HAMMER KING - Titan Fox

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Der Hammer King ist eine Kraftfigur, der Statthalter für so ziemlich alles!

Titan Fox über HAMMER KING, Gott und die Welt...

Veröffentlicht am 21.06.2021

Hallo Titan, vielen Dank dass du dir Zeit nimmst! Seit eurem letzten Album „Poseidon Will Carry Us Home“ hat sich ja wieder einiges getan. Inzwischen seid ihr ja bei Napalm Records untergekommen, wie kam es dazu? Und ich muss sagen, es passt wie die Faust auf's Auge, denn dort gibt es ja schon sehr viele Hämmer und sehr viele Könige!

Zuerst muss ich sagen, dass wir mit unserem bisherigem Label Cruz Del Sur hochzufrieden waren, das Klima dort war toll und das Verhältnis sehr freundschaftlich. Allerdings ist die Stammkundschaft des Labels eher so im Undergroundbereich unterwegs, vor allem bei Epic Bands – und das sind wir ja nicht so ganz. Insofern haben wir die Kundschaft des Labels nicht so wirklich erreicht. Bereits 2015, als wir mit HAMMER KING begonnen haben, wollte ich eigentlich immer schon zu Napalm Records – nicht, weil ich jetzt übermäßig viele Releases bzw Bands davon im Schrank stehen hätte, aber weil es musikalisch passen würde, weil das eher unsere Schiene ist. Und man muss natürlich dazu sagen, promotiontechnisch machen Napalm Records auch einen Riesenjob – das merke ich bei den jetzigen Interviews. Mit so vielen Leuten habe ich nicht einmal zu ROSS THE BOSS-Zeiten gesprochen. Und es tut auch irgendwie gut irgendwo hinein zu kommen wo du merkst, es ist nicht alles locker-lässig und völlig egal, wo es für alles einen Termin und einen Plan gibt, wo du dann auch einen Ansporn hast, wirklich gute und vor allem auch strukturierte Arbeit zu leisten.
 

Mir kommt vor, ihr seid auf eurem neuen Album ein wenig härter und schneller geworden, kann das sein? Für meinen Begriff ein wenig weg vom einfacheren True Metal, hin zu etwas komplexerem und kernigerem Power Metal.

Ich muss ehrlich sagen, ich habe immer Schwierigkeiten zwischen Heavy/True Metal und Power Metal zu unterscheiden. Ich komme aus einer Zeit, da waren HELLOWEEN zum Beispiel noch einfach Heavy Metal, jetzt sagt man ja Powermetal dazu. Ich tue mir da schwer in der Unterscheidung.

Was unser neues Album angeht, hatten wir glaube ich seit dem Debüt „Kingdom Of The Hammer King“ keinen so hohen Anteil an knackigen Songs mehr, keine so hohe, wenn man es so sagen will, „Hitdichte“. Aber du hast natürlich recht, speziell durch den Mix und das Mastering von Jacob Hansen, den wir auch unbedingt haben wollten, weil er auch die letzten PRETTY MAIDS Sachen gemacht hat – die ich im Übrigen wirklich vergöttere! - hat unser Sound einiges an Tiefe gewonnen. Es hat einfach einen richtigen Druck, den er durch seine Art zu Arbeiten erzeugt - natürlich knallen die Songs dadurch eine Ecke mehr, die Drums klingen fetter, die Chöre klingen größer, obwohl die Aufnahmen ja noch immer die gleichen sind. Das ist jetzt zum ersten Mal in all den Jahren in denen ich schon mit verschiedenen Bands Musik mache und Alben herausgebracht habe, dass für mich einfach alles zusammenpasst – das Songwriting, die Besetzung, das Outfit, der Produzent, der Mix, die Plattenfirma.
 

Das war dann vermutlich auch der Grund, weshalb die neue Platte einfach selbstbetitelt erscheint, oder?

Ja, genau. Wobei, eigentlich hat die Selbstbetitelung zwei Gründe. Zum einen ist es ja so, dass wir keine richtigen Konzeptplatten haben, sondern mehr Alben die eine Sammlung von Geschichten zu einem Thema darstellen. Die erste „Kingdom Of The Hammer King“ war eben alles rund um das Königreich, die zweite „King Is Rising“ Geschichten über Kriege und Schlachten und „Poseidon Will Carry Us Home“ über die Seefahrten. Jetzt beim neuen Album haben wir bemerkt, dass sich alle Songs irgendwie auf den König selbst beziehen. Und dann war es für uns auch soweit dass wir, was wir vorher immer verweigert haben, den König selbst auf das Cover packen. Dann war es irgendwie klar, wenn der King auf dem Cover ist, die Songs sich alle um den King drehen – dann muss das Album auch folgerichtig auch nach ihm benannt werden.

Dann kamen der Besetzungswechsel und das neue Label dazu, was auch irgendwie einen Reboot der Band darstellte – als ob wir nun HAMMER KING 2.0 wären. Da fügen sich also mehr oder minder zwei Geschichten zusammen, wie die Entscheidung letztendlich zustande kam.
 

Da brennt natürlich jetzt auch die Frage auf der Zunge: Wer ist jetzt eigentlich der „Hammer King“? Wer oder was ist die Figur dahinter?

Der Hammer King ist eigentlich der Statthalter für so ziemlich alles. Lass es mich so erklären: Wenn du Christ bist, könnte der Hammer King theoretisch Gott sein. Wenn du Satanist bist, könnte er auch Satan sein. Wenn du an den König selbst glaubst, ist es der König selbst – du kannst es aber auch selber sein, denn die Lösung für alles kann auch in dir selbst liegen. Der Hammer King ist also so eine Art Kraftfigur, die im Prinzip das ist, was du darin siehst. In der Story selbst ist der Hammer King natürlich der furchterregendste und mächtigste Herrscher aller Zeiten mit dem größten Hammer aller Zeiten (lacht) – aber wenn du an seiner Seite stehst, dann hast du es auch unglaublich gut. Wir leben in seinem Königreich im Überfluss, Reichtum und Sicherheit – und was entscheidend ist, es gibt in seinem Königreich kein Corona, denn der König hat es schlichtweg abgelehnt!


Hammer King 2021 (c) Thommy S. Mardo

Das gefällt mir! Aber zurück zu dem Lineup-Wechsel, den du bereits angesprochen hast – was war da los, als euer Bassist K.K. Basement ausgestiegen ist?

Das ist vermutlich eine der schwierigsten Fragen – aber irgendwie ist es doch ganz einfach. Menschen entwickeln sich, das merkt man am Besten wenn man eine sehr lange Zeit mit jemandem verbringt. Gerade in einer Band ist es doch so, dass man sehr viel Zeit miteinander verbringt, fast als würde man eine Beziehung oder eine Ehe mit vier Leuten gleichzeitig führen. Da kann es passieren, dass sich drei davon in eine gleiche oder ähnliche Richtung entwickeln – und einer davon eben komplett anders. Man merkt, wenn man sich gegenseitig ausbremst und die Kommunikation nicht mehr passt, dass es irgendwann Zeit für eine Trennung wird. Egal wie scheiße und egal wie negativ das alles ist, wenn es passiert...

Dann gehen wir lieber wieder zu erfreulicheren Themen. Ihr habt auch erstmals Gäste auf dem Album – und habt es, getreu eurem Motto, gleich so richtig krachen lassen. Bei „Hammerschlag“ habt ihr mit Gerre von TANKARD, Isaac von EPICA und den Crusader von WARKINGS geklotzt statt gekleckert. Wie habt ihr die alle unter einen Hut, bzw auf einen Song bekommen?

Zu Gerre: Wir waren 2019 auf einem Benefizfestival im Osten, wo TANKARD Headliner waren. Über den Andy (TANKARD-Gitarrist) und einen unserer Techniker, der auch öfter für TANKARD was macht, sind wir dann zusammengekommen. Gerre in seiner ganzen Naturgewalt (lacht) hat uns dann eröffnet, dass er ein Fan unserer Musik ist und sogar alle unsere Platten zuhause stehen hat. Dann haben wir ein wenig gequatscht und der Weg war nicht mehr weit, dann auch gemeinsam einen Song zu machen. Als wir dann voriges Jahr die Musik zu „Hammerschlag“ fertig hatten, was ja für unsere Begriffe doch ein eher heavy geratener Song ist, beschlossen wir Gerre zu fragen, ob er da mitmachen würde, weil es einfach gut zu seiner Stimme passen würde.

Er war gleich mit dabei – dann kam aber leider Corona und unser romantischer gemeinsamer Tag im Studio Greywolf ist geplatzt. So musste er die Vocals eben bei sich zuhause aufnehmen und uns rüberschicken, was aber auch gut funktioniert hat. In diesem Zuge sind wir dann auch mit unseren Produzenten Charles zusammengesessen, und meinten, wo doch diese übergreifenden gemeinsamen Sachen von Leuten aus verschiedenen Bands gerade wie Pilze aus dem Boden sprießen, lass uns doch aus diesem Song „Hammerschlag“ auch so eine Art Corona-Allstar-Session machen und noch zwei Gitarristen dazu holen. Da waren wir uns schnell einig, dass einer davon der Crusader von den WARKINGS sein musste – der Vorschlag von Isaac kam von Charles, der ihn bereits von einigen Touren kannte. Dann ging alles sehr schnell, die Solos waren binnen ein paar Tagen da, wir haben alles zusammengefügt – und schon war der Song fertig.

Das Lustige an der Sache ist ja, dass wir bisher nie Gäste dabeihatten. Eigentlich hatten wir Gäste sogar immer kategorisch ausgeschlossen. Jetzt haben wir das erste Mal wirklich Gäste dabei und es ist wirklich interessant zu sehen, was die Leute aus deiner Musik machen, wie sie anders an die Sache herangehen als du es gemacht hättest und trotzdem etwas total Cooles rauskommt. Und gerade das Duett mit Gerre wollte ich auch unbedingt machen, da es einfach so etwas Gegensätzliches ist – und weil es natürlich auch Riesenspaß macht mit Gerre zu arbeiten, das kann dir jeder bestätigen.
 

Was wäre dann dein persönlicher Favorit vom neuen Album?

Gene Simmons hat einmal gesagt, seine Platten, seine Lieder sind wie Kinder – und wer kann schon sagen, dass er eines seiner Kinder lieber mag als das andere. Aber... doch ich kann das. Es wechselt natürlich auch je nach Stimmung. Der „Hammerschlag“ ist natürlich ganz vorne dabei bei meinen Favoriten – auch wenn ich den Song beim Videodreh ungefähr 60 Mal am Stück hören und spielen musste. Ich stehe auch total auf „Atlantis“, was im Übrigen in der gesamten Band ein Wunschkandidat für ein Video war – am besten gefällt mir aber tatsächlich der Opener „Awaken The Thunder“, weil er dieses doch relativ harte Riff mit dem getragenen Mittelteil mit diesem galoppierenden HAMMER KING-Rhythmus und einem extrem poppigen Refrain, den wir in der Form noch nie hingekriegt haben, verbindet. Der Song spielt sich auch richtig, richtig gut – da steh ich voll drauf... (lacht) „Ashes To Ashes“ sehe ich als so eine Art Geheimwaffe, der Titel war zuerst so lala aber hat sich unheimlich gut entwickelt.
 

Reden wir mal über eure großartigen Lyrics – ihr haut ja wieder einige Perlen raus, allen voran Textzeilen wie „krupper than steel“. Wie kommt man auf sowas?

Brian Wilson von den BEACH BOYS hat einmal gesagt, er würde Songs nicht schreiben. Er empfängt sie. Mir geht es da ähnlich, manchmal habe ich einfach das Gefühl ich muss jetzt meine Gitarre nehmen und irgendwas spielen – wenn etwas Gutes rauskommt nimmt man es auf, wenn nicht, dann lässt man es eben. Und wenn wir dann im Proberaum stehen und irgendwelche Ideen des Königs ausarbeiten, fängt man früher oder später an, auch etwas dazu zu singen. In meinem Fall ist das dann meistens gleich in Englisch, das kriege ich glaube ich schon einigermaßen korrekt hin (lacht). Ein paar Brocken bleiben dann immer hängen, so kommt man dann Stück für Stück auf die Texte wie eben bei „Hammerschlag“. Irgendwann, bei dem Versuch die Monumentalität dieses Hammers zu beschreiben, fiel dieser Begriff „hart wie Kruppstahl“, was du natürlich in Englisch in der Form nicht bringen kannst. Und dann kam, ohne zu überlegen, auf einmal dieses „krupper than steel“ und ja... that's it! Wobei im finalen Mix ist das glaube ich sogar Gerres Take, und er haut diesen Kalauer einfach raus als ob nichts dabei wäre – irgendwie ist das doch großartig!

 

Gehen wir nochmal zu „Hammerschlag“ zurück – dazu hätte es ja eigentlich auch ein Video geben sollen, oder?

Ja, das stimmt. Diese Kombination aus Lyricvideo und Szenen mit der Band und den Gästen war eigentlich eine Notlösung, da das eigentliche Video überhaupt nicht funktioniert hat. Irgendwie sah nichts gut aus, es war auch für und selbst enttäuschend – das konnte man so einfach nicht veröffentlichen, hat auch das Label gesagt. Nicht mal Gerre sah in dem Video gut aus, und der ist wirklich ein echter Bühnenprofi! Dafür haben aber wenigstens die Clips zu „Atlantis“ und „Awaken The Thunder“ gut geklappt. Es war schon genug, dass wir das Fotoshooting zum Album zwei Mal machen mussten... das war schon ein erheblicher Mehraufwand und das obwohl wir mit drei fertigen Videos noch vor Albumrelease schon ein ziemlich straffes Programm hatten. Aber wir haben alles hinbekommen.
 

Eine Frage, die wahrscheinlich derzeit in jedem Interview vorkommt: Live-Shows. Wie eigentlich jeder hattet ihr auch sehr viele Verschiebungen, ersatzlos gestrichene Gigs und so weiter – bist du optimistisch, dass es bald wieder los geht?

Es wechselt immer ein wenig... Von mir aus könnte man gleich wieder loslegen! Klar, man sollte natürlich nicht fahrlässig sein, aber ich mache mir einfach Gedanken ob man es nicht ab einem gewissen Punkt auch einfach übertreibt mit der Vorsicht. Das ist ein schwieriges Thema... ich sage einfach mal so, wenn man uns anbietet Konzerte spielen zu können, dann werden wir sie unter den entsprechenden Auflagen auch in jedem Fall spielen! Ich hoffe einfach inständig, dass es bald wieder losgeht. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mehr Angst davor habe, dass es vielleicht nicht wiederkommt, oder mehr davor, dass sich der Mensch irgendwann daran gewöhnt und gar nicht mehr will...
 

Das ist ein ziemlich gutes Schlusswort für dieses Gespräch... dann hoffe ich, dass wir uns trotz aller Widrigkeiten bald einmal wiedersehen und ich dir wieder die Kamera unter die Nase halten kann!

Gerne! Wir sind so schnell es geht wieder unterwegs, an uns soll es nicht scheitern!


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