Interview: BELPHEGOR - Helmuth

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Mit Sicherheit das abwechslungsreichste und dynamischste Liedgut das wir je recorded haben. Amen!

Am 29.07.2022 erschien das 12. Studio-Album der heimischen Black Metal Urgesteine von BELPHEGOR. Zu diesem Anlass habe ich mich mit Helmuth über die vergangenen 29 Jahre Bandgeschichte, das neue Album, Ziele und Inspiration unterhalten!

Veröffentlicht am 01.08.2022

Pünktlich zum (etwas verspäteten) Release des langersehnten 12. Studio-Albums der österreichischen Black Metal Legenden von BELPHEGOR durfte ich Helmuth in einem Interview ein bisschen auf den Zahn fühlen. Wir haben unter anderem über Motivation, Inspiration, das neue Album, Vergangenheit und Zukunft gesprochen, aber lest selbst:

 

29 Jahre BELPHEGOR, bald 12 veröffentlichte Alben, unzählige Touren auf der ganzen Welt - das ist - nicht nur für eine österreichische Black Metal Band - eine beachtliche Bilanz. Woher nehmt ihr die Energie, und nach so viel Erlebtem auch die Motivation zum Weitermachen? Wie schafft ihr es, das Musikerdasein nicht zu einem Routine-Job verkommen zu lassen und die Leidenschaft am Leben zu erhalten?

Wir haben bereits den ganzen Planeten mehrmals abgetourt & es gibt nicht mehr viele Plätze, wo wir noch nicht gewütet haben.

BELPHEGOR spielen den brutal Metal of Death mit Black Metal Einflüßen. Eine perfeckte Symbiose aus beiden Stil Elementen, das ist unser Trademark-Sound seit 1993 und wir waren eine der ersten Bands die diesen heutzutage genannten Blackended Death Metal Sound, erschaffen haben.  

Wie immer glorifizieren wir auch auf unserem zwölften Werk „The Devils“ die Abgründe der menschlichen Rasse in engster Verbindung mit romantischer Perversion, Nihilistischen Ansichten und der Haupt Thematik dem Teufel, also den rebellierenden gefallenen Engeln, die sich auf die Erde gestürzt haben.

Ich und Serpenth verkörpern BELPHEGOR.  Wir sind ein Zwei-Mann-Geschwader seit 2006. Wir wechseln für fast jedes Album die Studios, Produzenten und rekrutieren alle paar Jahre neues Fleisch in Form von talentierten Musikern aus allen Teilen dieser Welt. Das hält das Feuer und die Leidenschaft brachiale Kunst zu kreieren am Leben & ermöglicht uns Weltweit einzumarschieren. BELPHEGOR stehen für extreme Musik, gepaart mit krassen Live-Prozessionen.


Seit dem letzten Album ist relativ viel Zeit vergangen. Nun, nach fünf Jahren Wartezeit erscheint mit "The Devils" ein neues. Was man schon hören kann, klingt ja bereits sehr vielversprechend! Stilistisch scheint mir, hat sich aber doch einiges getan, im direkten Vergleich zum letzten Album. "Totentanz –​ Dance Macabre" erinnert mich an "Lucifer Incestus"-Zeiten. Eine richtig starke Nummer mit viel Komplexität und Mörder-Drums! Ist sie aus eurer Sicht bereits ein Wegweiser fürs neue Album?

Die Pandemie hat das ganze natürlich enorm verzögert. "The Devils" war geplant für Anfang 2021, jetzt wird die LP endlich am 29. Juli 2022 rauskommen. Auf der einen Seite war es frustrierend, das ganze Theater, die letzten Jahre nicht weltweit touren und einfallen zu können. Auf der anderen hatten wir eine Menge extra Zeit, Verachtung und aufgestaute Aggressionen deswegen, die alle in das neue Werk eingeflossen sind.

Das mittlerweile mehr als ausgeleierte Covid-Drama war sicher schuld daran, dass alles so lange gedauert hat. Ich wollte keine LP rausbringen, wenn wir das Album nicht promoten können, on stage, wo die BELPHEGOR-Essenz stattfindet, also in einer Live-Prozession. Ich vergleiche kein Album, jedes Projekt steht für sich. Und ja, wir versuchen natürlich, uns stetig weiterzuentwickeln und das maximale rauszuholen. Meistens gelingt es uns, ab und zu scheitern wir.

Danke dir. Ja, "Totentanz" ist die schnellste Soundkollage, die wir je erschaffen haben, weitaus intensiver als "Lucifer Incestus" und eine Herausforderung für jeden Musiker. Speziell die Drums, eingespielt von David Diepold, sind unglaublich komplex. Aber ja, beides dynamische aggressive Tracks. "The Devils" ist unser abwechslungsreichstes Album in BELPHEGORs legacy. Wir haben im Extrem Metal-Bereich alles abgedeckt, eben unser Trademark-Sound mit einigen NWOBHM-Einflüssen im BELPHEGOR-Gewand und viele neue Experimente gewagt, wie etwa bei "Glorifizierung des Teufels" oder "Creature of Fire". Jens Bogren, der schwedische Ausnahmeproduzent, hat uns eine krasse und brilliante Soundwall geschmiedet, direkt aus der Hölle.

Ein weiteres Markenzeichen ist seit 1996 auch die deutsche Sprache, die wir da erstmals eingebaut haben und ihr seitdem auf jedem Album huldigen. Neben Deutsch und Englisch verwenden wir auch viele Originalzitate, eben Gebete, Ketzereien, Spells in Form von lateinischen Fragmenten.

Alles auf "The Devils" klingt genauso, wie wir das 2022 wollten. Für mich eines unserer stärksten Alben, das ist sicher. Mit Sicherheit das abwechslungsreichste und dynamischste Liedgut das wir je recorded haben. Amen!

Die zweite Vorabveröffentlichung, "Virtus Asinaria - Prayer" wirkt ungewohnt hymnisch, mystisch, erhaben. Dazu das stimmige Live-Video von der Neudegg-Alm. Was hat euch zu diesem Titel inspiriert?

Ein lateinisches Gebet für die Glorifizierung und Huldigung des Teufels, mein Blutsbruder Barth hatte das damals angeschleppt als er noch in BELPHEGOR Bass spielte.

Das Endwerk "Virtus Asinaria - Prayer" ist meiner Meinung was sehr Spezielles geworden. Wir zelebrieren das Liedgut seit Anfang 2019 auf Bühnen weltweit. Der marschartige Drumbeat, die atmosphärischen Gitarren, der monotone Mönchsgesang sind etwas, was wir so noch nie hatten und mittlerweile ein Höhepunkt in jeder BELPHEGOR-Prozession.

Auf "The Devils" haben wir mehr experimentiert denn je, auch den Track "Creature of Fire", mit female chants will ich hier erwähnen, mit tiefen Pauken versehen. Die Chöre habe auch alle ich eingesungen, in den vier-fünf Liedern. Wir hatten noch nie mehrstimmige Chöre, aber Jakob vom Studio Mischmaschine, wo wir Bass, Gitarren und Vocals aufgenommen haben, hat als Kind im Kirchenchor gesungen und meinte: "Lass doch mal sowas probieren". Das war eine glorreiche Idee und hat viel gebracht in Sachen Klangfarbe und majestätischer Erhabenheit für das neue Album.

So ein Musik-Stück hatten wir noch nie dargebracht und wir bewegen uns auf völlig neuem Terrain, wo wir eben auch cleane female ritual vocals hinzufügten.

Seit der Bandgründung 1992 hat sich in der Musikindustrie doch einiges verändert. Weg von der CD, hin zum Streaming, und nun in den letzten Jahren wieder weg von digitalen Medien hin zu analogen Tonträgern, wie Schallplatten oder Tapes. Wie hast du diese Entwicklung als Musiker über die Jahre erlebt? Euer neues Album erscheint neben CD auch auf Vinyl. Hast du einen favorisierten Tonträger?

Art muss kontrovers, tabubrechend und bizarr sein, wenn es das nicht ist, ist es für mich nur Abfall. Aber wie gesagt jedem das Seine. Vieles wird immer sensitiver und wir leben in dieser Cancellation-Kultur, was entsetzlich ist. Kunst braucht die Freiheit der Sprache, alles wird beschnitten und bösartig zensiert, sobald man nicht mit der dahinsiechenden Masse, der Terror-Konsum-Gesellschaft, konform verbündet.  

Wir haben nur noch Probleme, und Firmen wie You Tube killen Kunst mit ihren Auflagen, indem sie alles beschneiden.

Ich kümmere mich auch wenig um die Industrie, noch will ich großartig darüber reden, jede Generation hat ihr Ding und das ist auch gut so. Ich halte es wie immer, ich supporte, höre was mir gefällt und ignoriere den Rest.

Gibt es Pläne für die Zukunft? Habt ihr Ziele als Band?

Ja wir werden das Album, "The Devils" natürlich weltweit in so vielen Hallen wie nur möglich zelebrieren.

Egal ob als Mensch, Band, Musiker, Artist was auch immer. Das Wichtigste sind Ziele, Visionen und sich die Freiheit zu nehmen, an diesen zu arbeiten, wenn möglich sie zum Leben zu erwecken. Wir sind sehr stolz auf das, was wir mit BELPHEGOR erreicht haben, ohne große Agenturen und wertloses Aufmerksamkeitsgehabe.  

Und ja, wir haben noch einige Missionen und Pfade zu beschreiten, an denen wir in Zukunft hart als Team arbeiten werden. Das Leben ist zu kurz, um Spiele zu spielen. Lasst euch von niemanden dreinreden, geht euren Weg und trefft eure „eigenen“ Entscheidungen, es ist euer Leben.

Auf wie viele Alben habt ihr – Stand heute – noch Lust?

Ja, wie auch immer harrharrrr. Wir veröffentlichen "The Devils" am 29. July 2022.

Wie gesagt, Touren hat Priorität im BELPHEGOR Lager, und dann wird man weitersehen.

Ein BELPHEGOR Konzert ist eine reinigend-bizarre Prozession, wo du deine Dämonen zum Tanz ausführst. Teuflisch rasend, authentisch und erhaben dargebracht. Egal wo wir einfallen, es ist immer der Haupt-Plan, alles musikalisch zu Schutt und Asche zu zertrümmern.

Besten Dank für das Interview! Möchtest du noch etwas loswerden? 

Metallische Grüße an alle Leute, die uns supporten und unsere Konzerte besuchen und unser Merch oder Alben sich zulegen. Eine Ehre – dieser Horror. In Musik, Helmuth

Support und order „THE DEVILS“ hier.


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