Interview: USURPATOR - N.V.

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Die Musik ist für mich Ventil, Leidenschaft und natürlich auch Lebensinhalt.

Durch die düsteren Abgründe der menschlichen Sünden mit URSURPATOR aus Österreich.

Veröffentlicht am 05.07.2022

Intro

„Band“ ist ein irreführender Begriff, da es ein Solo-Projekt ist. Wie kam es dazu?
Dass USURPATOR ein Solo-Projekt ist, liegt schlichtweg daran, dass ich mit der Musik, welche ich mache und den Ideen, die ich umsetzen möchte (noch) keine passenden Musiker gefunden habe und deshalb die Sache selbst in die Hand genommen habe. Allerdings bin ich für neue Musiker und Kollaborationen offen, sofern die Chemie stimmt. Es ist sehr schwer, in diesem Genre Musiker in Österreich zu finden, die nicht entweder schon in mehreren Projekten involviert sind oder ähnliche Ansätze in der Umsetzung haben.

Die Hauptthemen tendieren genremäßig Richtung: Tod, Misanthropie, Nihilismus, Mythologie. Siehst du die Welt immer düster oder ist es einfacher diese Themen zu vertonen als Happy-Glücksbärchi-Laune zu verbreiten?
Die Themen, die ich behandle, entstehen aus mehreren Gefühlen heraus. Obwohl ich, wenn ich mir die Welt so ansehe, auf der pessimistischeren Seite bin, sehe ich nicht immer alles düster, sonst könnte ich kein "normales" Leben als Berufstätiger führen. Die Musik ist für mich Ventil, Leidenschaft und natürlich auch Lebensinhalt.

Das neue Album „Atonement“

Für was muss das Album/der Künstler um Sühne bitten? [Atonement = Sühne leisten/Abbitte leisten. Anm. d. Autorin]?
Das ist schwierig zu erklären. Hierbei geht es nicht um eine persönliche Abbitte, jedoch um die Buße der Menschheit für ihre Dummheit, Gier, Überheblichkeit und Ignoranz. Allerdings ist das Ganze mit einem gewissen Zynismus zu betrachten, denn es geht nicht darum, dass ein zorniger Gott die Menschheit für ihre "Sünden" büßen lassen möchte. Die „Entsühnung“ bringt der Tod, welcher uns schlussendlich vereint und alles und jeden gleichstellt.

Die Titel des Albums sind ja schon Ansagen: Phtisis – Dämon der Fäulnis, Hybris – Hochmut, Geldgier, Blutschande…) Nicht gerade eine zimperliche Auswahl. Was brachte dich dazu, den Finger in den Sündenkatalog der Menschheit zu drücken?
Was mich dazu brachte ist schlichtweg der Zustand der Welt. Ungleichheit, korrupte Politiker, Krieg, eine Pandemie in der sich einige Menschen nicht einmal ein paar Millimeter von ihrem hohen Lebensstandard wegbewegen wollen und stattdessen auf die Straßen gehen, um mit ihrer Idiotie noch mehr Schaden anzurichten. All das und mehr habe ich in das Album gepackt. Ich vertrete keine abrahamitisch schwarz-weiß geprägten Werte und sehe weder Gutes noch Schlechtes in der Menschheit. Ich denke es ist alles eine Frage von Bildung, kulturellem und sozialem Hintergrund.

Fragen aus Neugier

Welches Motiv der Mythologie würde dich reizen um als Thema eines Albums / Songs herzuhalten?
Ich glaube nicht, dass ich eine schon geschriebene mythologische Geschichte in einem Song behandeln möchte, da primär mythologische Figuren eher als Metapher und nicht als direktes Thema herhalten. Dasselbe gilt für Bücher. Ich kann zwar daraus Inspiration schöpfen, will jedoch meine eigenen "Geschichten" schreiben.

Liegt die Faszination am Düsteren/Makabren im Mensch-Sein? Oder ist es eine persönliche Entwicklung (allgemein betrachtet)?
Ich glaube die Faszination am Düsteren/ Makabren ist einerseits Entwicklungs-, andererseits auch Charaktersache. Meiner Meinung nach hängt es damit zusammen, wie man mit den existenziellen und teils unbeantwortbaren Fragen des Lebens und des Todes umgeht.

Herzlichen Dank für deine Zeit und ich bin auf das Album gespannt.


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