Cripper - Cripper

Artikel-Bild

Wir machen nichts schlechter, als wir es können!

Die neueste Hoffnung am Thrash Metal Himmel namens CRIPPER stellt sich unseren Lesern im kommenden Interview ausführlich vor und philosophiert zudem über Zombiemethoden, Do-it-yourself Attitüde, österreichischen Partyslang, die Relevanz von gelungenen Artworks etc.

Text: El Greco
Veröffentlicht am 13.12.2008

Hallo allerseits! Die erste Frage ist eigentlich keine solche, sondern eine Bitte: Stellt euch doch mal den Lesern von stormbringer.at vor…..

Bass-T: Hallo da, wir sind CRIPPER eine Thrash Metal Band aus Hangover City. Uns gibt es jetzt schon seit 2005 und haben gerade ein Album rausgebracht: " Freak Inside". Momentan sind wir auf der Triple Thrash Treat Tour durch Deutschland unterwegs und testen dabei Stichprobenartig das deutsche Bier;) Prost!

Gratulation zu eurem tollen Album “Freak Inside“ – Ihr seid ja bekanntlich sogar zur „CD der Woche“ gekürt worden bei uns. Dabei fiel mir auf, dass ihr im Gegensatz zu vielen stilistisch ähnlich agierenden Bands mehr Wert auf die Songs an sich zu legen scheint. Wie geht ihr im Songwritingprozess vor? Worauf achtet ihr besonders, bzw. was muss ein Song mit sich bringen um unter dem CRIPPER-Banner veröffentlicht zu werden?

Britta: Danke für das Lob! ... worauf legen denn die anderen Bands eigentlich Wert, wenn nicht auf die Songs?
Christian: Wir haben die umliegenden Proberäume verwanzt, klauen den Anderen ihre Ideen und saugen deren Kreativität. Durch gute Verbindungen zu großen Haien der Musikindustrie können wir den Kram zeitnah und als Erster veröffentlich. Kein spannender Prozess. Zombiemethoden, wie sie in der Branche üblich sind.

Bass-T: Eigentlich läuft das Songwriting bei uns ganz gewöhnlich ab. Irgendwer bringt ein Riff mit oder es steht zuerst ein Konzept im Raum auf dem dann geschrieben wird. Nur legen wir ganz viel Wert drauf das wirklich jedes Riff geil ist und werfen keine Alibi Riffs rein. Wir sind dabei ziemlich anspruchsvoll. Ab und zu einsteht mal ein Song durchs jammen das sind dann ganz besondere Songs, die ihren eigenen inneren Fluss haben, da passt dann immer alles und keiner kann sich erklären wie der entstanden ist.

Wie kam es eigentlich dazu, “Freak Inside“ nach so kurzer Zeit als “Re-Release“ zu veröffentlichen?

Jonathan: Unsere erste Auflage war ganz einfach ausverkauft im Herbst. Jetzt hatten wir die Wahl ob wir nochmal tausend "Demos" pressen wollen oder lieber den Freak auch der restlichen Welt zugänglich machen. Da das mit dem angestrebten Deal dann leider in die Hose gegangen ist haben wir uns für das SAOL-Modell entschieden, was uns sozusagen zu unseren eigenes Labelchefs macht.

Ihr scheint es ja nicht unbedingt eilig zu haben, einen Record Deal zu ergattern. Was muss ein Label mit sich bringen, um für Euch interessant zu sein? Welche Anforderungen im Sinne von „Do’s and Don’ts“ habt ihr dabei?

Bass-T: Schön wärs wenn wir sofort davon leben könnten, aber das ist heute ja leider kaum noch möglich. Wichtig ist uns, dass wir über alles entscheiden dürfen. Wir wollen das Artwork selbst machen und wollen nicht das uns irgendwer sagt: Ihr macht jetzt Metalcore und zieht euch gefälligst entsprechend an! ...und kämm dir mal die Haare;)
Wir wollen einfach nur unsere Musik machen und dabei den großmöglichsten Spaß haben.

Jonathan: Ist eben auch wichtig, dass der Deal "bezahlbar" ist. Viele glauben ja, dass durch einen Deal alle relevanten Kosten und Risiken vom Label getragen werden. In Wahrheit siehts aber oft so aus, dass man bei nem Standard Deal eher draufzahlt, da man so viele Abgaben für Cds und Merchandise hat und somit kaum noch Knete zurück kommt.

Wie siehts aus mit zukünftigen Live Aktivitäten? Ist eine Tour geplant (eventuell eine Forsetzung der “Triple Thrash Threat“-Tour), die Euch eventuell auch mal nach Österreich bringen wird?

Bass-T: Boa Österreich wär cool! Sehr leckeres Essen!

Christian: Ihr habt den besseren Party-Slang. Unser Hochdeutsch tönt auf die Dauer etwas "nüchtern".

Britta: Geplant ist noch nichts, aber sowohl wir als auch Hatred und Lost World Order, mit denen wir unterwegs sind, ham da unglaublich Bock drauf. Gerade was so das umgebende Ausland angeht. Das wär echtes Neuland, gerade von der Organisation und Planung her. Die TTT ist ja bisher komplett von uns 3 Bands selbst organisiert. Innerhalb Deutschlands haben wir da alle gut funktionierende Kontakte, aber wie es da im Ausland aussieht, ist ne spannende Frage...
Die gerade noch laufende Triple Thrash Treat Tour ist übrigens bereits eine Fortsetzung - wir ham die ganze Chose schon mal im Frühjahr 2007 durchgezogen.
Ansonsten werden wir 2009 natürlich live unterwegs sein. Ein paar Sachen sind auch schon bestätigt, wir hoffen auf ne coole Festivalsaison für uns. In Österreich ist aber bisher leider nix geplant, wenn du n Tipp hast, immer her damit


Was ebenfalls auffällt bei Eurer letzten Veröffentlichung ist das gelungene Artwork. Wer war dafür verantwortlich? Worauf achtet Ihr bei der visuellen Gestaltung besonders?

Jonathan: Das Artwork haben wir komplett in Eigenregie umgesetzt. Christian und ich sind studierte Grafiker, insofern haben wir uns um die visuelle Umsetzung gekümmert. Das Konzept haben wir mit der ganzen Band ausgehend vom Titel "Freak Inside" geplant. Dann haben wir einen ganzen Haufen Schrott gesammelt und uns einen Abend lang zusammen gesetzt und kleine Drahtfiguren im Schuhkarton gebastelt. Britta hat die Fotos dafür geschossen und Dennis' Papa hat das Armmodel auf dem Backcover gemimt
Uns war bei dem Cover wichtig, dass es eine gewisse Tiefe bekommt, sowohl thematisch als auch vom Stil her. Da unsere Texte ebenfalls sehr tiefgründig und oft aus vielen Perspektiven zu betrachten sind, wollen wir das gerne in unsere Optik mit einfließen lassen.

“Freak Inside“ scheint ja bislang durchwegs euphorisches Feedback bekommen zu haben. Salopp gefragt: Was macht ihr anders als die große Mehrheit der „jungen“ Bands, die nicht mit ähnlichem Feedback bedacht werden?

Bass-T: Äh, eigentlich nichts besonderes. Es gibt da draußen tonnenweise geile Bands. Wir haben nur das Glück, dass wir 5 einfach bestens zusammen passen. Jeder tut was für die Band und nicht gerade wenig, da gehen am Tag schon mal ein paar Stunden drauf. Außerdem sind wir alle beruflich in den Medien unterwegs. Unsere Gitarreros sind beide Grafikdesigner, unser Drumtier baut Websites, die Elchkuh arbeitet in ner Agentur und ich selbst bin Stereobilddesigner;)

Jonathan: In vielen Bands ist immer nur ein gewisser Teil der Musizisten so idealistisch und professionell eingestellt. Bei uns haben scheinbar alle das selbe Ziel und einen ähnlichen Anspruch. Daher auch unser Motto: Wir machen nichts schlechter, als wir es können!

Der einzige Kritikpunkt, den ich zu “Freak Inside“ äußern musste, ist der äußerst spärliche Einsatz von Gitarrensoli. Wird dieses Fehlen zu Eurem Trademark, oder passten Soli Eurer Meinung nach ganz einfach nicht zum Songmaterial?

Bass-T: Nee, das wir nicht zum Trademark, ist aber ne coole Idee;) Jeder Song ist anderes und wir schreiben die Songs immer so dass sie unserer Meinung nach rund sind, da kann ein Solo mal ganz cool sein, oder aber es ist nur Ballast. Ein Song brauch nicht immer ein Solo um Fett zu sein. Auf dem nächsten Album werden definitiv mehr Soli vorkommen, aber auch nicht immer, je nachdem was die Songs noch brauchen um komplett zu klingen.
Aber vielleicht lassen wir sie auch ganz weg, ich find deine Idee mit dem Trademark immer besser.....

Jonathan: Ja, würde ne Menge Arbeit ersparen *gg*. Ein zweiter nicht unwesentlicher Grund ist, dass wir zu Anfang keine festgelegte Aufteilung in Rhythmus- und Leadgitarrist hatten. Das entwickelt sich zur Zeit erst so richtig, dass Christian immer mehr Leadparts übernimmt und auch mal ein paar Soli dazu improvisiert.

Christian: Da Jeff Loomis immer weniger Zeit zu haben scheint, sind wir kürzlich dann doch zähneknirschend zu dem Schluss gekommen, für unsere anvisierten Leads üben und selbst ran zu müssen. Knirsch. Vielleicht stimmt diese Geschichte aber auch nicht und wir kehrten die Soli-Masche bisher unter'n Flokati...

Habt Ihr bereits mit dem Songwriting für das kommende Album begonnen? Falls ja: Wann darf man es erwarten, bzw. habt Ihr vor, Euch stilistisch zu verändern oder werdet Ihr eher „BOLT THROWER-like“ agieren und Eurem bisherigen Stil 100% treu bleiben?

Bass-T: Tja, wir haben versucht es geheim zu halten, aber da du ja so nett fragst...Wir haben dieses ganze Metal Geschrammel und Geschrei satt und starten einen Angriff auf die Charts als Popgruppe. Die ersten Tanzschritte stehen schon.....;D
Man ich glaub ich hab heute in der Witzkiste geschlafen;)
Das neue Material ist auf jeden Fall abwechslungsreicher geworden. Es sind ein paar sehr groovige Songs dabei, sowie ein paar schon fast Death Metal-mäßige Ballersongs. Allerdings klingen sie alle nach Cripper, finden wir jedenfalls, mal sehen was die Medien draus machen. 3 der Songs testen wir auch gerade auf der Tour und sie kommen alle sehr gut an;)

Jonathan: Wär auch ehrlich gesagt etwas langweilig, wenn wir schon nach dem ersten Langeisen unseren Stil gefestigt hätten, oder? Erst recht wenn es viele Kritikpunkte gibt, die wir sogar mit den Medien teilen.

@Britta: Deine Stimme hab ich in meinem Review mehrmals gelobt, da sie perfekt zu den Songs passt und irgendwie einzigartig ist. Doch wie kommt man als Frau zu einem solchen Vokalstil? Wie trainierst Du Deine Stimme? Irgendwelche Tipps für die Jungsänger/gröhlerInnen unter unseren Lesern?

Britta: Ja danke auch dafür - aber sei dir mal nicht so sicher, dass meine Stimme nicht vielleicht doch einem voluminösen Ungeheuer gehört... hehe.
Ich denke, ich bin zu diesem Gesangsstil genauso gekommen wie auch meine männlichen Kollegen: Ich hatte Bock drauf! Das war eher ne natürliche Entwicklung und weniger ein konkretes Vorhaben.
Meine Stimme trainiere ich mit regelmäßigem Training, dass sich wenig von Sängern/Sängerinnen anderer Gesangsstile unterscheidet. Ich habe mir ein bestimmtes Repertoire an Aufwärmübungen angeeignet, die ich vor den Proben und vor Gigs brav absolviere. Das ist nicht nur gesünder für die Stimme, es klingt auch besser als ein Kaltstart, eigentlich logisch. Das kann ich jedem Sänger empfehlen, klingt zwar immer n bissl panne wenn man da so vor sich hin trällert aber man gewöhnt sich an die Blicke Backstage, is auch ganz lustig
Leuten, die mit Growls/Screams etc beginnen möchten kann ich nur raten: macht langsam, habt Geduld, arbeitet mit so wenig Druck wie möglich und trinkt beim Üben ausreichend Wasser. Alkohol hilft da genau so wenig wie Zigaretten, das dient wohl eher der Imagepflege...

Aufgrund eurer weiblichen Sängerin, werdet Ihr gerne mit Bands wie HOLY MOSES oder ARCH ENEMY verglichen, wenngleich ich diesen Vergleichen nur bedingt zustimmen kann. Mal ehrlich: Gehen Euch die ewigen Vergleiche auf die Nerven? Wenn Ihr eine Band nennen müsstet, mit der man CRIPPER vergleichen könnte: Welche wäre dies?

Britta: Das find ich immer lustig: "weibliche Sängerin" - gibts auch männliche? (Anm.: Ertappt! ;))

Bass-T: Wenn man uns mit TESTAMENT oder THE HAUNTED vergleicht fühlen wir uns immer geehrt;) Aber du hast recht am meisten fallen die Namen HOLY MOSES und ARCH ENEMY. Aber bis auf weibliche Vocals und Metal, haben wir nicht viel gemeinsam. Wir machen halt unser Ding und die deren. Tja.

Eine abschließende, „allgemeinere“ Frage: Wie ist die Metal Szene in und um Hannover? Gibt es Underground Bands aus Niedersachsen, die Ihr den österreichischen Lesern empfehlen würdet?

Jonathan: Es gibt schon eine lebendige Szene in Hannover, auch wenn gerade in jüngster Zeit die meisten Metal-Clubs dicht gemacht haben. Hannoveraner sind prinzipiell sehr schwer aus der Bude zu locken, aber wenn mal was richtig geiles stattfindet, brennt die Luft!

Bass-T: DRONE aus Celle sind sehr geil unbedingt mal reinhören! Für alle Prog Fans ist auch VENUS IN PAIN zu empfehlen.

Jonathan: War ja klar, Bass-T Nein, dem kann ich mich nur anschließen. Ausserdem sollten Melodic-Fans mal die GRAILKNIGHTS auschecken, eine der kultigsten Livebands die ich kenne!

Christian: ANCIENT EXISTENCE, die für manche Österreicher kein unbeschriebenes Blatt mehr sein sollten, schmieden einen feinen, kriechenden Todesblei.

Ich bedanke mich fürs Interview! Irgendwelche „letzten Worte“ für die Leser von stormbringer.at?

Bass-T: Schlagt eure Kinder nicht....nee, ehrlich die haben jetzt Waffen!

Jonathan: And get yourselve some cheap sunglasses!

Christian: Für unseren Tourtross: "Slavery! Fuck yeah!". Für alle anderen den spontan niveau-befreitesten greifbaren Witz: "Deine Mutter hat ‘nen Brennholzverleih."


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: LAMB OF GOD - Lamb Of God
ANZEIGE