Interview: OBITUARY - John Tardy

Artikel-Bild

Ich finde nicht, dass es fair ist, dass Fans mehr und mehr für Tickets zahlen müssen.

Nach fast sechs Jahren gibt es ein neues Album von OBITUARY und nach fast genauso langer Zeit kann man sie endlich mal wieder live in Europa sehen. Ein idealer Anlass für ein Gespräch mit Sänger John Tardy.

Veröffentlicht am 15.01.2023

Am 13. Januar erschien OBITUARYs neues Album. Während mein Kollege Christian nicht so begeistert davon ist (Review, mehr Meinungen auch im „Gangbang”), halte ich es für ein starkes Album. Aber anders als Christian, mag ich CELTIC FROST und liebe VENOM. Geschmäcker sind verschieden und wahrscheinlich gibt es kein Album, das alle hassen oder alle lieben (auch wenn mir davor schaudert, dass jemand „Unfinished Music No. 1: Two Virgins“ von JOHN LENNON und YOKO ONO für ein großartiges Album hält).
Wo sich die meisten einig sein dürften, OBITUARY sind eine fantastische Liveband, die, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, auch Leute für sich gewinnen können, die mit Death Metal nichts am Hut haben oder die Band nicht kennen. Sie sind auch sehr zugänglich und schätzen ihre Fans. Also, wenn ihr die Gelegenheit habt sie live zu sehen, gebt ihnen eine Chance.

Was nicht zur Debatte steht, John Tardy ist ein angenehmer und superfreundlicher Interviewpartner. Und dass bei OBITUARY sich alles organisch entwickelt. Da ist nichts krampfhaft oder gekünstelt, was vielleicht auch ein Grund ist, weshalb ihre Alben so authentisch und bodenständig wirken, wie die Musiker dahinter. Das Interview fand eine Woche vor dem Release statt.


Hallo John, danke dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wie geht es dir?

Großartig! Wir sind erst vor ein paar Wochen von einer großartigen Tour mit AMON AMARTH, CARCASS und CATTLE DECAPITATION nach Hause gekommen, und es hätte nicht mehr Spaß machen können. Großartige Shows und eine absolut tolle Zeit.

„Dying of Everything“ kommt am 13. Januar raus...

Freitag der 13.! (lacht) Wir sind so aufgeregt! Wir sitzen seit rund zwei Jahren auf dem Ding. Jetzt, da es nur noch eine Woche dauert und wir schon ein paar Singles veröffentlicht haben, da sind wir im Moment schon sehr aufgeregt.

Nervt es dich, wenn du ständig gefragt wirst, ob der Titel etwas mit der Pandemie zu tun hat? 

Nicht wirklich. Manche tun es und manche nicht. Die Songtitel sind das letzte, über das wir uns Gedanken machen. Normalerweise kommt zuerst die Musik, dann schreibe ich die Texte und mache mir Gedanken, um auf Songtitel zu kommen. Titel sind das Letzte, was recht lustig ist, denn meist haben wir unsere eigene Pro-Tools-Anlage, wenn wir aufnehmen, also musst du den Songs einen Namen geben, wenn du anfängst. Es könnte irgendetwas sein, sei es „Song 1“, „Song 2“, oder manchmal „der SLAYER Song“, weil es ähnlich wie SLAYER klingt. Oder wir nennen es den „FROST Song“, wenn es so einen Sound hat.

Als wir die Lyrics zu “Dying of Everything” hatten, passte es einfach irgendwie, auch mit der Pandemie, die für alle Scheiße war. Seien wir ehrlich, das durchzumachen war eine schlimme Sache. Zu Hause zu sitzen, und es schien als würdest du jeden Tag aufwachen und etwas Neues über Impfstoffe, Masken, Social Distancing und dies und das erfahren. Irgendwann kam der Punkt, da dachten wir nur: „Weißt du was, Mann? Wir sterben an allem!“ So hat es sich angefühlt. Jeder hatte einfach die Nase voll. Aber Gott sei Dank liegt das meiste hinter uns und wir können mit dem weiter machen, was wir so tun.

Was mir am neuen Album auffiel, ist die Vielseitigkeit. Ihr habt von super heavy, superschnellen Sachen wie “Barely Alive” bis hin zum sehr langsamen, fast schon doomigen „Be Warned” so ziemlich alles drauf. War das eine bewusste Entscheidung?

Nichts was wir tun, ist wirklich mit Absicht. Wir sitzen nicht viel herum und überlegen: „Okay, wir müssen jetzt einen langsamen Song schreiben“. Wir treffen uns einfach und jammen. So haben wir es immer getan, und das funktioniert für uns. Aber es ist schon irgendwie lustig. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, aber die Platte beginnt mit "Barely Alive”, den glaube ich, schnellsten Bass Drums, die wir jemals von DT [Donald Tardy, Anm. d. Verf.] abverlangt haben. Und dann endet das Album mit “Beware, Be Warned”, was für ein Kontrast ist das? Wenn du die beiden nacheinander hören würdest und sie die einzigen Songs wären, die du hast, würdest du nicht wissen, was dich auf dem Album erwartet. Der Rest, wie das gestern veröffentlichte “My Will To Live”, im Mid-Tempo und mit heavy Riffs. Da ist sehr viel unterschiedlich klingendes Zeug dabei, wie etwa „War“, und das macht Spaß. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass wir nicht versuchen, jedes oder jedes zweite Jahr ein Album herauszubringen. Wenn du das machst und in die Schreibphase kommst, dann klingen die Songs wahrscheinlich ähnlicher, da du sie alle zur selben Zeit schreibst. So viele unserer Ideen waren über sechs bis sieben Jahre verteilt, vielleicht hat das ein bisschen damit zu tun, weshalb es so eine Bandbreite an Songs gibt.

Noch etwas, was mir auffiel, nicht nur beim neuen Album, ist euer „ehrlicher“ Sound. Da ist nichts überproduziert oder übermäßig bearbeitet. Wenn man sich die Songs auf dem Album anhört, kann man sich immer vorstellen, wie sie live gespielt klingen werdent.

Yeah. So sind wir, wir mögen dieses Sound-Replace Zeugs überhaupt nicht. Wir sind vor allem eine Liveband, da kommen wir, glaube ich, am besten rüber. Mit vielen unserer Alben bin ich jetzt, wenn ich sie mir anhöre, nicht zufrieden. Live zu spielen und aufnehmen sind zwei sehr verschiedene Dinge. Es ist unglaublich. Was du alles machen musst, um das zu tun. Weißt du, ich kann auf die Bühne gehen, wahrscheinlich kann jeder die Bühne auf einem Festival betreten, und wenn du 80.000 Menschen siehst, feuert es dich an. Besonders die Art von Musik zu singen, die wir spielen. Aber am Morgen hier ins eigene Studio zu gehen, nachdem ich eine Tasse Kaffee hatte, die Kopfhörer aufzusetzen, und plötzlich soll ich den Gang ändern und so singen, wie wir Metalsänger singen... Es ist ein Kopfspielchen, auf das du dich einlassen musst. Das ist fast wie, wenn du dich auf einen Kampf vorbereitest, wenn du ins Studio gehst (lacht). Es ist eine einzigartige Herausforderung.

Wie gesagt, viele dieser Alben hörst du dir später an und denkst dir: 'Ich wünschte wir hätten das getan, ich wünschte wir hätten das geändert, ich wünschte das würde nicht so klingen', so in der Art. Aber wir haben so viel Zeit mit dem neuen Album verbracht, wir haben so lange mit unserem Produzenten Joe Cincotta gearbeitet, dass ich denke, da kam alles zusammen, Songwriting, Aufnahme und sein Mix, und ich bin sehr, sehr zufrieden mit der Produktion des Albums.

Ich denke ihr könnt sehr zufrieden mit dem neuen Album sein.
(lacht) Danke! Tut gut, dass zu hören. Wie ich schon sagte, nachdem wir zwei Jahre gewartet haben, denke ich: 'Was werden alle davon halten?'. Jetzt, da wir endlich dazu kommen, mit Leuten zu sprechen, die es gehört haben, denn außer drei Songs hatte bis gestern niemand was gehört, tut es gut die Meinungen jener zu hören, die es gehört haben. 

Ich schätze mal, das neue Baby ist immer etwas Besonderes für einen Musiker. Wenn du zurückblickst auf eure früheren Alben, hast du da einen Favoriten oder eines das dir besonders viel bedeutet und weshalb dieses?

Ich denke jedes, wenn man daran zurückdenkt. Manchmal setzen sich DT und ich hier zusammen und reden miteinander oder machen vielleicht ein Interview zusammen, und jemand fragt uns zu einem bestimmten Album, dann erwähnt er Dinge wie: „Oh ja, das war Jamie [Locke, Produzent, Anm. d. Verf.] der das getan hat und wir gingen zu Criteria“. Für „The End Complete“ fuhren wir zu Criteria Music in Miami, da wurde es gemixt. Bis dahin hatten wir alle Songs bei Morrisound mit Scott Burns aufgenommen, also war das etwas Neues für uns.

Jedes Album verbindest du mit einem bestimmten Zeitpunkt in deinem Leben und bestimmten Dingen, aber es ist schwer das Gefühl zu übertreffen von „Slowly We Rot“, denn ich kann mich noch heute daran erinnern, wie ich zu meinem Briefkasten ging und das Album herausnahm. Ich sah die Platte zum ersten Mal und es war schon irgendwie cool. Wir hatten nie damit gerechnet, dieses Album aufzunehmen. Wir waren Teenager in der oder gerade raus aus der High School. Als die Plattenfirma auf uns zu kam und sagte: „Wollt ihr ein Album machen?“, sagten wir: „Okay“. Wir mussten noch ein paar mehr Songs schreiben, da die Hälfte davon schon gemacht worden war, und ein Album veröffentlichen. Das war schon irgendwie eine Überraschung, plötzlich dachtest du: „Was? Das ist irgendwie cool!“

Bei “Cause of Death“ sagten wir zum ersten Mal: “Okay, wir wollen das noch mal machen”, also schrieben wir noch mehr Songs. “Cause of Death” war das erste Album, das wir richtig planten und wo wir wussten, worauf wir uns einlassen. Wie ich sagte, jedes davon... du siehst dir ein Foto an und denkst: 'Ich erinnere mich an diesen Hut', oder das Shirt, ich erinnere mich daran, was wir damals machten, unsere erste Europatour, unsere erste Amerikatour, jedes Album hat seine eigenen Geschichten, und es macht Spaß sich zu erinnern.

Ihr hattet einen älteren Bruder mit einer Plattensammlung, die einen großen Einfluss auf dich und deinen Bruder Donald hatte. 

Yeah.

Hattest du ein Lieblingsalbum aus seiner Sammlung?

(lacht) Ich erinnere mich an das LYNYRD SKYNYRD “Gold & Platinum” Album, das war das erste, an das ich mich erinnern kann, das man aufklappen konnte und die ganzen Fotos, Sleeves und einfach alles daran... Keine Frage, selbst meine Eltern [waren Musikliebhaber, Anm. d. Verf.], mein Vater war zwar kein Musiker, aber er spielte die Harmonika, meist wenn er betrunken war (lacht), aber wir hatten immer Musik im Haus, wir haben das also immer gemacht. Als mein älterer Bruder dann einen Plattenspieler, großen Kenwood Receiver und Lautsprecher bekam, gingen wir immer wieder in sein Schlafzimmer, er ließ uns rein, und wir gingen seine Alben durch. LYNYRD SKYNYRD, THE OUTLAWS und der ganze Klassikrock, LED ZEPPELIN und so weiter, PAT TRAVERS, TED NUGENT, das haben wir uns oft angehört. Das war als wir noch in Miami lebten. 1980 sind wir nach Tampa gezogen und dort trafen wir Jungs wie NASTY SAVAGE und SAVATAGE, die bereits in Bands waren. Die waren diejenigen, als wir die sahen, da dachten wir uns: 'Mann, das ist es was ich machen möchte!' Donald fing an Schlagzeug zu spielen, hatte aber keines, Trevor hatte eine Gitarre, aber wir mussten zu einem anderen Haus gehen, um zu üben und fingen an zu jammen. Wir hörten unsere erste HELLHAMMER-Scheibe und die hat unseren Fokus völlig neu ausgerichtet in Bezug auf alles, was wir im Leben dachten, und wir wollten einfach nur so hart wie möglich werden. (lacht)

Wolltest du immer schon Sänger sein, oder wolltest du anfangs auch ein Instrument spielen?

Ich weiß gar nicht, ob ich irgendwas davon machen wollte. Wie ich sagte, Donald und Trevor und ich wir gingen zum Haus von jemand anderem, der ein Schlagzeug hatte, und Trevor nahm seine Gitarre mit und seinen Verstärker, oder wir liehen die Sachen aus. Sie fingen einfach an zu jammen, keiner von denen hatte eine Ahnung, wie irgendwas geht. Sie waren nicht gut genug, um Coverversionen zu spielen, also schrieben sie von Anfang an eigene Riffs. Ich fing einfach an zu singen, weil es sonst niemanden gab, und ich machte Scherze wie: „Sucht ihr Jungs noch immer nach einem Sänger, denn wenn ihr einen findet, können wir hier endlich weiter machen.“ (lacht) Es macht Spaß, es hat auch seine Herausforderungen, besonders das Touren, aber es macht Spaß. Ich bin keine besonders extrovertierte Person, ich schätze ich bin eher auf der schüchternen Seite und mochte es nie in der Öffentlichkeit zu sprechen, deshalb ist es schon irgendwie lustig, dass ich derjenige bin, der raus vorne auf die Bühne geht und mit den Menschen spricht.

Du hast eine recht einzigartige Stimme. Kannst du dich an die Reaktion deines Bruders erinnern, als er sie das erste Mal hörte?

(tiefer Seufzer) Ich weiß nicht, ob du mal unsere EXECUTIONER Single gehört hast. Die zwei albernen Songs “Metal Up Your Ass” und “Syco-pathic Mind”, das war einfach...ich meine, wir waren nur Teenager, wir hatten keine Ahnung, aber das waren die ersten zwei Songs, die wir geschrieben hatten, und wir zahlten selbst dafür, ins Studio zu gehen und eine Scheibe aufzunehmen. Das klang völlig anders, als wir heute klingen. Das war sehr von NASTY SAVAGE beeinflusst, und es ist für mich sehr seltsam, mir das anzuhören, weil es so lange her ist. Als ich anfing zu singen, in Fakt sogar noch heute, wenn ich übe, benutze ich keine Hilfsmittel. Ich singe einfach im Raum zur Musik, ich benutze kein Mikrofon oder P.A., ich singe einfach. Ich weiß nicht einmal, ob sie damals als wir jammten, mich überhaupt gehört hatten.
Wie schon erwähnt, frühe CELTIC FROST und frühe VENOM haben mir geholfen, einen Fokus zu finden, steuerten mich in eine Richtung und brachten mich dazu, heavier und heavier singen zu wollen. Ich weiß gar nicht wirklich, ob ich mich wirklich an seine erste Reaktion erinnern kann. Er dachte sich wahrscheinlich nur: „Ich spiele mein Schlagzeug und freue mich darüber es zu tun.“ (lacht) Wir stiegen aus dem Bus, gingen von der Bushaltestelle direkt in die Garage des Hauses meiner Mutter und wir übten und jammten da drinnen, bis sie die Tür aufstieß und sagte: „Gut, Zeit für Dinner und dass alle nach Hause gehen“. Aber damit waren wir für lange Zeit sehr zufrieden.

Hast du mal clean gesungen, bevor du mit Death Metal Vocals anfingst?

Ganz wenig und vor sehr langer Zeit. Aber die Jungs, mein Bruder und Trevor, es war ja nicht so, als ob ich rein ging und sie hätten LED ZEPPELIN oder VAN HALEN Songs gespielt und ich versucht da mitzusingen. Sie schrieben von Beginn an ihre eigenen kleinen albernen Rhythmen und Zeugs und wir haben von Anfang an versucht, immer härter zu werden. Aber ich singe in der Dusche wie jeder andere auch...(lacht). Ein bisschen Country und so was in die Richtung. Klingt gut in der Dusche, aber wer weiß. (lacht)

Aber wahrscheinlich nur Oldschool Country, kein modernes Zeugs?

Das kannst du laut sagen! Menschenskind! Es ist meiner Meinung nach eine echt harte Zeit für Countryfans. Ich mag das halb-gerappte halb-Country Zeugs überhaupt nicht. Ich höre gerne den ganzen Tag lang die alten Klassiker auf XM Satellite Willie's Roadhouse. Ich habe sogar Tickets für WILLIE NELSON am bevorstehenden Strawberry Festival. Definitiv mehr klassischen Country.

Bevor du professioneller Musiker wurdest, hast du einmal große Anstrengungen unternommen, um eine Band live zu sehen?

Ja, damals sind wir raus geschlichen und haben versucht, NASTY SAVAGE und SAVATAGE zu sehen. Wir durften nicht hinein und haben versucht, uns hineinzuschleichen, um die Gigs zu sehen. Ich glaube, mein älterer Bruder hatte mich zu meinem ersten richtigen Konzert in einer Arena mitgenommen. Ich denke, es war BILLY SQUIER. Und ich habe mich gleich am Anfang in die kompletten Konzertabende verliebt. Angefangen damit, die Sachen zu schnappen und zum Auto zu gehen, die Fahrt, die Songs im Radio abspielen, am Parkplatz ankommen und rumhängen. Ich liebe das Ganze, den ganzen Ablauf. Ich denke oft daran, wenn man Shows spielt. Es ist manchmal echt viel Aufwand, zu einer Show zu kommen. Aber man kann damit auch viel Spaß haben, es ist Teil des Lebens der Leute und ich verstehe das total. Ich habe tatsächlich auch Tickets für LYNYRD SKYNYRD, also sehe ich SKYNYRD und WILLIE NELSON. Ich habe ein Ticket für MARCIA BALL und kurz bevor wir auf Tou gingen, sahen wir Max und Igor [Cavalera, Anm. d. Verf.]. Es ist was ganz anderes, wenn du spielen musst, die Dinge, die du am Tag machen kannst, im Vergleich dazu, wenn du einfach losgehst, entspannst und einfach eine Band genießt und dir keine Sorgen über irgendwas machen musst, für nichts verantwortlich bist.

In den letzten Monaten haben sich zahlreiche Musiker zu den steigenden Tourkosten und Dingen wie, dass die Locations Prozente vom Merchverkauf einstreichen. Manche Bands mussten deshalb sogar Tourneen absagen. Was ist deine Meinung zu der Angelegenheit?

Gott! Ich meine, es ist ein Problem. Besonders in Europa kann ich mich erinnern, gab es Clubs, die nie Prozente genommen haben. Es fing in Amerika an, und eine Handvoll Clubs machte das. Aber dann taten es die ganzen Live Nation Venues und die wollen dein Zeug verkaufen und große Prozente einbehalten, etwa 20% von den Bruttoeinnahmen. Und ich denke mir: „Wissen die überhaupt, was die von mir verlangen? Um Gottes Willen!“ Es ist ein Problem, und regelmäßig sage ich zu unseren Agenten am Telefon: „Ihr Jungs müsst uns ein wenig helfen“, denn etwas muss sich ändern. Ich finde nicht, dass es fair ist, dass Fans mehr und mehr für Tickets zahlen müssen. Das ist nicht die Antwort, es muss eine etwas fairere Balance geben. Es ist schwer für uns, mit Crew und Equipment zu reisen, das geht nur mit einem richtigen Tourbus, um es sicher zu machen, ohne nach Shows selbst mit einem Wohnmobil fahren zu müssen. Das habe ich auch früher gemacht, aber das macht keinen Spaß. Aber die Kosten dafür haben sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt, alleine für den Bus. Die Crew verdient mehr, die Locations nehmen Prozente, das ist eine Menge Geld. Das ist eine erhebliche Summe, was dazu führt, dass Entscheidungen beeinflusst werden, welche Locations wir spielen und welche Tourneen wir machen. Es ist auf jeden Fall ein Problem, und etwas muss sich etwas ändern. Wir haben Shows gespielt, wo die Locations alle Mercheinnahmen behalten haben und wir noch immer nicht bezahlt wurden. Das war vor ungefähr sechs Wochen! Ich weiß nicht, wie ich unsere Crew bezahlen soll, und die lassen sich einfach sechs Wochen Zeit, um uns zu bezahlen. Die Busfirma alleine kostet 10.000 Dollar die Woche. (lacht) Es ist verrückt! Am Ende wird sich da was ergeben, aber wir werden sehe,n was passiert.

Am 17. Januar startet eure Europatour mit TRIVIUM, HEAVEN SHALL BURN und MALEVOLENCE. Denkst du solche Package-Tours sind eine Lösung?

(seufzt) Ich meine, man kann es auf verschiedene Arten machen. Wir haben es sehr gerne für größere Bands zu eröffnen, die vielleicht ein größeres Publikum haben und ein bisschen anders sind... Ich meine, die Bands, mit denen wir spielen sind jetzt nicht so anders, dass die Leute noch nie von OBITUARY gehört haben, aber anders genug, dass sie wahrscheinlich nie gekommen wären, um OBITUARY allein zu sehen. Ich liebe die Gelegenheit, vor diesen jungen Fan zu treten, der jetzt vielleicht nicht ein Countryfan ist, das wäre ein bisschen weit gegriffen, obwohl ich es da auch versuchen würde Aber zum Beispiel, wir machten zwei Tourneen mit BLACK LABEL SOCIETY und Zakk hat eine großartige, unglaubliche Fanbase. Sie sind ein bisschen älter, mögen Metal aber stehen nicht unbedingt auf Death Metal. Ich liebte es, da früh rauszugehen, sie sehen unser Logo, wir gehen da raus und du siehst beim ersten Song sind sie verunsichert und am Ende drücken sie nach vorne und gehen voll ab. Sie erzählen unserem Merchmann jede Nacht: „Ich habe OBITUARY noch nie gesehen und das war unglaublich! Ich nehme ein Shirt“, so was auf die Art. Die Position mögen wir wirklich, ein bisschen früher in der Nacht zu spielen vor Kids, die nicht kommen würden, um uns zu sehen und die Chance zu haben, sie als Fans zu gewinnen. Das macht Spaß.

Welche Länder oder Städte besuchst du am liebsten?

Kommt darauf an, was man vor hat (lacht) Wenn du etwa durch die Alpen in Österreich und der Schweiz fährst – einfach atemberaubend was die Szenerie betrifft. In Deutschland zu sein, während einer Fußball-WM, wenn Deutschland spielt, das habe ich miterlebt und war ein unglaublicher Spaß. Es gibt viele Städte, die cool sind, um dort Party zu machen, es hängt also davon ab was du machen möchtest. Was die Fans betrifft, manche unserer Fans in Südamerika sind richtig durchgeknallt. In den Niederlanden und Deutschland haben wir eine wirklich gute Fanbase, es kommen viele, um uns zu unterstützen. Wir haben echt Glück, ein ganz großes Glück in unserer Kariere ist, dass ich in etwa 47 Ländern war, ich habe den Überblick verloren in wie vielen genau, und die Beziehungen und Leute, die die triffst...du siehst, wie sie leben. Ich finde es cool, das zu erleben. So viele Orte überall besuchen zu können, wozu sehr viele Leute nie die Gelegenheit haben, und ich spiele einfach Musik und mache das. (lacht) Es ist großartig.

In welche Restaurants gehst du am liebsten auf Tour?

Auf Tour zu essen kann eine Herausforderung sein. Zumindest in Amerika versuchen wir in ein Geschäft zu gehen, einiges an Zeug zu kaufen und oft im Bus zu essen. In Amerika gehen wir gerne in Sportbars, denn es gibt immer eine Menge Sport, abhängig von der Zeit im Jahr, ob es Football oder Hockey ist. Sportbars und das Essen dort sind empfehlenswert. In Deutschland suchen wir selbstverständlich ein gutes Schnitzelhaus, das lässt sich nicht leugnen, oder ein Brauhaus und trinken diese großen Biere, die ihr habt, das Zeug ist lecker. Noch einmal, ich kann es so nehmen wie es kommt.

Was ist deine Meinung dazu, was aus MTV geworden ist, seit den Tagen als ihr mit Andrew WK eine feste Größe dort ward? Vermisst du diese Zeit?

Es ist so lange her, seit ich MTV gesehen habe, ich habe keine Ahnung, was sie jetzt machen. Aber als ich es das letzte Mal sah, was vor 10 bis 15 Jahren gewesen sein könnte, wirkte es als würden sie gar keine Musikvideos mehr spielen. Also weiß ich nicht wirklich, was ich davon halten soll, was da passiert ist. Ich schaue es nicht mehr.

Ich vermute, Musikvideos sind jetzt vor allem was für YouTube.

Ja, es wirkt, als ob man für jeden Song, den man veröffentlicht irgendeine Form von Video haben muss, denn die Kids heutzutage haben eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, wenn sie nur zuhören sollen. Man muss ihnen irgendwas zu gucken geben, selbst wenn es nur ein Lyricvideo ist, das du zusammenstellst, wie das gestern veröffentlichte. Das ist cool, aber gleichzeitig ist das so eine Sache, wie wenn du einfach einen Song schreibst, den alle für umsonst erwarten. Niemand will etwas kaufen. Wir verkaufen keine CDs, es ist schwer sie zu verkaufen. Die meisten neuen Autos haben nicht einmal mehr einen CD-Spieler. Die CD ist verloren. Vinylverkäufe sind verrückt, Leute kaufen wieder Vinyl, das ist schön zu sehen. Aber ich denke, dass ist einfach der Weg der Dinge, Menschen erwarten Musik umsonst, und die ganzen Streaming-Dienste, es ist einfach, wie es ist.

Da das neue Album schon zwei Jahre wartete, habt ihr bereits mit Songs für das nächste Album begonnen?

(lacht) Das hier ist noch nicht mal draußen! Immer mir der Ruhe! Wir sind immer am Schreiben, es könnte bei einem Soundcheck oder so sein, und Trevor dreht seinen Verstärker auf und trifft gleich ein paar Noten, er mag vielleicht Ideen für ein Riff gleich da und dort haben. Wir könnten uns Backstage aufwärmen, oder wir proben für eine Tour, und du hörst irgendwas. Wir sammeln ständig Rhythmen und Ideen. Ich könnte etwas lesen, sehen oder hören, etwas erleben und es kommt mir in den Sinn, ich notiere ständig Ideen für Texte und Songtitel. Ich habe eine Liste an Sachen und denke ständig darüber nach. Es ist ein 24 Stunden an Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr Prozess, so wie wir es tun. Wir sammeln einfach Zeug, räumen es weg und wenn es Zeit ist zu schreiben, holen wir es hervor und stellen es zusammen und spielen damit herum. Also ja, wir sammeln ständig Ideen.

Was sind eure Pläne für 2023? Einfach touren?

Wir haben viel zu touren. Klar, da das Album gerade rauskommt. Wir mochten unsere Livestreams von zu Hause und wenn wir etwas Zeit haben, schalten wir gerne die Kameras im Studio ein. Es macht uns wirklich Spaß, das zu tun. Also machen wir möglicherweise mehr Livestreams, selbst wenn es nur zum Vergnügen ist. Aber wir haben viel zu touren. Die größte Sache ist es, zurück nach Europa zu kommen. Wir waren seit der SLAYER-Tour nicht da, was vor etwa sechs Jahren war. Als wir die Tour beendet hatten, dachten wir: 'Hey, wir haben gerade die SLAYER Tour hinter uns, lasst uns einige eigene Shows spielen. All die Leute die SLAYER gesehen haben, darauf können wir aufbauen.' Wir planten ein Jahr keine Festivals zu spielen und die meisten dann im folgenden Jahr zu spielen, und dann kam es für gut zwei Jahre zum Shutdown.

Dieses Jahr fingen sie wieder an und wir wurden gefragt, aber es gibt so viele Crew-Mitglieder die nicht mehr arbeiten, Verleih- und Busfirmen, die zusperren mussten, und dann gibt es noch Clubs, die nicht wieder geöffnet sind. Es ist schwierig, nur zwei Festivals am Freitag/Samstag, Samstag/Sonntag zu spielen und die ganze Woche im Hotel rumzusitzen. Es ist schwer, so Geld zu machen. Also haben wir in diesem Festivaljahr nicht mitgemacht, wegen logistischen und finanziellen Gründen und dem ganzen anderen. Aber es war schön, die ganzen Plätze voll zu sehen, Kids kamen und die Leute haben es durchgezogen. Also werden wir dieses Jahr einige Festivals spielen, ich denke in der zweiten Jahreshälfte, denn wir haben die Tour am Anfang und wir werden auf jeden Fall eine Amerika- und eine Europatour als Headliner für das neue Album machen und vielleicht ein paar härtere Bands mit auf Tour nehmen und die Metalfans damit glücklicher machen als mit TRIVIUM. Nicht missverstehen, die Jungs von TRIVIUM sind gute Freunde von uns, und es ist ein Privileg gefragt worden zu sein, so etwas mit ihnen zu machen. Es scheint, dass es drei bis fünf Jahre dauern wird, die Welt abzudecken und alles zu tun, was wir wollen, bevor wir breit sind ein weiteres Album aufzunehmen. Wir gehen es entspannt an und machen eines nach dem anderen.

Ich wünsche dir alles Gute für 2023!

Vielen Dank!

Und danke für das Interview!

OBITUARY auf Tour mit HEAVEN SHALL BURN, TRIVIUM und MALEVOLENCE:

18.01. Saarbrücken, Saarlandhalle
20.01. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
21.01. Erfurt, Messe
29.01. Leipzig, Haus Auensee
10.02. Ludwigsburg, MHP Arena
11.02. Hamburg, Sporthalle
12.02. Berlin, Verti Music Hall
15.02. Wien, Gasometer
17.02. München, Zenith
18.02. Zürich, Samsung Hall
20.02. Frankfurt, Jahrhunderthalle


WERBUNG: Hard
ANZEIGE