Lunatica - Andrea Dätwyler

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Leider können wir noch nicht von unserer Musik leben. Toll wäre es, wenn wir zumindest unser Arbeitspensum weiter reduzieren könnten, auf 50% oder so. Das würde schon viel ändern.

Kaum noch in meinem Heimatland (Osttirol) heftig gerockt, werfen die Jungs und das Mädel von LUNATICA ihr bereits viertes Album auf den Markt. Wenn das mal nicht ein Grund ist, die Schweizer Symphonic Metaller auf Haut und Nieren zu untersuchen. Gesagt, getan, Andrea, ihres Zeichens Frontfrau der Band, stand für meine Fragen bereit...

Text: mat
Veröffentlicht am 13.02.2009

Hallo Andrea, zu allererst muss ich natürlich wissen wie es dir geht?

Hallo Mathias. Danke, es geht mir gut. Die Zeit vor dem Release eines neuen Albums ist immer etwas stressig, aber ich freue mich auf alles was kommt. Es ist auch eine sehr spannende Zeit.

Gleich vorneweg; seit ein paar Monaten habt ihr nun einen neuen Gitarristen mit an Bord. Wie schlägt sich Marc Torretti am 6-Saiter?

Marc fügt sich sehr gut in die Band ein. Er ist ja auch kein Unbekannter für uns. Er stand schon früher einige Male mit Lunatica auf der Bühne. Er half uns vor einigen Jahren schon als Bassist aus und hat die männlichen Vocals von "The Spell" auf dem Album "Fables & Dreams" eingesungen. Marc hat also auch einige Bühnenerfahrung. Es war uns sehr wichtig, jemanden zu finden, der auch menschlich gut zu uns passt. Da haben wir mit Marc ein wertvolles Mitglied gefunden, der schon jetzt sehr viel für die Band tut.

War er schon komplett in die Aufnahmen zum neuen Album eingebunden oder hat auch Andy, euer ehemaliger Gitarrist, noch ein paar Melodien eingespielt?

Andy wollte zum neuen Album nichts mehr beitragen, da für ihn schon relativ früh feststand, dass er aussteigen würde. Er hat noch die Tour fertig gespielt, um uns nicht im Stich zu lassen. Für die neuen Songs war aber schon Marc zuständig. Er hatte relativ wenig Zeit, um sich mit den Songs zu befassen. Auf den Demos hatten wir die Gitarren alle am Computer programmiert. Er übernahm von den Riffs ziemlich viel, musste aber natürlich seine Soli selber ausarbeiten. Viel entstand dann auch direkt im Studio.

Seit 1998 seid ihr nun schon zusammen unterwegs. Wie ist es überhaupt zur Gründung von LUNATICA gekommen?

Lunatica entstand im Winter 1998 als Alex (Keyboards) und Sandro (Gitarre) aufeinander trafen. Sie kannten sich durch gemeinsame Kollegen und waren sich über den Musikstil einig, den sie machen wollten. Ein Drummer (Ermes Di Prisco) und ein weiterer Gitarrist (Andy Leuenberger) waren schnell gefunden. Um den Part des Sängers zu besetzen, waren sie relativ lange auf der Suche. Bis ich im Oktober 2000 auf die Band traf, hatten sie schon einige Sänger und Sängerinnen getestet. Ich hatte zuvor schon in einer Gothic Metal Band gesungen und wurde von einem gemeinsamen Freund der Band quasi empfohlen.

„Atlantis“ war euer viel beachtetes Debut-Album. Was hältst du heute von der Scheibe? Sie hat ja mittlerweile auch schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel!

"Atlantis" war der erste grosse Schritt für uns. Das erste Album ist immer etwas ganz Spezielles. Bei den Aufnahmen waren wir sehr unerfahren und haben viele Sachen falsch gemacht. Die Songs finde ich immer noch gut, da sie den Grundstein von Lunatica markieren. Ich höre die Scheibe aber nur noch sehr selten an. Die schlechte Produktion des Albums ist aber sicher der Hauptgrund, dass wir für den Nachfolger "Fables & Dreams" einen Kredit aufnahmen, um uns ein professionelles Studio leisten zu können. Wir wären sonst vielleicht nie zu Sascha Paeth gegangen. Es ist also ein wichtiges Album für unsere Entwicklung.

Der Sprung ins neue Jahr ist zwar mittlerweile wieder ein wenig her, trotzdem interessiert mich, was du zu Silvester so gemacht hast? Stand der Spaß oder doch eher die Arbeit auf dem Plan?

Silvester habe ich sehr ruhig verbracht. Ich war vorwiegend zu Hause. Arbeit stand zwar nicht auf dem Plan, aber ich war auch nicht viel aus. Die ganzen Tage verbrachte ich mit Lesen, Freunde und Verwandte besuchen und einfach mal nicht viel im Voraus zu planen. Das tat sehr gut.

Am 27.02.09 ist es also soweit. Nach „Atlantis“, „Fables And Dreams“ und „The Edge Of Infinity“ veröffentlicht ihr bereits euer viertes Studio-Album namens „New Shores“. Die Songs sind sicherlich mit die besten, die ihr je auf CD gebrannt habt. Wer ist verantwortlich für die Kompositionen?

Unser Hauptsongwriter ist Alex. Er hat einfach ein super Gespür für Melodien und kann zu Hause natürlich alles sehr einfach aufnehmen. Wenn er neue Songideen hat, nimmt er diese schon mal auf und versucht, dem Song schon eine gewisse Grundstruktur zu geben, indem er künstliche Gitarren und Schlagzeug einsetzt. Dieses Demo arbeiten wir dann alle gemeinsam aus, wenn es allen gefällt. Jeder kann dann seine eigenen Ideen für sein Instrument reinbringen. Ganz am Schluss entsteht zuerst die Gesangsmelodie und dann überlege ich mir, was textlich zu dem Song passen könnte.

Vor allem „Two Dreamers“ und „The Day The Falcon Dies“ haben es mir angetan. Hast auch du einen Favoriten auf der Platte? Wenn ja, warum?

Obwohl ich auf diesem Album wirklich jeden einzelnen Song mag, habe ich momentan zwei Favoriten. Zum einen "My Hardest Walk", weil ich ihn sehr gerne singe. Es ist für mich ein sehr spannender Song, weil er so viele Elemente vereint, die unsere Musik ausmachen. Dann mag ich auch "Farewell My Love" sehr gerne, weil die Melodie mich sehr berührt und der Song durch die Stimme von John Payne das gewisse Etwas erhält.

Mit Titeln wie „The Chosen Ones“ wird auch ein wenig die härtere Linie ausprobiert, was sich im Gesamten gesehen sehr positiv auf die Qualität der Platte auswirkt. Bist du zufrieden mit dem Endergebnis der Aufnahmen?

Ich bin sehr zufrieden. Dieses Mal wurde jeder Song einzeln angeschaut und auf die Art gemischt, wie es am besten passte. Das dauerte etwas länger aber auf diese Weise klingt das Album insgesamt erdiger und viel weniger poliert als der Vorgänger. Die ganzen bombastischen Elemente haben wir zurückgenommen um den einzelnen Instrumenten mehr Raum zu geben. Deshalb klingt "New Shores" auch viel gitarrenlastiger. Wir haben wirklich viel Neues ausprobiert auf diesem Album und es ist genau so geworden, wie wir uns das vorgestellt haben.

Euer Sound kann am besten als melodischer Symphonic-Metal bezeichnet werden. Wie seid ihr, respektive du, zu diesem Stil gestoßen?

Das war eine Entwicklung über viele Jahre und nahm seinen Anfang schon bei "Atlantis". Da Alex, als unser Hauptsongwriter, privat sehr gerne Filmsoundtracks hört, haben wir von dort natürlich sehr viele Einflüsse. Wir haben aber immer versucht, einen eigenen Stil zu entwickeln und weiterzuverfolgen. Das war nicht ein bewusster Schritt in diese Stilrichtung. Wir verarbeiten einfach alle Ideen, die wir gut finden, ohne einen bestimmten Stil einhalten zu müssen.

Wo wurde „New Shores“ produziert und wer war daran beteiligt?

Wir haben das neue Album auch wieder in Wolfsburg mit Sascha Paeth und Miro produziert. Dort sind ja auch schon die letzten beiden Alben entstanden. In all diesen Jahren ist eine richtige Freundschaft entstanden und wir empfinden den Aufenthalt in Wolfsburg immer als sehr angenehm und fast wie Ferien. Sascha und Miro wissen natürlich mittlerweile, auf was wir bei der Produktion besonderen Wert legen und wir haben das nötige Vertrauen zu ihnen, dass sie unsere Ideen perfekt umsetzen können.

Erwähnenswert ist auch das geniale Cover. Von wem wurde es designed?

Das gesamte Artwork und auch die Fotos wurden von Uli Staiger gemacht. Er ist ein Photoshop Artist aus Berlin und macht hauptberuflich sehr viel Werbung. Es war das erste Mal, dass er ein CD-Booklet designen musste und es war für ihn eine grosse Herausforderung. Wir haben ihn in einem Magazin entdeckt und wussten, dass wir unbedingt mit ihm zusammmenarbeiten wollten. Er hatte auch die Idee für das Cover. Er hat einfach perfekt verstanden, was wir ausdrücken wollten.

Album-Release bedeutet wohl auch eine sehr stressige Zeit. Seid ihr zurzeit viel unterwegs?

Einerseits sind wir im Moment viel am Proben, haben aber auch immer wieder Pressetermine. Viele Interviews können wir zu Hause per Mail oder am Telefon beantworten. Es gibt aber auch Termine für Radio und Fernsehen, dort müssen wir natürlich persönlich erscheinen. Es ist zwar eine etwas stressige Zeit, aber sie bringt uns sehr viele Chancen. Wir sind für jedes Interesse sehr dankbar und promoten das neue Album natürlich gerne. Es ist auch sehr schön zu sehen, wie das Interesse mit jedem neuen Album wächst.

Wie sieht es mit einer Tour aus? Werdet ihr „New Shores“ in nächster Zeit auch live präsentieren?

Wir werden unsere Tour im März in der Schweiz starten. Die Planung für die Tour ist immer noch in vollem Gange. Wir haben vor, im Herbst auch eine etwas größere Tour im Ausland zu machen, da liegt aber noch nichts Konkretes vor. Es hängt immer davon ab, wer auch gerade tourt und wo man als Supportband mitgehen könnte. Die neusten Daten werden laufend auf unserer Homepage aktualisiert.

Als einen der Höhepunkte eurer bisherigen Karriere wird in eurem Flyer der Auftritt bei der „Night Of Rock“ in Debant/Osttirol aufgeführt. Das finde ich wirklich toll, denn mein Heimatort liegt nur ein paar Kilometer von dieser Location entfernt. Wie empfandest du den Auftritt damals?

Die Stimmung war wirklich toll dort. Wir wurden sehr herzlich empfangen und der Saal war zum Bersten voll. Ich habe sehr gute Erinnerungen an diesen Auftritt. Die Leute gingen gut mit und wir hatten Spass. Es war übrigens lustigerweise auch ein Konzert, bei dem Marc Torretti mit von der Partie war.

Verdient ihr eure Brötchen mittlerweile von der Musik oder seid ihr nebenher noch berufstätig?

Leider können wir noch nicht von unserer Musik leben. Wir arbeiten alle nebenher 80-100%. Das verlangt natürlich eine gute Planung. Wir müssen unsere Ferien gut miteinander koordinieren, um Touren oder Aufnahmen realisieren zu können. Andererseits hat man so das Privileg, Musik machen zu dürfen und nicht zu müssen. Ganz toll wäre es, wenn wir zumindest unser Arbeitspensum weiter reduzieren könnten, auf 50% oder so. Das würde schon einen sehr großen Unterschied machen.

Hast du eine klassische Musik-Ausbildung genossen?

Ich hatte ca. eineinhalb Jahre private Gesangsstunden bei einer Opernsängerin. Das hat mir technisch viel gebracht, aber ich merkte schon früh, dass mir der Operngesang nicht wirklich liegt. Ich habe deshalb wieder aufgehört und singe nun einfach ganz natürlich. Ich versuche mich aber auch immer weiterzuentwickeln. Wenn wir viel proben und auf Tour sind habe ich jeweils genug Übung.

Wo liegen deine privaten musikalischen Vorlieben? Was hörst du in deiner Freizeit gerne? Greifst du da auch einmal zu einer NIGHTWISH-Platte oder spricht dich dieser Sound privat nicht an?

Ich höre eigentlich fast alles. Da gehört Metal dazu, aber auch mal Pop. Ich bewundere starke Frauenstimmen wie Tori Amos oder Amanda Marshall. Nightwish höre ich auch sehr gerne. In der Sparte Metal stehe ich momentan mehr auf progressive Bands wie Symphony X oder Pagans Mind. Ich bewundere ihren Ideenreichtum und natürlich ihr Können.

Ist auch eine DVD in Planung?

Bis jetzt noch nicht. Eine DVD zu produzieren ist immer eine sehr kostspielige Angelegenheit, wenn man hohe Ansprüche an die Qualität hat. Wir haben unser Budget für die Produktion des Albums komplett aufgebraucht. Es war uns einfach wichtiger, dass die Qualität beim Album stimmt. Wir werden aber sehen, was die Zukunft noch bringt. Es ist sicher nicht ausgeschlossen, dass wir mal eine DVD produzieren. Ich denke aber auch, dass wir dafür noch einiges bekannter werden sollten.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich freue mich erstmal auf die anstehende Tour. Ich liebe es, live zu spielen. Ich hoffe auch, dass wir so lange wie möglich zusammen Musik machen können. In die Zukunft plane ich meistens nicht so weit voraus. Ich geniesse immer die Zeit, die gerade da ist.

Ich denke, dass wären vorerst genug Fragen, die du mir beantwortet hast. Gibt es noch etwas, das du uns gerne mitteilen möchtest?

Ich bedanke mich für die interessanten Fragen und hoffe, dass wir in nächster Zukunft wieder live in Österreich zu sehen sein werden. Ich grüsse auf jeden Fall alle österreichischen Fans auch im Namen der ganzen Band.

Na dann bedanke ich mich bei dir. Schönen Gruß an die restliche Band, viel Erfolg und vielen Dank für deine Mühe…

Vielen Dank für das Interesse...


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