CALL THE MOTHERSHIP (uvm.) - Jörg Varga

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"Ich hab so das Gefühl, dass unsere Metalcore-Underground-Szene eher aus modernen Hippies besteht."

Let me introduce you to Mr. Varga! Mein Big-Duder, der Euch durch seine Band CALL THE MOTHERSHIP bekannt sein sollte, und ich haben uns etwas über die Szene und verschiedene Herangehensweisen an Kunst unterhalten. Von Emotionalität, Authentizität bis zum Feiern des Eskapismus.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Den ganz Aufmerksamen unter Euch dürfte bei meinen Beiträgen aufgefallen sein, dass sich hier und da anstatt meiner Bilder, die Bilder eines gewissen Herren namens Jörg Varga wiederfinden lassen.

Besagter Kollege nimmt mir gerne das Fotografieren bei Gigs ab, doch das ist bei Weitem noch nicht Alles was Jörg so am Kasten hat. Als Axt-Schwinger bei den unvergleichlichen CALL THE MOTHERSHIP kennt man ihn wohl am Besten, doch als Bassist kann man ihn auch des öfteren über die Bühne huschen sehen, wie beispielsweise momentan bei IN THIS TEMPLE. Abgesehen von seinem musikalischen Können, ist dieser Liebhaber unseres schönen Undergrounds auch fleißig mit der Kamera für RED IN THE SKY PHOTOGRAPHY unterwegs und dokumentiert somit die Vorgänge in der Szene für uns mit.

Als wäre dies nicht schon Genug, hat Jörg noch mit seinem Kollegen Peter Gordebecke den BIG BOIS PODCAST ins Leben gerufen, bei welchem verschiedenste Themen den Underground bzw. die Szene betreffend mit diversen Szenegrößen diskutiert werden. Der Podcast ist nochmals in Formate geteilt, wobei ihr euch das besser selbst einmal anseht! [Anm. d. Red.: Links dazu findet ihr am Ende dieses Artikels!] Wenn Jörg nebenbei noch Zeit hat, führt er mit Bands wie ANCHORAGE, ALL YOUR SORROWS oder auch WE BLAME THE EMPIRE sogenannte „Scenetalks“ auf Facebook.

Bei einem Gig im U4 liefen wir uns einmal wieder über den Weg und machten uns einen gemütlichen Plausch bei Jörg zuhause aus, um über Musik, die Wiener-Szene und noch Einiges mehr zu diskutieren.

Kaum angekommen und etwas Kaffee getank,t fingen wir schon gemütlich auf der Couch mit unserem Gespräch an. Das erste Thema bezog sich direkt auf den vorhin erwähnten Gig im U4, welcher Teil einer sogenannten Weekender-Tour war.

Ich legte meine Skepsis, ob man 2 Wochenend-Termine schon als Tour bezeichnen könne, dar und Jörg meinte folgendes: „ Für mich ist Tour ein paar Tage hintereinander und keine Show ist in deiner Heimatstadt. Wenn es geht. Es ist so als ob jemand sagt er geht auf Tour und es ist eine Band aus Wien, dann spielen sie ein Konzert in Wien und eines in Mödling, dass ist hald… . Aber diese Serie an Weekendern ist ein Manifest dafür, wenn du zielgerichtet halbwegs „like-minded“ Bands suchst und das halbwegs kommunizierst. Jeder macht ein bisschen was, keiner hat die komplette Work-Load und jeder gibt sich her für etwas. Quasi eine Austausch-Gig-Sache.“

Also von Tour kann man zwar nicht ganz sprechen, doch von einer wirklich fördernswerten Herangehensweise bzw. einem funktionierenden Konzept, welches auf Gegenseitigkeit basiert. Bei der vorhin erwähnten Weekender-Serie war mir aufgefallen, dass es sich um hauptsächlich „Core“-lastige Bands handelte.

Da ich selbst momentan sehr interessiert am Metalcore Genre bin und mir gegenüber einen doch schon eher als Kenner zu bezeichnenden Kollegen hatte, gab ich folgendes von mir: „Mir kommt es vor als wären die ganzen Core-Kids aus den 2000ern erwachsen geworden. Früher hat mich der Großteil der emotionalen Passagen eher abgeschreckt, aber heute scheint mir das Ganze etwas ausgewogener und technischer.“

Jörgs Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „ Es ist sehr viel über diese Progressive Metal bzw. Djent Richtung in den Metalcore hineingekommen, hat sich sozusagen runtergewaschen. Das hat aus meiner Sicht das technische und spielerische Niveau der Bands gehoben. Wenn du von den größeren bekannteren Metalcore-Bands ausgehst, wenn du dir beispielsweise AUGUST BURNS RED nimmst, dann sind das relative Gitarrenakrobaten und die pushen das Ganze dann wieder.“

Also war meine Vermutung bzw. meine Einschätzung des Wandels des Genres garnicht so fern der Realität.  

Ein weiteres Konzert auf welchem Jörg und ich zugegen waren, war das SCREAMS FROM THE CORE Vol.1, bei welchem ein paar befreundete Bands von uns, sowie Jörg selbst, auf der Bühne standen.

Bei diesem Konzert geigte eine feine Palette an Wiener Bands auf, auf welche wir kurz näher eingingen. Darunter befand sich die Band BETWEEN THE BEASTS.

Durch eine kleine verwirrende Ansage bei erwähntem Gig, kam ich auf die generell emotionalen Ansagen des Sängers der Band (Herzal) zu sprechen, spezieller auf eine Nummer, die er für seinen Vater geschrieben hat, welche mir immer Gänsehaut bereitet. Diese Emotionalität schätze und bewundere ich sehr und Jörg meinte dazu: „Bei einem spontanen Gig im Bach hab ich das zum ersten Mal mitbekommen. Ich finde das cool, dass er das mit der Crowd teilen mag, so offen und ehrlich heraus, mit Allen die da sind. Es ist schon immens persönlich, aber die Nummer transportiert die Message sehr gut und es ist cool, mutig und ehrlich.“  

Genau diesen Mut, diese Ehrlichkeit und vor Allem die Authentizität die von BETWEEN THE BEASTS kommt, durfte ich in dem betreffenden Genre schon des Öfteren miterleben und daher möchte ich die Band als gutes Beispiel für die Offenheit die in dieser Szene herrscht hier dargestellt haben.

Nachdem ich Jörg erzählt hatte, dass für mich solch eine Authentizität mitunter ausschlaggebend dafür ist, ob mir das Konzert gefällt oder nicht, ich jedoch die Offenheit gegenüber jeglichen Genre versuche aufrecht zu erhalten, meinte er: „ Ja da kommen wir schon zu dem Punkt. Ich weiß nicht ob ich den Satz irgendwo gelesen oder nur gehört habe, aber ich sag ihn so gerne. Kunst kann nur eine gewisse Distanz gehen und man muss sich selbst auch dem Ganzen gegenüber öffnen. Ich meine, natürlich kann man ein ganzes Leben lang seine Kritikerwand aufbauen und quasi die Kunst herausfordern. Ich glaube dabei hat man dann doch wenig Abenteuer und Spaß dabei, weil wirklich nur die einzigartigen, argen Sachen zu dir durchdringen. Wenn du hingegen sagt, gut ich möchte hingehen und irgend eine Emotion fühlen, dann ist das in Wahrheit schon ein guter Ansatz.“

Dem konnte ich mich wiederum nur anschließen. Jörg führte weiter aus: „Generell Kunst, ich gehe weiter zu Trends, das ist so „here today, gone tomorrow“. Es ist da, es wird extrem gehyped, aber die gesamte Energie die du in eine lange Zeit „stretchen“ könntest, damit du in eine Tiefe kommst, wird in den einen kurzen Moment investiert. Du fährst einfach gefühlt mit deinem Auto vorbei: „Wooaaahhh geil“ und es ist schon wieder weg. Und dadurch, dass ein Trend eine Art Herdendynamik ist, ist es schwierig, dass du dich von der Herde subtrahierst und sagst ich bleib bei dem. Dann hast du noch die technologische Entwicklung, durch die du Zugang zu gefühlt jeder Band auf diesem Planeten hast.“

Dieses Gefühl der Schnelllebigkeit, sowie des verschwimmens der Trends durch das immense Angebot, welchem wir heutzutage gegenüberstehen, ist mir wohl bekannt. Durch die Erwähnung der technologischen Möglichkeiten heutzutage, sprachen Jörg und ich kurz über die Verbindungen zu anderen Bands, welche wir durch die Nutzung der Medien herstellen konnten und merkten schnell, dass wir international doch so einige Leute kennen.

Durch das kurze anschneiden des Themas Black Metal, kamen wir auf Metal-Filme zu sprechen, da" Lords of Chaos" medial ja für Aufruhr gesorgt hatte. Nachdem ich Jörg den Film „Happy Metal“ empfohlen hatte, in welchem Black Metaller eine interessante Wandlung zu Hippies vollziehen, hakte mein Kollege ein: „Apropos zum Thema Hippies. Ich hab so das Gefühl, dass unsere Metalcore-Underground-Szene eher aus modernen Hippies besteht. Keiner von uns ist ein typischer Absolutist, so ein harter Moshwarrior. Ich meine es gibt noch ein paar Kämpfer, aber ich hab das Gefühl, dass die Leute durch die Bank sehr „openminded“ sind. Sie zielen extrem darauf ab Harmonie zu etablieren, mit Konzerten oder Aktionen, bzw. simplem Zusammensein. So ein paar Stunden den Eskapismus feiern.“  [Anm. d. Korr.: Sanktus vom Lektor. Stimmt.]

Wiederum etwas, was ich selbst in den letzten 2 Jahren, in welchen ich mich mit dieser Szene etwas näher beschäftigt habe, ebenso wahrgenommen habe. Jedes Konzert, welches ich in dieser Szene besucht habe, war geprägt von wirklich entspannten Leuten, die mit mir die Musik genossen und sich danach auch noch stundenlang mit einem genauer darüber unterhalten konnten. Wobei die Gespräche von philosophischen Gedanken bis zu musiktheoretischen Debatten variierten. „Openminded“ ist definitiv eine Bezeichnung die dem Genre bzw. dieser Szene gerecht wird.

Jörg merkte an, dass sich ein spürbarer Wandel der Szene in den letzten zwei Jahren vollzogen hat und ich untermalte dies mit der Begebenheit, dass ich mit meiner Alternative Metal Band MAGMABAY mittlerweile auch in sehr vielen gemischten Line-Ups spiele, was auch dafür spricht, dass sich anscheinend die Akteure etwas weniger gegenüber anderen Genres verwehren.

Dazu meinte Jörg: „Man verwehrt sich einfach zu viel. Es gibt in anderen Genres großartige und interessante Sachen. Man muss eben die Zeit investieren und anfangen zu graben. Natürlich kommt man an viel, wie soll ich sagen, unspannenden oder mittelmäßigen Sachen vorbei, aber vielleicht ist dann genau bei der Band die Alle als mittelmäßig bezeichnen etwas dabei, was wie genau für dich gemacht ist. Das ist beispielsweise ein Solo-Bedroom-Guitarist der dich von den Socken haut und du kannst heute ins Internet gehen und ihn anschreiben. Vielleicht kollaboriert man und es entwickelt sich etwas.“

Lustigerweise ist mir Ähnliches erst geschehen. Ein Soloartist hatte sein neues Album veröffentlicht und ich war schwer davon angetan. Kurz darauf habe ich ihn auf Facebook gefunden und möglicherweise hört man mich am nächsten Album „mitplärren“. So läuft es in der heutigen Szene und ich glaube ich kann für Jörg und mich sprechen, wenn ich das Ganze als ziemlich geil bezeichne!

Da wir noch nicht wirklich auf Jörg direkt eingegangen waren, fragte ich ihn etwas über seine musikalische Entwicklung aus.

Jörg legte dar: „Meine persönliche Entwicklung ist schon Hand in Hand gegangen mit meiner musikalischen Entwicklung. Ich war früher viel absolutistischer und radikaler in meiner Meinung und in meinem Denken wie Musik „gehört“ und so weiter. Ich finde etwas wie „guilty pleasures“  gibt es nicht. Warum soll man sich für etwas schuldig fühlen weil man es geil findet, nur weil alle Anderen meinen, dass es schon etwas peinlich ist?“  

Als Besitzer einer Erstpressung der Single „Careless Whisper“ von George Michael, welche definitiv von Metallern als peinlich eingestuft werden würde, kann ich mich der Meinung von Jörg hier nur anschließen.

Da wir schon so schön in persönlichen Themen verstrickt waren, war die Frage nach den Bands in welchen Jörg schon gespielt hat, nicht weit.

Die Antwort brauchte nicht lange: „Ich war fixes Mitglied in HORNS OF HATTIN, einer Black Metal Band. Ebenso bei THORNS OF IVY, ebenfalls eine Black Metal Band. Dann kam MONDSTILLE, war auch eine Black Metal Band. Dann kam DEVESTATING ENEMY. Bei DISCURE war ich Sänger. Dann kam der Übergang zu CALL THE MOTHERSHIP und bei LOST IN ASTORIA und IN THIS TEMPLE habe ich hier und da ausgeholfen.“

Das ist ja schon einmal eine ganz schöne Liste und höchstwahrscheinlich ein ganzer Haufen an Erfahrung, der da über die Zeit zusammengekommen ist. Im Vergleich zu den momentanen Vorhaben von Jörg ist dann der Black Metal Background doch recht unerwartet.

Da es schon etwas später wurde, setzte ich zu meiner letzten Frage an, welche mich schon länger plagte. Ich wusste, dass Jörg schon einmal für uns Stormbringer im Einsatz war, hatte jedoch keinen Plan wie dies vonstatten gegangen war.

Jörg war so nett und klärte mich auf: „Ja ich war ganz kurz dabei. Das war auf einer Reise nach Deutschland mit dem werten Herren Kerim Lechner. Auf dieser Reise habe ich John von Euroblast kennengelernt, welcher ein Djent-Festival auf die Füße stellte. Ich habe mir gedacht ich kann John vielleicht Fotos anbieten und habe daher bei Stormbringer angefragt. Ich weiß gar nicht mit wem ich da Kontakt hatte, doch ich konnte einen Live-Bericht und Fotos liefern. Danach habe ich vielleicht ein paar Berichte oder Fotos gemacht, aber nach einiger Zeit hat sich das verlaufen. Es war kurz, aber schön.“

So hat sich das auch endlich geklärt und ganz hat sich Jörgs Tätigkeit für Stormbringer ja auch nicht verlaufen, da meine Berichte ja auch hier und da von seinen Fotos verziert werden.

Nachdem wir nun schon eine ganze Weile geplauscht hatten, war es Zeit für mich die Heimreise anzutreten. So beendeten wir unsere wirklich entspannte Gesprächsrunde und ich verabschiedete mich.

Großes Dankeschön an Jörg für dieses tiefgehende Interview und natürlich für diesen entspannten Nachmittag, welchen wir verbringen konnten. Ich bin mir sicher, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, an welchem ihr von Jörg und mir hört!

Bis dorthin checkt euch den BIG BOIS PODCAST, CALL THE MOTHERSHIP, RED IN THE SKY PHOTOGRAPHY und was sonst noch so Alles von Jörg geliefert wird aus!
Damit solltet ihr einen schönen Einblick bekommen, was momentan in der Ö-Szene so abgeht.

Hier findet ihr die Links :

BIG BOIS PODCAST:
CALL THE MOTHERSHIP: https://www.facebook.com/callthemothership/


RED IN THE SKY PHOTOGRAHPY: http://www.facebook.com/redintheskyphotography/


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