HIM - Migè Amour (Mikko Paananen)

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Ich wünsche mir, dass meine Handgelenke in Ordnung bleiben!

Unglaublich, aber wahr: Mit "Screamworks - Love In Theory And Practice" scharrt bereits das siebte Album der finnischen Gothic-Rocker von HIM in den Startlöchern. Saitenzupfer Migè ist mir am Telefon Rede und Antwort gestanden und erzählt von der Entstehung der neuen Platte, privaten Interessen und warum "Screamworks" eine Form von Schreitherapie geworden ist...

Text: mat
Veröffentlicht am 05.02.2010

Hi Migè, schön dich zu hören. Wie geht es dir?

Exzellent, danke! Ich sitze gerade bei meinem Morgenkaffee. Etwas spät, aber ja [lacht]…

Mit „Screamworks – Love In Theory And Practice“ kommt in den nächsten Tagen ein neues HIM-Album auf den Markt. Kannst du die Musik auf der Platte beschreiben? Was können die Fans von dem Album erwarten?

Erwartungen sind immer eine schwierige Sache. Trotzdem glaube ich, dass unsere Fans überrascht sein werden. Die Songs auf „Screamworks…“ sind abwechslungs- und energiereicher. Auf dem Album herrscht ein gewisser Energiepegel, den ich nicht wirklich beschreiben kann. Das kommt vielleicht davon, dass wir mit all unserer Kraft an den Songs gearbeitet haben und das merkt man ihnen nun auch an! Das Album funktioniert als Ganzes und eigentlich kann ich nur sagen, dass das Material einfach nur tight klingt! Fast schon super-tight [lacht]!

Heißt das, dass es sich hierbei um ein Konzeptalbum handelt?

Du meinst mit einem thematischen Leitfaden?

Genau.

Nein, nicht unbedingt. Es sind gewisse thematische Elemente, die sich durch das ganze Album ziehen, musikalisch und in den Texten. Man kann es aber nicht als eine Art Rock-Oper bezeichnen, die sich um ein einziges Thema dreht, obwohl natürlich die Liebe im Vordergrund steht.

Das sieht man schon dem Albumtitel an. Steckt da etwa ein tieferer Sinn dahinter?

Ja, natürlich. Wir wollten eine Art Schrei-Workshop kreieren. Ein Ort, wo Leute vielleicht nur schreiend miteinander kommunizieren. Eine intensive Situation auf lyrischer, musikalischer und mentaler Ebene, deswegen auch der Titel. Das ist meine persönliche Auslegung des Albumtitels.

„Heartkiller“ ist die erste Singleauskoppelung des Albums. Warum ausgerechnet dieser Song?

Ich muss zugeben, dass ich schon lange nicht mehr mit dabei war, wenn es um die Auswahl von Singles ging. Ich habe dafür zu wenig Abstand zu den Songs und überlasse diese Aufgabe anderen Menschen, die genügend Distanz haben und wissen, wann, wo, was am besten ankommt. Ich bin aber mit der Wahl zufrieden.

Thema Songwriting – wer war dafür zuständig?

Ville! Er hat die Melodien, Texte, im Prinzip einfach alles allein gemacht! Wir haben uns dann hingesetzt und die ganzen Sachen zusammengebaut. Die einzelnen Strukturen und der musikalische Grundaufbau sind aber komplett von Ville.

Gibt es für dich persönlich einen Lieblingssong auf der Scheibe?

Ja, „Katherine Wheel“. Es ist ein total faszinierender Song, da er sich während den ganzen Vor- und Nachproduktionen immer wieder verändert hat. Der Song ist einfach toll!

Da gebe ich dir Recht. Dann kannst du mir sicher auch sagen, worum es in „Katherine Wheel“ geht?

Der Titel bezeichnet eigentlich eine Art Feuerwerk, das aber wiederum nach einem Folterinstrument benannt ist. Textlich geht es eben um die Desillusionierung, Qualen und dem ganzen Dasein als Mensch. So könnte man die Lyrics am besten thematisch umreißen. Das spiegelt auch die Musik wider. Es ist ein wirklich bezaubernder Song, fast wie ein Märchen.

Millionen von Fans auf der ganzen Welt warten auf neues HIM-Material. Verspürt ihr da einen gewissen Druck, wenn es an der Zeit ist, eine neue CD zu machen?

Nein, als Druck kann man das nicht bezeichnen. Wir haben jetzt schon einige Alben gemacht und daraus gelernt, dass man nie alle zufrieden stellen kann. Da muss man einfach selbstbewusst sein und bleiben, egal, wie sich das Ganze dann entwickelt. Du musst die Musik machen, die dir selbst gefällt und die du dir auch anhören würdest. Die Menschen ändern sich und damit auch ihr Musikgeschmack. Und auch du und dein Geschmack ändern sich. Man muss einfach das machen, was einem schmeckt und hoffen, dass es andere Leute nicht unbedingt enttäuscht.

Der Release von „Venus Doom“ liegt schon wieder über zwei Jahre zurück. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht, außer an den neuen Songs zu arbeiten?

Vor allem Urlaub! Nach der intensiven Tour zu „Venus Doom“, die über ein Jahr gedauert hat, war es wieder an der Zeit, etwas zu entspannen. Wir haben uns dann ein paar Monate frei genommen, bevor wir mit den Arbeiten an dem neuen Album angefangen haben. Das war so circa zu Weihnachten 2008. Es hat dann eine Weile gedauert, wir haben ein halbes Jahr geprobt, bevor die Produktionsphasen dann wieder losgingen.

Wann werden wir euch wieder im deutschsprachigen Raum zu sehen bekommen?

Im Herbst 2010 planen wir ein paar Konzerte in Deutschland. Wir wollten zuerst gleich nach dem Album-Release durch Europa touren, das hat aber aufgrund terminlicher Differenzen nicht ganz funktioniert. Jetzt spielen wir nur drei Gigs nach der Veröffentlichung der Platte, kommen dann im Herbst zurück und hoffen, dass „Screamworks…“ bei den Leuten gut ankommt.

Welche Musik hörst du dir privat gerne an?

Ich will nicht sagen, dass wir die ganze Zeit nur Stress haben, aber wir arbeiten eigentlich durchgehend an unseren Alben und deswegen finde ich nicht allzu viel Zeit mir andere Musik anzuhören. Ich bin gerade nicht wirklich in der Lage, mir irgendwelche Rock- bzw. Metal-Alben reinzuziehen. Deswegen höre ich zurzeit gerne Opern und solche Sachen. Die ganzen klassischen Sachen sind so eine Art musikalische Reise für mich. Ich mag es!

Was bedeutet HIM für dich? Wie würdest du euch in einem Satz beschreiben?

In einem Satz? Das ist schwierig… ich würde einfach sagen: Mit HIM hast du ein verdammt verrücktes Leben! Die Band hat mein Leben verändert, es ist strange geworden, einfach ungewöhnlich! Es gibt dabei natürlich Höhen und Tiefen. Als ich noch ein Jugendlicher war, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass sich mein Leben auf diese Weise entwickelt. Ich dachte, ich würde beim Militär landen [lacht]…

HIM existiert nun schon seit knappen fünfzehn Jahren. Wenn du so zurückblickst, gibt es da Sachen, die du heute anders machen würdest, die du evtl. bereust?

Nein, ich bereue eigentlich nichts. Ich bin ein Mensch, der zu seinen vergangenen Entscheidungen steht. Das ist auch heute so. Man muss einfach das Beste daraus machen, egal, was kommt! Trotzdem hätte ich manchmal vielleicht etwas stärker sein sollen. In bestimmten Situationen war im Nachhinein betrachtet etwas zu schwach, habe mich zu wenig behauptet. Das würde ich am ehesten ändern. Es wäre gut, wenn ich etwas stärker, vielleicht auch mutiger gewesen wäre. Manchmal zumindest.

Deine Meinung zum Alltime-Favourite-HIM-Song…

Ich würde sagen „Gone With The Sin“ vom „Razorblade Romance“-Album. Es ist nämlich schwer einen einfachen Song zu machen, der nicht gleich wie eine Kopie von tausenden anderen Liedern klingt. „Gone With The Sin“ ist die Einfachkeit schlechthin und trotzdem original und ich höre es mir auch heute noch total gerne an.

Hast du einen speziellen Wunsch für 2010?

Ich habe meistens verrückte Wünsche [lacht]. Dieses Mal wünsche ich mir, dass meine Handgelenke in Ordnung bleiben und ich mich nicht irgendwie verletze. Stell dir mal vor, ich könnte nicht mehr für euch spielen, das wäre ja furchtbar! Unvorstellbar!

Da gebe ich dir Recht, das stellen wir uns lieber nicht vor. Deshalb hören wir an dieser Stelle auf. Möchtest du noch irgendetwas Wichtiges hinzufügen?

Nö, ich denke, wir haben das Wichtigste besprochen [lacht]!

Dann bedanke ich mich bei dir, Migè. Grüße an den restlichen HIM-Clan und alles Gute!

Werde ich ausrichten und das Gleiche an dich zurück!


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