Interview: PERSEFONE - Carlos

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Es kann leicht sein, dass wir unseren Kulturminister beim Einkaufen treffen.

PERSEFONE haben mit "metanoia" ein neues hervorragendes Album am Start. Über die Schwierigkeiten beim Komponieren, die Musikszene in Andorra und wie geil es ist in Japan Konzerte zu spielen, haben wir mit Gitarrist Carlos gesprochen

Text: Luka
Veröffentlicht am 04.02.2022

Hallo Carlos, danke für deine Zeit! Wie geht’s dir?

Danke, mir geht’s gut, bei dir auch alles klar?

Ja, danke. Wo erreichen wir dich gerade?

Ich bin daheim in Andorra.

Stimmt, PERSEFONE sind ja von dort. Andorra ist ein kleiner Staat (ca. 80.000 Einwohner und damit ein Viertel vom Burgenland, Anm.) Wie ist es dort mit der Metal-Szene?

Naja, es gibt eigentlich keine Metal-Szene. Es gibt zwar eine musikalische Szene, aber auch die ist recht klein.

Dann ist es um so verwunderlicher, dass eine Band wie PERSEFONE mit ihrer komplexen Musik und hohen musikalischen Fähigkeiten von dort kommt…

Du hast recht (lacht), die Auswahl an Musikern ist doch recht gering. Aber es passt gut mit der Band, wir verstehen uns sehr gut, es fühlt sich fast an wie eine Familie.

PERSEFONE sind ja schon lange zusammen, wenn man im Internet recherchiert dürften es letztes Jahr 20 Jahre gewesen sein…

Ich weiß gar nicht wie lange es uns schon gibt, aber definitiv lange (lacht). Wir haben ja auch 2020 unser Debüt-Album nach 15 Jahren re-releast („Truth Inside The Shades“, Anm.)

Wenn du so auf diese Geschichte zurückblickst, wie siehst du die Geschichte von PERSEFONE?

Die Band begleitet uns jetzt schon so lange, es ist eigentlich schon fast ein „way of life“ – die Band war eigentlich immer da in dieser langen Zeit. Es war natürlich auch oft herausfordernd, aber wie gesagt ist PERSEFONE zu einer Familie geworden. Und trotz der langen Zeit zusammen gibt es immer noch viele Ziele die wir erreichen wollen – wir wollen noch lange die beste Musik machen die wir können, und es gibt viele Bands, Musiker und Produzenten mit denen wir noch zusammenspielen oder arbeiten wollen.

Wie würdest du die Musik von PERSEFONE in 3 Worten beschreiben?

Schwierige Frage! Ich würde sagen… zuerst einmal „Metal“. Wir machen definitiv Metal. „Progressiv“ sind wir auch. Und als drittes… ich denke „Death“ ist auch ein wichtiges Wort, wir machen Death Metal.

Interessant, dass du diese Worte wählst, ich hätte die gleichen genommen. Wenn man die Alben von PERSEFONE mal durchhört, sind das die drei Grundbausteine die immer gleichgeblieben sind, von „Truth Inside The Shades“ und „Core“, die eher ein „normaler“ progressiver Death Metal ist, bevor ihr mit „Spiritual Migration“ und vor allem „Aathma“ bis hin zum aktuellen „metanoia“ eure eigene Nische gefunden habt.

Danke dir! Die Entwicklung sehe ich auch so. Wir wollten eigentlich immer schon möglichst progressive, harte Musik spielen, wobei das am Anfang unserer Karriere eher an unseren Fähigkeiten gescheitert ist, da die noch nicht vorhanden waren (lacht). Wir haben damals halt Bands wie SYMPHONY X, IN FLAMES oder DREAM THEATER gehört und wollten immer etwas in diese Richtung machen. Uns war es immer auch wichtig, dazuzulernen, und auch das was wir gelernt haben weiterzugeben an andere (Carlos unterrichtet auch Gitarre, Anm.). Wir wollen immer dazulernen und bei jedem Album etwas Neues machen.

Wenn du das ansprichst, gehen wir gleich zu „metanoia“, das wieder ein ganz starkes Album geworden ist. Wie siehst du den Schritt vom ebenso hervorragenden „Aathma“, was habt ihr hier „dazugelernt“?

Für mich ist der größte Unterschied zwischen den Alben im Sound. „Aathma“ haben wir in relativ kurzer Zeit geschrieben und aufgenommen, wobei wir auch gemeinsam im Proberaum aufgenommen haben. Bei „metanoia“ wollten wir vom Sound her noch mehr herausholen und haben das Album in eigenen Räumen und getrennt voneinander aufgenommen, um das Optimum zu bekommen. Dadurch hat „metanoia“ aus meiner Sicht nochmal an Qualität zugelegt und hat einen nochmal härteren, düsteren Sound bekommen.

Sehe ich auch so – „Aathma“ war klangtechnisch noch mehr in diesem „luftigen“ CYNIC-Sound, während „metanoia“ epischer und dunkler geworden ist. Habt ihr auch das Songwriting geändert, bzw. wie läuft das bei euch ab? Da eure Musik recht komplex ist, komponiert ihr über Software, jammt ihr gemeinsam oder wie rennt das?

Weder noch, wir jammen nicht und verwenden keine Software. Ich bin kein großer Freund vom Jammen, da man da doch immer wieder auf das zugreift was man schon kann, und ich will wie gesagt immer neues lernen und probieren. Wir tüfteln die Songs immer gemeinsam aus, zuerst in Gruppen von 2-3 Leuten, und dann mit der ganzen Band. Das macht das Songwriting um einiges schwieriger und schmerzhafter (lacht), weil wir uns die einzelnen Riffs Schritt für Schritt bei den Proben erarbeiten. Dann kann es so sein, dass nach mehreren Stunden nur ein paar Sekunden Musik rauskommt (lacht).

Wie habt ihr dann „metanoia“ aufgenommen?

Wir haben uns in Andorra Räume ausgesucht. Der große Vorteil hier ist, dass Andorra so klein ist und jeder jeden kennt, es kann also sein, dass wir den Kulturminister beim Einkaufen treffen (lacht). Dadurch konnten wir mit Unterstützung der Regierung gut klingende Räume finden, wo wir aufnehmen konnten. Wir haben dann, auch aufgrund von COVID, die Aufnahmen selbst gemacht, unter der fachlichen Leitung von David Castillo (hat schon mit KATATONIA, DARK TRANQUILLITY, OPETH und anderen Kapazundern gearbeitet, Anm.) aus Schweden.

Ach so, David Castillo hat euch quasi „remote” Anweisungen gegeben?

Richtig, er hat gesagt „tut dieses Mikro dorthin“ und so weiter (lacht). Er hat dann auch den Mix gemacht, womit wir sehr zufrieden waren.

Ja in der heutigen Zeit muss man neue Wege gehen… Wie sieht es mit euren Live-Aktivitäten aus? Die Tour mit OBSCURA (die im November 2021 in Wien Station gemacht hätte, Anm.) wurde ja abgesagt…

Die Tour wurde nicht abgesagt, sie wurde nur verschoben. Wir werden versuchen dieses Jahr die Konzerte nachzuholen.

Das klingt ja super! Da ist dann „metanoia“ auch schon länger am Start und die Besucher können sich darauf vorbereiten…

Richtig. Ich muss mich aber auch noch vorbereiten – OBSCURA sind Vorbilder für mich - Steffen Kummerer hat ja auch einen Gastbeitrag auf "metanoia" (bei "Anabasis Pt. II", Anm.), vor allem Christian Münzners Gitarrenspiel ist für mich grandios. Ich muss noch viel üben damit ich da mithalten kann (lacht).

Das ist ein Wort, ich werde beim Konzert in der ersten Reihe stehen und beobachten wie du spielst…

Bitte nicht (lacht).

Wie oft spielt ihr sonst live?

So oft wir können! Es ist halt schwierig weil Andorra so klein ist – eigentlich ist fast jedes Konzert das wir spielen eines im Ausland, was die ganze Organisation schwierig macht… Aber bei „Aathma“ haben wir viel live gespielt, waren in Amerika, Japan und so weiter…

Japan dürfte euch ja gefallen – das Album „Shin-Ken“ (2009) war ja davon inspiriert.

Richtig, Japan ist ein tolles Land. Wir mögen es, weil als wir jung waren die ganzen Bands die bekannt waren auch in Japan waren und dort live aufgenommen haben! Außerdem mag ich die ganze Kultur – Anime, die Filme, Meditation usw. usw. Deswegen war es auch ein großes Ziel mal in Tokio zu spielen, was wir dann auch geschafft haben. Wir haben uns nicht viel erwartet, aber dann war die Hütte voll! Ich war so begeistert, dass ich nach dem Konzert zum Ausgang gelaufen bin und jedem Fan persönlich gedankt habe, dass er da war (lacht).

Was habt ihr denn für Pläne für die Band in den nächsten Jahren?

Wir wollen das meiste aus der Zeit machen in den nächsten Jahren – wir werden ja alle nicht jünger (lacht). Jetzt wo wir bei Napalm Death unter Vertrag sind wollen wir die guten Möglichkeiten die wir dadurch haben voll nützen und noch ein paar Alben machen und Touren. „metanoia“ hat ja etwas länger gebraucht, wir wollen auf jeden Fall das nächste Album schneller machen und dann den Album-Veröffentlichungs/Touring-Zyklus voll ausnützen.

Abschlussfrage: Was gefällt dir am meisten am Musiker-Leben? Proben, Aufnehmen, Livespielen?

Also ich liebe das Touren mit der Band weil wir wie gesagt sehr gut miteinander können, obwohl es natürlich anstrengend ist und schwierig mit dem normalen Arbeitsleben vereinbar ist. Außerdem liebe ich es, mich musikalisch weiterzuentwickeln und auch das Können mit meinen Gitarrenstunden weiterzugeben.

Alles klar. Danke für deine Zeit, Carlos!

Danke dir – man sieht sich dann in Wien beim Konzert (lacht).


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