20.06.2015, Altes Kino Landeck, Landeck

IRON KOBRA - 5 Years Of Rock Inn

Text: Laichster | Fotos: Laichster
Veröffentlicht am 23.06.2015

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Wir schreiben das Jahr 2015, ganz Tirol ist von Volksmusikanten besetzt. Ganz Tirol? Nein, eine kleine Gruppe aufständischer Rebellen hält dem Lederhosen- und Dirndlwahnsinn tapfer stand! Gemeint ist der Landecker Verein Rock Inn, der sich seit fünf Jahren der Förderung des Heavy-Metal im heiligen Land verschrieben hat. Begonnen hat alles ganz klein und mittlerweilen hat man sich zu einer Anlaufstelle für erstklassige Acts in familiärer Atmosphäre gemausert. Zuletzt durften Kracher wie ATTIC (zum Livereport) oder die kultbeladenen DESASTER (zum Livereport) das alte Kino der Metalcity Landeck zerlegen und zum heutigen Jubiläum haben uns die schwermetallischen Bergbewohner den Headliner ihrer ersten Veranstaltung erneut eingeladen. Mit IRON KOBRA, MANIC DISEASE (jetzt TRIUMPHANT) und KAPUJETTO startete man vor drei Jahren um sich einen Platz am Tiroler Veranstaltungshimmel zu sichern. In Erinnerung an vergangene Highlights und dem Wissen um noch kommende Kracher macht sich Stormbringer also heute wieder einmal auf gen Westen und freut sich neben der teutonischen Kobra auf die Voralberger Lokalmatadoren MORTICIAN und die Deutschen SPEEDBREAKER. Wie immer ein von den Häuptlingen der Maniacs, Big D. und Grinding Kneisti, handverlesene Auswahl. Auf Qualität und angemessene Eintrittspreise legte man bei Rock Inn schon immer großen Wert und so öffnet man am heutigen eintrittsfreien Abend gerne die Geldtasche zur freiwilligen Spende. Zudem versammeln sich wieder die üblichen Verdächtigen zur Feier des Anlasses. Ein wenig gering ist der Zuschauerzuspruch heute dann doch, hängt wohl einerseits mit der Sommersonnwende zusammen und anderseits mit den momentan fröstelnden Temperaturen, abhalten lassen will man sich dann jedoch davon keinesfalls und um 21 Uhr darf der Opener auf die zugegebenermaßen niedrigen Bretter des alten Kinos.

SPEEDBREAKER: Die Düsseldorfer durften 2013 schon einmal als Support von WITCHING HOUR in der Metalcity zeigen, was sie drauf haben und hinterließen damals schon ordentlich Eindruck. Seitdem hat die Heavy/Speed-Vereinigung ihren Debüt-Longplayer „Built For Speed“ (was für ein Titel!) veröffentlicht, dem man mit ruhigen gewissen Beachtung schenken darf. Das, was SPEEDBREAKER im Studio vorlegen, wissen sie auch auf der Bühne umzusetzen – was einerseits dem charismatischen Fronter John und dem mehr als talentierten Gitarristendoppel Simon und Beda zu verdanken ist. Dank dem ausgeklügelten Riffing verkommen Songs wie „Night Patrol“ oder „Speedbreaker“ zu extrafetten Brechern, die schon am frühen Abend ordentlich abreißen. Was mit Drummer Carl abgeht weiß eigentlich keiner so genau, der ist laut Bandkollegen immer neben der Spur, aber solang er seine Leistung bringt, stört das ja keinen und bringen tut er sie auf jeden Fall heute, nur am Outfit sollte man vielleicht noch ein wenig üben. Das Star-Wars-Shirt von Gitarrist Beda reißt das Hipster-Outfit aber wieder raus – ordentlicher Opener-Abriss, möge die Macht mit euch sein!

MORTICIAN:
MORTICIAN kennt normal sowieso jeder, der Ahnung von guter Musik hat, also jetzt nicht die Grindcorler, die sollte man zwar auch kennen, aber das Vorarlberger Namenspendant ist dann doch eher im klassischen Stromgitarrensound angesiedelt und das schon seit 1983. Damals war die Schreiberwenigkeit noch nicht mal in Planung und trotzdem sind „Street Warrior“ und „No War“ immer wieder gern gesehene Gäste am Plattenteller und letztes Jahr gab es aus dem Hause MORTICIAN wieder Nachschlag in Sachen Austrian Steel. „Shout For Heavy Metal“ heißt der letzte Schlag der Musiker rund um die Bandurgesteine Thomas Metzler und Patrick Lercher und wie titelte Kollege Patsch (der rastet heute übrigens seine müden Knochen vom Urlaub aus - Herr Kollege, Ihr Leben möchte ich haben!) so treffend: "Wer auf knochenharten und packenden Qualitätsstahl steht, kommt am neuen, bezeichnenderweise "Shout For Heavy Metal" betitelten, Kracher nicht vorbei!"

Genauso verhält es sich mit einem Live-Auftritt der Austro-Metal-Legende, wenn MORTICIAN zur Huldigung laden, hat man gefälligst zu erscheinen. Überflüssig zu erwähnen, dass sich heute wieder drei Generationen Metal an vorderster Front vereinen, um zu „Rock Power“ oder „Street Warrior“ die Nackenmuskulaturen zu trainieren. Die jüngeren Semester etwas intensiver als die älteren, doch Metal und Workout verbinden wie immer und lassen 30 Jahre Altersunterschied im Handumdrehen verschwinden. Über die Perfromance von MORTICIAN gibt es nichts auszusetzen, das wirkt alles perfekt eingespielt und Fronter Daniel Khan hat sich seit seinem Bandeintritt zur Wiedervereinigung 2009 zum unverkennbaren Sprachrohr der Band entwickelt. Der Hut ist sowieso kultig as fuck, bleibt nur die Frage, wo der Sarg mit dem MG abgeblieben ist? Gitarrist Metzler gibt den Aushilfs-Angus und rotiert stilecht am Boden der Bühne, Unterhaltung mit Riffs die nicht so fad sind wie die des Originals. „Eagle Spy“ demonstriert dass „Shout For Metal“ auch live nichts an Mächtigkeit verliert und mit den unverzichtbaren „No War“ und „Mortician“ geht man im Chor dem Ende eines grandiosen Auftritts entgegen. MORTICIAN sind auch nach mehr als 30 Jahren auf dem Buckel immer noch eine absolute Wucht und mitunter eine der besten Metal-Bands, die unsere Alpenrepublik bis dato hervorgebracht hat.

Setlist:
- Shout For Heavy Metal
- Rock Power
- Promised Land
- Black Eyes
- Hate
- Wrong Way
- Street Warrior
- Eagle Spy
- Worship Metal
- No War
- Mortician

IRON KOBRA:
Alpen gibt es im Umfeld des Headliners weit und breit nicht – IRON KOBRA sind halt mal Flachlandindianer aus Gelsenkirchen und der Verfasser muss zugeben, man schaut ein wenig zwiegespalten auf die heutige Darbietung. Beim letzten Auftritt der Heavy-Metaller vor drei Jahren entpuppte sich die Darbietung doch als ein wenig halbgar. Mittlerweile sind aber einige Monde ins Land gezogen und IRON KOBRA sollen heute auch zeigen, dass sie eine tight gezockte Show abliefern können. Erst kürzlich veröffentlichte man den zweiten Longplayer „Might And Magic“ (zum Review), der doch auch deutlich mehr Power hatte als das Debütalbum „Dungeon Master“. So richtig aus der Masse der wie Sand am Meer existierenden klassischen Heavy-Kombos konnte man sich aber auch damit nicht abheben, was es nun durch eine unverkennbaren Auftritt auszumerzen gilt, um den zugegebenermaßen wahrscheinlich etwas zu kritisch ins Gericht gehenden Schreiberling zu überzeugen.

Und siehe an, die Kobra beißt heute doch blitzschnell zu und zockt sich energiegeladen durch ihr Set. Man drückt mit Nummern wie „Spirit Archer“ oder „Black Metal Magic“ das Gaspedal voll durch und auch die Revoluzzer-Hymne „Wut Im Bauch“ rotzt heute ungezähmt von der Bühne. Die Performance hat sich um Welten verbessert und dass trotzdem heute an der Gitarre SPEEDBREAKER-Gitarrist Simon aushilft, der Mann schein ein echtes Multitalent zu sein. Sir Serpent (Pseudonym Level 3000) jagt uns kernig durch den restlichen Abend und der geringe Zuschauerzuspruch ist doch ein wenig ungerecht, IRON KOBRA sind bestimmt keine Ausnahmeerscheinung, aber die heutige Show wurde mehr als respektabel gezockt. Mit einem fetten „Heavy Metal Generation“ geht dann der offizielle Teil der Jubliäumsfeier zu Ende und die obligatorische Aftershowparty steigt wie immer im nahegelegenen Stadt-Café unter Leitung von DJ Big D. Wieder einmal ein gelungener Abend unter Freunden in der Metalcity LA und wir hoffen, es mögen noch viele weitere folgen. Stormbringer wird auch weiterhin Rock Inn zur Seite stehen und den Metalwahnsinn in den Alpen supporten! Weiter geht es schon am 28. November 2015 mit der holländischen Death-Metal-Legende SINISTER - ein garantierter Abriss für alle Freunde brachialer Schlachthofromantik und Stormbringer wird wie gewohnt vor Ort sein und direkt von der Schlachtbank Bericht erstatten. Heute mal ansehbare Fotos trotz Hobby-Equiepment, in der Provinz wissen die Lichtmenschen, wie man beleuchtet. Alle Großveranstaltungsmenschen auf zur Weiterbildung in die Metalcity! Weitere Pics könnt ihr in der Galerie sehen.


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