Long Distance Calling - Florian Füntmann

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Es gibt ja glücklicherweise immer noch Leute, die sich mit der Musik, die sie hören auch intensiv beschäftigen...

Und für diese Klientel haben LDC eine absoluten Überflieger im Gepäck: "Avoid the Light". Grösser, saftiger, rockiger....? ...Ja.

Text: PMH
Veröffentlicht am 09.05.2009

Hi Flo ! Auf MySpace wird momentan grad euer neues Werk vorgestellt , beworben werdet ihr dabei als „die deutschen Mogwai“ … was haltet ihr von dieser Streamingsache bzw. dem Vergleich mit den Schotten ?

Hallo erstmal. Ich finde, das mit dem Streaming ist eine gute Sache, da die Leute so schon mal einen Gesamteindruck bekommen können. Wenn ihnen unsere Platte gefällt,werden sie sie hoffentlich kaufen. Ich denke die Vergleiche mit Mogwai kommen einfach, weil die ja auch eher wenig mit Gesang machen. Ich finde aber das wir anders klingen, wir sind wohl etwas Rocklastiger.

War der Wechsel von Viva Hate Records zu einem anderen Label (in diesem Falle: Superball Music ) nach einer gewissen Zeit geplant oder einfach eine willkommene Möglichkeit um international bekannter zu werden ?

Da unser Vertrag mit Viva Hate Records beendet war haben wir uns nach einem neuen Label umgesehen. Glücklicherweise waren Superball interessiert, was für uns als Band natürlich eine sehr gute Sache ist, da sie uns einfach noch besser unterstützen können in jeglichen Belangen.

Ein paar Fragen noch zur Vergangenheit – woher kommt der Name Long Distance Calling / und war die Band erst nur als Nebenprojekt zu Misery Speaks gedacht ?

Also auf den Namen sind wir gekommen als Jan, Reimut und ich als Besucher bei Rock am Ring waren. Da lief auf der Videoleinwand ein Werbeclip für die Band PHOENIX und den Song Long Distance Call. Obwohl wir nicht alle zusammen standen hatten wir alle gleichzeitig die Idee, die Band so zu nennen. Den Namen fanden auch alle anderen sofort super.
Die Band war Anfangs quasi nur ein Spaßprojekt mit dem wir uns musikalisch etwas austoben wollten. Unser Gitarrist Dave hatte da auch noch eine andere Band am Start. Das sich das ganze so schnell entwickelt hatten wir natürlich nicht eingeplant.

Welche musikalische Unterschiede kann man in euren Ohren zwischen dem Erstling „Satellite Bay“ und „Avoid the Light“ ausmachen ? grösser, saftiger, rockiger ?

Haha, ja, das trifft es schon ziemlich gut. Wir haben dieses Mal einfach vorgehabt, die Platte abwechslungsreicher zu gestalten. Auf Satellite Bay gab es ja eigentlich nur langsame melancholische Songs und da wollten wir ein bisschen von weg. Wir hatten einfach Bock das ganze etwas rockiger werden zu lassen & haben auch dieses Mal mehr darauf geachtet die Rhythmusparts besser auszuarbeiten. Die komplette Platte ist sowieso mehr rhythmuslastiger als die letzte.

Was mir auffällt – gerade Instrumentalbands haben eigentlich immer die genialsten Songtitel (obwohl diese gar nicht zwingend nötig wären): wie kommt man zB auf „I know you, Stanley Milgram! (ein amerikanischer Psychologe) oder „Jungfernflug“ vom Erstwerk …

Auf die Idee mit Stanley Milgram kam Reimut. Stanley Milgram hat ja herausgefunden, das jeder mit jedem auf irgendeine Art und Weise vernetzt ist. Das fanden wir sehr interessant. Jungfernflug heißt einfach so, weil er der erste Song auf unserem ersten Album ist. Wir haben aber auch manchmal Songtitel, die eigentlich gar keinen Sinn ergeben..haha.

Wie schwierig ist es heutzutage, rein mit instrumenteller Musik den Hörer zu fesseln – gerade wo bei der heutigen Jugend oft die Oberflächlichkeit regiert und ein Album kaum mehr als Ganzes wahrgenommen oder aufgenommen wird?

Ich denke es gibt schon ein relativ großes Publikum für so eine Art Musik. Es gibt ja glücklicherweise immer noch Leute, die sich mit der Musik, die sie hören auch intensiv beschäftigen. Wir möchten auch einfach keine Musik spielen, die man als Hintergrundberieselung hören kann. Man sollte schon etwas Zeit investieren.

Einen Song gibt’s dann dennoch mit Gesang - „The Nearing Grave“ wird durch Jonas Renske (Katatonia) aufgefettet und wirft dennoch Fragezeichen auf: warum gerade Jonas ? wie seit ihr an diesen Song herangegangen und wird’s auch auf dem nächsten Album einen Gastsänger (Peter Dolving gab sich ja bei „Satellite Bay“ die Ehre) zu hören geben ?

Wir sind alle große Katatonia Fans und so haben wir uns überlegt, ob wir ihn nicht einfach mal fragen sollen. Coolerweise war er auch sofort interessiert. Wir haben dann, nachdem er zugesagt hat, den Song geschrieben und ihn quasi auf ihn zugeschnitten. Den Song haben wir dann im Proberaum aufgenommen und ihn Jonas geschickt.
Er hat dazu dann einen Text geschrieben und das ganze in Schweden im Studio eingesungen. Das Ergebnis hat uns einfach nur umgehauen!! Im Studio haben wir den Song dann eingespielt und seine Stimmspuren darüber gelegt. Wenn uns danach ist, werden wir sicherlich noch mal mit einem Gastsänger arbeiten.

Die deutsche (Post)rockszene ist in meinen Augen qualitativ sehr hochwertig und spuckt immer wieder neue, sehr feine Acts aus - in meinen Ohren gehört ihr neben Daturah und Seidenmatt zur absoluten Oberliga: was denkt ihr über die Konkurrenz bzw. deren Ergüsse ?

Ich muss gestehen, dass ich mich nicht so ausgiebig mit der Postrock Szene beschäftige. Ich sehe uns auch nicht unbedingt als Postrockband, eher als Rockband die nun mal keinen Gesang hat.

Auf älteren Fotos gibt’s ja auch Bandmember in Emperor-Shirts: man kann beim Sound von LDC zwar keine derartigen Wurzeln erkennen, aber die Einflüsse sind schon breitgefächert – welche Bands haben euch in den Anfangstagen musikalisch bewegt oder inspiriert ?

Also ich denke ich kann sagen, das uns eigentlich alles was wir an Musik hören auf irgendeine Art und Weise, wenn auch vielleicht eher unterbewusst, inspiriert. Wir hören ja im Gesamten eigentlich so ziemlich alles was es gibt an Musik..haha. Aber ich kann schon sagen, das Tool und Porcupine Tree eine ziemlich große Inspiration für uns waren, als wir die Band gegründet haben. Wir klingen zwar nicht unbedingt wie sie, aber haben uns schon ein bisschen daran orientiert anfangs.

Das Artwork wirkt sehr apokalyptisch als auch untypisch - wie eine Szene aus „Dantes Inferno“ oder dergleichen … passt aber irgendwie zur Musik. Eure Worte zum Künstler bzw. zum Ergebnis ?

Das Design hat ein Kumpel von uns, der eigentlich für so ziemlich alle unsere Artworks verantwortlich ist, gemacht. Er hatte uns diverse Vorschläge geschickt, wo aber jeder einen anderen geil fand. Als er dann mit dem letztendlichen Vorschlag um die Ecke kam, waren wir uns alle sofort einig. Ich finde das Cover passt perfekt zur Musik auf der Platte.

Sind weitere Auftritte mit euren Schweizer Freunden Leech geplant oder werdet ihr heuer mit anderen Acts die Bühnen unsicher machen ? In Wien wart ihr ja schon ein, zweimal – aber wie schauts mit weiteren Festspielen in Österreich aus ?

Da wir auf der Tour mit Leech alle sehr viel Spaß hatten, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass wir demnächst wieder zusammen spielen werden. Wir spielen erstmal eine Tour zur neuen Platte im Mai und diverse Festivals danach. Bisher sind leider keine Österreichshows bestätigt, aber das kann ja noch kommen...

Was erwartet ihr euch persönlich von „Avoid the Light“ ? Gibt es auch Ziele die ihr mit der Band 2009 erreichen wollt bzw. schon erreicht habt (die Tour mit Dredg zB) …

Erstmal hoffen wir natürlich, dass Avoid the Light gut läuft und wir eventuell noch ne Tour mit einer grossen Band spielen können. Die Tour mit Dredg war schon ne geile Sache. Wir hatten anfangs leichte Bedenken, ob wir den Leuten nicht doch etwas zu speziell sein könnten, aber es war ja das Gegenteil der Fall. So konnten wir jeden Abend vor vielen Leuten spielen, die auch sehr gut mitgegangen sind.

Letzte Worte ?

Danke für das Interesse!!! Checkt unsere neue Platte Avoid the Light aus und trefft uns auf Konzerten auf ein Bierchen..haha.


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