Loxodrome - Paul Ablinger

Artikel-Bild

Neben dem Ziel, dass wir von der Musik leben können bleiben aber drei weitere bestehen: ein guter Review im Standard, auf Ö1 gespielt zu werden und bei den Simpsons vorkommen!

Österreichische Nachwuchshoffnung kann man zu LOXODROME nun nicht mehr sagen. 10 Jahre sind seit der Bandgründung ins Land gezogen und nun soll mit dem Album "No Destiny" der große Wurf gelingen. Bassist Paul erklärt das Album und auch einiges mehr...

Text: chris
Veröffentlicht am 28.05.2009

Hallo Paul. LOXODROME gibt es ja mittlerweile seit 10 Jahren, was ja nicht schlecht ist für eine österreichische Band. Wie sieht euer persönliches Resümee aus nach 10 Jahren Bandgeschichte? Habt ihr alles erreicht, was ihr euch vorgestellt habt?

Ja da hast du recht, wir haben inzwischen schon einige andere Bands kommen und gehen gesehen. Die Frage ob wir alles erreicht haben, was wir uns vorgestellt haben ist allerdings gar nicht so einfach zu beantworten. Als 17jähriger träumt man zwar vielleicht davon irgendwann mal (aber möglichst schnell natürlich) Rockstar zu werden, als konkretes Ziel würd ich das aber nicht sehen. Was wir inzwischen alles erreicht haben (Konzerte quer durch Europa, Veröffentlichungen ebenso, Ausstattungsverträge, usw.) hätten wir damals realistisch nicht als Ziel zu formulieren gewagt, auch wenn wir immer genau auf solche Sachen und noch mehr hingearbeitet haben. Je weiter man aber kommt, desto höher werden natürlich die Ansprüche und Ziele. Irgendwann wird’s aber auch schwierig viel unterwegs zu sein, weil die Ausbildung vorbei ist und die Eltern nicht mehr Wohnung, Versicherung etc. finanzieren. Damit Ändern sich dann auch die Zielsetzungen. Der finanzielle Aspekt gewinnt dann leider an Gewicht. Aber irgendwie schaffen wirs immer noch über die Runden zu kommen. Ein Job da, ein Projekt hier – die Band ansich ist ja noch immer ein Projekt, dass mehr kostet als es einbringt. Neben dem Ziel, dass wir von der Musik leben können bleiben aber drei weitere bestehen: ein guter Review im Standard, auf Ö1 gespielt zu werden und bei den Simpsons vorkommen ;)

Als wir das letzte Mal geredet haben, beim Rubberfreshtival, da habt ihr noch gemeint, mit der neuen CD, also „No Destiny“, heißt es jetzt „alles oder nichts“, so mehr oder weniger. Wie sieht es aktuell aus? Seid ihr mit dem Label (Fastball – Sony) zufrieden, auch was Marketing technisch so für euch gemacht wird?

Hm ja, diese „alles oder nichts“ Formulierung brauchte es irgendwie um uns selber zusätzlich ein Bissl unter Druck zu setzen. Mit dem Album und dem was darum herum passiert haben wir zwar sicher nicht „alles“ erreicht aber doch wieder um einiges mehr, darum wird’s uns auch noch in den nächsten Jahren geben... Wir wollen aber immer noch mehr und setzen uns wieder neue, höhere Ziele.
Mit Label und Vertrieb sind wir bisher ganz zufrieden. Das wir uns jetzt nicht einfach zurücklehnen können und darauf warten, dass von dritter Seite was passiert ist uns aber klar. Insofern intensivieren wir eher unsere Arbeit für die und mit der Band. Ein Großteil der Promoarbeit bleibt ja nachwievor durch TripleCore:Music quasi in unseren Händen.

Wenn man sich die Credits der CD mal so durchsieht, erkennt man ja recht schnell, dass ihr sehr viel selber übernommen hat, vom produzieren über die Aufnahmen (außer Schlagzeug und Vocals) und auch das Mastering ist ja quasi in der Familie geblieben. War das von Anfang an so geplant?

Quasi in der Familie ist schon richtig. Wobei wir da Familie ein Bissl weiter definieren würden. Wir haben hier bei uns in Pettenbach ein sehr brauchbares und qualitativ hochwertiges Netzwerk was die Musikwirtschaft betrifft. Neben (zumindest) national relevanten Bands wie Incorporated, Centao und noch einigen mehr gibt’s mehrere Studios und eine Video-Produktionsfirma (alle mit ziemlich guten Referenzen, von 3 Feet Smaller bis Krautschädl, usw.).da war es im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, das Ganze hier zu machen und war auch von Anfang an so geplant. Thomas (für das Mastering des Albums verantwortlich - Anm.) ist übrigens der Cousin unseres Sängers, war früher als Sänger/Gitarrist/Bassist von Cleareol unterwegs und betreibt heute ein Masteringstudio.

Wenn man das gesamt Packet betrachtet, also die Musik, die Produktion, Artwork und auch das Video zu „No Destiny“, dann kann man echt nur sagen, dass ihr mittlerweile wirklich sehr, sehr professionell zu Werke geht. Wie kam das? Hat das alles nur damit zu tun, dass ihr nun ein Label im Hintergrund habt, das euch finanziell entsprechend unterstützt?

Mit dem Label hat das eigentlich nichts zu tun, da das Gesamtpaket schon vor der Unterzeichnung des Vertrages konzipiert und fertiggestellt war. Ich seh da auch nicht so eklatante Unterschiede zum Vorgängeralbum. Wir haben immer gerne möglichst viel in unseren Händen und haben auch bei „State Of The Union Speech“ alles möglichst gut aufeinander abgestimmt. Die Unterstützung des Labels macht sich halt jetzt bei Promo und Vertrieb bemerkbar.

Fotoshooting und Videodreh dürften ja gleichzeitig stattgefunden haben, wenn man sich euer „Make Up“ so ansieht. Wie kam die Idee dazu, alles in der Art zu realisieren?

Als erstes war die Idee fürs grundsätzliche Artwork des Albums. Aus diesem Style heraus hat Boris (www.pictureBOB.at) die Idee für die Fotos und fürs Video entwickelt. Umgesetzt wurde das Video dann mit Boris als Regisseur von Sebbo Pitschmann unserem ehemaligen Gitarristen der jetzt die Videosektion von SUN.Projects betreibt.

Von August bis Oktober steht auch schon eine Tour fest laut MySpace, von Ungarn über Tschechien und Deutschland bis in die Schweiz wird’s da für euch gehen. Hat das neue Album es euch erleichtert, derartige Touren zu planen und auch wirklich auf die Beine zu stellen?

Definitiv ja. Wobei für Deutschland nun mit Youngblood Music eine neue Agentur für uns arbeitet. Das erleichtert das Ganze zusätzlich. So wies aussieht sollte aber noch einiges dazu kommen, da wir aufgrund der Veröffentlichung von "No Destiny" eigentlich für Frühjahr geplante Tour-Aktivitäten auf Herbstverschieben mussten. Da kam uns die Vertragsunterzeichnung und die damit einhergehende Verschiebung der Veröffentlichung dazwischen. Wird aber nun alles im Herbst stattfinden. Wir freuen uns schon sehr darauf, da das Publikum in England und speziell in Osteuropa immer sehr euphorisch war.

Kommen wir jetzt zum Album selbst: für mich ist „No Destiny“ wirklich ein sehr kompaktes Album geworden, das einige wirklich tolle Songs bietet und eigentlich keinen einzigen Durchhänger hat. Wie lief der Schreibprozess ab? Hat sich da etwas verändert, seit Martin zur Band gestoßen ist?

Die Gitarristen-Wechsel die du ja schon angesprochen hast, haben den Schreibprozess ziemlich in die Länge gezogen. Letztendlich ist das Album aber wohl auch deshalb so kompakt geworden, weil alle vier Gitarristen beteiligt waren. Das Schreiben der Songs funktioniert aber bei uns immer gemeinschaftlich, da kommt keiner mit einem fix fertigen Song zur Probe sondern höchstens mit Einzelparts. Der Rest entsteht dann beim gemeinsamen Jammen. Neu war mit Martin, dass er als einziger Gitarrist übrig blieb. Das war natürlich für alle gewöhnungsbedürftig hat sich aber ziemlich rasch super eingespielt.

Das „Goodbye“-Doppel, also „To You“ und „To Everyone“, bilden diese Songs irgendwie eine Einheit? Textlich geht’s logischerweise um Abschied, aber genauere Zusammenhänge haben sich da für mich noch nicht erschlossen.

Da gibt es auch keinen Zusammenhang. „Goodbye To You“ ist ein persönlicher Abschied von einer Freundin von uns, die vor allem unserem Sänger sehr sehr nahe stand und bei „Goodbye To Everyone“ gehts darum, dass sich niemand wundern darf wenn man einfach aufgibt ...

Wieso habt ihr zu „No Destiny“ das Video gemacht? Gab’s da spezielle Gründe?

Es gab grundsätzlich zwei, drei Songs zur Auswahl. Prinzipiell wollten wir einen eher schnelleren Song, der rasch ins Ohr geht. Die Letztentscheidung viel aber dann gemeinsam mit Boris.

Die leidige Frage nach MySpace kann ich leider nicht umschiffen. Ihr habt ja auch einen Facebook-Account. Wie wichtig sind diese ganzen Social Network Sachen für eine Band wie euch? Bringt euch eine MySpace-Seite mehr als ein ordentliches Label? Oder wird MySpace etc. für euch überschätzt?

Prinzipiell ist es ein gutes Tool um auf sich aufmerksam zu machen, allerdings wird man nur mit MySpace und anderen Social-Networks nicht weit kommen. Es sind Kostengünstige Marketing-Tools die allerdings nur dann funktionieren, wenn man sehr viel und ständig dafür und damit arbeitet.
Wir haben ja was das Internet und andere digitale und elektronische Entwicklungen betrifft gewissermaßen in einer prähistorischen Zeit angefangen. Aus unserer Sicht haben es diese Sachen einerseits für Bands leichter und vor allem billiger gemacht, insgesamt aber wurde dadurch das Niveau eher gesenkt und es ist für Bands die das Ganze nicht nur als zeitweiliges Hobby für ein, zwei Jahre sehen, schwieriger geworden nicht in der Masse unterzugehen, weil es auch für die tatsächlichen Hobbybands sehr einfach ist Demos zu fabrizieren die halbwegs brauchbar sind und diese auch zu verbreiten. Dieses Thema würde aber hier wohl eher den Rahmen sprengen.

Was halten eigentlich eure ehemalige Gitarristen vom Album, beziehungsweise haben sie es überhaupt schon gehört?

Die waren ja allesamt beteiligt, insofern haben sie es natürlich alle schon gehört und bekommen. Soweit wir wissen gefällt es allen extrem gut.

Ihr habt jetzt auch ein hosted by für GoTV gemacht. Wie kam das zustande?

Wie das halt so läuft. Das Album kommt über ein Label raus und dadurch wird’s von vornherein schon interessanter. Gefallen hats anscheinend auch und da das Video ja auch fertig ist und ebenfalls entsprach hatten wir auch schon bald den Terminvorschlag im Posteingang. Kann aber gut sein, dass da auch das Label seine Finger mit im Spiel hatte ;)

Ich hätte noch eine Frage zu „TripleCore:Music“. Diese Booking/Management Geschichte wird ja von dir gemacht, soviel ich weiß. War das eine Hilfe für euch, dass ihr selbst auch so einiges über dieses Business wisst und somit vielleicht einen kleinen Vorteil gegenüber anderen österreichischen Bands habt?

Der Vorteil den wir haben ist nicht TripleCore:Music sondern die Erfahrung die wir uns über die Jahre aneignen konnten. Besonders ich, da ich immer schon das Management der Band gemacht hab und mir da einiges an Wissen erarbeiten konnte. Einige negative Erfahrungen mit Agenturen haben uns dann dazu bewogen gewissermaßen als Spin Off TripleCore:Music zu gründen. Anfangs mit zu dritt, jetzt aber wieder alleine. Unser Wissen geben wir aber normalerweise gerne weiter, insofern ist das auch kein Vorteil in dem Sinne, andere Bands bräuchten uns nur fragen...


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE