Kvelertak - Bjarte Lund Rolland

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Wir glaubten natürlich an die Platte, aber wir haben nie davon geträumt, so viele tolle Reviews zu bekommen, mal ganz abgesehen davon in diesen Magazinen überhaupt vorzukommen.

Gitarrist Bjarte der norwegischen Durchstarter KVELERTAK im Interview zum aktuellen Longplayer, der Zusammenarbeit mit Kurt Ballou und John Dyer Baizley sowie dem vielleicht wichtigsten Faktor der Band: Spass.

Text: chris
Veröffentlicht am 23.11.2010

Als erstes würde ich gerne wissen, wie ihr die Band gegründet habt. Seit wann kennt ihr euch und wann habt ihr den Drang verspürt, Musik zu machen?

Erlend und ich haben die Band irgendwann 2006 gegründet, dann sind Marvin und Vidar relativ schnell dazugekommen. Kjetil stieß vor 2 Jahren zu uns, und schließlich Maciek vor ungefähr einem Jahr. Wir haben uns eigentlich davor schon alle gekannt.

Euer erstes, selbstbetiteltes Album wurde im Sommer 2010 veröffentlicht. War das eure erste Platte, oder gab es davor Demos oder EPs, die eure Fans jetzt teuer auf eBay verkaufen?

Das war unsere erste Veröffentlichung. 2007 hatten wir ein Demo gemacht, von dem es 100 Kopien gab, aber das war’s dann auch.

Wir zufrieden seid ihr mit den Reaktionen auf die Platte (zum Beispiel wurdet ihr ja „Schönheit“ im VISIONS-Magazin)?

Das ist unwirklich, ehrlich gesagt haben wir das nicht kommen gesehen. Wir glaubten natürlich an die Platte, aber wir haben nie davon geträumt, so viele tolle Reviews zu bekommen, mal ganz abgesehen davon in diesen Magazinen überhaupt vorzukommen.

Der ersten Song, den ich von euch gehört habe, war „Mjod“, der ein perfekt geschriebener Punk-Rock-Death Hit ist. Auf der anderen Seite gibt es auf dem Album Songs wie „Fossegrim“ (mein Favorit) oder andere, die auch Einflüsse von Stoner oder Sludge-Metal beinhalten. Was sind denn eure größten musikalischen Einflüsse?

Wir mögen einfach alles, das irgendwie eingängig ist und Groove hat, aber gleichzeitig brutal ist. Es ist diese Reibung, die harte Musik interessant macht, für mich zumindest.

Drei Gitarren: Ihr habt in einem Interview mal gesagt, dass ihr sogar gerne mehr Gitarren in den Sound integrieren würdet, weil Harmonien ziemlich wichtig für euch sind und auch die Möglichkeit, die Songs live entsprechend umzusetzen. Ich mochte die Aussage sehr, weil euer Album eigentlich das typische Gitarren-Album dieses Jahres ist. Um zur Frage zu kommen: Was ist euch wichtiger – das Feeling des Songs oder versuchen, neue Riffs und Harmonien zu schreiben?

Wow, das war Wahnsinn. Wenn ich deine Frage(n) richtig verstehe: für mich sind gute Songs wichtig. Es ist so leicht, Songs als selbstverständlich anzusehen, es ist mehr als einen Haufen Riffs zusammen zuschmeißen. Viele Bands geben sich mit relativ wenig zufrieden, und kompensieren das dann wieder mit Sachen, die eigentlich nicht viel mit der Musik zu tun haben (der Produktion, dem Image, Street Credebility, und so weiter). Was das live Spielen und die drei Gitarren betrifft: unsere Songs haben einige Schichten, und viele haben wir extra in diese Richtung geschrieben. Das ist manchmal gut, um die Energie zu erhalten. Wenn während eines Songs eine der Gitarren einen Lead-Part übernimmt, verliert man nicht soviel Energie, als wenn man nur mit zwei Gitarren spielen würde und plötzlich nur noch eine übrig hätte, quasi ein Anti-Klimax. Außerdem trägt es einfach zu dem massiven Sound bei. Und ich liebe dreistimmige Harmonien. Niemand von uns ist eigentlich SO gut auf seinem Instrument (außer unser Drummer Kjetil, der ist ziemlich gut), aber es ist auch nicht so, dass unsere Songs DERART schwierig wären; wir vermeiden immer, so komplexe Sachen zu machen, damit wir das live auch entsprechend umsetzen können (auf unserer letzten Norwegen-Tour haben wir das ganze Album in unterschiedlicher Reihenfolge gespielt). Man sollte kein Gitarren-Autist sein, um einen guten Song zu spielen!

Abgesehen von anderen Bands, Genres und musikbezogenen Zeug: was sind eure Einflüsse beim Schreiben der Musik und der Lyrics?

Ich glaube, wir nutzen, was wir haben: Nordische Mythologie, das ist ein Kinderspiel. Beste Quelle für Metallyrics jemals!

Wenn wir schon über die Lyrics sprechen, würde ich gern mit dir über die Themen der einzelnen Songs reden. Im Booklet wird ja jeder Song kommentiert mit einer kurzen Geschichte zu dunklen Zauberern, Göttern und Halbgöttern sowie – wieder mal ein Favorit von mir – Flüssen aus Urin. Wir ernst ist das zu nehmen, wie ernst nehmt ihr selbst eure Lyrics?

Wir versuchen nicht anmaßend zu sein, was das betrifft, also gehen wir da mit einer ziemlich unbeschwerten Haltung ran und mischen es mit Geschichten von unseren langweiligen Leben in Norwegen (das es zumindest gewesen ist, vor diesem ganzen Bandding). Außerdem kann man ja sowieso nicht sagen, was Erlend singt, nicht mal Norweger selbst. Wir haben ziemlich viel Spass, Leuten zu zuschauen, wie sie versuchen, dahinter zu kommen, was er singt, hehe.

Wie wichtig ist Spass für euch – nicht nur was die Lyrics betrifft, sondern die ganze Band?

Spass ist alles, alle Bands, die keinen Spass haben mit dem was sie machen, sollten sofort aufhören. Einige Bands erkennen das selbst zwar nicht, aber das Publikum merkt das.

Glaubst du, es ist ein Vorteil für euch, auf Norwegisch zu singen statt auf Englisch? Eine Möglichkeit, um aus der Masse der Metalbands herauszustehen?

Bis jetzt hat es sich als nichts als ein Vorteil erwiesen.

Was ich auch ziemlich gut finde, ist, dass ihr eigentlich nie wirklich „singt“ auf dem Album (von einer paar Ausnahmen abgesehen). War das immer Teil eures Stils?

Ja, eigentlich sind diese paar melodischen Parts auf dem Album etwas ziemlich Neues für uns. Das hatten wir ursprünglich nicht.

Einer der Gastsänger ist Hoest von TAAKE – ich habe das zuerst nicht realisiert, aber es gab da 2007 ja eine ziemlich Kontroverse um ihn, weil er bei Konzerten in Deutschland mit dem Hakenkreuz auf der Brust aufgetreten ist und solche Sachen. Was denkst du über diese ganze Geschichte und wie kann man seinen Auftritt auf eurem Album interpretieren?

Er hat es verschissen, hat sich danach entschuldigt, und seitdem nichts Derartiges mehr gemacht. Ich glaube, er wollte einfach eine Kontroverse erzeugen, aber hat sich das vorher nicht gut überlegt. Sein Auftritt auf unserem Album basiert auf unserem extremen Respekt für seine Musik, er ist echt ein Genie. Und außerdem ein netter Kerl.

Wie kann man sich denn eure Live-Shows vorstellen? Wenn ich eure Songs höre, sehe ich da immer viele Gitarren auf der Bühne und Leute im Pit herumfliegen.

Das ist unser Ziel zumindest. Wir versuchen, Spass zu haben und unsere Sets so unterhaltsam zu gestalten wie wir es gerne hätten, wenn wir uns KVELERTAK ansehen würden. Die Musik ist ziemlich energiegeladen, und das überträgt sich auf uns auf der Bühne, glaube ich.

Das wurdet ihr sicherlich schon tausende Male gefragt, aber ich mach es wieder: Kurt Ballou als Produzent und John Dyer Baizley für das Artwork – wie habt ihr das angestellt? Seid ihr vielleicht selber dunkle Zauberer und habt ihnen gedroht, sie in Flüsse aus Urin zu werfen?

Gute Demos, ein gutes Timing und eine große Portion Glück obendrauf. Mit Kurt zu arbeiten war fantastisch, wir hatten volles Vertrauen in seine Vision des Albums und haben ihn sein Ding machen lassen. Dasselbe gilt für John. Wir sind ziemlich privilegiert, die beiden auf unserem Debüt zu haben, viele Bands können in ihrer ganzen Karriere nicht mit solchen Leuten zusammen arbeiten.

Ihr seid im Sommer auch mit CONVERGE und KYLESA auf Tour gegangen. Wie waren die Shows und die Chemie zwischen den Bands?

Das war unsere erste ernstzunehmende Tour überhaupt. Jeder auf dieser Tour (inklusive der fantastischen GAZA) war wirklich nett zu uns und vermittelte uns das Gefühl, willkommen zu sein. Wir schulden CONVERGE wirklich viel dafür, dass sie uns mitnahmen.

Am 2. Dezember kommt ihr schon wieder zurück nach Österreich, gemeinsam mit BISON B.C. und COLISEUM. Was erwartest du dir von dieser Tour und was kann sich das Publikum von euch erwarten?

Die Tour läuft schon seit zwei Wochen, und sie läuft großartig. Wir teilen uns mit BISON B.C. einen Van, sie sind tolle Jungs und wir kommen gut zurecht. COLISEUM haben für mich gerade das Album des Jahres abgeliefert, daher ist es ziemlich super, mit Bands auf Tour zu sein, die man sehr mag und mit denen man sich musikalisch identifizieren kann.

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Touren! Und wenn die Leute genug von uns haben, werden wir ein neues Album machen und wieder auf Tour gehen. Wir wollen das Album auch in den USA veröffentlichen, daran arbeiten wir gerade.

Danke für deine Zeit!

War mir ein Vergnügen.


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