Powerwolf - Matthew Greywolf

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Das Bild von den drei „Wolfsheiligen“ hatte ich während des gesamten Songwriting-Prozesses schon vor Augen und es vereint den Albumtitel und das typische POWERWOLF -Feeling.

Das neue Album von POWERWOLF wird von den Fans bereits sehnsüchtig erwartet. Ob sich das Warten gelohnt hat, wie es bei den Jungs weitergeht lest ihr im Interview mit Gitarrist Matthew Greywolf.

Text: manfred
Veröffentlicht am 28.07.2011

Das Coveratwork von „Blood Of The Saints“ sieht sehr spektakulär aus. Dazu würde mich eure Aussage interessieren. Ich kann es mir nur so erklären, dass ihr ein wenig die Kirche anprangern und ihnen einen kleine Seitenhieb in Sachen Moral verpassen möchtet.

Da liegst du nicht falsch. Allerdings prangern nicht wir die Kirche an, sondern in dem Fall – je nach Deutung –die Bibel selbst. Der Albumtitel „Blood Of The Saints“ ist ein Zitat aus der Offenbarung des Johannes, in der es heißt: „Und ich sah die Frau, betrunken vom Blut der Heiligen“. Theologen sehen in dieser Bibelstelle eine sehr frühe Form der Kritik an der Institution der Kirche. Was das Artwork betrifft, dafür zeige ich mich selbst verantwortlich. Das Bild von den drei „Wolfsheiligen“ hatte ich während des gesamten Songwriting-Prozesses schon vor Augen und es vereint den Albumtitel und das typische POWERWOLF -Feeling. Ich denke das Artwork passt sehr gut zum Sound von uns und wird auch in Zukunft live die Bühne zieren.

Was sofort auffällt, dass ihr im Bezug auf Chöre und Mitgröllrefrains einen drauf gesetzt habt. Dafür habt ihr den Bombastfaktor ein wenig zurück geschraubt .War das so beabsichtigt? Die Chöre sind einfach viel effektiver eingesetzt und die Songs sind fast alle puren Dynamitstange, die live auf der Bühne gezündet werden müssen. Beim Masters of Rock (UND DA WAREN SIE GRANDIOS) werde ich mich von der Livepräsenz selber überzeugen und ich denke, dass die neuen Songs perfekt ins Gesamtbild passen werden. Und wenn dann anstatt eines 30, ein 30.000-köpfiger Chor eure Songs zum Besten bringen, muss das für euch atemberaubend sein.

Allerdings, haha…. Wir können es kaum erwarten, die Songs vom neuen Album endlich live zu zelebrieren, denn dafür sind sie geschrieben. Aber du hast recht, wir haben den Bombastfaktor ein wenig zurückgeschraubt, denn erstens wäre es langweilig gewesen, wenn wir wieder so viel Bombast aufgefahren hätten wie auf „Bible Of The Beast“, und zum anderen wollten wir natürlicher klingen, so wie wir auch live klingen, und das ist uns meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Stimmt es, dass nicht Tom Diener die Drums auf der neuen Scheibe eingespielt hat?

Richtig. Wir haben uns kurz vor Beginn der Aufnahmen von Tom getrennt. Er ist ein großartiger Drummer und live hat es zwischen uns auch sehr gut gepasst. Als es aber ans Songwriting ging, wurde deutlich, dass wir nicht wirklich auf einer Wellenlänge liegen und unsere Musik lässt nun mal keinen Spielraum für Kompromisse. Entweder ein POWERWOLF -Song knallt oder er knallt nicht, dann hat er aber auch nix auf einem Album zu suchen und das betrifft alle Instrumente. Ehe wir also ein Kompromiss-Album gemacht hätten, haben wir uns lieber getrennt. Auf dem Album ist Roel van Helden zu hören, ein holländischer Landsmann, der sich in kürzester Zeit die Songs studiofertig angeeignet hat und einen unglaublichen Job gemacht hat. Die Chemie im Studio war so gut, dass wir gleich nach den Aufnahmen darüber sprachen, auch live zusammenzuarbeiten und so ist Roel mittlerweile mit dem Wolf auch live unterwegs.

Ist es für eine Band nicht ungewöhnlich, wenn man die Chor- und Orgel- Passagen in einer Kirche aufnimmt? Wie habt ihr es überhaupt geschafft, ohne die örtlichen Himmelsvertreter zu erzürnen, die Aufnahmen in einem Gotteshaus zu machen?

Das ist natürlich nicht ganz einfach. Da muss man viel Überzeugungsarbeit leisten und viel Geduld mitbringen. Mittlerweile gibt es ja nicht gerade wenige entweihte Kirchen. Das sind meistens Kirchen, die sich das entsprechende Bistum nicht mehr leisten konnte oder wollte und die dann verkauft werden, vorher aber verweltlicht, sprich: entweiht werden. Bei uns in Saarbrücken gibt es eine solche Kirche und die kann man zu kulturellen Zwecken nutzen. Allerdings ist es auch nicht gerade einfach, die entsprechenden Amtsträger davon zu überzeugen, dass auch Heavy Metal verdammt noch mal Kultur ist. In unserem Fall hatten wir aber wohl die richtigen Argumente parat, haha….

Das muss ja von der Akustik her außergewöhnlich sein! Ich kann mir das bei euch sehr gut vorstellen, alles mit Kerzen, diabolisches Licht und andere Spielereien um einfach die richtige Atmosphäre einzufangen- liege ich da richtig?

Absolut. Natürlich ist alleine die Akustik einer Kirche es schon wert, dort zu arbeiten, denn einen solchen gewaltigen Raumklang kann ein Hellgerät in keinem Studio der Welt simulieren. Zum anderen ist es aber auch so, dass es uns um die Aufnahmen selbst ging. Das sind unvergessliche Momente, wenn ein 30-köpfiger Chor in einer Kirche unsere Songs singt. Wir zelebrieren solche Momente. Ein Album aufzunehmen hat nicht nur damit zu tun, Interviews zu geben und Alben zu verkaufen. Der Schaffensprozess selbst, das ist das eigentlich besondere daran und ich glaube, das kann man einem Album wie „Blood Of The Saints“ auch anhören. Natürlich ist es Wahnsinn, so viel Aufwand zu fahren, aber uns ist es das wert, wir wollen etwas Besonderes schaffen, und wenn es dazu eine Kirche braucht, dann geht der Wolf halt in die Kirche.

Ich denke dass ihr mit der neuen Scheibe in der Metalszene ein gewichtiges Wörtchen mitreden werdet, denn die Songs strotzten vor Power und der Magie der Wölfe werden noch viel mehr Fans erliegen. Was ist so faszinierend am Thema Wolf und ist es oft nicht schwer, wenn man sich solche Texte einfallen lassen muss? Es besteht ja dann irgendwie die Gefahr, dass man nach 4 CDs stagniert und man sich des Öfteren wiederholt. Ich denke das dürfte bei euch kein Problem sein.

Wenn wir ein Problem nicht haben, dann ist das ein Mangel an Ideen, haha… wir sind ein sehr kreativer Haufen, und wenn wir zusammen ein Album schreiben, dann entstehen Ideen wie von selbst. Natürlich wird es nicht leichter, beim vierten Album noch neue Facetten zu finden, zumal wir unseren typischen Sound mittlerweile gefunden haben, aber das bereitet uns kein Kopfzerbrechen. Wenn wir ein Album schreiben, kümmern wir uns eh einen feuchten Wolfshaufen drum, was andere von uns erwarten könnten. Wir schreiben einfach das, was uns gefällt. Wenn das mal eine Wiederholung ist – na und?

Im Herbst ist ja eine große Tour geplant. Im Rahmen der Power of Metal Tour geht ihr mit den Senkrechtstartern SABATON, GRAVE DIGGER und SKULL FIST auf Tour. Im Prinzip sind das ja drei Headliner – Werdet ihr diese Position wechseln oder steht schon fest, wer jeden Abend als letzter auf die Bühne muss oder darf?

Nein, die Positionen werden fest sein. Der Wolf wird vor GRAVE DIGGER und SABATON auf die Bühne gehen. Das stört uns aber nicht im geringsten, denn so können wir zur besten Primetime eine feierliche Metal-Messe mit unserem Publikum feiern und anschließend bleibt uns genug Zeit zusammen mit dem Publikum zu feiern, denn das ist uns sehr wichtig. Was kann es besseres geben, als jeden Abend mit vielen Leuten zu feiern, die genau wie wir nur eine wahre Religion haben – den Metal!?

Wer sind eure musikalischen Haupteinflüsse und wie habt oder besser gesagt, wer hat es geschafft euch so einen Bombensound zu recht zu zimmern?

Wir haben das Album in fünf verschiedenen Studios, plus zwei Kirchen aufgenommen, im Grunde also jedes einzelne Instrument an einem eigenen Ort, der am besten geeignet war. Für den Mix und damit den Feinschliff war einmal mehr Fredrik Nordström verantwortlich. Wir sind bisher bei jedem Album am Ende nach Göteborg gereist, um im Studio Fredman alles zusammenzutragen und zusammen mit Fredrik das Kunstwerk zu vollenden. Fredrik kennt uns sehr gut und weiß genau, um was es beim Wolf geht, mittlerweile ist er wohl so was wie der zusätzliche Studiowolf geworden….

Was unsere Einflüsse angeht: Wir alle sind Metalfans seit wir denken können und in unseren Sammlungen findest du von Europe bis Satyricon so ziemlich alles, was du dir vorstellen kannst. Nicht zu leugnen ist aber, dass mit Sicherheit IRON MAIDEN und MERCYFUL FATE große Einflüsse für uns sind.

Bleibt abschließend noch eine Frage. Da ihr ja aufnahmetechnisch in entweihten Kirchen euer Unwesen treibt, wäre es ja prädestiniert dort ein Konzert zu geben. Der Flair und die Akustik wären der Hammer. War das noch nie eine Überlegung wert?

Ja, und das haben wir auf unserer letzten Tour sogar getan, allerdings völlig unerwartet. Wir kamen an dieser Venue in Nordholland an, und als wir aus dem Tourbus geklettert kamen, sahen wir, dass es kein gewöhnlicher Club war, sondern eine alte, umgebaute Kirche. Noch mit Kirchenbänken, Beichtstühlen und allem was dazugehört. Du kannst dir vorstellen, dass das Rudel ziemlich aus dem Häuschen war. Man spielt ja nicht alle Tage in einer alten Kirche.

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch viel Erfolg mit der Scheibe. Den Grundstein dafür habt ihr euch selbst gelegt und jetzt stehen die Zeichen auf Sturm.


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