28.10.2006, ARGE Kultur

HALLOWEEN Metal Festival

Text: El Greco
Veröffentlicht am 29.10.2006

Am 28.10. war es mal wieder soweit: Die inzwischen vierte Ausgabe des von Metallic Arts veranstalteten Halloween Metal Festivals fand im schönen Salzburger Land (genauer gesagt in der ARGE Nonntal) statt. Mal ehrlich: Welches Ereignis ist passender um ein Metal Festival zu veranstalten als Halloween? Dieses Mal waren erneut sechs Bands am Start, die allesamt aus Österreich oder Deutschland stammen. Das Package der heurigen Ausgabe des Halloween Metal Festivals schien bereits im Vorfeld extravaganter und abwechslungsreicher zu sein, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Umso erfreulicher erschien mir beim Eintreffen im Kulturhaus Nonntal die Tatsache, dass dies anscheinend von hunderten Metallern geschätzt wurde, die sich allesamt in den verschiedenen Bars in und außerhalb des Gebäudes mit Hopfenkaltschalen und diversen anderen alkoholischen Getränken verlustierten. Pünktlich um 19.30 ging es dann los mit einer Band, die ja schon zu den Urgesteinen des österreichischen Untergrunds zu zählen ist: Darkfall! Zu allererst gebührt dem Veranstalter ein dickes Lob, da eine meiner größten Befürchtungen bereits im Keim erstickt wurde: Darkfall wurden nicht vor dem offiziellen Beginn auf die Bühne geschickt (die Running Order wurde im Vorfeld auf www.metallic-arts.com veröffentlicht) und somit verheizt, sondern erhielten eine gute Chance sich vor dem Salzburger Publikum zu beweisen. Die fünf Steirer rund um Frontmann Thomas Spiwak wussten diese Chance zu nützen. Eine halbe Stunde lang wurde relativ geradliniger amerikanisch angehauchter Thrash Metal mit aggressiven Vocals vorgetragen, wobei auch melodische Parts (seitens der beiden Gitarristen) zum Vorschein kamen und für gekonnte Abwechslung sorgten. Auch der Sound erwies sich bei Darkfall als überraschend klar und druckvoll. Das Publikum im bereits gut gefüllten Saal der ARGE zeigte sich dankbar und reagierte auf die fünf Matten schwingenden Steirer mit mehr als nur Höflichkeitsapplaus. Man mische Bay Area Zitate mit einigen schwedischen Referenzen, sowie derben Vocals irgendwo zwischen shouts und growls, und fertig ist der österreichische Thrash Metal Cocktail? Klingt nach einem seltsamen Rezept, gemundet hat es aber allemal. Bravo Darkfall! Die zweite Band des Abends ist ebenfalls keine Unbekannte mehr im österreichischen Metaldschungel: Mit Olemus trat eine live erprobte und auch etwas gewöhnungsbedürftige Band aus Linz an. Sowohl die schwer zu kategorisierende Musik (irgendwo zwischen Gothic, Industrial und modernem Metal dürfte sie anzusiedeln sein), als auch die eigenwillige Optik (der kahlköpfige Sänger Roland trat im schneeweißen Anzug auf und erntete dafür teilweise etwas verwunderte Blicke) machten es dem Zuhörer nicht leicht die Band abzufeiern. Was geboten wurde, hatte durchaus seinen Reiz, offenbarte aber auch einige Schwierigkeiten: Während die Screams von Sänger Roland gut funktionierten, fielen die klar gesungenen Passage viel zu leise aus und waberten recht undifferenziert aus den Boxen. Was bleibt ist ein solider, aber dennoch etwas zwiespältiger Auftritt der auch das Publikum in begeisterte Anhänger und verwirrte Zuhörer aufzuteilen schien. Handwerkliches Können und Spielfreude kann man den fünf Musikern aus Oberösterreich aber nicht absprechen. Aufgrund der recht komplexen und live schwer reproduzierbaren Songs, werden Olemus sicherlich auch in Zukunft stark polarisieren. Interessierte an diesem Sound können sich unter http://www.myspace.com/olemus1 selbst ein Bild von der Musik Olemus’ machen. Nach Olemus trat der erste deutsche Vertreter des Abends auf: Die Corpsepaint Legion von Dark Fortress war an der Reihe. Meine persönlichen Erwartungen waren gering, da ich die Studiowerke von Dark Fortress im Gegensatz zum Gros der Fachpresse eher langweilig fand. Zwischen Atmosphäre und Langeweile zu wandeln bedeutet auch, sich auf eine gefährliche Gratwanderung zu begeben, die zwangsläufig sehr unterschiedlich aufgefasst wird von den verschiedenen Hörern. Glücklicherweise war das Publikum nicht meiner Meinung und strömte in den Saal bis jener fast aus allen Nähten platzte. Was folgte überzeugte auch mich alten „Miesegriechen“: Dark Fortress klingen live um einiges organischer und härter als auf Platte (bzw. insbesondere auf ihrem letzten Studiowerk „Seance“). Azathoth’ stimmliche Leistung durfte man (auch dank des diesmal klaren Vocalsounds) als äußerst gelungen einstufen. Über dem von der sauber spielenden Instrumentalabteilung fabrizierten Klang (inklusive sehr starkem Drumming von Seraph) thronte die eiskalte Stimme des Frontsatans, die sich durch die Gehörgänge der anwesenden Schwarzmetaller bohrte. Die Zuseher taten es den Dauerheadbangern auf der Bühne gleich und ließen ihre Matten eifrig zu den eisigen Tönen der Landshuter Corpsepaintträger schwingen. Starker Auftritt, der nach ca. 40 Minuten leider auch schon wieder vorbei war. Kommunikation mit dem Publikum erfolgte wie auch sonst bei Konzerten von Dark Fortress keine. Obwohl dies wohl dem einen oder anderen Fan sauer aufstoßen könnte, sollte man bedenken, dass ausschweifende Ansagen und Danksagungen auch nicht zum Image dieser Band passen. Auch wenn der Bass teilweise etwas zu laut war, muss man den sechs deutschen Schwarzkitteln zu einem rundum gelungenen Auftritt gratulieren. Sogar ich werde auf jeden Fall ihren Studioscheiben noch mal eine Chance geben. ;-) Der nächste Act des heurigen Billings passt zu einem Halloween Metal Festival wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge: The Vision Bleak! Die Herren Sto...., ehm, Schwadorf und Konstanz haben mit den vorangegangenen Klängen ihrer deutschen Landsmänner absolut nichts zu tun, weshalb sich die Reihen etwas lichteten. Ihr teilweise cineastischer Horror Metal wirkt melodischer, aber auch eigenwilliger und origineller als die Musik der meisten anderen Bands an diesem Abend. Ich persönlich war begeistert von den bisherigen Alben, gespickt mit dem für The Vision Bleak typischen lovecraftschen Flair und den teilweise orchestralen Inszenierungen. Wie dies allerdings live umzusetzen ist, erschien auch mir etwas zweifelhaft. Sich mit solchen Songs auf die Bühne zu trauen, ist auf jeden Fall mutig und den Musikern hoch anzurechnen. Während außerhalb des Metal Genres Interpreten von belanglosen, primitiv anmutenden Liedern schon dauerhaft das Vollplayback wählen, kommen hier nur jene Dinge vom Band, die live aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten (man kann schließlich nicht immer Orchester + klassische Sänger mitschleppen) live nicht darzubieten sind. Um es kurz zu machen: Auch wenn die tiefe Stimme des theatralischen Frontmannes Allen B. Konstanz teilweise viel zu leise war, konnten The Vision Bleak überzeugen. Da man mit dem Herren, der sich unter dem Pseudonym Ulf Theodor Schwadorf verbirgt, einen sehr erfahrenen Musiker und Produzenten in den eigenen Reihen hat, und zudem auf gute Live-Musiker zurückgreifen kann, hält sich die diesbezügliche Überraschung wohl ohnehin in Grenzen. An diesem Abend erwiesen sich The Vision Bleak als gelungene Abwechslung in diesem doch recht heftigen Billing. Mir wäre es recht, wenn ich den Herren nächstes Mal länger als nur 40 Minuten lauschen dürfte. Die Setlist (ohne Gewähr und höchstwahrscheinlich in falscher Reihenfolge): Kutulu! The Deathship Symphony Carpathia Elizabeth Dane The Curse of Arabia The Grand Devilry The Charm is Done Als fünfter Act des Abends kletterte eine momentan sehr angesagte Band auf die Bühne: Neaera. Neaera werden oft dem Metalcore Genre zugeordnet, was aber nur bedingt passt. Auch wenn die Musik der fünf Deutschen sehr modern klingt, sollte man festhalten, dass viele traditionelle Elemente des Death und Thrash Metals in der Musik enthalten sind. Ihre bisherigen Alben „Rising Tide of Oblivion“ und „Let the Tempest Come“ konnten mich dennoch nicht ganz überzeugen. Auch wenn die Saitenfraktion beeindruckt und sogar maideneske Einsprengsel einbaut, das Drumming kraftvoll und die Produktion(en) jeweils überzeugen konnte(n); das gewisse „Etwas“ fehlt irgendwie noch. Das Songwriting ist bei allem Talent der Akteure noch nicht das Gelbe vom Ei, und wirkt zu wenig abwechslungsreich und prägnant. Zudem kreischte Shouter Benny Hilleke v.a. auf dem Erstling einigermaßen gleichförmig vor sich hin. Die moderne Ausrichtung des Münsteraner hatte zur Folge, dass einerseits viele ältere Anhänger den Saal verließen und die Bars aufsuchten, andererseits ebenfalls viele junge Fans erwartungsvoll nach vor drängten. Was folgte waren 45 Minuten druckvoller Metal und eifriges Stage-Acting der Herren um den kleinen Brüllwürfel mit der seltsamen Frisur aka Benny Hilleke. Der Frontmann war sichtlich erfreut, dass doch so viele Fans ihrem Gig beiwohnten, auch wenn sie nach eigenen Aussagen nicht zum Rest des Billings passten. Auch wenn dies stimmen mag, verkauften sich Neaera wacker und boten eine solide Leistung. Die Screams/Shouts langweilten mich zwar auch live etwas (klang etwas wie eine Kreuzung von Mille und einem bellenden Pitbull), die leider seltenen, tiefen Growls wirkten aber wiederum überzeugend. Man kann diesen jungen Herren (keiner der Musiker ist älter als 27) nur wünschen, dass sie ihren eigenen Weg endgültig finden und ihre zweifellos vorhanden Stärken noch besser zur Geltung bringen. Sowohl Talent als auch Ehrgeiz und Engagement sind zweifellos genug vorhanden. Auch wenn die Musik nicht ganz meinen Geschmack traf, wurde dies beim Gig in der Salzburger ARGE bewiesen. Ich denke, dass man noch einiges von Neaera hören wird. Good luck! Als der etwas überlange Soundcheck der Lokalmatadoren Belphegor noch lange nicht vorbei war, wurde einem bereits bewusst welchen Stellenwert Helmuth, Sigurd und Co. in Salzburg genießen: An ein problemloses Bewegen war jedenfalls im proppevollen Saal nicht mehr zu denken. Belphegor ließen sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen, führten ihren Soundcheck routiniert zu Ende und ließen das Publikum noch einige Minuten warten. Als sie mit etwas Verspätung auf die Bühne kamen und loslegten, konnte sich aber sogar der Meister der heretic grunts Helmuth ein Lächeln nicht verkneifen. Es war einfach überwältigend wie sehr die Menge nach den deftigen Klängen Belphegor’s lechzte. Diese gaben dem Publikum genau das, was es erwartete: Ein infernalisches Gemetzel mit dem Schwerpunkt auf den Spätwerken der Band. Obwohl auch die frühen schwarzmetallischen Outputs „Last Supper“ und „Blutsabbath“ einen gewissen rauen Charme hatten, ist die Entwicklung der Band als beeindruckend einzustufen. Oftmals wird vergessen, wie technisch und auch anspruchsvoll zu Werke gegangen wird. Obwohl ich über den neuesten Streich „Pestapokalypse VI“ noch kein endgültiges Urteil abgeben kann, scheinen die zahlreichen live dargebotenen Songs des neuen Albums noch technischer, ausgefeilter und abwechslungsreicher als jene der vorangegangenen Alben zu sein. Vor allem „Bluhtsturm Erotika“ dürfte sich zu einem absoluten Live-Knaller mausern. Auch Tracks wie „Pest Teufel Apokalypse“ machen klar, dass Belphegor sich zwar weiterhin selbst treu blieben, aber dennoch keine Opfer der Stagnation auf hohem Niveau sind. Nicht selten erinnern sie mich heutzutage an Morbid Angel zu David Vincent’s Glanzzeiten (wenn das mal kein Kompliment ist...). Egal ob schwere, doomige Songs wie „Sepulture of Hypocrisy“ oder schnelle Black/Death Hymnen wie das geniale „Swarm of Rats“: Belphegor sorgen für ein vernichtendes, musikalisches Inferno. Dank der Tatsache, dass auch diverse Klassiker aus der „mittleren Phase“ der Band gespielt wurden (so z.B. „Lucifer Incestus“ oder „The Goatchrist“) bekam die schwarze Meute trotz der fehlenden Darbietung von Songs der beiden Frühwerke einen guten Querschnitt durch die bisherige Karriere der Salzburger geboten. Einzig und allein der Gesang war etwas zu leise. Schade, da Helmuth in gesanglich exzellenter Form zu sein scheint, wie die soundtechnisch besseren Passagen bewiesen. Nach diesem Gemetzel kann man unserem Nr.1 Metal-Export nur wünschen, dass sie auf der X-Mas Tour mit Six Feet Under und Co., sowie auf der Amerika Tour mit Danzig weiterhin punkten können werden. Der Gig als Headliner des Halloween Metal Festivals war auf jeden Fall gelungen. Belphegor machen was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es wollen. Und das ist auch gut so, da sie ihr Handwerk verstehen und sehr professionell arbeiten. In diesem Sinne: Inflamate Legionis Christianos! Fazit: Ein rundum gelungenes Festival, dass mit einem unglaublich abwechslungsreichen Billing glänzte. Hier war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei: Von Death/Black Metal über gotisch angehauchtem Horror-Metal bis zu modernem DeathMetalcore. Den Veranstaltern gebührt wirklich ein großes Lob, da die Organisation der Veranstaltung einwandfrei funktionierte, und die Kartenpreise von 18 Euro (VVK) bzw. 20 Euro (AK) wirklich sehr gering ausfielen. Die anwesenden Metaller scheinen auf jeden Fall sehr viel Spaß am Halloween Metal Festival gehabt zu haben. Wie ist es sonst zu erklären, dass trotz des grausigen Gösser Biers so viele angeheiterte Metaller zu sehen waren? Auch eine nicht gerade kleine Anzahl an deutschen Metalheads reiste ins schöne Salzburg um der Veranstaltung beizuwohnen. Darunter befanden sich auch ein paar bekannte Gesichter. Oder ist der erwähnte Gerstensaft schuld daran, dass ich Ezpharess von Mystic Circle im Publikum erkennen konnte? Ich freue mich jedenfalls auf weitere Veranstaltungen von Metallic Arts im Jahr 2007!


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