TOT AUS DEM WALD - Falk Hummel

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...ich (...) wurde raptusartig von zwei Polizisten gegen die nächste Wand gedrückt, nachdem sie durch die geöffnete Pforte drängten. Nachbarn hätten gemeldet, dass hier seit Stunden ein kleines Kind schreien und wohl gefoltert würde

Der fette Kokainsüchtige steht auf Partnertausch! Wir kennen seinen Namen und seinen Wohnort!

Veröffentlicht am 06.06.2019

Jetzt wirds hart, Freunde der Fünf vor Zwölf. Falk Hummel, Masterscreamer und Allroundboss von TOT AUS DEM WALD, öffnen euch das pechfeinste Stöffchen Undergroundschwärze, das ihr euch in den Gehörgang kippen könnt. In einer Atmosphäre aus 1950er Independent-Black-Punk, Genie, Wahnsinn und bitumenhaltiger Satire, blüht seine Bescheidenheit außerordentlich gut. Wir legen euch dieses Hidden Coal Briquette wärmstens an die Teerlunge und headbangen eine Weile im Takt seiner Antworten.


Stell dir eine Schildkröte vor, die in der prallen Wüstensonne auf dem Rücken liegt. Du hilfst ihr nicht.

Was heißt „Ich helfe nicht“? Soll das Tier in der prallen Wüstensonne elendig verenden und ich nun korrekte, menschliche Emotionen zeigen, damit ich ein Mensch bin und keine Maschine? Müsste es mir dann egal sein oder eben nicht? Ist der Mensch des Menschen Mensch oder des Menschen Wolf?

Ersteres. War „Unkonventionell“ auch mal besser oder wird´s wieder?

Besser wird es nie, denn die Hoffnung stirbt zuletzt, aber wichtig ist, dass sie stirbt. Aber danke der Nachfrage, die Arbeit am neuen Album läuft, die Aufnahmen sind zum großen Teil im Kasten und innerhalb der nächsten zwei Monate sollte alles fertig sein, um der Menschheit den beschissenen Sommer zu urinieren.

Muss man sich Sorgen machen?

Ein „Muss“ ist ja immer mit einem „Ziel“ verknüpft. Ich muss essen, wenn ich nicht hungern möchte. Wenn ich also bspw. das Ziel verfolge, mir sinnende Denkerfalten auf der Denkerstirn anzutrainieren, dann wäre „sich Sorgen machen“ durchaus ein probates Mittel.

Hallo Falk! Heute schon in Konflikt mit dem Gesetzt geraten?

Heute nicht, aber dies ist bereits passiert im Kontext von „Aufnahmen erstellen“. Ja, ja, ja, nicht so ungeduldig, mein junger Spund, ich erzähle ja schon. Damals ward ich naiv und unbedarft und nutzte einen Samstagmittag, um Vocals in der Wohnung einzukreischen. Warum ich mir damals nichts dabei dachte, weiß ich natürlich nicht, denn wenn man sich nichts denkt, dann weiß man ja auch nichts. Na, wie dem auch sei. Nachdem ich ein leichtes Hüngerli verspürte und die Kopfhörer weglegte, um in Richtung Küche zu schweben, vernahm ich von unten ein polterndes Hämmern gegen die Eingangstüre. Überrascht ob dieser energetischen Darbietung schnellte ich dorthin, um zu öffnen und wurde raptusartig von zwei Polizisten gegen die nächste Wand gedrückt, nachdem sie durch die geöffnete Pforte drängten. Nachbarn hätten gemeldet, dass hier seit Stunden ein kleines Kind schreien und wohl gefoltert würde. Innerlich ward ich erleichtert, dass ich derlei Aktionen nur in meinen geheimen Waldbunkern durchführe und so konnte ich mit der Wahrheit glänzen, nämlich, dass es sich nur um „Gesangs“-Aufnahmen handele. Die Polizisten waren dann sogar sehr freundlich und interessiert. Ich zeigte ihnen die Aufnahmen. Sie fanden dies kurios bis beinahe wohlwollend interessant, da sie scheinbar mit Metal oder alternativer Musik generell bisher in ihrem Leben überhaupt keine Berührungspunkte hatten. Scherzend gingen sie dann wieder und baten mich lediglich, bei den Nachbarn mal zu klingeln und Entwarnung zu geben. So blieben glücklicherweise auch die Leichenteile in der Badewanne unbemerkt. Allerdings habe ich daraus gelernt und seitdem entstehen die Vocals im Auto. Hierbei ist es wichtig, möglichst true satanische Plätze aufzusuchen. In meinem Falle- aufgrund der Gegebenheiten vor Ort- handelt es sich dabei meist um einen Parkplatz vor einer KiTa oder einem Schulhof einer Sprachförderschule, da man dort zu nächtlicher Stunde sehr ungestört ist. Wahre Begebenheit.

Bevor ich noch auf die Idee komme, eigene Anekdoten auszupacken, erzähle uns doch bitte ein wenig von deinen Alpträumen.

Jeder Mensch träumt ja, allerdings wird das unterschiedlich erinnert, häufig auch gar nicht und das wird dann landläufig als „Ich habe nicht(s) geträumt“ interpretiert. Zeitgleich haben Trauminhalte keine archetypische Bedeutung, das ist wissenschaftlich betrachtet Unsinn und stellen lediglich normale Verarbeitungsprozesse dar, denen man besser keine große Bedeutung beimessen sollte, ähnlich wie beim Kaffeesatzlesen. Jedoch beschäftigt mich derzeit tatsächlich ein Thema, was mich manchmal im Schlafe hochschrecken lässt. In klassischer Manier reiße ich mir dann die Toga von der Schulter und schreie „Vater!“ gen Himmel. Seit anderthalb Jahren habe ich ein Buch bei einem Verlag eingereicht und warte auf (idealerweise) die Veröffentlichung. Jedoch werde ich immer nur vertröstet, hingehalten und regelmäßig ignoriert. Das ist äußerst demütigend, obwohl ich zielorientiert jeglichen Selbstwert zurückstelle und mich so freundlich immer wieder anbiedere, wie es kein Ratgeber sozialer Kompetenz besser ausdrücken könnte. Innerlich stinkt mir das Ganze aber gewaltig. Wo bleibt die Anerkennung, Wertschätzung und Bewunderung, die mir, dem Nexus-6, gefälligst zusteht?

Hallo Falk… Wir begegnen uns heute zum ersten Mal. Die Begrüßung fiel vorheriges Mal herzlicher aus. Hast du manchmal Deja-vu Erlebnisse?

Nein, eigentlich äußerst selten und auch dann messe ich dem keine Bedeutung bei, da es ja nur eine Form der Erinnerungstäuschung ist. Dass die Begrüßung weniger herzlich ausfällt, ist ja auch nicht böse gemeint. Ich wollte lediglich auf eine Umarmung verzichten, da ich etwas irritiert ward, dass Du erneut nackt und mit Exkrementen auf der Epidermis verziert vorstellig wurdest.

Seltsam. Ich kann mich gar nicht daran erinnern. AKK oder PKK?

Äh, ganz klar KKK, die Tochter von Annegret und Pelmut namens Kevina (gut, dass es die weibliche Form von Kevin tatsächlich offiziell gibt.....das hat die Welt dringend gebraucht).

Dann frage ich mal nicht nach Pelmut... Leichtsinn oder Schwerelos?

Würde ich ja persönlich weniger dichotomisiert als auf einem ähnlichen Kontinuumspole angesiedelt sehen. Liegt mir aber beides nicht. Leichtsinn ist rational betrachtet doch irgendwie dumm und „Schwerelosigkeit“ im Sinne Unbedarftheit für die Betroffenen selber vielleicht praktisch, aber ich fröne lieber in meiner Freizeit, an der Welt zu verzweifeln.

Was geschieht durch die Verneinung aller Werte?

Simpler Existenzialismus. Die Existenz geht dem Wesen voran und insofern ist -verkürzt ausgedrückt- alles sinnlos (es gibt keine höhere Bedeutungsinstanz). Es bleibt somit, seine eigenen Werte zu definieren und sein Leben nach einem eigenen Sinne zu definieren und zu führen. Die Existenzialisten lösten dies ja sogar sehr humanistisch auf (ist natürlich auch dem Zeitgeist geschuldet vor dem damaligen Hintergrund der Schrecken des zweiten Weltkrieges).

30 km von dir entfernt arbeitet ein Diplom-Psychologe mit deinem Namen. Bist du er?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre doch völlig absurd. Psychologen sind alle weiblich oder männlich minus alle Männlichkeit und tragen Filzpantoffeln zu Mutter-Erde-Ponchos mit rötlich-orangefarbenen Hennalocken.

Wie kommt das?

Vermutlich zu wenig nachgedacht bei der Studienwahl. Aber Spaß beiseite, im musikalischen Kontext finde ich es sogar sehr wichtig, einen Beruf außerhalb der Musik zu haben, da ich persönlich der Meinung bin, dass Musik (oder Filme etc.) authentisch für sich selbst geschaffen werden sollte, ohne auf „Erfolg, Publikum etc.“ schielen zu müssen. Und sobald Bands bspw. erfolgreich sein wollen oder dies hauptberuflich machen oder es finanzielle Verknüpfungen gibt, ist es doch eigentlich eher ein Geschäft.

Apropos "Geschäft" - Was machst du, wenn die Kacke zu dampfen beginnt?

Ich erstelle selbstverständlich sofort ein „Kotie“ und poste dies auf allen sozialen Plattformen, die crazy Silver Surfer wie ich nutzen, also bspw. Studi-VZ oder MySpace.

Befiehl deinen jüngeren Fans oder lieber Ingwertee?

Ach, Mensch, das ist so lieb von Dir, ich bin wirklich, keine Ironie, etwas gerührt... aber wenn ich ehrlich bin, ich habe gar keine Fans. (Lacht) Selbst im Freundeskreise existiert Interesse und Support so gut wie gar nicht und meine Freunde beschäftigen sich damit nur mal kurz gezwungenermaßen, wenn ich ihnen was Neues zeige. Und das machen die dann eher so aus Nettigkeit heraus mir gegenüber. Daher gab es auch nie eine Zugehörigkeit zu irgendeiner Szene. Jede Szene fand es stets aus diesen und diesen Gründen zu inkompatibel. Inkompatibel ist auch der Geschmack von Tee für mich, obwohl ich tatsächlich das britische Ritual einer Teestunde irgendwie anziehend finde. In der kälteren Jahreszeit sitze ich daher gerne mal stilisiert im Tweedanzug auf meiner Chesterfield-Garnitur vor dem Kamin und höre Schallplatten auf einer 50er Jahre Musiktruhe - der Wahnsinn, mit Röhrenverstärker... Würde heute doch kein Mensch mehr so bauen. Das Ding darf niemals kaputt gehen, schon alleine, weil es gefühlte 150kg wiegt. Dazu dekoriere ich auf einer Etagere Sandwiches und schlürfe Five O´Clock Tee. Blöd halt nur, dass mir Tee eigentlich nicht schmeckt, aber gut, es geht halt mehr um das Ritual.

Woher weiß ich, dass du wirklich nicht hier warst, damit ich mich bedanken kann?

Ha, das ist ja das Paradox, dass ich ein Nicht-Vorhandensein nicht direkt bestätigen kann und es sich nur ergibt als Schlussfolgerung aus einzelnen Falsifikationen. Bspw. immer wenn Falk hier war, riecht es nach Schwefel. Es riecht gerade nicht nach Schwefel. Falk war also somit nicht hier. Dabei sind allerdings Kovariablen zu berücksichtigen. Bspw. das geöffnete Fenster könnte ebenfalls (ggf. verfälschenden) Einfluss auf unsere abhängige Variable haben. Um Deine Frage also jetzt noch langweiliger zu beantworten, benötigen wir am besten mehrere Parameter - Neben Schwefelgeruch könnten auch Pferdefußabdrücke charakteristisch für meine Anwesenheit sein - unabhängige Testwiederholungen etc. Um dies praktikabel zu halten, ergibt sich daraus in den Kontexten der Wissenschaft verschiedene Kriterienkataloge mit verschiedenen Evidenzgraden.

Hallo Falk!

Hallihallo Meister des schnackenden Lippenschlages. Schicke Tapete, selbstgestrichen?

Nein, meine Freundin. Soll ich mal erzählen, wie es dazu kam? Nein? Danke fürs Gespräch...


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