16.10.2007, Orpheum

ICED EARTH

Text: El Greco
Veröffentlicht am 19.10.2007

Nachdem die ICED EARTH-Tour 2004 aufgrund von Jon Schaffer's Gesundheitszustand abgesagt werden musste, wartete die treue Fanbasis der Band lange auf einen Live Gig mit dem "Ripper" am Mikrofon. Wenn dann noch ANNIHILATOR zum Tourpackage hinzugefügt werden kann doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Oder doch? TURISAS Als die sechs Wikinger die Bühne pünktlich um 19.30 Uhr betraten, könnte der eine oder andere Freund des traditionellen Metal etwas ins Grübeln gekommen zu sein. Statt thrashigem Power Metal gab es hier recht kitschigen Viking Metal mit leichtem Musikantenstadl-Potenzial (das Akkordeon wurde manchmal doch etwas überstrapaziert). Des "Warlords" klare Stimme funktioniert leider auch 2007 noch nicht wirklich: Alles in allem klingt sie viel zu dünn um den Songs Tiefe zu verleihen. Technische Meisterstücke seitens des Axtmannes darf man sich bei TURISAS ebenfalls nicht erwarten. Hier regieren die kreisenden Trinkbecher und nicht der geistige Tiefgang. Die Band ist weder unsympathisch, noch macht sie ihre Sache auf der Bühne schlecht. Meinen persönlichen Geschmack (v.a. im nüchternen Zustand) trifft die Musik der Finnen aber leider kaum. Fans des Genres werden TURISAS live aber durchaus genießen. Von den Fans in Graz gab es immerhin Höflichkeitsapplaus und vereinzelte, kreisende Matten als Anerkennung für die Leistung der Band! ANNIHILATOR Einigermaßen voll wurde es dann bei der kanadischen Melodic Thrash Formation rund um Gitarrengott Jeff Waters! Dieser legte mit "King of the Kill" auch gleich mal einen Klassiker sondergleichen vor, und bewies sein Können am Mikrophon. Der Gitarrengott zeigte sich während des gesamten Konzertes äußerst gut gelaunt und spielfreudig. Ständig von einer Seite der Bühne zur anderen Seite wuselnd, ohne aufzuhören die langen Haare durch die Gegend fliegen zu lassen, gab der inzwischen über 40jährige Jeff Waters dem Großteil der jüngeren Kollegen eine Lehrstunde in punkto "Stageacting". Auch wenn seine Mitmusiker mit ihren kurzen Haaren und dem wenig metallischen Aussehen zuerst beinahe deplatziert wirken, bereichern sie die Band dennoch. Dave Padden konnte vor allem in den melodischen Momenten punkten. Besonders bei "Set the World on Fire" und dem famosen "Never Neverland" konnte Padden mehr als nur überzeugen. Der einzige Kritikpunkt betrifft die Lautstärke bei Padden's Gesang: Zum Teil war sie (vor allem am Anfang) im Vergleich zur Instrumentalfraktion deutlich zu laut. Dennoch war dies ein sehr großer Auftritt ANNIHILATOR's der mit großem Jubel seitens der Fans und zufriedenen Gesichtern der Bandmembers endete. Es ist doch immer wieder wunderschön einige der vielen Klassiker und wundervollen Soli Jeff Waters' zu hören! Nun fehlt nur noch eine Headlinertour der kanadischen Helden! Setlist ANNIHILATOR (ohne Gewähr und warscheinlich in falscher Reihenfolge): King of The Kill Operation Annihilation Clown Parade Set The World On Fire W.T.Y.D. Never Neverland Phantasmagoria Alison Hell ICED EARTH Hochgespannt warteten die Fans im sehr gut gefüllten (wenn auch nicht ausverkauften) Orpheum auf die großen Helden des US Power Metals. Wenn eine Band der traditionellen Stahlschmiede sogar in Österreich eine Chart Position in den Top 40 feiern darf, spricht dies eine eindeutige Sprache. Doch würde der "Ripper" die Erwartungen der Fans erfüllen können? Nach einem starken Einstieg mit Hilfe einiger neuer Songs von "Framing Armageddon" zeigten sich die Fans zufrieden mit Tim Owen's Gesangsleistung. Doch kann er auch die alten Sachen singen? Und wie er das konnte! Weder "Burning Times", noch "The Hunter" oder das laut Owen’s "besonders schwierige" (siehe Interview) "Dracula" ließen den "Ripper" stolpern. Mühelos konnte er sich von tiefen Passagen zu langen, hohen Screams bewegen ohne stimmlich an Kraft und Ausdrucksstärke zu verlieren. ICED EARTH haben inzwischen wirklich die vielzitierte Qual der Wahl bei der Songauswahl. Das Bemühen möglichst viele Schaffensperioden der Band abzudecken war zweifellos vorhanden. Leider mussten die Fans aber dennoch auf Songs des "Burnt Offerings" Albums verzichten. Doch dies sollte die Freude der Fans nicht trüben. Trotz leichter technischer Probleme wurde das Publikum im Laufe des Sets immer enthusiastischer. Die gegen Ende des Konzerts immer häufiger auftretenden "Ripper, Ripper"-Sprechchöre ließen das eine oder andere Grinsen im Gesicht des Sängers erkennen. Auch Jon Schaffer schien glücklich und gut gelaunt zu sein. Aufgrund seines Gesundheitszustandes ist das Stageacting des Riffmeisters zwar etwas eingeschränkt, spielerisch kann man ihm aber absolut nichts vorwerfen. Auch seine Vocals beim obligatorischen "Stormrider" brachten eine gute Abwechslung rein in die Setlist. Leider war nach etwas über einer Stunde Schluss mit dem regulären Teil des Sets. Dies mag daran liegen, dass Schaffer (nach eigenen Aussagen) an jenem Tag etwas körperliche Probleme zu haben schien. Die tadellos agierenden Mitmusiker Schaffer’s wirkten aber nach dieser kurzen Spielzeit keineswegs ausgebrannt. Als dann als erste Zugabe "Melancholy" ertönte und Tim Owens dieses wunderschöne Lied mit seiner Stimme veredelte, war die Enttäuschung darüber aber bereits wieder vergessen. Nach "My Own Saviour" und der Bandhymne "Iced Earth" wurden die Amerikaner rund um Schaffer und Owens nochmals ordentlich abgefeiert. Nachdem diese sich artig verabschiedeten, blieb den Fans die Erkenntnis, dass die alten Helden von ANNIHILATOR und ICED EARTH auch nach über 15 Jahren im Metal Genre auch heute noch völlig zu Recht die Hallen füllen! Setlist ICED EARTH (mal wieder ohne Gewähr): Overture Something Wicked Pt.1 Invasion The motivation of Man Setian Massacre Burning Times Declaration Day Violate Vengeance is Mine A Charge to Keep Stormrider Dracula The Hunter Ten Thousand Strong Hold at all costs (Gettysburg Pt.2) -------------------------------------------------- Melancholy My Own Savior Iced Earth


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