HEADS FOR THE DEAD - Ralf Hauber, Jonny Pettersson, Ed Warby

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Der Sound war etwas, das ganz natürlich kam, wie eine natürliche Weiterentwicklung von "Serpent's Curse". Die Einflüsse alter Grind- und Crust-Bands und vor allem der Horrorfilm-Musik stehen in den Songs an erster Stelle. Die Idee bei HEADS war, frei von jeglichen Vorurteilen zu sein, die mit der Bindung an ein bestimmtes Genre einhergehen.

HEADS FOR THE DEAD haben ein zweites Album und einen neuen Mann am Start - Grund genug, uns mit der Band zu unterhalten und bei der Gelegenheit alle drei HEADS ins Kreuzverhör zu nehmen!

Veröffentlicht am 20.11.2020

HEADS FOR THE DEAD, das im Horrorgenre verwurzelte Death-Metal-Projekt von REVEL IN FLESHs Ralf Hauber und WOMBBATHs Jonny Pettersson geht mit "Into The Red" in die zweite Runde. Neben einer respektablen Weiterentwicklung in puncto Sound und Songwriting wartet die Band mit einem neuen Mann hinter den Kesseln auf. Ed Warby, der u.a. durch seine Arbeit mit GOREFEST und HAIL OF BULLETS bekannt ist, gibt auf dem neuen Album seinen Einstand und sorgt für frischen Wind in der Schießbude. Viele Neuerungen werfen viele Fragen auf - also schnappten wir uns gleich alle drei HEADS und sprachen mit ihnen über Death Metal, Horrorfilme und natürlich Fenriz' nächtliche Beutezüge im Traumland!

Hey Jungs - wie geht's euch?

Jonny Pettersson: Alles gut hier, bereit für ein paar Biere und die Samhain-Feierlichkeiten.

HEADS FOR THE DEAD sind inzwischen ein Trio geworden – wie kam es dazu und hattet ihr zuvor schon eine Verbindung zueinander?

Ed Warby: Vor etwa zwei Jahren habe ich ein Exemplar von "Serpent's Curse" bestellt und mich ziemlich bald auf Facebook mit Ralf und Jonny angefreundet. Wir sprachen über Metal, Ralf schickte mir ein T-Shirt und fragte mich schließlich, ob ich Interesse hätte, auf dem neuen Album Schlagzeug zu spielen. Ich wollte wieder zum Death Metal zurückkehren, und ich liebte ihren Sound und ihr horrorgetriebenes Image, also sagte ich "zur Hölle ja" und hier sind wir nun!

Ralf Hauber: GOREFEST sind mit ihren beiden ersten Klassikerscheiben sowas wie die "All Time Faves" in meiner Sammlung, somit schlug bei mir auch sofort der Alarm, als der Kontakt mit Ed auf Facebook losging. Klar kannte ich auch die HAIL OF BULLETS Sachen, welche auch Pflichtkaliber sind. Ed im Line Up von HEADS FOR THE DEAD zu haben fühlte sich anfänglich surreal an, aber als die Studio-Fotos von der Session im Juni 2019 kamen, wusste ich: "Holy Shit - es ist real!" In dem Sinne: mich freut es mega, dass Ed wieder Blut für Death Metal geleckt hat!

Mit Jonny ging der Kontakt bereits viel früher los, als wir ca. 2015 mit REVEL IN FLESH an einer 7"-Split-EP mit seiner Band WOMBBATH gearbeitet haben. Der Kontakt wurde nach und nach mehr - eben das übliche "nerdige" Austauschen über Musik, Produktion, Filme, Texte, etc. - was eben die Faszination an diesem Genre ausmacht. Ca. 2016, nach einem Umtrunk in meiner Bude, auf dem Weg zum Summer Breeze Festival, wurde quasi mehr oder weniger der Grundstein für HEADS FOR THE DEAD gelegt.

Glückwunsch zu eurer neuen Platte! Den Sound habt ihr deutlich verändert – was war eure Vorstellung und Herangehensweise? Ist der Sound alleine Jonnys Werk oder war es Teamwork?

JP: Der Sound war etwas, das ganz natürlich kam, wie eine natürliche Weiterentwicklung von "Serpent's Curse". Die Einflüsse alter Grind- und Crust-Bands und vor allem der Horrorfilm-Musik stehen in den Songs an erster Stelle. Die Idee bei HEADS war, frei von jeglichen Vorurteilen zu sein, die mit der Bindung an ein bestimmtes Genre einhergehen.

Welchen Beitrag hat Ed zu den neuen Songs geleistet? Mir sind besonders die punkigen Beats aufgefallen, die sich gerade in den straight-forward-Nummern gut machen.

JP: Wir hatten schon auf dem ersten Album eine starke Verbindung zum Punk, noch mehr mit dem WOLFBRIGADE-Cover. Für mich war es also Teil unserer Entwicklung, die Ed perfekt eingefangen hat.

EW: Die Songs waren größtenteils schon fertig, als ich an Bord kam, aber ich konnte in den Schlagzeugarrangements meinen eigenen Stil und meine eigenen Ideen einbringen. Ich bin ein altmodischer, schlagkräftiger Schlagzeuger mit viel Groove, also habe ich versucht, das auf die Songs anzuwenden und sie so schwer wie möglich zu machen. Und ich denke, wir alle lieben einen guten D-Beat!

Überhaupt sind viele Songs wahnsinnig eingängig geworden – das hätte ich jetzt nach „Serpent's Curse“ so nicht erwartet. Habt ihr bewusst bivalent komponiert (Horror vs. Eingängigkeit)?

JP: Ich persönlich finde, dass "Into the Red" im Vergleich zu "Serpent's Curse" mehr Horror-Elemente enthält. Die Art und Weise, wie die Lieder herauskamen, war nicht beabsichtigt. Sie sind alle nach Gefühl geschrieben und nach dem, was sich zu diesem Moment richtig anfühlte. Wenn man Songs für eine Band wie HEADS schreibt, ist es schwer, absichtlich zu handeln, da in all dem viel Gefühl und Leidenschaft steckt. Ich kann sagen, dass das Gleiche gilt, wenn ich Musik für eine meiner Bands schreibe. Man hat eine Vision und ein Gefühl für einen Song und man jagt dieser Vision hinterher, bis man es geschafft hat, daraus einen Song zu machen.

EW: Ich habe mir das Album während des Mixings unzählige Male angehört, aber ich bin immer noch überrascht von dem Niveau des Songwritings auf dem Album. Es gibt so viele Hooks und raffinierte Stellen in jedem Song, ohne dass es konstruiert klingt. Ich habe schon immer eingängige Songs geliebt, sogar im Death Metal. Bands wie AUTOPSY, OBITUARY und ENTOMBED waren / sind eingängig wie die Hölle und mein Lieblings-DEATH-Album ist "Scream Bloody Gore", das Hit nach Hit nach Hit abliefert.

...und die deutschen Textzeilen im Titelsong?

RH: Ein Experiment von meiner Seite! Ein großer Einfluss auf den Titelsong "Into The Red" ist die Thematik um Elisabeth Bathory - eine der Kultfiguren in der Horrorliteratur. Wenn ich Lyrics gestalte, beschäftige ich mich immer exzessiv mit den einschlägigen Einflüssen und hierbei stieß ich auf den Buchtitel "Heroine des Grauens (Leben und Wirken von E. Bathory)". Der Titel rief förmlich nach einer "Einbettung" in die Lyrics und so schafften es am Ende erstmals dieser Titel plus zwei weitere Zeilen auf deutsch in den Text. Ich musste das im Studio erstmal ausprobieren...mein Studiokollege Martin ermutigte mich hierzu: "...klingt dreckig..." - wird also genommen! Generell ist bei deutschen Lyrics der Grat Zwischen Kitsch und Kult sehr eng bemessen, es wird sowas also auch in Zukunft nur in homöopathischer Dosierung geben!

Wie kamt ihr auf die Idee, DARKTHRONE zu covern? Wessen Idee war das?

RH: Die Songs "Into The Red" und "At The Dead Of Night" haben textlich den Schwerpunkt Blut / Vampirismus bzw. "Blood Is Life" als Motto. "Transilvanian Hunger" reiht sich in diese Thematik als Trilogie super ein. Zur Zeit des Entstehens hatte ich eine extreme DARKTHRONE-Phase und ich wollte wieder ein Cover für HEADS, welches außerhalb der "Komfortzone" liegt. Für viele Nekro-Fetischisten ist "Transilvanian Hunger" sowas wie der heilige Gral, der ebenso klingen MUSS wie auf dem Original. Nun ja, ich dachte, wir scheißen in eure Höhle und zeigen Euch, dass es auch anders gehen kann. Der Song hat einen HEADS-Touch bekommen und reiht sich in das Gesamtgefüge ein. Das Vocal Setting unterscheidet sich vom Original, was aber auch intentional war. Am Ende ist es eben ein "take it or leave it"!

Erscheint euch nun Fenriz im Traum und wenn ja – ist es ein Albtraum?

RH: HA! Wahrscheinlich ein durstiger Norweger, der sich an meinen Biervorräten vergreifen will, welch ein Albtraum! Spaß bei Seite; ich kann den Personenkult insbesondere um Fenriz nicht wirklich teilen, bin wahrscheinlich schon zu alt für sowas. Aber von musikalischer Sicht her sind es vor allem "Soulside Journey" und "A Blaze In The Northern Sky", welche mich schon über viele, viele Jahre in ihrem Bann halten!

"Creatures Of The Monolith" tanzt etwas aus der Reihe und steht passenderweise am Schluss der Platte. Erzählt uns bitte mehr über diesen Song (Text / Musik / Idee).

JP: Die Idee hinter der Musik war es, eine dunkle Atmosphäre zu schaffen, etwas, von dem man annehmen könnte, dass es der Zunder für Schrecken und Alpträume sein würde. Es gibt einige große Filmmusik-Komponisten, denen dies gelungen ist, was immer wieder inspirierend zu hören ist. Sie haben jemanden, der in den 60er oder 70er Jahren einen Film mit klassischen Instrumenten vertont hat, und er klingt dunkler und böser, als jede Metal-Band es sich erträumen könnte. Und es ist genau dieses Gefühl, nach dem wir mit dem Song gesucht haben.

RH: Die Idee war, das Album mit einem Song mit sehr tiefer und eindringlicher Atmosphäre zu schließen. "Creatures Of The Monolith" ist ultra heavy aber zugleich auch anders! Der Song geht unter die Haut, hat einen großen Spannungsbogen und schon beim ersten Hören hatte ich Bilder für die Lyrics im Kopf, welche absolut durch Kurzgeschichten von Lovecraft geprägt waren! Freaks, es lohnt sich also, das Album bis zum Ende zu hören und der Song hat für mich selber auch absolute MORBID ANGEL Vibes!

Lassen wir mal die Pandemie beiseite – gehören HEADS FOR THE DEAD auf die Bühne und wenn ja, was stünde für euch nach der Krise auf dem Plan?

RH: Momentan ist leider kein Ende der Pandemie in Sicht und da ich keine Luftschlösser planen will, fokussieren wir uns lieber auf das, was real machbar ist, nämlich horrorgeladene Songs schreiben, welche den Rahmen sprengen! Es gab durchaus schon Konzertanfragen, aber momentan muss sich die Gesamtlage mit COVID-19 erstmal selber sortieren. Du darfst auch nicht vergessen, dass alle Bandmitglieder in anderen Ländern wohnen, was solch ein Vorhaben nicht gerade vereinfacht!

EW: Logistisch gesehen befürchte ich, dass dies keine Option ist. Wir sind alle gestandene Musiker, aber um als Band eine gute Show zu machen, muss man ziemlich viel proben. Und ich denke, es wäre schwierig, die dunkle Magie der Alben einzufangen, wenn nicht alles zu 100% stimmt, wie Beleuchtung, Ton usw.

Hättet ihr spezielle Ideen für euer Bühnenbild?

JP: Es wäre cool, eine Inszenierung komplett auf Horror zu machen.

Halloween wäre sicherlich ein guter Tag für eine HEADS-Show geworden – vielleicht in den nächsten Jahren?

JP: Wer weiß, sag niemals nie [lacht]!

EW: Ich habe gelernt, im Leben niemals nie zu sagen, also wer weiß.

Falls ja – wer kommt als Support? Die MURDERDOLLS wären doch schön zum Warmgruseln?

JP: Ich muss ehrlich sein, ich habe noch nie einen einzigen Song von ihnen gehört. Trotzdem ein cooler Bandname - besonders, wenn sie von den MISFITS inspirierte Musik spielen.

RH: MISFITS an sich wären mir schon lieber [lacht]. Ich stehe total auf deren "Horror"-Konzept und vielleicht wird es in Kürze mal einen kleinen MISFITS-Tribut geben [zwinkert].

Horror und Death Metal passen zusammen, aber trotzdem findet man die Kombination in dieser Form nicht oft. Erzählt mir über euer Konzept!

EW: Eine Sache, die mir an "Serpent's Curse" aufgefallen ist, ist das dichte, sogar beängstigende Horrorgefühl. Viele Bands haben Horrortexte, aber dieses Album schien Blut zu verströmen und Schwefel zu atmen, was ich wirklich beeindruckend fand.

RH: Die Allianz aus Horror und Death Metal ist im Prinzip nix Neues, aber in puncto HEADS FOR THE DEAD spricht die Tatsache für sich, dass Hauptsongwriter Jonny auch unheimlich von Filmsoundtracks (hör’Dir mal die Carpenter-Sachen an!) beeinflusst ist und diese Stimmungsbilder auch in die Kompositionen Spuren hinterlassen. Keyboards und Samples sind hierbei schon Elemente, welche die harten Metal-Elemente nochmals durch einen neuen Mixer jagen. Die Produktion von "Into The Red" atmet dennoch und ist auch nicht (!) in Sachen Lautstärke an das Limit gedrückt! Es hat die gewisse Tiefe und wenn du dir das neue Album im Dunkeln mit Kopfhörer anhörst, dann kommt dieser ganze Horror-Vibe auch schön fies rüber - enjoy!!!

...und der Name HEADS FOR THE DEAD?

RH: Mit dem Namen kam ich 2017 um die Ecke, dafür Pate stand am Ende George A. Romero ("Dawn Of The Dead") und der DEATH BREATH Song "Giving Head To Dead" - die Inspiration kam also von verlässlichen Quellen [lacht].

Seid ihr alle Horrorfans und wenn ja, welche Genres oder Jahrzehnte sprechen euch am meisten an?

JP: Ich liebe die goldenen Zeiten der Hammer-Filme in den 60er- und 70er-Jahren. Für mich sind das die Jahrzehnte, in denen sie ihre besten Filme gemacht haben. Aber ebenso bin ich mit 80er-Jahre-Slasher-Filmen aufgewachsen, also ist es schwer, diese zu ignorieren. Für mich ist das eine gute Mischung aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren.

EW: Ich bin ein riesiger Horror-Fan! Mein Lieblingsfilm ist das Original "Texas Chain Saw Massacre", aber ich glaube, die 80er-Jahre waren das beste Jahrzehnt...es ist auch die Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Ich liebe vor allem Slasher, mit schönen, blutigen, praktischen (!) Effekten. Mein Zuhause sieht aus wie eine Videothek, überall Filme.

Freddy gegen Jason – wer soll gewinnen und warum?

JP: Freddy hat viel mehr Kräfte als Jason, und wenn er in der Traumwelt zurückgelassen würde, würde er auf jeden Fall gewinnen, zumal er sich von Ängsten nährt...und Jason hat Angst, zu ertrinken. Aber wenn Freddy aus der Traumwelt herausgerissen würde, würde Jason leicht gewinnen!

EW: Gab es nicht schon einen Film darüber [lacht]?

Was haltet ihr von Rob Zombies Halloween-Remakes und davon, dass Michael Myers spricht?! OK es ist nur ein Wort, aber er SPRICHT...

JP: Ich bin kein Fan seiner Remakes und ich belasse es einfach dabei.

RH: Ich habe das KISS-Shirt des blutjungen Michael Myers gefeiert! Definitely rocking! Mir gefiel das "Remake", aber die Magie der Originale ist eben schwärzer, vor allem mit dem 80ies-Touch.

EW: Eigentlich habe ich beide vor ein paar Wochen auf einem "Rob Zombie Neubewertungs"-Trip gesehen ("31" ist fantastisch! Mir egal, was andere dazu sagen)...und mir wurde bewusst, dass ich den Zweiten nie gesehen hatte. Es ist ein schräger Film, aber mir gefällt, wie er auf 16mm gedreht wurde und er ist verdammt gewalttätig. Insgesamt ist er aber nicht sehr erfolgreich, ob er nun spricht oder nicht. Mir gefiel die Fortsetzung von 2018, die alle Fortsetzungen ignorierte und herrlich neu gemacht wurde.

[Anm. d. Verf.: irgend ein Herr L. aus dem Kollegium legte mir neulich nahe, diese Bildungslücke zu schließen...]

Im Video von „Into The Red“ sieht man zu Beginn eine VHS-Kassette mit dem Musikvideo – nutzt ihr dieses Format tatsächlich noch?

JP: Ich habe immer noch meine VHS-Sammlung. Auch wenn ich sie alle auch auf DVD habe, will ich sie nicht loswerden. Es hat etwas, sie zu behalten. Ich schätze, der Hamster in mir kommt zum Vorschein, wenn es um physische Veröffentlichungen geht. Ob es nun Filme oder Musik sind.

EW: Früher habe ich VHS gesammelt, indem ich von einer Videothek zur nächsten gewechselt bin (ich muss zwanzig verschiedene Durchgänge gehabt haben). Aber als ich Anfang der 90er-Jahre einen Laserdisc-Player bekam, wurde das das Format meiner Wahl, weil die Qualität viel besser war. Und dann kam die DVD... Blu-Ray...4K...

Oder Tapes? Die erfreuen sich wieder zusehends großer Beliebtheit  - wie steht ihr dazu?

RH: Tapes sind heute wieder (!) ein wichtiges Format für jeden ernst genommenen physischen Album-Release im extremen Bereich. Es gibt viele Freaks, welche sich heute lieber Tapes und Vinyls in Ihre Sammlung stellen und eben das Album zusätzlich noch digital beziehen. Tapes & Vinyls machen den "Sammler-Nerd" definitiv glücklicher. In diesen Formaten liegt mehr "Kult" und warum soll man diesen nicht fördern? Generell ist jedoch zu beobachten, dass das CD-Format einen Abwärtstrend erlebt!

Wie vertreibt ihr bzw. eure jeweiligen Bands sich die Zeit? Sind eure Länder auch im Lockdown?

JP: Da alle Shows abgesagt wurden, haben wir uns darauf konzentriert, neue Musik zu schreiben und an einigen coolen Sonderveröffentlichungen zu arbeiten.

Ich nehme an, ihr habt alle „normale“ Jobs und kommt damit einigermaßen gut durch diese Zeit – aber wie ist die Stimmung in der Branche? Gibt es überhaupt noch einen Funken Optimismus?

JP: Das allgemeine Gefühl, das ich aus Gesprächen mit anderen Musikern bekomme, ist, dass es nicht viel Hoffnung gibt, dass es 2021 oder gar 2022 irgendwelche Shows geben wird, aber jeder scheint das Feuer am Brennen zu halten, indem er neue Musik schreibt.

EW: Ich arbeite für ein Musikvertriebsunternehmen, und in diesem Geschäft gibt es definitiv Optimismus und Kreativität. Die Menschen werden sich immer nach Musik sehnen, besonders in beschissenen Zeiten. Ich fürchte um die Zukunft der Livemusik, viele Venues stecken in großen Schwierigkeiten, und die Regierung unternimmt nichts, um ihnen zu helfen.

Unterstützt ihr Initiativen wie "Alarmstufe Rot“ (in Deutschland) und glaubt ihr, dass sie etwas erreichen können? Wie sieht es in anderen Ländern aus?

RH: Ich habe volles Verständnis für die Vereinigung "Alarmstufe Rot" und es ist auch grenzwertig, dass eine komplette Branche aus dem Veranstaltungsbereich seit März 2020 mehr oder minder nur noch tröpfchenweise ein Einkommen bekommt bzw. auch keine wirkliche Lobby hierfür da ist. Da fehlt ganz klar eine Perspektive und das Betteln um Almosen ist sehr erniedrigend.

Im Land der "Dichter und Denker" sieht es eben zwangsläufig so aus, dass das Rad der Industrie immer Laufen muss, die Zahlen müssen stimmen und die Statussymbole müssen passen. Der "kreative Sektor" gilt hierbei als "Liebhaberei", obwohl Künstler, Veranstalter, Clubs usw. ja bekanntlich auch Steuern zahlen.

Ich denke in beschissenen Zeiten kann ein gutes Konzert (selbst unter Auflagen!), ein Kinobesuch, etc. sehr wichtiges "Seelenfutter" sein, welches viel mehr (!!!) als nur ideellen Wert hat.

Aktuell ist noch kein Ende der Pandemie in Sicht, aber alles schweigend hinnehmen ist auch nicht der richtige Weg. Dass sich was ändert, glaub ich jedoch nicht!

Es sind die kleinen Supports, wie z.B. Merchkauf direkt beim Künstler usw., welche gerade wichtiger sind als je zuvor. Glücklicherweise herrscht hierbei im Metal noch mehr der "Community"-Gedanke als im Mainstream.

Churchill sagte einst "never waste a good crisis“ - welchen positiven Ausgang könnte dieser Mist hier für uns als Menschheit nehmen?

JP: Wenn überhaupt, dann werden wir viel coolere Veröffentlichungen sehen als sonst. Für die Welt im Allgemeinen haben wir die Möglichkeit, die Dinge besser zu machen, aber ich bezweifle, dass wir das tun werden. Die Menschheit hat sich in ihrer Geschichte immer für die Selbstzerstörung entschieden. Fügt man noch die Gier hinzu, dann haben wir eine dunkle Zukunft vor uns.

Zu guter Letzt danke ich euch für eure Zeit und wünsche euch weiterhin viel Erfolg! Haltet die Ohren steif!

RH: Danke für die interessanten Fragen! "Into The Red" wird im Dezember 2020 über Transcending Obscurity Records auf den Markt kommen. Das Label hat sich für sämtliche Formate und Boxset Editionen was einfallen lassen. Checkt einfach mal unseren Bandcamp-Auftritt!

Wir arbeiten aktuell schon an neuem Songmaterial, denn an Inspiration für Horror und Metal ov Death wird es in aktuellen Lage nicht fehlen! In dem Sinne: "when there’s no more room in hell the dead will walk the earth!!!"

Cheerz!!!


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