Blood Stained - Phil van der Kill

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Ich meine dass in unserer postmodernen Popkultur eine Kunstform gar nicht mehr ohne Klischee auskommt. Jemand der sich Klischees verweigert, entspricht doch schon wieder einem!

BLOOD STAINED ist tot, lang lebe BLOOD STAINED! Sänger Phil klärt uns auf über das Ende der Band, die Nachfolge Band SERGEANT STEEL und noch vieles mehr....

Text: El Greco
Veröffentlicht am 22.04.2008

Hi! Zuerst mal Gratulation zum Titel „Demo der Woche“! Leider war jene CD ja euer letztes Lebenszeichen als Band. Wie kam es dazu, BLOOD STAINED aufzulösen? Aus welchen Gründen geschah dies?

Nach dem Ausstieg von M.K. Stryker und Mister Screamer im September 2007 standen wir nur mehr als Triumvirat da. Das ist im Studio kein Problem, da Jack Power mittlerweile sehr gut im programmieren von Drum- Tracks ist und Bass- Mann Duke aka Cozy Coxx sogar ein fähiger Schlagzeuger wäre. Für uns war aber ab diesem Zeitpunkt klar, dass wir die Band endgültig nur mehr als Projekt und zeitlich begrenzt weiterführen wollen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon länger die Idee eine Hardrock- Band zu gründen. Dies mündete schließlich in den ersten SERGEANT STEEL- Demos.

Die Nachfolgeband SERGEANT STEEL ist ja bereits am Start. Was darf man sich da erwarten? Wird sich SERGEANT STEEL in eine ähnliche stilistische Richtung entwickeln, oder wird man kaum noch Parallelen zum Stil des Vorgängers finden?

So wie BLOOD STAINED ein Heavy Metal- Huldigungs- Club ist, wird sich SGT. STEEL dem klassischen Hardrock und Hair- Metal annehmen. Hier stehen ganz klar Bands wie LED ZEPPELIN, RAINBOW, RATT, EXTREME, SKID ROW, MÖTLEY CÜE, KISS, STEELHEARt, BLUE MURDER, VAN HALEN, (alte) BON JOVI und ALICE COOPER (Constrictor- Hey Stoopid- Phase) Pate. Das alles wollen wir so professionell und schlagkräftig wie möglich umsetzen.

Bitte erzähl uns doch mal wie Ihr diesen finalen Streich geplant und durchgeführt habt – wie ist „III - Sic transit gloria mundi“ also entstanden?

Die Songs auf diesem Album sind zum Teil Outtakes aus der Zeit 2003- 2006, dazu kamen noch Werke, die erst nach „Exit To Nowhere“ entstanden sind. Nach dem Abgang von M.K. und Mr. Screamer konnten wir unser Arbeitstempo im Studio massiv erhöhen. Wir hatten endlich die Freiheit alte Demos fertig auszuarbeiten und die Arbeiten an neueren Songs abzuschließen. Die Vorproduktion ging fließend in den eigentlichen Aufnahmeprozess über, der im November und Dezember 2007 abgewickelt wurde.

Welchen Song würdest Du als Deinen Lieblingstrack auf „III“ bezeichnen?

Das ist „End Time Priest“, der neueste Song auf dem Album, das Songwriting ist hier am ausgereiftesten - die Melodien sind sehr catchy. Eigentlich herrschen Up-Tempo und Double-Bass vor und dann auf einmal doch Queen- Einflüsse im Gitarren- Solo, schräge Chor- Arrangements. Kurzum: hier waren wir kreativ am Höhepunkt!

Leider liegen mir die Texte nicht vor – welche Thematiken sind für Euch besonders wichtig beim Verfassen der Texte? Wie darf man sich diesen Prozess des Verfassens vorstellen?

Für ein mehrseitiges Booklet fehlte uns leider das Budget. „Thrall Of Darkness“, „Merry Hell“, „Sign Of The Snake“ und „Baphomet In Steel“ sind textlich stark von Venom, alten Exciter und frühen MERCYFUL FATE/KING DIAMOND beeinflusst. „Stainless Steel“ behandelt des Wahnsinn des Krieges, „Brave“ ist ein typischer MANOWAR- artiger Text über einen klassischen Helden. „End Time Priest“ setzt sich schwarzhumorig mit der Abzocke durch den Papst und seine Spießgesellen außeinander, „Banished“ würde ich am ehesten mit den Lyrics auf den Fight- und Halford- Solo Alben vergleichen. Und der Epos „Rituales Del Muerte I + II“ erzählt über das Atzteken- Reich und der Unterwerfung durch die spanischen Conquistatoren.

BLOOD STAINED haben gerne mit vielen Klischees gespielt. Sind die bedienten Klischees nur ein Showelement oder steckt mehr dahinter?

Ich meine dass in unserer postmodernen Popkultur eine Kunstform gar nicht mehr ohne Klischee auskommt. Jemand der sich Klischees verweigert, entspricht doch schon wieder einem.
Wir wollten die Energie, den Wahnsinn und das Originelle von Gruppen wie RAVEN, AGENT STEEL, MALICE und CRIMSON GLORY in die Jetztzeit herüberholen. Wenn jemandem deren Attitüde nicht gefällt kann ich damit Leben.

Sind bereits Live Aktivitäten für SERGEANT STEEL geplant? Der BLOOD STAINED Abschlussgig in Linz war ja mehr als gut besucht. Hoffentlich werden bald auch SERGEANT STEEL einem größeren Publikum vorgestellt?!

Mit Blood Stained haben wir uns in Linz eine respektable Fan- Schar aufgebaut. Mit Sgt. Steel wollen wir das Über- Regional fortsetzen. Am 22. August spielen wir in meinem Heimatort Alberndorf das erste Live- Konzert mit einem 120- minütigen Set. Open- Air versteht sich! Fix ist auch ein Gig zu Ehren meines 25igers im Februar 2009. Dazwischen soll noch mindestens eine Spielerei und ein Unplugged- Abend, eventuell im Zentralraum Oberösterreich, stattfinden.

Wie erklärst Du es Dir, dass in Österreich vergleichsweise sehr wenig los ist im traditionellen Metal Sektor? Wie stark ist die Szene des traditionellen Heavy Metal wirklich in Österreich?

Es scheint als ob zwischen Mainstream- Rock und extremen/ modernen Formen des Metals ein Vakuum herrscht. Und genau darin befinden sich BLOOD STAINED. Dass hat uns in der Vergangenheit aber eher geholfen, da wir mit diesem, hier einzigartigen, Sound die Leute neugierig gemacht haben.
Meiner Einschätzung nach gibt es in Österreich keine Szene für traditionellen Metal. Da und dort ein paar Freaks in Bands und einige hundert Fans, aber das ist keine Szene, so wie ich sie mir vorstelle.

Wie beurteilst Du die oberösterreichische Metal Szene? Wie gut sind die Bands wirklich? Wie stark ist der Zusammenhalt in eben jener etc.?

Ich weiß nur dass in Linz die Metal Overdose- Konzertreihe hervorragend funktioniert. Da ist alle 2 Monate der kleine Saal im Posthof sehr gut besucht, wenn nicht sogar ausverkauft. Einige Metal Overdose- Abende fanden sogar schon im mittleren Posthof- Saal statt, und auch der war dann anständig gefüllt. Die Bands halten ein gutes Niveau, und es gibt einige Gruppen die eine beachtliche Zahl von Fans mobilisieren können. IN SLUMBER und THIRDMOON sind da klar die Aushängeschilder der hiesigen Band- Gemeinschaft. Außerdem geben heuer CONSPIRACY aus dem Bezirk Freistadt noch ordentlich Gas – stay tuned!

Wann hast Du begonnen Metal zu hören und welche Bands waren sozusagen Deine Stützen bei diesem Weg in die Metal Welt?

Meine „Erleuchtung“ hatte ich bei „Speed King“ von DEEP PURPLE. Schuld daran war ein Schulfreund der mir kurz darauf noch alles mögliche was Ende der 90er hart und cool war näher brachte (SLAYER, PANTERA, etc.)

Welche fünf Bands würdest Du heute als Deine „all time favorites“ bezeichnen?

Ich zähl mal die Bands auf, von denen mich alle Studio- Alben begeistern:
QUEEN – Die Band, die mich seit 13 Jahren in ihren Bann zieht.
JUDAS PRIEST – Für mich ohne Zweifel die wichtigste, außergewöhnlichste, faszinierenste und vielseitigste Metal- Band
THE BEATLES– meine erste große Liebe in Sachen Musik, bin Ihnen als 5- Jähriger verfallen.
PANTERA – Das unerreichte Nonplusultra in Sachen „Hart aber herzlich“, die Tightness dieser Band ist unerreicht, ich liebe auch die 80ies Indie- Alben heiß!
SLAYER – unbeschreibliche Energie, diese Band hat zu Recht einen unantastbaren Status

Die Metal Szene ist äußerst konservativ und nur schwer von neuen Trends zu überzeugen. Weshalb ist Metal oft so nostalgisch, bzw. bemüht „back to the roots“ zu gehen? Welche waren die Vorzüge der vielzitierten „glorreichen 80er“ im Vergleich zur heutigen Metal Szene?

Mich kümmert es wenig bis gar nicht was, wie oder wer die so genannte Metal Szene ist. Es ist ein Rock- Subgenre und wir mittlerweile genauso produziert und vermarktet wie alle anderen Gattungen der populären U- Musik auch.
Ob die 80er wirklich glorreicher waren...ich weiß es nicht, ich weiß auch nicht ob ich in den 80ern zeitgenössischen Metal/ Rock gehört hätte. Nur war die Musik von damals zu der Zeit wirklich etwas Neues, entstand aus dem Nichts und begeisterte daher glaube ich Einzelne extremer als heute.

Eine saloppe Frage zum Schluss: Was bedeutet Metal für Dich? Ist es ein Lebensstil oder doch „nur“ ein Hobby?

Ganz klar ein Hobby. Wenn ich nicht als Bandmitglied in der Öffentlichkeit stehen würde, dann hätte außer meinen Freunden und Familie auch keiner Ahnung von meinem Musik- Geschmack. Ich muss mich da niemandem Beweisen. Ich habe auch nicht das Bedürfnis jemandem über meine Lieblings- Musik zu erzählen (außer ich werde gefragt, wie hier). Genauso kann man die Leute, für deren Musikgeschmack ich mich interessiere an einer Hand abzählen. Musik ist für mich eine sehr persönliche Angelegenheit.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit SERGEANT STEEL!


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