ESCAPE THE FATE - Craig Mabbitt

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Ich bin einfach so dankbar, dass ich noch am Leben bin.

Ein sichtlich entspannter Craig Mabbitt, seines Zeichens Fronter bei ESCAPE THE FATE, plauderte beim Interview aus dem Nähkästchen, unter anderem auch zum Bruch mit der eigenen "Rockstar"-Vergangenheit.

Veröffentlicht am 03.05.2021

Vor gut zwei Wochen konntet Ihr bei Stormbringer die Rezension zum neuen ESCAPE THE FATE Album "Chemical Warfare" lesen. Im Anschluss an das Review ergab sich die Gelegenheit, mit Sänger Craig Mabbitt ein wenig über den aktuellen Longplayer und auch noch über dies und das zu plauschen.

Hallo Craig! Vielen Dank für Möglichkeit, dieses Interview führen zu können! Ich habe gelesen, dass auch in den USA die Corona-Infektionszahlen wieder ansteigen. Wie ist die aktuelle Situation bei dir? Wurden bei Euch die Maßnahmen wieder verschärft?

Das ist von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich, ich weiß, dass hier bei uns von Seiten der Regierung das Maskengebot aufgehoben wurde, aber es ist den Geschäftsinhabern immer noch überlassen, ob sie es weiterhin durchsetzen wollen, und das tut eigentlich jeder. Abgesehen vom Maskentragen und den angepassten Öffnungszeiten ist hier aber alles ziemlich normal, was den Alltag angeht, Livemusik gibt es allerdings nicht, und die Veranstaltungsorte für größere Versammlungen sind nach wie vor geschlossen. 

Was machst du gerade? Lehnst du dich ein wenig zurück und genießt den Gedanken an das fertiggestellte Album? Oder hast du schon wieder gut zu tun?

Ich bin in der Tat schon wieder ziemlich beschäftigt. Ich streame zweimal am Tag auf Twitch, arbeite an neuer Musik und veröffentliche sie mit meiner anderen Gruppe [THE DEAD RABBITTS. Anm. des Verf.], verbringe aber auch Zeit mit meiner Verlobten und meinen Kindern.

Lass uns über „Chemical Warfare“ sprechen. Schon nach dem ersten Durchlauf hatte ich die perfekte Einleitung für mein Review im Kopf: "...Konsequente Weiterentwicklung bei maximaler Eingängigkeit und größtmöglicher Hitdichte!...“ Würdest du dieser grundsätzlichen Einschätzung zustimmen? Was stand bei der Entstehung des Albums für euch besonders im Fokus?

Ich muss dir bei dieser Einschätzung zustimmen, haha, wirklich treffend formuliert!!! Der Hauptfokus liegt darin, immer etwas zu erschaffen, das uns als Band wirklich Spaß macht.

Warum habt Ihr die neue Scheibe "Chemical Warfare“ genannt? Es handelt sich ja ohrenscheinlich nicht um ein Konzertalbum. In wie weit bezieht sich der Titel auf die einzelnen Tracks?

Kein Konzeptalbum, nein, aber ein übergreifendes Thema von Stärke und Hoffnung. Der Name von "Chemical Warfare" bezieht sich auf meine Beziehung und die Sucht nach Alkohol und "Chemikalien", also Drogen. Und es geht um meinen Kampf, diese Abhängigkeiten zu überwinden. 

Meine persönlichen Lieblingsstücke sind "Lightning Strike“, "Invincible“, "Hand Grenade“ und allen voran "Burn The Bridges“. Hast du einen speziellen Favoriten, und wenn ja warum?

Es ist immer schwierig für mich, Favoriten auszuwählen, aber alle von dir genannten Stücke sind auch in meiner Top-Liste, ich würde noch "Erase You" und "Over It" [die B-Seite zur Singleauskopplung von "Erase You“. Anm. des Verf.] zu dieser Liste hinzufügen. "Erase You" ist einfach so anders für uns und ich genieße es wirklich. 

Kannst du unseren Lesern etwas über den Prozess erzählen, wie neue ESCAPE THE FATE Songs entstehen? Wer ist für die Kompositionen und wer für die Texte zuständig? Und sind die einzelnen Stücke schon fertig, wenn Ihr ins Studio geht? Oder feilt Ihr noch während der Aufnahmen an den Tracks?

Also wir hatten eine Menge Demos, bevor wir ins Studio gegangen sind, aber schon am ersten Tag haben wir komplett von vorn angefangen und als erstes neues Stück "Invincible" geschrieben und danach jeden Tag einen neuen Song. Abgesehen von Co-Writing-Sessions wurde das Album von Feldy, Thrasher und mir komponiert. 

Ein besonderes Highlight auf dem neuen Album ist das eben von dir angesprochene "Invincible“. Durch den Violinensound sticht der Song doch aus den restlichen Stücken heraus. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Starviolinistin Lindsey Stirling?

Das war ein Gedanke Robert Ortiz, und wir sind glücklich, dass wir diese Idee auch in die Tat umsetzen konnten. Lindsey fügt dem Track so viel hinzu, und sie ist ein großartige Frau und Künstlerin.

Eure Lieder waren vom lyrischen Konzept her ja schon immer in der realen Welt angesiedelt und handeln von Beziehungen und ihren Problemen, Drogen, seelischen Gemütszuständen etc. Für mich ist „Chemical Warfare“ (trotz des martialischen Albumtitels) ein Album, das sehr viel Hoffnung, Stärke und Zuversicht ausstrahlt. War das von Anfang an Euer Ansatz, oder hat sich diese Grundstimmung eher zufällig entwickelt?

Haha, siehe meine Antwort oben! Du hast vollkommen recht, das war mein Ansatz vor und während des Entstehungs-Prozesses von "Chemical Warfare“. Wenn man die Lyrics nur oberflächlich betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es in vielen unserer  Songs einfach nur um "Beziehungen" in der Hinsicht geht, dass wir darüber erzählen, wie oder dass zwei Menschen in einer Verbindung zueinander stehen. Natürlich sind die Texte hin und wieder auch eindeutig und klar, wie z.B. bei "Ashley", einem Song, der nichts weiter sein will, als eine Liebeserklärung. Aber bei den meisten unserer Lyrics muss man schon auch zwischen den Zeilen lesen. 

Mit eurem Drang zur stetigen Weiterentwicklung stoßt Ihr den ein oder anderen Fan der ersten Stunde ja doch vor den Kopf. Wie geht Ihr mit Kritik um, die euch vorwirft, euch selbst und euren Wurzeln untreu zu werden, bzw. euch dem Mainstream anzubiedern?

Es ist wie es ist. Man kann es nie allen recht machen. Und für alle, die die Heaviness bei ESCAPE THE FATE vermissen, habe ich THE DEAD RABBITS gegründet. Aber davon einmal abgesehen, es muss nicht alles nur aus "chugs & screams" [in etwa "Hämmern und Schreien“ Anm. des Verf.] bestehen, um kraftvoll und heavy zu klingen. 

Ich persönlich kann mit der Entwicklung, die Ihr seit eurem Debüt genommen habt sehr gut leben. Schließlich war bereits 2015 „Hate Me“ (mein persönliches ESCAPE THE FATE Lieblingsalbum) kaum an Eingängigkeit und Ohrwürmern zu überbieten, während ihr stilistisch schon zu dieser Zeit über den Tellerrand hinausgeschaut habt. Und obwohl „Chemical Warfare“ sich noch mal ein wenig von den letzten Alben und noch wesentlich mehr von Eurer Frühphase unterscheidet, habe ich mich beim Hören der aktuellen Scheibe sofort zu Hause gefühlt. Ich finde schon, dass auch nach 17 Jahren die typischen ESCAPE THE FATE Trademarks immer noch vorhanden sind. Wie siehst du das?

Da stimme ich dir zu, ich kann definitiv die "TWIO"-Vibes ["This War Is Ours“ Anm. des Verf.]  in der neuen Platte hören, und ich spüre die Thrasher-Handschrift durchgehend auf dem neuen Album, die auch schon "Hate Me" und "I Am Human" die besondere Würze gegeben hat. Also ist es eine schöne Balance. Aber ich muß natürlich dazu sagen, ich höre nicht mit den Ohren eines Fans, ich nehme solche Sachen aus Sicht des Musikers wahr. 

Im Waschzettel zum Album steht, dass „Chemical Warfare“ einen totalen Neuanfang für die Band darstellt und Ihr mit dem neuen Release „…alle bestehenden Ansichten über Eure Vergangenheit zerschlagen…“ wollt. Kannst du mir das mal etwas näher erläutern? Welche Gründe gibt es denn, mit Eurer Vergangenheit zu brechen?

Nun, diese Pandemie hat mir die Möglichkeit gegeben, als Person zu wachsen. Ich habe gerade mein einjähriges Alkohol-Abstinenz-Datum überschritten und habe über vieles nachgedacht. Die ganze "Las Vegas Bad Boy MÖTLEY CRÜE"-Persönlichkeit, die wir in der Vergangenheit an den Tag gelegt haben, ist etwas, das mich einfach nur noch nervt. In den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Ich bin mittlerweile Vater und bald auch Ehemann. Und ich habe eine Menge Liebe in mir, die ich mit der Welt teilen möchte. Diese frühere Lebensweise hat mich buchstäblich von innen heraus umgebracht, ich musste unbedingt davon weg kommen. Denn ich bin einfach so dankbar, dass ich noch am Leben bin.

Schauen wir zum Abschluss, wie bei einem Neuanfang üblich, nach vorn. Was denkst du, wie lange wird es noch dauern, bis Ihr wieder live spielen könnt? 

Ich denke auf jeden Fall, dass es ein langsamer Start sein wird, und niemand kann im Moment sagen, wann es überhaupt losgeht. So ist leider die derzeitige Lage.

Craig, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten. Viele Grüße an dich und natürlich auch an den Rest der Band. Bleibt alle gesund, und ich hoffe, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis man euch wieder live auf der Bühne erleben kann, und möglichst natürlich auch wieder hier in Österreich und Deutschland! 

Ich danke DIR für Deine Fragen und Euer Interesse an der Band. Bitte bleibt gesund und wohlauf und ich hoffe, Euch in Zukunft bei einem unserer Live-Auftritte zu sehen. Liebe Grüße, Craig.

 

Tracklist:

01 Lightning Strike
02 Invincible (feat. Lindsey Stirling)
03 Unbreakable
04 Chemical Warfare
05 Erase You
06 Not My Problem (feat. Travis Barker)
07 Burn the Bridges
08 Demons
09 Hand Grenade
10 Ashes (Broken World)
11 My Gravity
12 Walk On


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