05.07.2007, Rotundenplatz - Messe Wien

METALLICA

Text: Reini
Veröffentlicht am 06.07.2007

Binnen ein bisschen mehr als 365 Tagen wurde Österreich nun schon zum zweiten Mal die Ehre zu teil ein METALLICA Live Konzert zu hosten. War es im Vorjahr noch das Novarock Festival, gab es diesmal gleich ein Open Air mit „nur“ zwei Support Acts. Für die abgesprungenen BULLET FOR MY VALENTINE wurden vom Veranstalter kurzerhand die deutschen Hitparadenstürmer OOOMPH! verpflichtet, dessen Auftritt (um 17:30 Uhr!!) meine Wenigkeit a priori geflissentlich negierte. Viel wichtiger, weil es die Band in dieser Zusammensetzung wahrscheinlich nie wieder in unseren Breiten zu sehen geben wird waren dann schon HEAVEN & HELL (a.k.a. BLACK SABBATH). Eine gute Stunde durften Ronnie James Dio, Toni Iommi, Geezer Buttler und Drummer Vinnie Appice die Meute für ihre „Ziehsöhne“ anheizen. Das taten die Tattergreise dann auch in ordentlicher Manier - sind wir uns ehrlich mit Songs a la „The Mob Rules“, „Children of the Sea“ oder dem Schlussakkord „Heaven And Hell“ kann man im Prinzip wenig falsch machen. Die normalerweise als Headliner fungierende Band fühlte sich auch in der Rolle des Anheizers sichtbar wohl, Ronnie James Dio ist ob seines doch schon fortgeschrittenen Alters nach wie vor ein Sangesgott wie er im Buche steht, lediglich beim Stage Acting mussten doch gewaltige Abstriche gemacht werden. Iommi & Buttler hatten einen Bewegungsradius von nicht ganz einer Briefmarke, wobei ersterer dies mit seinen nach wie vor unnachahmlichen und teilweise auch unsterblichen Riffs doch souverän kompensieren konnte. Warum jedoch bei der ohnehin schon knapp bemessenen Spielzeit dann ein Track wie „Neon Nights“ (normalerweise der Rausschmeißer!) dem obligatorischen Guitar Solo von Herrn Iommi weichen musste, wollte zumindest ich nicht so ganz verstehen. Sei’s drum HEAVEN & HELL meisterten die – zugegeben – nicht ganz einfach Aufgabe vor einem Multiact wie METALLICA den quasi semi Opener zu mimen souverän, irgendwie wurde ich dennoch während des Auftrittes das Gefühl nicht los, hier stehen Vier mittlerweile doch schon etwas gesetztere Herren auf der Bühne die sich noch schnell einmal ein paar saftige Dollar dazuverdienen wollen, wobei historisch wertvoll war diese Stunde an endgeilen Tracks dann doch! HEAVEN & HELL Trackliste: (soweit mitbekommen, also ohne Gewähr!) 1. Intro 2. The Mob Rules 3. Children of the Sea 4. Voodoo 5. Sign of the Southern Cross 6. Guitar Solo 7. Falling of the Edge of the World 8. Heaven & Hell Dann gab es mal einen gewaltigen Bühnenumbau, den die ungeduldig, nach ihren Heroen lechzende Meute aber locker und voller Erwartung über sich ergehen lies, bis dann – endlich – das mittlerweile seit vielen, vielen Jahren als Intro dienende Theme von „The Good, The Bad & The Ugly“ den Reigen einleitete. Im Vorfeld des Konzertes kursierten ja die diversesten Setlists von METALLICA im Netz umher, aber auch in Wien gab es wieder kleine, aber durchaus Sinn machende Verfeinerungen. Allein der Brachialeinstieg mit „Creeping Death“, „For Whom The Bell Tolls“, „Ride the Lightning“ und dem nach wie vor völlig unterbewertetem und daher auch selten gespielten „Disposable Heroes“ war irgendwie ohne Worte. Die Band voller Frische und Spielfreude, ein Lars Ulrich, der nicht nur ungemein fit wirkte, sondern dem man auf Grund seiner Agilität auch den Ein oder Anderen Patzer nicht wirklich übel nahm (an sich für METALLICA Freaks sowieso schon ein Umstand, der irgendwie „dazu gehört“), Kirk Hammett mit Dauergrinser unterwegs, pausenlos die riesige Bühne ausnutzend (wie auch Hetfield und Trujillo) und ein gewohnt souveräner, wenn gleich stimmlich leicht angeschlagener Mr. Hettfield himself. So richtig mitbekommen hat diese leichten Stimmanormalitäten des Fronters allerdings wohl keiner im Publikum (ich – ehrlich gesagt auch nicht), lediglich das des Öfteren passierende "Mikro in die Menge halten und den Sangespart quasi an das dankende Auditorium abgeben", sowie ein, zwei Ansagen von Hetfield in diese Richtung tendierend, gaben Aufschluss darüber. Nach diesem Anfangsfurioso gönnten sich die Vier aber mitnichten eine Auszeit, sondern pfefferten auch in Wien „…And Justice for All“ ins Publikum, ein Song, von dem Lars Ulrich einmal meinte, man werde ihn nie im Leben live spielen, einfach weil er zu kompliziert für eine Bühnenumsetzung sei – tja .. sag niemals nie Mr. Ulrich! Die konsequente Verweigerung der neuzeitlichen Releaes der Herren Multimillionäre fand lediglich einmal einen kurzen, aber durchaus gut umgesetzten Stop – nämlich als „The Memory Remains“ angestimmt wurde, reichlich Gänsehaut geschwängert, als das komplette Publikum großteils der Sangesparts übernehmen durfte und der ansonsten eher lasche, auf Airplay getrimmte Song doch so etwas wie Magie entfalten konnte. Auch gelang die von mir im Vorfeld doch eher zweifelhaft eingestufte Umsetzung des Instrumentaltracks „Orion“ erstaunlich gut, was jedoch gerade bei „Masters of Puppets“ absolut ärgerlich war (und sich dann – leider – wie ein roter Faden durch die restlichen Songs zog), Trujillo's Bass war nicht nur ein paar Umdrehungen zu laut, sondern deckte mit einem doch etwas enervierendem Wimmern nahezu alle anderen Instrumentarien so was von zu, dass es zeitweise wirklich richtig erbärmlich klang. Gerade das überraschenderweise als Erstes Encore aus dem Hut gezauberte „Wherever I May Roam“ wurde von einem Bassteppich niedergebügelt! Sonst bestand der erste Zugabenteil aus den gewohnten Standards, „Nothing Else Matters“ war einfach nur wunder, wunderschön und zu Beginn von „One“ wurden tonnenweise Pyros samt einigen Feuerwerkskörpern in die Luft gepfeffert, die die gesamte Bühne in herrlich bedrückenden Rauch hüllten, aus dem James Hetfield dann solo auftauchte um diesen wohl kaum an Genialität zu überbietenden Song einzuläuten. Nach „Enter Sandman“ war dann erneut Schicht im Schacht, die große Geschenke Verteilerei wurde gestartet – witzig, dass Basser Rob Trujillo großteils seiner Plektren bereits am Weg zum Publikum verlor, an statt sie in jenes zu schmeißen – dieses einige Minuten dauernde Szenario unterbrach dann aber James Hetfield in dem er mit Gitarre bewaffnet einfach zurück auf die Bühne kam und locker flockig ein paar Riffs anstimmte. Nach und nach gesellten sich seine Kollegen an ihre Pllätze und damit einhergehend an ihre Instrumente zurück und die gewohnte Coverversion läutete den zweiten und letzten Zugabenteil ein. Diesmal kam Wien in Genuss von „Stone Cold Crazy“ (im Original von QUEEN, erschienen auf dem 1974er Album „Sheer Heart Attack“) und als Schlusspunkt hinter einem durch und durch sauguten Auftritt servierte das Quartett das obligatorische, sowie frenetisch und energisch geforderte „Seek And Destroy“. Fazit: Besucher, die nicht in den Genuß eines „Wavebreaker“ Tickets gekommen sind, werden sicher das Ein oder andere Negativum finden, im Wellenbrecher allerdings war neben reichlich Platz auch optimale Sicht von vornherein garantiert. Die üblichen geschmalzenen Preise bei Verpflegung, Getränken (die halbe Bier kostet nach wie vor „okkasionäre“ vier Euro) und Merchandising (T-Shirts - auch die Support Acts mussten da bedingungslos mitziehen! - dreißig Euro) ist man bei Veranstaltungen dieser Größenordnung mittlerweile sowieso gewohnt, aber im Endeffekt war dies ein durchaus geiler Abend, H&H einmal live zu sehen ist sicher denkwürdig, und der Hauptact beeindruckte neben der üppigen Spielzeit mit bestens aufgelegten Musikern und einer Frische, die ich so dann doch nicht erwartet hätte, da sieht man über die kleinen Mankos (die Videomonitore brauchten ganze drei Songs bis sie richtig „gepeilt“ waren, der schon angesprochene Sound im letzten Drittel des METALLICA Gigs) gerne hinweg! METALLICA Setlist: 1. Creeping Death 2. For Whom The Bell Tolls 3. Ride The Lightning 4. Disposable Heroes 5. Welcome Home (Sanitarium) 6. ...And Justice For All 7. The Memory Remains 8. The Four Horsemen 9. Orion 10. Fade To Black 11. Master of Puppets 12. Whiplash - - - - 13. Wherever I May Roam 14. Nothing Else Matters 15. One 16. Enter Sandman - - - - 17. Stone Cold Crazy 18. Seek and Destroy


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