23.05.2015, MARK.freizeit.kultur

NOCTEM + INFEST + GILGAMESH + STORMRAGE

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 26.05.2015

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Um dem zeitgleich ausgetragenen, allgegenwärtigen europäischen Gesangswettbewerb zu entgehen, zog es ein Häufchen Leute ins Mark in Salzburg um dort ihren eigenen kleinen Song Contest mit vier teilnehmenden Nationen abzuhalten. Nebst dem Gastgeberland Österreich, die die Salzburger Lokalmatadoren STORMRAGE ins Rennen schickten, waren auch noch Deutschland (GILGAMESH), Serbien (INFEST) und Spanien (NOCTEM) beim heiteren todesmetallischen Wettsingen unter dem Titel "The Morbid Feast - Black Wings Of War" mit dabei. Ein circa halb voller Club bewies dabei, dass es gar nicht wenige Leute gab die dem von höchster Rundfunkstelle verordneten Musikterror aus Retortentussis, Hipsterbubis und bärtigen Trällerelsen entfliehen wollten. Im Mark waren sie da an der richtigen Adresse, wo sie die geplagten Ohren mit bleischwerer Schwermetallkost wieder freigeblasen bekamen, und die von musikalischer Einheitskost weichgekochten Gehirne beim gemeinsamen ausgiebigen Kopfschütteln im todesmetallischen Schmiedefeuer wieder stahlgleich gehärtet wurden.

Zum Auftakt schickte das Gastgeberland Österreich mit Startnummer 1

STORMRAGE

ins Rennen. Mit der musikalischen Mischung die unter der Genrebezeichnung "Blackened Death Thrash Metal" lief, besorgten es die Salzburger dem Publikum so richtig. Das höllische Riffgewitter kam bei den Zuschauern äußerst gut an, und die sympathischen Ansagen von Fronter Heimo (der seine klirrende Kettensammlung vermutlich bei Nachbars Traktor ausgeborgt hat) taten ein übriges dazu dass die Rückmeldung aus dem Publikum äußerst gut ausfiel. Sogar über "Zugabe"-Rufe durften sich STORMRAGE freuen, die sie auch mit dem hintennach geschossenen "Humanimal" prompt befriedigten. Das sorgte zwar für eine kleine Überziehung der Spielzeit, aber das war die tolle Performance der Salzburger auch wirklich wert! Einzig das sehr gute, aber ausladende Drumsolo hätte man zugunsten der Spielzeitoptimierung ein wenig einkürzen können. Leider darf man als Österreicher nicht für sein Heimatland stimmen, doch da wir hier nicht bei der biederen Konkurrenzveranstaltung sind, wird STORMRAGE von der heute anwesenden Fachjury mit vollen 12 Punkten bedacht!

Setlist:

(ohne Gewähr!) - Hunters Lust - Zores - The Conjuring - Rage Of The Storm - Trophies Of Vengeance - Death Through Dying - Humanimal

Startnummer 2 gehörte Deutschland, mit ihrem Beitrag

GILGAMESH

. Geschwärzten Todesmetall mit deutlichem Überhang in den Schwarzwurzelbereich und progressivem Einschlag mit vielen Tempowechseln kredenzten die vier Mannen dem Publikum. Kostümtechnisch haben sich die Deutschen wohl ein wenig bei BEHEMOTH inspirieren lassen (der Gitarrist vom Gesichtsausdruck her auch ein wenig bei Grumpy Cat - äääh, Abbath von IMMORTAL), dafür kochen sie musikalisch mit sehr langen und komplexen Titeln um die acht Minuten definitiv ihr eigenes Süppchen. Die ausladenden Songstrukturen von GILGAMESH schienen das anwesende Publikum mit Fortdauer des Auftrittes zu überfordern, denn bei der zwar musikalisch hochklassigen, aber in der Tat etwas langatmigen Darbietung leerte sich der Saal zusehends. Doch GILGAMESH ließen sich nicht beirren, weder durch einen kaputten Gitarrengurt des Sängers, dessen Aufhängung mitsamt der Schraube ausbricht, und einen souverän durchgeführten Instrumentenwechsel erzwingt, noch durch den leider schlechten und viel zu lauten Sound. Der Applaus für die Deutschen bleibt demzufolge eher mager, sodass GILGAMESH definitiv unter Wert geschlagen wurden. Für den durchwachsenen, aber musikalisch überzeugenden Auftritt der Deutschen gibt es hier 7 Punkte - GILGAMESH hätten ihr Land auch auf einer größeren Bühne würdig vertreten.

Setlist:

(ohne Gewähr!) - Astaroth - Slaying In The Name Of Ishtar - The Anstronomer - Aeons Of Hate - Evocating Enlil - The Curse Of Akkade

Serbien stellen mit

INFEST

die Startnummer 3. Mit inzwischen vier Alben im Rücken, ging der Vierer so Richtig in die Vollen, und legte soundtechnisch den Abriss des Tages hin. Grollend wie Donner walzten sich die thrashigen Riffs aus den Boxen direkt in die Gehirne der Zuschauer, die an vorderster Front die Matten kreisen ließen. Pfeilschneller Death/Thrash ohne Rücksicht auf Verluste wurde von den Serben geboten, und auch auf der Bühne entsprechend zelebriert. Sänger/Gitarrist Vandal gebarte sich seinem Namen entsprechend, und nicht nur einmal zuckten Leute zurück wenn sich der Fronter in ADHS-Manier wütend, und Gitarre und Gliedmaßen gleichermaßen herumwerfend, an den Bühnenrand warf. Dass INFEST großen Spaß auf der Bühne hatten war nicht zu übersehen - dennoch gestaltete sich der Auftritt mit Fortdauer des Abends dann doch von den relativ gleichförmigen Songs h er zunehmend eintönig, was gegen Ende hin einige Zuschauer abwandern ließ. Die Verbliebenen spendeten INFEST aber starken Applaus. 8 Punkte aus Österreich gehen für die dynamische Performance nach Serbien! Mit Startnummer 4 durfte schließlich noch der spanische Beitrag in Form von

NOCTEM

das Mark beschallen. Und auch hier ging es wieder richtig zur Sache, erneut mit einer Mischung aus stimmungsvollem Black Metal, garniert mit Death- und Thrash-Elementen. Bei einem Gutteil des Publikums zündete die Mischung die die Spanier da hervorbrachten voll, und der brachiale, aber hier differenzierter abgemischte Sound sorgte für den finalen Abriss des Tages. Mit Blackmetal-typischem Corpsepaint und weißen Kontaktlinsen boten NOCTEM eine zur Musik passend beunruhigende Erscheinung, die der Fronter mit Kunstblut und irrem Gesichtsausdruck auf die Spitze trieb. Erfreulich für die anwesende Damenwelt die Saitenfraktion, die auch gut und gerne bei einer Modelagentur unter Vertrag sein hätte können. Den einzigen Kritikpunkt den man anbringen hätte können, war dass die Performance von NOCTEM definitiv zu kurz geraten war, denn von dem stimmungsvollen Liedgut hätte das Publikum gerne noch mehr gehört. Deshalb Daumen hoch für den tollen Abschluss des Abends! Für die einnehmende Darbietung der Spanier, vergibt die österreichische Jury 10 Punkte!

Der Endstand des Kontrast-Songcontest lautet also wie folgt: Sieger nach Punkten ist STORMRAGE aus Österreich (bärtig, doch mit Ketten anstatt Kleidchen), dicht gefolgt von der spanischen Boyband NOCTEM, die sich mit stimmungsvollem Liedgut Platz zwei erspielen. Für ihre schweißtreibende Performance werden INFEST aus Serbien mit Platz drei belohnt, während sich die mit Soundproblemen geschlagenen Nachbarn GILGAMESH mit dem undankbaren vierten Platz begnügen müssen. Wie immer war es eine Freude der gemütlichen Veranstaltung im Mark beizuwohnen, bei der man mit Met und Schweinsbratenweckerln verköstigt wurde. Alleine das Wetter erwies sich als Spielverderber, wagte sich doch aufgrund des in Salzburg geradezu berüchtigten Dauerregens und frostige Temperaturen bis auf die ganz harten Raucher niemand einmal angekommen so schnell wieder nach Draußen. Aber gut, gegen das Wetter kann man ja nichts machen, das muss man eben hinnehmen wie es ist. Aber auf jeden Fall ist man bei den nächsten Konzerten des gleichen Veranstalters gerne wieder mit dabei, vor allem wenn es wieder solche Abrissbirnen auf die Rübe gibt...


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