21.10.2006, Explosiv

HEAVY METAL BREAKDOWN II

Text: Reini
Veröffentlicht am 23.10.2006

Heavy Metal Breakdown die Zweite. Die Metalidealisten namens Buchi & Rauberer gingen mit Ihrer Festivalreihe in die von vielen erhoffte nächste Runde. Ein hochkarätiger Headliner konnte verpflichtet werden, dazu zwei heimische Undergrund Acts und die Germanischen Metal/Thrasher von Psychotron. Gründe genug, um in die Stadt des Urturmes zu pilgern. Fandienliche Eintrittspreise, eine lockere, ungezwungene Stimmung und vier Bands die sich – wie man immer zu ihrer Musik jetzt auch stehen mag – den sprichwörtlichen Arsch abspielten. Den Anfang machten die Heavy Rocker von Free2Fly aus Wien, die gleich eine satte Videoproduktion auffuhren, dementsprechend motiviert zog man vom Leder und wenn die Herren um Sänger René Langhans das Gaspedal ordentlich durchdrückten (wie zeitweise bei „Fallen Angels“), dann gefiel das Ganze schon irgendwie. Leider setzten die Sechs für meinen Geschmack allzu oft auf balladeske Parts, die einem angemessenen Rübeschütteln doch etwas abwegig waren. Im Großen und Ganzen aber ein professionell dargebotener Set, ich hätte mir halt ein wenig mehr Dreck und Rotz gewunschen. In gänzlich anderen Gefilden fischten dann die Schwaben Psychotron. Angetrieben von einem mehr als blendend aufgelegten und pausenlos mit Kultsprüchen daherkommenden Sänger Matze M. pfefferten uns die Jungs ihren doch sehr eigenwilligen Metal/Thrash um die Ohren. Hält man sich vor Augen, dass der Auftritt der Band durch den Abgang von Gründungsmitglied Gert Kopf (drums) nah an der Absage stand, kann ich den Mannen nur ein „Respekt“ entgegenschmettern. Der (Aushilfs?) Drummer packte sich den Set in gerade mal drei Proben drauf und trümmerte das vom Buchi höchstpersönlich zur Verfügung gestellte AZRAEL Drumset in Grund und Boden. Dann und wann kamen gerade bei den melodischen Parts leichte Nevermore Assoziationen auf (wenn gleich Matze M. dem Warrel Dane noch nicht wirklich das Wasser reichen kann), und wenn die Thrashkeule geschwungen wurde, gab es selbst für mich in den doch etwas weiter hinten gelegenen Reihen nicht wirklich ein Halten mehr. Überzeugender Auftritt einer Band, die mit dem mir bis dato doch unbekannten neuen Album „Pray For Salvation“ sicher auch außerhalb des Schwabenlandes für etwas Aufmerksamkeit sorgen sollte. Als dritte Band durften die Lokalmatadoren von NOVA ran. Instrumental fit wie die sprichwörtlichen Turnschuhe, waren es die Grazer auch, die eine Herrschaft von Fans in die Halle lotsen konnten. Vom Auftritt her gab es vom Acting und der Performance rein nichts auszusetzen, wobei ich zur Verteidigung der Jungs schon festhalten möchte, dass mir dieser virtuose, mit reichlich Gefrickel vershene Sound nicht unbedingt behagt. Die Zeitweisen klassischen Influences (besonders im Instrumentaltrack eine Ohrenweide für jeden Gitarrenfrickelfan, und mir persönlich blieb weiters noch jener Track in Erinnerung, welcher vom Massaker der US Streitkräfte im Irak handelte (Namen sind jedoch nach so einem Wochenende eher Schall und Rauch). Instrumental gesehen eine Wahnsinnsleistung, wenn man bedenkt, dass die Herren noch nicht mal eine einzige Aufnahme ihr eigen nennen können, auch Sänger Fabian überzeugte und obwohl mich der Sound der Band nicht wirklich angesprochen hat, muss ich den Grazern doch einen mehr als außergewöhnlichen Gig auf der Habenseite verbuchen. Da ich in Sachen MYSTIC PROPHECY zwar einigermaßen bewandert bin, aber mit dem Herren Dimitrios Poultidis (manchen vielleicht aus demFoum unter dem Namen El-Greco bekannt!) ein wahrer Insider der Band zu gegen war, übergebe ich gerne an den „Griechen“ um den auch für mich sensationellen Gig von MP näher zu beleuchten: Als Headliner des HMB fungierte mit Mystic Prophecy, eine deutsch-griechische Power Metal Formation. Bei noch nicht mit Mystic Prophecy vertrauten Headbangern kann ich bereits jetzt ein furchtvolles Stöhnen vernehmen, da die Kombination dieser beiden Ethnien und des Subgenres „Power Metal“ zumeist auch billig klingende (Bombast)Keyboardsounds, Vocals Marke „Fußtritt in die Weichteile“, sowie Lyrik über diverse inhaltsleere Platitüden (Stichwörter: Motorräder und Drachen) inkludiert. Doch keine Angst: Bei Mystic Prophecy findet man all dies glücklicherweise NICHT! Als die fünf Herren um Sangesgott R.D. Liapakis ca. um Mitternacht die Bühne des extrem heißen und stickigen Saals des Explosiv enterten, wurde die Freude auf eine der „most underrated“ Bands im gesamten Metal Bereich zunächst etwas getrübt: Beim Opener „Shadows beyond my soul“ spielte die Technik verrückt, und erstickte die eigentlich unglaublich kraftvolle Stimme von Roberto Dimitri. Nach diesem schwierigen Beginn starteten die fünf Musiker allerdings einen Triumphzug wie ihn nicht mal der „große Alexander“ hinbekommen hat. Die bereits auf Platte sehr druckvollen Songs fegten live wie ein Orkan über die kleine (aber begeisterte) Meute an Headbangern hinweg und zog sie in den Bann der fünf „Savage Souls“ auf der Bühne. Besonders Frontmann Lia verstand es, dem ganzen Spektakel seinen Stempel aufzudrücken: Er spielte mit dem Publikum, bewegte sich auf der viel zu kleinen Bühne während des Konzertes viel mehr als der gesamte Kader der österreichischen(Fußball-)Nationalmannschaft während der vergangenen WM-Qualifikation und konnte das Publikum durch seine raue und unglaublich kräftige Stimme beeindrucken. Auch in den wenigen ruhigen Passagen klang seine Stimme hervorragend. Der Fokus des über 90 Minuten dauernden Konzertes lag auf Songs des aktuellen Albums „Savage Souls“ sowie ihrer zweiten Platte „Regressus“. Dennoch kann man die Songauswahl durchaus als „ausgewogen“ bezeichnen, da auch so mancher Klassiker der anderen beiden Werke berücksichtig wurden (so u.a. das zum Evergreen mutierte„Burning Bridges“). Obwohl 60% der Band vor „Savage Souls“ noch nicht Teil des Line-Ups waren, konnte man keinerlei Schwierigkeiten bei den älteren Songs feststellen. Anscheinend haben sich die Herren Grimm, Pohl und Straub perfekt in das Bandgefüge integriert. Nachdem dann noch das obligatorische Manowar Cover „Fighting the World“ an der Reihe war (wer war noch mal Eric Adams?!), und danach mehrere Zugaben auf das euphorische Publikum losgelassen wurden, endete ein rundum gelungener Konzertabend. Man kann nur hoffen, dass die fünf sympathischen Headbanger von Mystic Prophecy noch eine lange und erfolgreiche Karriere vor sich haben, und endlich die Früchte ihrer harten Arbeit ernten können werden! Kaly tychi, Lia (Megas Dimitris ;)) und Co.! Allen Freunden des Power Metal Genres, die Mystic Prophecy beim HMB verpasst haben, empfehle ich folgende Maßnahmen um den Metalgott wieder gnädig zu stimmen: Intensive Selbstgeißelung (24-Stunden lang Ö3 hören oder wahlweise im nüchternen Zustand sämtliche Freedom Call Scheiben am Stück „genießen“ müsste als Strafe ausreichen) Den käuflichen Erwerb eines Tickets für die „No Silent Night“ Veranstaltung am 16.12. im Wiener Planet Music (featuring Dead Soul Tribe, Powerwolf und eben Mystic Prophecy). Amen! (-Dimitrios Poultidis-) Fazit: Wie man so hört, ist es ja nur eine Frage der Zeit bis HMB in seine dritte Runde gehen wird. Demzufolge kann ich auch nur immer wieder auf die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hinweisen. Ein Festival von Fans für Fans, organisatorisch ohne jegliche gröbere Mängel, eine Venue, die – klammert man die Belüftung mal aus – auch für solche Events geradezu geschaffen ist, und ein Organisatorenteam, die mit einem Idealismus bei der Sache sind, der – leider – heutzutage nicht mehr wirklich „State of the Art“ zu sein scheint – oder wo sieht man beim Headliner Gig das GESAMTE Veranstalterteam uniso Mattenschwingend und Bangend mit einem Grinser im Gesicht als würde gerade Weihnachten und Ostern an einem Tag fallen? Seitens adl.at kann ich Hier und Heute auch schon versprechen, dass wir jegliche in unserer Macht stehende Maßnahmen ergreifen werden um das sich anzeichnende stetige Wachsens dieser Festivalreihe noch intensiver und noch aufwendiger unterstützen werden. Up tha Horns and see ya all @ HMB III


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