14.11.2006,

Masters Of Death

Text: PMH
Veröffentlicht am 17.11.2006

Vier Altherrenbands aus Schweden luden an diesem Dienstagabend zum Tanz in die schöne (?) Landeshauptstadt – Grave, Dismember, Entombed & Unleashed baten um einen milde Spende um die teuren Alkoholpreise ihres Heimatlandes zu kompensieren und schickten gleich mal „etwas“ überhöhtes Merchandise in die Umlaufbahn des Planet Music… Nach einer gemütlichen 2,5 Stunden-Fahrt (hoch lebe der Abendverkehr auf der A23!) trafen wir gegen 18:30 Uhr in Wien ein – ein Speedbier mit diversen Bekannten war natürlich vorher noch Pflicht, dann gings schnurstracks rüber zum Ort des Geschehens … Als gegen 19:45 die belgischen Thrasher EXTERMINATOR die Bühnenbretter enterten war im Publikum noch gähnende Leere, erst nach und nach trudelten viele bekannte Gesichter ein um sich beim Merchandisestand (wahlweise Bierbar einsetzen) ein wenig umzusehen… Die Belgier boten einen Querschnitt ihres kürzlich veröffentlichten Albums „Slay your Kind“ – leider animierten Sound & Körpereinsatz eher zum Gähnen… Witzig waren die Songansagen (im besten 3-Länder-Akzent!) aber allemal und soo schlecht zogen sich Exterminator nun doch nicht aus der Affäre – beim nächsten Mal bitte mit mehr Elan und Spielfreude!! Eine Viertelstunde später waren Exterminator längst vergessen als meine heimlichen Headlinder UNLEASHED ihre Wikingerhymnen mit voller Wucht in die Menge schleuderten - die alten Herren rund um Johnny Hedlund (der einem Tom Araya nicht unähnlich ist – siehe Haarpracht!) packten so ziemlich alle Hits aus um der geifernden Tanzschar einzuheizen – vom Opener „Before the Creation of Time“ bis „Triumph of Genocide wurden grossteils nur Uptemponummern dargeboten; zum Glück wurden viele alte Klassiker ins Programm gestopft, unterbrochen nur durch die wirklich hochwertigen Nummern der letzten zwei Alben – „Winterland“ war live wie immer eine Macht!! Ja, Unleashed sind zurück im Ring – vergessen sind die schwachen Alben ala „Warrior“ bzw. „Hells Unleashed“; seit dem letzen Album zeigt die Erfolgskurve wieder steil nach oben, charismatische Liveauftritte wie dieser (wobei Johnny auch seine Bandmitglieder vorstellte, soviel Zeit muss sein!) tragen das Ihre dazu bei… beide Daumen nach oben, Jungs!! Da jeder Band „nur“ 45 Minuten Spielzeit gestattet war gings danach Schlag auf Schlag – ENTOMBED waren nun angetreten um unsere Ärsche zu treten; leider klappte das mit dem rumpeligen Sound nur bedingt – der Bass war viiel zu dominant und machte so alle Feinheiten zunichte ! Schade, denn eigentlich sind Songs wie „Left Hand Path“ Klassiker vor dem Herrn, mit nur einer Gitarre im Talon waren aber beim Songoutro eher Fragezeichen denn Gänsehaut angesagt – der „Chief Rebel Angel“ verhielt sich da besser und rockte gut ab … Leider versäumten es die Herren danach etwas Kontakt zum Publikum zu pflegen und verschwanden nach ihrem eher durchwachsenen Auftritt schnurstracks in den Kabinen… An die Stimmung von Unleashed kamen Entombed nicht im Geringsten heran – das mag vielleicht auch an der Tatsache liegen das ihre diversen Alben der letzten Jahre nicht immer auf ungeteilte Zustimmung beim headbangenden Volk stiessen ! Alben wie „Same Difference“ sind nun mal nicht dass was der Schwedendeath-Fan von Welt erträumt – hoffen wir auf eine geile neue CD; „When in Sodom“ war ja schon mal ein prima Appetithappen …. Die nachfolgenden DISMEMBER hatt ich vom PartySan-Gig 2004 noch in schlechter Erinnerung – habe selten so einen besch…eidenen Auftritt der Herren gesehen, Wahnsinn ! Matti & der Alkohol, eine schlechte Paarung für einen Gig in dieser Grössenordung… Nun gut, alles vergeben und vergessen – Dismember spielen (noch) immer das was sie am besten können : nämlich skandinavischen Death Metal der alten Schule gewürzt mit einer Prise Autopsy (wohl ihr grösster Einfluss neben Iron Maiden)! Im brachialen Soundinferno schmerzten dann doch die Höhen etwas, auch Drummer Fred Estby lag zeitweise neben der Spur – aber bei Klassesongs wie „Casket Garden“ oder „Dreaming in Red“ achtete niemand auf ein perfekt dargebotenes Szenario, man schüttelte einfach nur sein (dünnes) Haupthaar ein weiteres Mal in der – man verzeihe mir diesen Ausdruck – fanunfreundlichsten Location namens Planet Music… Sorry, aber die Getränkepreise sind mMn einfach total überzogen und wenn ich fernsehen oder Werbung gucken will dann kann ich mir auch zuhause die entsprechende DVD reinziehen und fühle mich 100x wohler in meiner Haut… Wurden Dismember am Anfang ihrer Karriere (lang ists her – 1991!) noch als Anfänger & Provokateure (remember „Pieces“ oder das blutbesudelte Backcover des Debüts??) belächelt so muss man mittlerweile feststellen dass der gute alte Schwedendeath wohl zu einer aussterbenden Gattung in der Metalszene gehört - diesen Abend wurde wenigstens von diesen vier (nun gut, wohl eher nur 3 – Entombed erfüllen die Kriterien mittlerweile nicht mehr so ganz …) Bands der Gegenbeweis angetreten …. Dismember rumpeln immer noch so geil wie anno dazumals durch die Botanik und fürchten spieltechnische Verbesserungen wohl immer noch genau so wie der Teufel das Weihwasser … was solls, das Ergebnis passt und wer will Dismember schon mit Klargesang oder ähnlichem neumodischen Schnickschnack hören ?!?! Eben, niemand!!! Viele der anwesenden Besucher – schätzungsweise immerhin doch knapp 500 – verliessen nach den ersten Songs der heutigen „Headliner“ GRAVE das Planet, meiner Meinung nach doch eine Spur zu früh, spielten die Bolt Thrower Schwedens doch auf einem technisch ansprechenden Level - inklusive sehr annehmbaren Sound; hier störten weder Rückkoppelungen noch nervige Höhen noch sonst was … oder spielte das eine oder andere geleerte Bierchen doch meinem Gehör einen Streich?!? Wie die anderen Bands zuvor konzentrierten sich Grave auf ihre Frühneunzigerphase (You´ll never see … Heaven, Soulless, Into the Grave, Deformed – um nur einige beim Namen zu nennen!), mischten ab und an auch einen Song des formidablen neuen Longplayer in den Set und konnten beim verbliebenen Publikum mit ihrer einwandfreien Performance voll überzeugen! Für mich die Überraschung des Abends! Sehr solider Auftritt von der wohl dienstältesten Schwedenbande – werde mir wohl in den nächsten Tagen mal wieder „Into the Grave“ in die Lauschlappen kippen, soviel steht fest! Hin und hergerissen überlegte ich nach dem Gig ob ich mir nicht doch ein T-Shirt zulegen sollte – aber nach reiflicher Überlegung liess ich den 20€ - Schein stecken, soviel ist mir ein bedruckter Stofffetzen nun doch nicht wert gewesen… Das wars, ein wohl einmaliger Abend neigte sich nach einer kurzen Unterhaltung mit Matti von Dismember (der – wie´s der Zufall will, auch bald seiner 34er feiern wird, so wie meine Wenigkeit – nur als kleine Randnotiz …) dem Ende zu und mit einem „Wir waren dabei“ - Gefühl im Bauch gings wieder zurück gen Linz – der Alltag erwartete uns früh genug … mich noch früher als einige Andere der gestrigen Runde wohlgemerkt!!!


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