IMPERIUM DEKADENZ - Horaz

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Uns interessiert vor allem, ob wir Emotionen freisetzen können und ob wir authentisch klingen.

Wer sich gerne am hochwertigen Schwarzmetall labt, muss gen Schwarzwald blicken. IMPERIUM DEKADENZ Sänger Horaz sprach mit uns über das neue Album "Procella Vadens", Labelveränderungen und deutsch-österreichische Geschichte.

Veröffentlicht am 15.03.2010

Ihr seid ja erst unlängst von Perverted Taste zu Season Of Mist gewechselt. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen und wie zufrieden seid ihr bislang?

Vor allem haben wir ein professionelleres Umfeld gesucht. Wir wollen uns auf die Kunst konzentrieren und uns nicht mit Nebensächlichkeiten herumschlagen. Gunnar macht da einen sehr guten Job und wir sind bis dato zufrieden mit den Dingen die waren und auch kommen werden. Insider wissen, Perverted Taste steht im Zwielicht was den Vertrieb von CDs usw. angeht. Politik hat in der Kunst nichts zu suchen und uns haben die Lügen die verbreitet wurden, extrem angekotzt.

Dass opulenter und hochklassiger Black Metal nicht immer nur nach DIMMU BORGIR klingen muss, habt ihr ja schon des Öfteren bewiesen. Wie zufrieden seid ihr mit „Procella Vadens“? Wo seht ihr die Veränderungen zum Vorgänger „Dämmerung der Szenarien“?

Eine riesige Veränderung gibt es zu „Dämmerung der Szenarien“ nicht, diese steckt eher im Detail. Auffällig ist sicherlich der Sound, kraftvoll, eisig und organisch (eben nicht wie DIMMU BORGIR). Wir haben im Vorfeld herumexperimentiert, aber die bessere Produktion liegt vor allem an Christoph Brandes von den Iguana Studios, der das aufgenommene Material unter die Lupe genommen hat. Die Songs an sich sind besser ausgeschrieben und alles kommt reifer daher. Wir wissen nicht welches das bessere Album von beiden ist, aber wir sind absolut zufrieden mit der letzten Veröffentlichung.

Ihr habt mit „A Million Moons“ und „An Autumn Serenade“ auch zwei zehnminütige Songs auf dem Album. Entstehen diese epischen Stücke von selbst, oder steckt da schon die Überlegung dahinter, Songs in genau so einer Länge zu schreiben?

Nein, wozu sollte man einen Song mit einer bestimmten Spieldauer schreiben!? Ein Song muss uns aus den Latschen hauen und da ist es egal wie lange er ist. Warum ein Lied auf 10min wächst kann ich dir nicht sagen. Es sind die Riffs, die Emotionen und Ideen, sowie schlussendlich die Erfahrungen beim Songwriting, die ein Lied zu dem machen was es ist.

Anscheinend läuft auch der Verkauf von eurem Album sehr gut. Die Digipak-Version ist ja bereits vergriffen. Wie wichtig sind euch die Verkaufszahlen im Vergleich zur Kunst selbst?

Solche Verkaufszahlen sagen uns, dass wir nicht die Einzigen sind, denen unsere Kunst gefällt. Sie sagen uns, dass es noch Leute gibt denen unsere Kunst so wichtig ist, dass sie dafür Geld ausgeben. Aber um hier mal einem Fehlglauben entgegenzutreten, bei dem Genre das wir bedienen und die Zielgruppe, die wir haben, reicht das Geld gerade, um die nächste CD zu produzieren. Davon leben können wir nicht und wollen es auch nicht. Geld verdirbt den freien Geist.

Die Bewertungen in den verschiedensten Print- oder Onlinemagazinen waren ja gewaltig. Ist euch das Kritikerlob wichtig und wie weit helfen oder zerstören gute oder schlechte Kritiken den Verkauf?

Uns ist natürlich jede konstruktive Kritik wichtig. Wenn wir merken, dass sich jemand mit dem Album intensiv auseinander gesetzt hat, werden wir hellhörig. Uns interessiert vor allem, ob wir Emotionen freisetzen können und ob wir authentisch klingen. Eine gute Kritik lässt natürlich den Einen oder Anderen ein Ohr auf das Material werfen, eine schlechte Kritik kann ein Werk in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Im Grunde ist doch aber nur wichtig, dass man eine gute Zeit hatte und stolz ein Kapitel seines Lebens in Händen halten kann.

„The Descent Into Hades“ ist so ganz anders, als alle anderen Stücke des Albums. Warum klingt dieser Song so speziell und wer hat daran mitgearbeitet?

Wir sind ja große Fans von DEAD CAN DANCE. So etwas wollten wir schon lange einmal machen, also haben wir es einfach gemacht. Wir haben so viele Facetten auf einem Album, warum nicht auch ein bisschen mediterran werden? Wir haben den Song zusammen mit Connie Andretzka und seiner Freundin Franzi produziert.

Ihr seid heuer auf dem RAGNARÖK und dem WACKEN engagiert. Sind weitere Auftritte geplant? Würdet ihr auch auf eine längere Tour gehen oder fehlt euch dafür die Zeit?

Wir werden demnächst weitere Konzerte veröffentlichen. Dieses Jahr werden wir auch mit größter Wahrscheinlichkeit in Österreich zu sehen sein. Wir wollen Touren spielen und ich denke wir werden dieses Jahr auch noch eine Tour spielen, das liegt aber nicht allein in unserer Hand. Da wir alle Vollzeitbeschäftigungen nachgehen, wird die Planung kein Einfaches, aber auch das sollte machbar sein.

Seit einiger Zeit seid ihr ja auch live zu bewundern. Dafür habt ihr ja die gesamte VARGSHEIM-Mannschaft rekrutiert. Woher kennt ihr euch und wie kam diese Kooperation zustande? Entstehen dabei auch mal zeitliche Probleme?

Vespasian und ich waren in München einen saufen. Dann kamen wir mit jemanden ins Gespräch, der IMPERIUM DEKADENZ damals schon kannte. Er meinte, er würde ein paar Kerle kennen, die gerne bei uns spielen würden und es auch drauf haben. Wir tauschten Adressen aus und einige Wochen später standen die Jungs bei uns im Proberaum. Auf menschlicher Ebene haben sie uns sofort überzeugt (was das Wichtigste ist) und spielerisch schon nach wenigen Proben. Sie sind sehr gute und leidenschaftliche Musiker und Künstler und wir hoffen, dass sie noch lange an unserer Seite spielen werden. Zeit ist bei einem „Hobby“ immer ein Problem, aber ein zu bewältigendes, wenn die Begeisterung dafür stimmt.

Hast du noch ein paar letzte Worte an deine österreichischen Fans?

Eine Anekdote… Der Ort, in dem ich aufgewachsen bin (Bräunlingen), gehörte über Jahrhunderte zu Österreich (bzw. Habsburg). Die Kaiserin selbst sandte Truppen um den Ort vor einem benachbarten Fürsten zu schützen, der sich die Gegend unter den Nagel reißen wollte. Noch heute sieht man das österreichische Wappen auf dem Stadttor, hehehe

Vielen Dank und liebe Grüße aus Österreich!

Ja, vielen Dank auch von unserer Seite.
Morituri te Salutant


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