14.08.2015, Rockhouse, Salzburg

CANNIBAL CORPSE - European Summer Tour 2015

Text: Lady Cat | Fotos: Lady Cat
Veröffentlicht am 20.08.2015

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Ein „Brachial“-Abend steht dem Salzburger Rockhouse bevor: CANNIBAL CORPSE –

DIE Death-Metal-Ikonen

schlechthin haben sich angesagt, um ihr Schlachtfest in der Festspielstadt an den Mann und die gelegentliche Frau zu bringen. Als Support werden sie von den österreichischen Todesmetallern von AMONGST THE DECEIT aus Hallein unterstützt. Da wir auch ein Interview mit Drummer Paul vor uns haben, sind wir schon recht zeitig da. Um 18.30 Uhr ist erst eine Handvoll Fans vor dem Gebäude zu finden – und natürlich unser „Date“. Was er uns alles erzählt hat, ist hier im Interview nachzulesen. Nach gut 30 Minuten (inklusive Fotos, Übergabe von Mozartkugeln und Handshake) sind wir kurz nach sieben wieder draußen in der Abendhitze. Inzwischen etwas mehr Blood & Gore-Fans vor Ort, aber es hält sich sehr in Grenzen. Kein Wunder, bei der Hitze liegen die meisten wohl noch am See oder kühlen sich ab. Ein Sauna-Feeling in der Halle steht nämlich heute garantiert bevor. Um 20.30 Uhr, als AMONGST THE DECEIT ihr Set starten, sind abwechselnd zwischen 150-200 Leute in der Halle, um sich in Stimmung bringen zu lassen. Nach einem kurzen Opening-Track, der instrumental bleibt, kommt Sänger Thorn auf die Bühne, um sein Gegrunze und Gegröle auf die Menge loszulassen.

Hm. Naja,iIch weiß nicht – liegt es daran, dass der Ton nicht so super eingestellt ist, oder ist er heute extrem heiser? Ich hör die ganze Zeit über kein einziges Wort. Auch nicht wirklich bei den Ansagen. Puhhh. Ein ganzes Set mit „Argh Argh Hargh“ durchzustehen ist echt viel verlangt. Dazu gewollte (?) Dissonanzen oder unabsichtlich immer ein wenig hinter den Instrumenten her, ist auch nicht gerade das Optimum, wenn man sich auf CANNIBAL CORPSE vorbereiten soll. Kann aber auch sein, dass es an der heute fehlenden zweiten Gitarre liegt, dass es einfach nicht sauber rüberkommt. Schlagzeug und Gitarre arbeiten sich brav durch den Abend, sind gut zu hören, was man vom Bass leider auch nicht sagen kann. Anscheinend geht es mehr Leuten so – die Halle wird nicht voller, eher lichten sich die Reihen ein wenig, während vor dem Rockhaus immer mehr Death-Metaller auf das Highlight des Abends warten. Genau so ergeht es mir und ich hoffe, dass bei den Kannibalen bessere Soundqualtität geboten wird.

Setlist AMONGST THE DECEIT:
1: Intro
2: Dark Science
3: Dead With Open Eyes
4: Dawn Of The Martyr
5: The Sadistic Impulse
6: Infinitum Nihil
7: Autoerotic Mummification
8: Causing Human Extinction

Glücklicherweise sitze ich nicht permanent draußen in der frischen Abendluft – endlich weht ein frisches Lüfterl -, sondern laufe öfter hin und her und an der Halle vorbei. Sonst hätte ich echt übersehen, dass der Start auf 21.45 Uhr vorverlegt wurde. Also ab in den Fotograben. Es dauert nicht lange, nachdem die Lichter aus sind und die Bühne in blutrotes, düsteres Licht getaucht ist, dass Paul kommt und gleich hinter seinem Schlagwerk verschwindet. Als eines der Urmitglieder der Band hat er schon einiges erlebt, uns aber vorher auch verraten, dass er hofft, nicht wieder eine Hitzeschlacht wie am Vorabend in Köln zu erleben. Bei seinem Speed, den er hinter der Schießbude drauf hat, ist er nämlich an diesen Hitzetagen nach einem 75-80 Minuten Set fix und fertig. Während er sich einklopft, wird die Halle umgehend proppenvoll – sicher 500 Leute sind jetzt hier und grölen begeistert, während Alex, Pat und Rob auf die Bühne kommen und sofort die ersten fetten, stampfenden Takte den Fans entgegenschicken. Absolute Hölle ist dann los, als George das Mikro ergreift. Aber vorerst nicht, um zu singen, sondern um es einfach nur zu haben, weil standardgemäß startet er mit einer Runde Headbangen, das sich gewaschen hat.

So gesehen ist ein CANNIBAL CORPSE-Konzert nicht nur ein Event, an dem eine Location fast niedergerissen wird, sondern auch eine Art Auspeitsch-Veranstaltung. Im Fotograben bekommt man ja immer einiges mit und man kann zumeist nicht ausweichen: Da gibt es alles von fliegendem Bier über wildeste Schreie und verrückte Fans, die man im Rücken hat. Heute zum ersten Mal sehr intensiv erlebt: Haare. Und zwar eine Unmenge von Haaren. Vorne und hinten und oben und links und rechts. He, Burschen! Ich liebe lange Haare, deswegen liebe ich auch Metal. ABER – und jetzt möchte ich meine CANON zitieren: „Wenn ich hier ein gutes Foto zustande bringen soll, dann haltet zumindest eine Zehntelsekunde still. Sowohl ihr Headbanger oben auf der Bühne, als auch ihr Headbanger in der vordersten Reihe. Ach ja, und ein Bier in die Linse geklatscht bekommen mag ich auch nicht.“ Und jetzt Sendepause für die Kamera. Weiter im Bericht… Eigentlich touren die Mannen aus dem US-Bundesstaat New York noch immer mit ihrem aktuellen Album im Gepäck über den Erdball. Ein klarer Schwerpunkt wird heute jedoch nicht auf „A Skeletal Domain“ gesetzt. Daraus gibt es nur zwei Songs: „Kill Or Become“ und „Sadistic Embodiement“. Das Set besticht durch eine Vielfalt quer aus allen Alben inklusive einiger unvermeidlicher Klassiker, typisch CANNIBAL CORPSE halt. Nach der ersten Headbang-Vorführung geht Mr. Corpsegrinder zum Text von „Scourge Of Iron“ über. Gleich gefolgt von „Demented Aggression“, das ebenfalls vom Album „Torture“ ist. Der Sound, der zu den Fans überschwappt ist fett und aggressiv, wie es sich gehört, die Riffs blutrünstig, Bass und Schlagzeug eingeweidewühlend. In kürzester Zeit entsteht vor der Bühne ein ordentlicher Moshpit, in dem – nein, nicht das Blut – das Bier und der Schweiß in Strömen fließt. Nass von oben, nass vom Schwitzen, geht hier echt heftig was ab. Im vorderen Drittel trocken zu bleiben ist eine wahre Herausforderung. Andererseits ist es ja genau das, warum man auf ein CANNIBAL CORPSE-Konzert geht. Hier geht es nicht darum, neue Musik kennenzulernen, oder den Melodien zu lauschen, hier geht es darum, zu 1.000 Prozent die Sau rauszulassen.

George weiß das ganz genau und versteht es immer wieder, mit Hinweisen auf die nächsten bluttriefenden, leichenfleddernden Songs die Fans anzuheizen. Absolut grandios dann die Headbang-Challenge. Eh klar, wer gewinnt – ihm kommt da wirklich keiner nach. Bei dem Stiernacken und der Haarlänge ist er jedes Mal der Sieger. Es gibt zwar schon den einen oder anderen Fan im Publikum, der bei der Haarlänge mithalten kann, aber die Kombination mit der er auftrumpft, hat keiner zu bieten. Die Challenge ist jedoch nicht alleinstehend, sie ist gleichzeitig der Einstieg in den „Love Song“. Und nein, liebes Publikum, ihr könnt noch so laut aus vollem Halse „Fucked With A Knife“ röhren – das ist nicht der tagaktuelle Love-Song. Heute gibt es „I Cum Blood“. Auch wurscht. Nein, jetzt nicht im eigentlichen Sinne, nur im übertragenen. Dieses blutige Teil ist ebenso bekannt und es wird mitgegrölt und geheadbangt, was das Zeug hält. In einem Höllentempo (Gitarren, Bass und Drums betreffend) wird durch das Set gejagt, da glühen die Finger, da wird geschwitzt was das Zeug hält, da rotieren die Köpfe. Viel zu bald ist man am Ende der Show angelangt, keiner will es glauben, dass bald Schluss sein wird, als George es ankündigt. Man darf ihnen aber wirklich nicht böse sein, sie geben echt alles da vorne und bei der Hitze und dem Speed ist es verständlich, dass die Band auch mal ein Ende haben will. Das wird wohl auch ein Grund sein, warum sich heute die Ansagen von Mr. Corpsegrinder sehr in Grenzen halten. Nach drei Monaten ist irgendwann mal die Luft raus und Salzburg eben ihr vorletzter Gig auf der Sommer Tour 2015. Das von vielen heiß ersehnte „Fuck With A Knife“ kommt leider nicht als krönender Abschluss, dafür das sehr lange verbotene „Hammer Smashed Face“. Damit daraus keine „Smashed Glasses“ werden, geben einige Deather ihre Brille der Freundin und verschwinden etwas kurzsichtig in den Pit. Egal, da vorne sieht man sowieso nichts, Hauptsache man fliegt ganzkörperlich hin und her und die Brille ist sicher. Abschließend noch „Devoured By Vermin“ und dann gehen auch schon wieder die Lichter an. Wirklich fast zu kurz. Auch für mich. Ich bin zwar nicht der 100-Prozent-Death-Metaller, aber alleine die Stimmung, die man an diesem Abend geboten bekam, war ein Hammer und ich werde mir die Kannibalen aus den USA nicht entgehen lassen, wenn sie wieder nach Österreich kommen. Weil so schlimm sind sie gar nicht – sind ja eingefleischte Vegetarier darunter. Und nun ab in die kühle Nacht.

Setlist CANNIBAL CORPSE:
1. Scourge Of Iron
2. Demented Aggression
3. Evisceration Plague
4. Stripped, Raped And Strangled
5. Disposal Of The Body
6. Sentenced To Burn
7. Kill Or Become
8. Sadistic Embodiment
9. Icepick Lobotomy
10. Addicted To Vaginal Skin
11. The Wretched Spawn
12. Dormant Bodies Bursting
13. I Cum Blood
14. Unleashing The Bloodthirsty
15. Make Them Suffer
16. A Skull Full Of Maggots
17. Hammer Smashed Face
18. Devoured By Vermin

HIER geht's zum Interview mit CANNIBAL-CORPSE-Drummer Paul Mazurkiewicz.


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