Interview: EXXPERIOR - Tom und Falk

Artikel-Bild

Metal MUSS man auch live erleben. Dieses Kribbeln im Bauch, wenn die Gitarre beim Soundcheck anfängt zu braten… Und der Jubel in und um einen herum. Brauchst du, musst du.

EXXPERIOR liefern Thrash aus dem schönen Sachsen. Wir haben mit ihnen über ihr aktuelles Album gesprochen.

Veröffentlicht am 15.02.2022

Bitte stellt euch kurz vor.

EXXTOM: Ok. Gebürtiger Leipziger (DDR). Musik-Nerd. Kaffeeröster in der Elstermühle. Ex-Bands sind unter anderem: HATEFUL AGONY, SLAUGHTERED EXISTENCE, TRIOPUS, BLOODBEAT, STRAIGHTLINE.
 
FALK: Ebenfalls Leipziger, auch vor der Wende geboren und nach dem Millennium in den Metal gestartet. Im Grunde keine Ex-Bands, denn alle sind noch aktiv *haha*. Angefangen habe ich bei SIC(K)REATOION (Death Metal), dann kamen ANTYRA (Epic Metal) und, vermutlich am ehesten ein Begriff, BITCHHAMMER (Black/Thrash Metal) – über welche ExxTom und ich uns auch kennengelernt haben. Bin auch schauspielernd auf der Bühne unterwegs. KulturNerd und Teetrinker *hehe*
 
Wie beschreibt Ihr eure Musik? Was sind eure Einflüsse / Vorbilder?

FALK: EXXPERIOR sind anno 2021 ein grenzensprengendes Metal-Büffet auf gehobener Thrash-Basis, Prog-Geschmack und Musical-Seitennote, gewürzt mit Verrücktheit, Verspieltheit und Vision, und das Ganze anständig angebraten! Man könnte vielleicht sagen, dass die bisherigen EXXPERIOR-Werke auf all das schon hingearbeitet haben – aber wer weiß das, selbst rückblickend, schon so genau... Das Projekt ist im Grunde so wandelbar wie die Musiker/Menschen, die darin wirken.

Einflüsse/Vorbilder: Bezogen auf EXXPERIOR ist das für mich gar nicht so leicht zu sagen, da ich hier als Sänger fungiere und zwar durchaus Vorgänger und Kollegen habe, denen ich super gern zuhöre und die mich begeistern – aber für „Escalating Conflicts“ und alles, was dem noch folgen möge, gab es nur die Devise, die eigene Stimme – im besten Sinne und sehr gern! – in den Dienst der Platte selbst zu stellen. Es gab einzelne Stellen, an denen wir uns an bestimmten Sängern oder auch einfach Stilen orientieren wollten, andere Parallelen sind von allein während der Erarbeitung aufgetaucht. Es ging mehr um das „Wie soll das klingen/gesungen werden?“ als um ein „Nach wem sollte das klingen?“ Zumal: Nicht immer sind die Lieblingssänger ja die, nach denen man selbst auch klingt oder mit der eigenen Musik klingen will. Wie ROB HALFORD oder MIKAEL AKERFELD ;-)

EXXTOM: Große Vorbilder, wenn es um Komposition geht, sind für mich ganz klar GAMMA  RAY und HELLOWEEN. Danach fließt alles rein... einfach alles was mir begegnet.

Das Album „Escalating Conflicts“
Du hast ein sehr umfangreiches Album (15 Tracks) abgeliefert. Wie lange dauert der Schaffensprozess für so ein Projekt? Quasi vom Gedanken bis zum Umsetzen.
 
EXXTOM: Danke! Die Idee zum Konzept und Titel sind aus dem Jahr 2014. In diesem Fall ist es tatsächlich so, dass das Album daraufhin sechs Jahre gereift ist, bis es final für den Mix war. Dies war zwar nicht der anfängliche Plan, aber ich denke, es hat der Musik letztendlich gut getan. Es hätte auch nach zwei Jahren fertig sein können, da ich aber viele weitere Projekte und Bands pflege, hat es sich lange gezogen. Die beiden Instrumental-Stücke sind aus dem Jahr 2020, "Masks Of Men" schleppe ich seit 2009 mit mir und jetzt ist er endlich released *haha*.
 
Und woher beziehst du beim Schreiben deine Ideen?
 
EXXTOM: Boah... da ist sooo unterschiedlich. Im Grunde kann wirklich jeder Input durch Medienkonsum, eine Idee auslösen. Manchmal ist es aber auch das „gedankenlose“ Klimpern auf der Gitarre. Plötzlich hat man was, das muss ausgebaut werden. Da entsteht ein Song auch mal an einem Nachmittag. Jeder, der mich kennt weiß, ich bin ungeduldig. ;)
 
Was ist zuerst da, die Melodie oder der Text?
 
EXXTOM: Kommt beides vor. Meistens steht der Song aber zu 90% und Text wird daraufhin erst geschrieben und gleichzeitig angepasst. Ich bereite auch die PilotVocals vor, als Orientierung. Kann aber nur hoffen, dass das nie jemand leakt. (Anm. SV: dein Freund die Firewall und externe Speicher)
 
Du bist in einem Interview als „Verrückter, im positiven Sinne“ bezeichnet worden. Kannst du damit leben?
 
EXXTOM: Hahah... klar. Ich habe definitiv verrückte Ideen, also ein Kompliment ;)
 
Du liebst Musik und hast mittlerweile ein enormes Netzwerk aufgebaut. Wie kommst du an die Gastmusiker? Einfach fragen oder fragen die dich? Hat auch schon mal jemand abgelehnt?
 
EXXTOM: Japp. Meist via Facebook und ganz frei Schnauze einfach fragen. Und ja... es gab hin und wieder gar keine Reaktion oder Absagen aufgrund fehlender Zeit. Die meisten haben aber tatsächlich sofort Bock, was schon das erste dicke Kompliment ist und durch paar Erinnerungen meinerseits bleiben dann alle am Ball und liefern ab. Früher oder später.
 
Ich hab ja echt nicht so viel Ahnung was Thrash angeht, aber du mixt meiner Meinung nach mehr als das in deine Musik. Wie schaffst du es einen roten Faden laufen zu lassen?

EXXTOM: Ich liebe und lebe Thrash, seit ich diese Musik entdeckt habe; um das Jahr 2000. Das bin nun mal ich, der rote Faden kommt und bleibt von selbst. Tatsache ist auch, dass Songs schreiben schon immer mein Hobby ist. Dadurch – und durch mein Kompositionsstudium – bin ich sicherlich gut geübt. Organisation und Disziplin bleiben da nicht aus. Letzendlich aber auch eine Leidenschaft die Leiden schafft. 

FALK: Aus der Sicht des Sängers bzw. des Gesang-Entwickelns auf dem Album: Die Songs müssen eine Geschichte erzählen können. Der Hörer sollte dranbleiben und mitgehen können, gedanklich und hörtechnisch. Da kommen wiederkehrende Elemente und neue, erweiternde Momente zueinander – ein spannender Bogen, der sich durch den ganzen Song zieht. Im Grunde gilt natürlich für die Instrumente das gleiche – es sollte nix langweilen, es sollte was zu entdecken geben, was mitreißendes und im Idealfall etwas total beeindruckendes, das hängenbleibt. Wie das von den Tönen und der Dynamik her funktioniert, ist letztlich mehr Gespür (als Theorie).

EXXTOM: Obwohl! Ich habe dieses mal sehr viel auf konkret angewandte Theorie geachtet! Es soll ja ggf. zum Beispiel von einem Orchester gespielt werden können. Somit brauchte ich eine musiktheoretische Basis und weniger wilde Schlumperei :).

Du hast einige Anspielungen auf Spiritualität in deinem Alben. Ein wichtiger Aspekt des Lebens für dich oder Provokation?
 
EXXTOM: In Fall vom Song „Spirituality“ ist dies eine gezielte Ansange. „Religionskritik bedeutet nicht automatisch, dass Spiritualität ausschlossen wird. Bereiche, in denen Wissenschaft noch keine Antwort hat bieten viel Raum für Spekulatius...eh Spekulation ;) Philosophie ist ein weiteres zunehmendes Hobby meinerseits. (Anm. SV: Philosophie ist toll. Am Ende hat man mehr Fragen als vorher.)
 
Was ist für dich ein Thema, über welches du niemals einen Song machen würdest?
 
EXXTOM: Eh... tatsächlich keine Idee. Ist sicherlich eine Frage, wie ich es verpacken würde. Das erlaubt Kunst nunmal: Keine Regeln. Aber natürlich gibt es Grundsätze. Keine rassistischen oder sexisischten Texte als Beispiel. 
 
Wie umsetzbar ist deine Musik auf der Bühne? Gibt es da Abstriche zu den Möglichkeiten eines Studios?
 
EXXTOM: Ach, letztendlich ist alles möglich. Könnte aber auch sehr aufwendig werden, den Studiosound auf die Bühne zu bringen. Bis jetzt kommt ExxLive ich mit einer dicken Portion ThrashPunk Attitüde daher *haha*.
 
FALK: „Escalating Conflicts“ auf die Bühne zu bringen, würde richtig Aufwand bedeuten. Denn wenn, dann komplett: Mit (Theater-)Bühne und spielerischen Elementen, visueller Umsetzung und eben ganz vielen Gastmusikern. So ist es ja gedacht – so soll es im Kopf des Hörers beim Anhören passieren. Falls irgendeine Bühne daran interessiert ist: Gern :-). Aber nur „ein Stück“ des Konzepts aus dem Konzept zu reißen ist eher schwierig. Grundsätzlich: Mit fähigen Musikern geht auch diese wilde Musik natürlich ;-). Aber die Platte will ja etwas mehr sein als „nur“ Songs.
 
Du bist eine kreative Überraschungsbox. Was kommt noch auf uns zu? Woran würdest du gerne arbeiten. (Wenn du da schon was rausrücken möchtest.)

EXXTOM: Ich plane noch was witziges mit Falk, also ja da koment noch mindestens zwei Songs im Escalating Modus. Ansonsten wollen wir 2022 ExxLive wieder – mit Album – an den Start bringen. Paar coole Konzerte und hoffentlich geile Thrash Vibes. Mit CYBER MESSIAH kommt eine weitere EP. Und noch eine Band wo ich einsteige folgt ebenso... damn das wird ein hartes Jahr :).

FALK: Es gibt Ideen für Tribute an großartige Songs bzw. Musiker, die gewissermaßen an das Album-Konzept anknüpfen. Und wer weiß, ob es eine neue Welt bzw. Reise wie auf „Escaltating Conflicts“ gibt... 

Wie sehr hat euch die Pandemie (organisatorisch) erwischt  - wie kann man euch als Band unterstützen?
 
FALK: Da keine Konzert-Umsetzung dieses Albums geplant war, hat das darauf keinen Einfluss gehabt. Beim Aufnehmen waren wir ja auch immer nur zu zweit, konnten da einen entspannten Modus fahren, auch der Mix etc. lief digital, wobei wir das natürlich schon gerne auch leibhaftig mit Dennis Israel (Mix) oder gar Jens Bogren (Mastering) gemacht hätten! Ob die Promotion für das Album ohne Corona anders gewesen wäre, keine Ahnung. So oder so musste das Album über das Netz und über Medien und Stimmen aus der Szene in die Welt hinaus, Pandenie hin, Pandenie her (kleiner Teddy-Gag ;-). Unterstützen geht aber natürlich ganz einfach und offensichtlich: Weitersagen, weiterempfehlen, weiterschicken ;-). Und am besten als CD kaufen, denn dann hat man das fette Booklet mit allen Texten und Artworks, um richtig in die Welt des Albums einzutauchen, und kann es eben auch offline hören – auch manchmal nicht schlecht. ;-)
 
Kleine Zusatzfragen :-)

Geht ihr selber noch auf Konzerte / Festivals?

EXXTOM: Mal abgesehen von Corona-Misere... na aber Hallo! Klar sehr gerne. Ich hatte ja auch das Glück durch meine Touren mit DUST BOLT immer wieder viele Festivals zu besuchen/genießen.

FALK: Andersrum überlegt: Gibt es wirklich Leute, die nicht mehr auf Konzerte gehen?! Ganz klar: Eine Platte kann musikalische Momente und echte Meilensteine für die Ewigkeit einfangen. Aber Livekonzerte sind einfach ein Erlebnis, egal ob groß, klein, mit 2000 Leuten oder 20. Und (u.a.) Metal MUSS man auch live erleben. Dieses Kribbeln im Bauch, wenn die Gitarre beim Soundcheck anfängt zu braten… Und der Jubel in und um einen herum. Brauchst du, musst du.

Was war euer unvergesslichster Moment, mit welchem Ihr Musik verbindet?

EXXTOM: Schwer hier einen Moment hervorzuheben. Aber die WACKEN Show mit DUST BOLT war schon krass. Jeff Waters, der uns von der Seite zuguckt. Anschließend Party, 2h Schlaf und ab in den Flieger nach Portugal. Nächste Show. WTF? Ist es dass was ich immer wollte, haha? Mein bestes Konzert war BONDED BY BLOOD in Tschechien. Ausflipp-Modus-Of-Death. 

FALK: Im Metal-Bereich muss ich immer an zwei Konzerte denken: AUTOPSY 2010 beim PartySan-Festival (da lag Death Metal spürbar in der Luft!) und JUDAS PRIEST (ich glaube im Jahr darauf) auf Wacken. Im Nicht-Metal-Bereich: DIE KING'S SINGERS, eine der besten A-cappella-Gruppen der Welt, haben mir (ebenfalls:) 2010 direkt ins Herz gesungen. Kann ich nicht anders beschreiben.

Welche Band / Sänger/Sängerin würdet ihr sagen, ist ein absolutes Muss um gehört zu werden?

EXXTOM: Kurze Antwort: Queen (Anm. SV: Purrrfect)
Lange Antwort: Echt eine Frage von Kontext. „Gehört zu werden“ um…? Metal zu verstehen? Zu wissen, dass es existiert? Ich mach mal ne Liste… :)

FALK: Gute Antwort von Tom. Ich lass das so stehen, denn wo soll man sonst anfangen und wo aufhören? ;-) QUEEN kann man hier bedenkenlos nennen und hat eine adäquate Antwort.
 
Die Kritiken zu eurem Album überschlagen sich vor Begeisterung: Lest ihr, was über euch veröffentlicht wird, oder ist das eher nebensächlich?
 
FALK: Ich glaube, wer sagt, dass er seine Kritiken nicht liest, lügt ;-). Und ja: Wir waren einfach sehr gespannt auf die Reaktionen. Gerade auch nach dem vielen positiven Feedback all derer, die mitgemacht haben und es im Prozess gehört haben – da willst du doch wissen, wie die Leute es aufnehmen, was sie daran entdecken, was es mit ihnen macht und ob sie „dahintersteigen“ – bei einem solchen Album auf jeden Fall :-). Ich bin an sowas sehr interessiert. Dass es aber nicht für alle „leicht zu verdauen“ ist, war auch klar. Umso schöner, wenn jemand richtig geplättet und positiv überrascht ist.
 
EXXTOM: Ich hätte mich über konstruktive Kritik seitens derer, die nicht volle/hohe Punktzahl geben, sehr gefreut. Immer wieder lese ich „anstrengend“. Und ich denke mir so: Hallo? Du bist doch mal Metal-Fan geworden weil es härter, schneller und wilder sein sollte. Und jetzt ist es zu viel? Dude, bist du weich :p.  (Anm. SV: Evtl werden die Gehörgänge nach ein paar Jahren mimimiiiimi?)
 
Stay fu**ing Metal! Danke Stormbringer!
 
Always a pleasure und herzliches Danke an Tom & Falk von EXXPERIOR
 
Genre: Thrash Metal
Line-Up:
Tom Liebing – Gitarre, Bass (Live und Album)
Falk Mittenentzwei - AlbumVocals
Karl Mergen – Drums (Live)
Chris „Keksgrinder“ Carl – Vocals (Live)
Andre Bischoff – Gitarre (Live)
Vincent Münster – Bass (Live)
 
Album: Escalating Conflicts 
Tracklist: 
1. Exitiabilis Creatura
2. A World Goes Astray
3. Timeles but Mindless
4. A.A.A.
5. The Agnostic Jam
6. Spirituality
7. Multidimensional Mindblow
8. Transformatus Erat
9. A Murderer's Excuse
10. About Peace... The Presence Of Justice
11. Masks Of Men
12. XX
13. Join The Brigade
14. The Ethical Meaning of Success
15. Anything

 
 

WERBUNG: Hard
ANZEIGE