17.02.2007, Rockhouse

The Domination Tour 2007

Text: El Greco
Veröffentlicht am 20.02.2007

DOMINATION TOUR 07’: Am 17.2.2007 fand in Salzburg die diesjährige Ausgabe der Domination Tour statt. Wieder einmal klangen die angekündigten Bands mehr als verlockend, so dass die Erwartungshaltung des Autors dieser Zeilen überdurchschnittlich hoch war. Um nicht zu sehr in journalistisches Vorgeplänkel abzudriften, beginnt dieser Live-Bericht auch sogleich mit der ersten Vorgruppe, die um 18.30 Uhr auf die Bühne wuselte. INACTIVE MESSIAH: Als die fünf jungen Griechen (mit neuem Drummer, da Trommlerin Cathrin vor kurzem das Handtuch warf) pünktlich mit ihrem Set begannen, musste man leider feststellen, dass diese bislang relativ unbekannte Band auch heute vor wenigen Fans spielen müsste. Dies dürfte ihnen allerdings bereits bei der gemeinsamen Tour mit VADER und GOD DETHRONED des öfteren passiert sein, weshalb sie recht unbeeindruckt von der geringen Zuseheranzahl frisch und munter zu spielen begannen. Stilistisch bewegt sich diese junge Band aus dem Süden zwischen allen Stühlen: Vereinzelte Black Metal Elemente treffen auf bittere „Gothicsüße.“ Der ungeliebte Begriff Dark Metal drängt sich hier nahezu auf. Eine Tour mit ROTTING CHRIST dürfte aber bezüglich des eventuell zu gewinnenden Publikums passen wie die Faust aufs Auge. Natürlich war bei diesem Gig noch nicht alles Gold was glänzt: Der Sound hätte klarer sein können, das Songwriting zwingender, und auch gelegentliche technische Schnitzer waren vorhanden. Nichtsdestotrotz erwiesen sich diese Jungspunde als guter und zudem überaus sympathischer Opener, von dem man noch einiges hören könnte in der Zukunft. HARM: Harm bewegen sich stilistisch auf einem komplett anderen Terrain als INACTIVE MESSIAH. Die vier langmähnigen Norweger heften sich den guten, alten Thrash Metal auf die imaginären Fahnen. Nicht selten erinnern sie an ihre skandinavischen Kollegen von HATESPHERE, wobei HARM doch eine Spur traditioneller zu Werke gehen. Die Musik der Nordmänner erwies sich als überaus bang-kompatibel und nicht besonders komplex. Das Songwriting konnte aber live nicht von der ersten bis zur letzten Sekunde überzeugen. Während „Planet God“ oder „Harm Unleashed“ vom „Devil“ Album durchaus griffig und catchy waren, schlich sich doch auch der eine oder andere Rohrkrepierer in die Setlist. Macht aber nichts: HARM präsentierten sich als ein Support-Act der Spaß machte und ebenfalls überzeugte, v.a. was die Bühnenpräsenz anbelangt. Kein Wunder, wenn man einen Koloss wie Steffan Schulze (bass/vocals) in den eigenen Reihen hat. Obwohl der Sänger zu Beginn des Auftritts noch etwas müde wirkte, verflog die Müdigkeit schon nach dem zweiten Song. Mal sehen, was die Bierfanatiker aus Norwegen uns in Zukunft noch vorsetzen werden! NEURAXIS: Welchen Stellenwert die kanadischen Death/Grind-Fanatiker von NEURAXIS genießen, wurde einem klar, als sich die Halle vor ihrem Auftritt plötzlich zunehmends füllte. Ich für meinen Teil war doch etwas skeptisch, wie diese komplexe Musik live umzusetzen ist. Noch dazu mussten die Montrealer vor kurzem den Abgang von Sänger Ian Campbell kompensieren. Im Endeffekt war das Konzert anstrengend, aber verdammt gut: Der neue Frontmann Alex Leblanc erwies sich als ein Muskelpaket mit kräftiger Stimme und guten Nackenwirbeln (trotz der schwierig zu spielenden Songs gaben die fünf Herren auf der Bühne „headbangtechnisch“ Vollgas). Das Publikum reagierte mit andächtigem Starren und höflich-respektvollem Applaus. Manche schienen sogar etwas eingeschüchtert zu sein aufgrund dieser kanadischen Dampfwalze. Mir gefielen NEURAXIS auf der Bühne um einiges besser als auf Platte. Für Hörer mit schwachen Nerven und Freunde von eingängiger Musik sind sie allerdings nicht zu empfehlen. Hier regiert das technische Geprügel gegenüber Melodie und Harmonie. Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit den Kanadiern! MYSTIC CIRCLE: MYSTIC CIRCLE waren nach diesem todesmetallischen Dauergetrümmer eine passende Abwechslung. Diese Band kann einem ja direkt leid tun: Von vielen Credibility-Wächtern mit dem „untrue“-Stempel versehen und somit vielerorts geächtet, kommen sie doch immer wieder mit neuen Werken und weiteren Auftritten zurück. Die zwischenzeitliche „Keyboard-Kitsch-Gothic-Phase“ wurde anscheinend endgültig begraben. Was bleibt ist die Tatsache, dass Beelzebub, Ezpharess und Co. nach wie vor nicht zu schubladisieren sind. Aber wen kümmert dies schon ernsthaft? Auf der Bühne sind sie jedenfalls eine Bank und jeder der ihre CDs mag, wird ihre Live Performances lieben. Der Sound war zwar zum Teil etwas basslastig, dafür setzten sie ihr bisheriges Schaffen mit einer schlauen Songauswahl ins rechte Licht (Anm: „recht“ steht hier für „richtig“ und nicht für eine politische Gesinnung. Sei mal dazu gesagt, um einer erneuten, eventuellen Hexenjagd gegen anti-christliche Bands vorzubeugen). Songs wie „Satanic Rituals“, „Medina – Whore of Satan“ und „God is Dead – Satan arise“ sprechen eine deutliche Sprache über die (schwarzmetallische) Thematik. Die Musik ist allerdings gefüllt mit Thrash-Zitaten und teilweise auch dunklem Ambiente. Neben genannten Songs wurden natürlich auch der Titelsong der „Open the Gates of Hell“ und das zu einem Evergreen avancierte „Awaken by Blood“ wieder gegeben. Ein kurzweiliger Auftritt, der für die notwendige Abwechslung sorgte. Zudem zeigten sich Ezpharess und Beelzebub nach dem Konzert von einer sehr sympathischen Seite und tranken noch einige Biere mit ihren Fans, denen sie geduldig Rede und Antwort standen. Schön, dass den meisten Bands im Metal Zirkus diverse Rockstar Allüren doch noch fremd sind! INCANTATION Mit den Mannen um John McEntee stand nun eine weitere nordamerikanische Death Metal Band auf dem Programm, die allerdings nur wenig mit den Kollegen von NEURAXIS zu tun hatten. Die Gemeinsamkeiten beschränkten sich auf starke technische Fertigkeiten und eine enorme Brutalität der dargebotenen Musik. INCANTATION stehen für zähen bzw. teilweise sogar doomigen Death Metal (v.a. zu Zeiten von „Mortal Throne of Nazarene“ regierte das Zeitlupentempo), der trotz der 3-Mann-Besetzung auf der Bühne sehr gut funktionierte. Das kleine Bartmonster McEntee schaffte es gewaltiges Urgrollen auf das Publikum loszulassen ohne dabei seine Gitarre zu vernachlässigen oder auf das Headbanging zu verzichten. Gerne hätte ich diesen Amerikanern länger als nur 40 Minuten gelauscht. Anscheinend stand ich mit dieser Meinung nicht alleine da, da das Publikum bei INCANTATION endlich aufzuwachen schien. Auch der Sound präsentierte sich als recht transparent. Wahrlich ein höllisch-starker Auftritt und das zweite Highlight des Abends! MALEVOLENT CREATION Ein weiterer Ami-Death Knaller folgte mit MALEVOLENT CREATION, die bereits vor einem Jahr unser Land beehrten (damals als Support von BOLT THROWER – allerdings ohne den etatmäßigen Drummer und Basser). Dieses Mal konnten Jason Blachowicz und Dave Culross ebenfalls mit von der Partie sein, was natürlich die Erwartungshaltung nochmals steigerte. Die Fans wussten dies zu honorieren, da nicht wenige der Anwesenden in erster Linie MALEVOLENT CREATION bewundern wollten. Was folgte war ein 45-minütiges Todesspektakel ohne große Überraschungen in der Setlist. Mit anderen Worten: Phil Fasciana und Co. prügelten sich auf musikalisch einwandfreie Weise durch ihre übliche Setlist. Neben neueren Songs wie „Preemptive Strike“ und „The Will to Kill“ wurden auch ältere Standards wie „Blood Brothers“ zum Besten gegeben. Ihre zumeist pfeilschnellen Hymnen begeisterten dann auch weite Teile des Publikums. Das einzige Problem an ihrem Auftritt lag an der missglückten Dramaturgie: Die 45 Minuten wurden mit möglichst vielen Songs gefüllt. Dies ist zwar einerseits löblich, führt aber andererseits auch dazu, dass es keine kleinen Verschnaufpausen gab, die der Wirkung der einzelnen Songs vielleicht noch gut getan hätte. Manchmal wirkten die Amerikaner etwas zu einstudiert und zu professionell. Etwas mehr Spontanität und Kommunikation mit dem Publikum hätte ihnen sicherlich nicht geschadet. Dennoch: Ein weiterer gute Auftritt, der musikalisch um einiges stärker ausfiel als noch vor einem Jahr. ROTTING CHRIST: Mit den Headlinern ROTTING CHRIST konnte man am Ende dieses metallischen Abends eine weitere Band bewundern, die definitiv schwer einzuordnen ist, und demnach manchem (Black-)Metal Puristen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Da ich schon an anderer Stelle darauf einging, dass übertriebenes Scheuklappendenken innerhalb der Metal Szene nicht unbedingt lobenswert ist, sollte man sich gar nicht mehr darum kümmern, sondern auf die Fakten achten. Und die sprechen für ROTTING CHRIST: Seit Ende der 80er Jahre veröffentlichen die (mittlerweile wieder) vier Griechen, Alben, die ihre treue Fangemeinschaft begeistern. Seit einiger Zeit haben sie ihren eigenen Stil entwickelt und schaffen es somit zu polarisieren. Meinen persönlichen Geschmack treffen sie damit sehr, da mir sowohl die (v.a. auf ihrem neuen Meisterwerk „Theogonia“) ominpräsenten griechischen Folk-Einschübe, als auch die Verwendung von mehreren Sprachen sehr zusagt. Das Klangbild der griechischen Sprache ist bestens geeignet, um eine düstere Atmosphäre zu kreieren. Dass sich dies mit Latein ähnlich verhält durfte man bereits zu Zeiten von „Non Serviam“ miterleben. Doch nun zum Auftritt: Da die vier Südgriechen leider nur 45 Minuten Zeit hatten, musste die Setlist sehr kurz gehalten werden. Dennoch wurden viele Klassiker der Band zum Besten gegeben: So darf es natürlich nicht passieren, dass „Athanati Este“ oder die alten Klassiker „In Domine Sathana“ und „Old Coffin Spirit“ fehlen. Aber auch das neue Material eignet sich live perfekt zum Abfeiern. Die Fans nahmen jedenfalls neue Songs wie „Enuma Elish“ oder „Keravnos Kivernitos“ begeistert an, was unter den noch verbliebenen Fans zu prächtiger Stimmung führte. Auch in den Bereichen Sound und Stageacting gab es nichts zu meckern. Zudem wirkte das Bemühen des Frontmannes Sakis, möglichst viel deutsche Sätze und Ausdrücke auf das Publikum loszulassen, sehr herzlich und bemüht. Auch die „Neuerwerbung“ George Bokos (NIGHTALL) wusste mit seiner intensiven „Haarprachtrotation“ und dem klaren Spiel zu begeistern. Als nach ca. 40 Minuten der reguläre Auftritt vorbei war, und ROTTING CHRIST noch mal zurückkamen, und mit dem Titelsong des 94er Albums „Non Serviam“ eine Zugabe zum besten gaben, blieb einerseits die Begeisterung darüber, einen tollen Auftritt gesehen zu haben. Andererseits war es sehr schade, den Hellenen nicht noch etwas länger lauschen gedurft zu haben. Dennoch: Dieser Auftritt machte definitiv Lust auf mehr! May Satan bless ROTTING CHRIST! Zusammenfassend muss man feststellen, dass dieser Abend keine metallischen Wünsche offen ließ. Glücklicherweise wurde das Package mit Bands verfeinert, die etwas anders klangen als der Rest. Sieben Bands waren vielleicht doch eine Spur zu viel, da die Headliner somit jeweils nur eine sehr kurze Spieldauer zur Verfügung hatten. Dennoch bleibt festzuhalten, dass dieser Abend im Salzburger Rockhouse bestens organisiert war und ein volles Haus verdient hätte. Dass dies leider nicht der Fall war, mag daran liegen, dass die anwesenden Bands eben keine hippe und moderne Musik machen, sondern ihr Ding seit Jahren durchziehen. Ich für meinen Teil würde jede der gesehenen Bands gerne wieder mal live erleben wollen. Im Falle von ROTTING CHRIST und den nordamerikanischen Todesschwadronen sogar so schnell wie möglich. ......


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: LAMB OF GOD - Lamb Of God
ANZEIGE