Kamelot - Oliver Palotai

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Ich finde sehr wichtig, dass man die Ohren offen hält, nicht in Kategorien denkt, nicht die Bands in Schubladen steckt und dafür andere wieder ausschließt, einfach Augen und Ohren offen halten...

KAMELOT sind zurzeit auf einer sehr erfolgreichen Tour in Europa unterwegs, unsere Kollegin Chrissie hat auf dem Konzert am 21. März in Köln die Gelegenheit ein ausgiebiges Interview mit KAMELOT Keyboarder Oliver Palotai zu führen! Wir bedanken uns bei Chrissie von Blue Point Radio und Oliver Palotai für das Interview!

Text: Dark Lord
Veröffentlicht am 25.03.2009

Oliver Palotai ist Gitarrist, Pianist und Komponist, als Live- und Studiomusiker unterwegs, sowie Musikpädagoge und derzeit als Mitglied verschiedener Bands (KAMELOT, SONS OF SEASONS, DORO und BALZE) überall und nirgends unterwegs, eben auch in einer der weltweit erfolgreichsten Progressive Metal Acts aus Florida an den Keyboards.

Wie weit seid ihr mit dem neuen Album, wann können wir mit einer Veröffentlichung rechnen.

Das ist noch gar nicht so weit, die Veröffentlichung wird noch richtig dauern, nächstes Jahr, denke ich. Aber ich kann noch überhaupt keinen Termin nennen, das ist alles noch völlig im Unklaren.

Um was wird es in dem neuen Album thematisch gehen?

Wir haben schon Ideen, aber es ist noch zu früh um darüber zu reden, da kann sich noch einiges ändern.

Wovon lässt sich die Band generell beim Songschreiben inspirieren?

Na ja, in den letzten Alben war das ja zum Beispiel auch Goethes Faust. Literatur halt. Wir reden auch immer über Gott und die Welt auf den Touren, wir haben im Tourbus während der langen Fahrten nicht so viel zu tun. Da kommen viele Ideen hoch, im Dialog miteinander. Und jeder hat etwas anderes für was er sich interessiert. Ich bin mehr der Bücherwurm, die anderen schauen mehr Filme.

In wie weit sind die einzelnen Bandmitglieder in den Entstehungsprozess eines neuen Albums involviert?

Bei Kamelot gehen die Ursprungsideen von Khan und von Thomas aus. Die beiden sind das Songwriting-Team am Anfang. Wir sind alle auf jeden Fall immer eingeladen, teil zu nehmen. Wobei ich aber auch sagen muss, ich habe schon für viele Bands geschrieben und es ist immer schwierig, den Stil einer Band, die es schon lange gibt, zu treffen. Im Englischen heißt es: „never change a winning team“ und ich bin da gar nicht so sehr daran interessiert, an dem eigentlichen Songwriting teil zu nehmen, denn ich will ja auch, dass dieser Kamelot-Sound beibehalten wird. Aber wir sind dann halt im zweiten Teil dabei, wenn es um den ganzen Sound geht, um das Einspielen des Albums, dann auf jeden Fall.

Was wird auf eurer neuen DVD, die gerade aufgenommen wird, zu sehen sein?

Da weiß ich ganz wenig darüber. Ich weiß, dass jetzt bei den großen Konzerten, wie z. B. beim Auftritt mit Maiden oder Wacken haben wir Mitschnitte gemacht. Wir filmen immer wieder an interessanten Locations und ich denke, daraus wird dann ein Zusammenschnitt gemacht.

Ihr wart ja mittlerweile in vielen Ländern auf Tour. Wie sind deine Eindrücke, sind die Kamelot Fans überall gleich oder gibt es da Unterschiede?

Die Kamelot Fans gehören definitiv zu einer angenehmen Sorte Fans. Ich war ja auch schon bei vielen Bands und ich würde sagen, hm…wie soll man das sagen, ohne dass es unverschämt klingt…, sie sind so die Creme de la Creme der Fans, sie sind etwas gebildeter und haben einen weiteren Horizont, vielleicht auch deswegen, weil sie nicht so kategorisch denken, nicht so sehr dieses Schubladendenken und das ist sehr angenehm.

Kamelot spielen in der Regel 90-100 Minuten. Habt ihr auch schon mal darüber diskutiert, länger zu spielen?

Nach 90-100 Minuten ist einfach der Speicher bei uns leer, wir haben eine hochenergetische Show, natürlich auch Roy, jeder von uns gibt einfach alles. Ich hoffe, dass es wirklich nicht großartig darüber hinaus geht, bei mir ist dann wirklich der Speicher leer.

Ihr seid um die halbe Welt verstreut zuhause, wie klappt das mit der Zusammenarbeit?

Sehr gut, wir haben unsere Basen in den USA, Deutschland und Norwegen und da treffen wir uns zu den Proben, zum Songwriting usw…

Wird es auch in Deutschland mal wieder ein paar mehr Konzerte geben, vielleicht speziell auch im Osten?

Das ist eine, sage ich dir ganz offen und ehrlich, finanzielle Frage und der Angebote, die wir bekommen. Es ist nicht so, dass wir entscheiden, wir machen jetzt da oder dort ein Konzert. Wir versuchen halt auch immer, sehr aufwendige Shows zu machen, mit Pyros usw., das kostet einfach sehr, sehr viel Geld und ich kenne es halt auch von anderen Bands, wenn keine Angebote da sind, gerade auch aus dem Osten, dann können wir da auch nicht hingehen. Ich würde tierisch gerne da hin gehen, vor allem weil ich auch historisch sehr interessiert bin. Es gibt so viele schöne Städte da, die ich einfach gerne sehen würde, ich hoffe, dass es irgendwann mal klappt.

Sind für dieses Jahr schon irgendwelche Festivals geplant?

Ja, wir haben einige skandinavische Festivals, ich glaube, wir haben noch eins mit Metallica im Sommer. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich darüber weniger den Überblick habe. Ich bin in erster Linie Musiker.

Das Tourleben kann ja manchmal sehr anstrengend sein. Worauf könntest du gerne verzichten?

Ehrlich gesagt auf sehr viel. Ich bin zuhause ein sehr konservativ arbeitender Mensch, ich stehe morgens zwischen 7:00 und 8:00 Uhr auf, höre zwischen 19:00 und 20:00 Uhr auf zu arbeiten. Ich habe gern einen geregelten Tagesablauf und das ist auf Tour überhaupt nicht möglich. Du hast völlig unterschiedliche Essenszeiten, die Qualität des Essens, die hygienischen Anlagen sind unterschiedlich. Die Bühne ist jeden Tag anders, unsere Spielzeit ist jeden Tag anders, das geht schon ganz schön an die Substanz. Ich liebe das Spielen, das eigentliche auf die Bühne gehen und mit den Fans abfeiern aber auf den Rest könnte ich gerne verzichten, ich bin da kein großer Fan davon.

Was macht ihr eigentlich, um zwischen den Terminen mal zur Ruhe zu kommen?

Ja, das frage ich mich auch. Grade mit Kamelot ist das extrem, ich bin die ganze Zeit schon auf Hochtouren und muss aufpassen, dass ich nicht einen Burnout bekomme, was ich schon 2- oder 3mal hatte. Die anderen haben halt ihre Familien und auch Kinder, da kommt man schon ein bisschen runter. Aber ich bin schon in einer sehr extrem anstrengenden Phase im Moment.

Kennen sich eure Familien eigentlich untereinander?

Ja klar kennen sie sich.

Eine persönliche Frage an dich: Wie schaffst du das eigentlich alles unter einen Hut zu kriegen, Kamelot, Doro und deine neue Band, Sons Of Seasons?

Ich musste vor ein paar Jahren auch kürzer treten. Ich hatte ja mal 5 Bands, mit denen ich auf Tour gegangen bin. Blaze, Uli Jon Roth, Circle II Circle, Kamelot, Doro, hatte Jazzprojekte, dann arrangiere ich ja noch im klassischen Bereich und im Jazzbereich.
Ich weiß auch nicht, wenn dann wirklich mal Leerlauf habe, muss ich sofort wieder zurück an die Arbeit. Ich glaube, ich muss irgendwann mal lernen, zu entspannen, aber ich bin ganz schlecht darin. Das ist vermutlich die schwäbische Schaffermentalität.

Hattest du irgendwelche Vorbilder am Keyboard aus der Metalszene?

Nein, gar nicht. Meine Vorbilder sind aus dem klassischen Bereich und aus dem Jazzbereich und dort ist schon alles gemacht worden, was im Metal nur möglich wäre, es gibt deswegen keine Metal-Keyboarder, die ich in irgend einer Form als Vorbilder sehen würde. Das sind alles Jazzmusiker und klassische Pianisten.

Hast du vielleicht noch ein paar Worte, die du gerne an unsere Leser richten würdest?

Ja, ich finde sehr wichtig, dass man die Ohren offen hält, nicht in Kategorien denkt, nicht die Bands in Schubladen steckt und dafür andere wieder ausschließt, einfach Augen und Ohren offen halten für neue Einflüsse, ich denke das ist unheimlich wichtig, damit der Stil nicht einfach irgendwann verknöchert.

Danke fürs Interview Oliver und weiterhin alles Gute für Euch!


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