daran haben, bzw. anfragen. Aufdrängen werd ich mich da nicht, wenn es kaum jemanden interessiert. Falls es jemanden interessiert und sich das zeitlich machen lässt (alleine HELLOWEEN spielen ja bereits 6-7 Festivals und dies darf sich natürlich nicht überschneiden), wäre es sicher eine Überlegung wert. Natürlich müssten wir uns in diesem Fall auch was besonderes ausdenken. Drei Bässe? Da muss ja auch irgendwo ein Schlagzeug rein und der Gesang sowieso. Drei Bässe machen den Spielraum gewissermaßen "zu", deshalb müsste man da schon eine Woche o.ä. im Vorfeld alles zu arrangieren versuchen, um eine Top-Leistung bringen zu können. Aber grundsätzlich wär ich sicher nicht abgeneigt dafür!

Ich denke, dass dies v.a. live sehr interessant klingen könnte. Sicher ein interessantes Experiment!
Denk ich auch! Wäre sicher spannend, dies umzusetzen...

Schließlich fristet der Bass im Metal Genre sowieso ein stiefmütterliches Dasein....
Jo, man tut immer so seinen Dienst, ne? Bei vielen Metal Produktionen hört man den Bass kaum raus, aber man spürt ihn sozusagen. Man würde es eher als störend empfinden wenn er nicht da wäre. Das ist eher so eine Gefühlssache!

In der Live Situation ist dies natürlich alles ganz anders. Mir ist oft aufgefallen, dass der Bass die Gitarren nicht selten eher erdrückt, bzw. an die Wand spielt. Was natürlich dann hauptsächlich an den Mischern liegt....
Ja, live ist das natürlich anders. Da hat man mehr Möglichkeiten sozusagen hart zu arbeiten. Und es liegt in der Natur des Basses sich da etwas "breit zu machen". ;-)

Der Aufnahmeprozess hat sich bei "Hellbassbeaters" sicher ganz anders gestaltet als bei anderen Platten auf denen du mitgewirkt hast. Bitte erklär uns doch mal die Unterschiede beim Aufnahmeprozess!
Jo, da ist natürlich einiges ziemlich unterschiedlich zu den sonstigen Aufnahmeprozessen abgelaufen. Dies liegt vor allem an der grundsätzlichen Herangehensweise, da man nun sozusagen drei Lead-Instrumente hat, und nicht zwei Gitarren mit dem Bass unterstützt. Die Technik ist da teilweise ganz eine andere. Du kannst ja mit Bassgitarren beispielsweise da nicht fette Stakkatos spielen, sonst wird das mit drei Bässen schnell matschig. Deshalb hab ich mir da eher etwas rhytmisches ausgedacht, das mit dem Schlagzeug sozusagen zusammen arbeitet. Ich hab ja sonst eher so eine Art Melodie oder einen Refrain im Kopf, daraufhin such ich mir die geeignete Tonart aus, und dann kann man sozusagen die Gitarren darum bauen. Wenn du Bässe darum legst, muss man dabei ganz anders vorgehen. Sicher hätte ich auch mit einem fetten Six String Bass agieren können, und damit Akkorde spielen können. Doch das wollte ich nicht. Ich wollte genau so reduziert wie bei HELLOWEEN spielen, mit meinem 4-string Bass und sozusagen bei den Basics bleiben, damit es auch relativ straight bleibt. Vielleicht mal ein five-string bass, aber dann reicht das schon wieder. Sehr spezielle Dinge wollte ich nicht mit einbeziehen.

Also wolltest du die Technik eher als Mittel zum Zweck einsetzen, statt mit technischem Schnickschnack zu brillieren?!
Jo, genau. Fachblatt-Zeugs interessiert mich da gar nicht. Es sollte schon straight bleiben!
Ich hab die Bässe auch recht verzerrt, bzw. die Teile durch diverse alte Fender-oder Marshall Verstärker geschickt um sie zu verzerren. Und das verzerrte Signal hab ich dann einfach dazugepackt. Das ergibt viele verschiedene Möglichkeiten und eine größere Auswahl an Dingen, die man dann tatsächlich nehmen kann für den jeweiligen Song. Das war schon sehr interessant!

Willst du das BASSINAVDERS Projekt jetzt eigentlich als bloßes Projekt behandeln, oder siehst du die BASSINVADERS als "reguläre Zweitband" in der Zukunft?
Grundsätzlich würd ich die BASSINVADERS schon sehr gerne am laufen halten in der Zukunft! Das hängt natürlich davon ab, wie erfolgreich das Projekt nun läuft. Ob ich dann auch wirklich eine zweite Chance bekomme dies weiter zu führen! So einfach wird es sicher nicht werden. Bei Projekten sind die Leute immer etwas skeptisch - wenns dann noch so ein spezielles Projekt ist, wirds wohl auch nicht unbedingt leichter. Viele neigen dazu, die Songs ihren Bassisten vorspielen zu wollen. Doch die Songs auf BASSINVADERS sind nicht nur was für Bassisten, bzw. v.a. basstechnisch interessant! Darauf sind ganz einfach Songs, die man sich anhören kann auch wenn man kein Bassist ist. Das werden die Leute merken, wenn sie reinhören.

Um ehrlich zu sein war auch ich zu Beginn skeptisch ob das funktionieren könnte!
Kann ich verstehen. Die Leute muss man da wohl etwas ranführen an die ganze Sache. Doch das "wie" ist durchaus problematisch. Wenn jeder von Beginn an eher daran denkt, wie es mit Gitarren klingen würde, anstatt sich die Songs so anzuhören wie sie nun mal sind, wird es natürlich alles andere als einfach. Ich hoffe, dass sich viele der Songs einfach mal so annehmen, wie sie sind. Klar ist das manchmal nicht so leicht, weil das übliche Denken mitschwingt. Gitarren sind nunmal sonst eine sehr wichtige Zutat beim Metal. Sie wegzudenken bzw. durch mehr Bässe zu ersetzen ist nicht leicht. Manche liebens, und manche hassens. ;-)
Das ist auch gut so. Wenn mans so angenehm gestaltet, dass jeder es lieben sollte, klingts schon wieder angebiedert.

Schließlich geht es ja beim Metal auch um Authentizität, und nicht darum von jedem geliebt zu werden, oder?
Genau so ist das! Man muss auch gehasst werden - natürlich nur von manchen! ;)

Vor allem der traditionelle Metal könnte dies als Impuls nehmen, sich doch wieder etwas mehr zuzutrauen. Momentan treten die traditionellen Stile doch eher auf der Stelle.
Ja gut. Meine momentane Lieblingsscheibe ist FIREWIND's "Allegiance". Aber ich mag auch andere Metal Stile. So gehört z.B. "Figure Nr. 5" von SOILWORK zu meinen absoluten Lieblingsscheiben. Trotzdem hör ich mir auch mal gerne eine gute Blues oder Soul Scheibe an, wenn sie gut gemacht ist. Auch Rockabilly hat teilweise diese Energie, die mich an der Musik fasziniert.

Also bist du grundsätzlich jedem Musik Genre offen, solange die Musik gut gemacht ist?
Schon, wobei ich Free Jazz oder Jazz Dinge weniger mag, ganz einfach weil es mir zu frickelig ist, und ich mich da nicht so reinhören kann. Ich brauche eben immer diese Aggression oder Energie in der Musik die mich mitreißt. Metal ist nunmal der Stil, mit dem ich mich am besten ausdrücken kann und mit dem ich mich am leichtesten identifizieren kann.

Wie du mir erzählst hast, bist du also vom Punk Rock sozusagen zum Metal übergegangen in deinen jungen Jahren?
Genau! Zuerst hab ich die SEX PISTOLS und die RAMONES gehört, und dann eben auch die STRAY CATS und sowas. Später bin ich dann vermehrt zum Metal gekommen, und hab zu Beginn v.a. AC/DC, KISS, TED NUGENT und solche Sachen gehört.

Hast du dies sozusagen erlernt von Freunden oder Verwandten?
Jo, damals hat man diese Sachen ja auch überall gehört, und ich kannte eben auch viele die sich hauptsächlich mit Rock Musik beschäftigt haben. Dann kam OZZY oder auch MICHAEL SCHENKER, die mich faszinierten. Ich hab mich dann sozusagen vor- und zurückgehört. Also immer die neuen Sachen von denen geholt, und aber auch gleichzeitig deren altes Zeugs von BLACK SABBATH oder eben UFO gekauft. Die haben mir also mit ihren damals aktuellen Werken einen Mittelpunkt gegeben und mich gleichzeitig auf eine Zeitreise in ihre Vergangenheit mitgenommen.

Eine Frage, auf die es zumeist keine definitive Antwort gibt. Inwiefern ist die Technologie nun ein Fluch oder ein Segen? V.a. in Anbetracht der mp3-Downloads einerseits, aber auch im Hinblick auf die neuen Möglichkeiten, die sich für Musiker ergeben. Wie würdest Du das beurteilen?
Schwierige Frage. Es hat wohl alles zwei Seiten. Man muss alles so benutzen wie es für einen am besten ist, aber natürlich muss man sich dafür etwas auskennen. Wenn man sich zu wenig auskennt, benutzt einen die Technik und nicht umgekehrt. Dann hält es einen zu sehr auf, ohne wirklich positive Effekte mit sich zu bringen. Ich versuche wiederum die Technik zu benutzen, was mir vor allem mit den BASSINVADERS sehr geholfen hat. Sonst wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich habs auf den Server gestellt und dann allen erläutert, was sie machen müssen. Manche tun sich etwas schwerer als andere, aber grundsätzlich hat das bestens geklappt und es war alles beste Qualität was ich bekommen hab. Auch bei HELLOWEEN machen wirs schon ähnlich inzwischen. Wir sind 7 Monate oder so auf Tour, und dann kommen wir heim und schreiben Songs. Danach sollten wir auch schon wieder ins Studio. So nehme ich meine Bassparts teilweise in Hamburg auf und schicke sie dann dem Charlie. Das ermöglicht mir natürlich auch meine Familie wieder länger zu sehen und wieder mit einigen Kumpels rumhängen zu können. Nach einem 3/4 Jahr auf Tour ist das natürlich schön, und lässt einen nicht rapellig werden weil man auch nach 9 Monaten Tour gleich wieder drei Monate im Studio verbringt mit den selben Leuten, mit denen man sonst auch rumhängt im Bus. D.h. aber natürlich nicht, dass wir nicht mehr proben. Wir proben durchaus lange und feilen an diversen Dingen, bzw. diskutieren einiges. Aber natürlich ist es schön, nicht im Studio warten zu müssen bis man dran ist, sondern auch zuhause bereits einiges machen zu können.

Für dich ist dies also eindeutig eher Segen als Fluch! ;-)
Absolut! Wenn man natürlich nicht damit umgehen kann, ist dies eine ganz anderer Fall. ;-)
Bei Mp3 Downloads ist das wieder eine andere Sache: Da wissen die Leute auch genau, wie sie damit umzugehen haben, nützen dies aber teilweise sozusagen auf eine kriminelle Art und Weise.
Es birgt sicher auch Gefahren in sich, v.a. in kriminellen Zweigen. Im Internet kann man eben auch mehr oder weniger alles machen was man will, ohne dass jemand so einfach draufkommt.
Es verändern sich die Rahmenbedingungen selbstverständlich auch. Die HELLOWEEN Platte war zwei Wochen vor der Veröffentlichung bereits im Internet zu finden und bei der BASSINVADERS Platte passierte ähnliches. Sowas kann man nicht mehr verhindern leider.

Wahrscheinlich muss man einfach auf die momentanen Umstände anders reagieren als man dies in der Vergangenheit getan hat, oder?
Genau! Bei uns gabs bei der letzten CD auch eine Internet Single, die dann eben gar nicht mehr als gepresste Veröffentlichung erschien. Die Dinge verändern sich. Sicherlich finden es viele sehr schade, dass man von den LPs auf CDs umgestiegen ist, und nun eine ganz andere Cover Gestaltung erfolgen muss, damit die auch in jenem kleinen Format noch gut aussehen. In Zukunft wird die Veränderung eventuell sogar dahin gehen, den Großteil über das Internet zu machen. Auch wenn man das eigentlich scheisse findet, muss man den Weg gezwungenermaßen mitgehen. Sonst kann man sich gleich vom Markt verabschieden.

Also besteht heute eine große Anforderung an den Musiker darin, flexibel zu sein?
Ja, man muss sich auf dies alles einstellen können. Wir versuchen immer in limitierter Auflage auch LPs pressen zu lassen, doch ist dies gar nicht mehr so einfach weil man kaum noch ein Presswerk findet. Ich fand die LPs auch immer klasse. Doch auch wenn man diese Entwicklung schlecht findet: Man muss sich anpassen, wenn man davon leben will. Man kanns ja auch scheisse finden, wenn der Kühlschrank leer ist... ;-)

Zum Abschluss des Interviews noch zwei Fragen, die durchaus zusammen hängen: Was bedeutet Metal heute für Dich und könnte man dich auch in 15 Jahren noch "on stage" erleben? ;-)
Naja, grundsätzlich gibt es da ja keine Altersvorgabe. Man muss sich immer bemühen so interessante Musik zu gestalten, wie es irgendwie möglich ist. Wenn die Leute mich auch in 15 Jahren noch sehen wollen, werd ich mir auch dann meinen Bass umhängen und auf die Bühne gehen, klar!
Zur Bedeutung des Metal für mich: Metal ist für mich da kein wirklicher Beruf, sondern einfach ein großer Teil des Lebens. Ich denk mir da nicht, dass ich zur Arbeit gehe wenn ich im Tourbus sitze mit 16 anderen Leuten. Es ist ja auch nicht so als ob mich das furchtbar ankotzen würde. Ganz im Gegenteil: Das ist sozusagen meine Familie! Ich mach das schon seit 24 Jahren, weshalb ich das wohl eher als Teil meines Lebens denn als Beruf sehe. Zuhause bin ich sicherlich auch, und auch das ist Teil meines Lebens. Ich wache dort aber teilweise mitten in der Nacht auf, weil mir eine Melodie einfällt.

Also kein Ende der Motivation in Sicht? ;-)
Nönö, ich brech zwar mal aus wie z.B. mit den BASSINVADERS, aber grundsätzlich dreht sich mein Leben hauptsächlich um solche Sachen.

Vielen Dank für das ausführliche Interview! Gibts noch die berühmten "letzten Worte", die du an unsere Leser richten möchtest?
Ja, hört euch doch mal die BASSINVADERS Sachen unter dem eigentlichen Aspekt, also ganz einfach als Songs an! Lasst euch einfach mal drauf ein, ohne im Kopf zu haben, dass es sich um ein Album ohne Gitarren handelt. Und ansonsten...... PROST! ;-)


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