28.12.2007, Salzburgarena

On dark Winter's Night

Text: manfred
Veröffentlicht am 07.01.2008

Die A-capella-Metalband Van Canto machte den Anfang und hatte 30 Minuten zur Verfügung ihr Material dem Publikum näher zu bringen. Bereits viele Metal Heads hatten sich in der Halle versammelt dem Sound der deutschen Formation zu lauschen. Nun recht eigenwillig ist es schon das was uns Sly (lead Voc), Inga (lead Voc), Stef (lower rakkatakka voc), Ross (higher rakkatakka voc), Ike (deep dandan voc) und Basti (drums) mitgebracht hatten. Dennoch man machte seine Sache sehr gut, wenn auch etwas ungewöhnlich. Ob man nun zum restlichen Line Up nun passte oder nicht sei hier dahin gestellt. Das Sly, Stef, Ross und Ike außergewöhnliche Musiker sind ist keine Frage, denn was uns diese drei Singvögelchen hier unterbreiteten sucht sicher seines gleichen. Außer den Drums wurden sämtliche andere Instrumente mit der Stimme ersetzt und das klang wirklich sehr gut und spricht für die Klasse die Van Canto haben. Es war schon recht eigenartig Songs wie „Battery" von Metallica oder Manowar's „Fighting the World" unplugged zu hören. Das was unterm Strich dabei raus kam war recht nett anzuhören. Recht lustig anzusehen war das Ross wie der Zwillingsbruder des Fernsehkochs Ralf Zacherl aussah. Das Publikum beklatschte recht artig jeden Song den uns diese Formation unterbreitete. Zwar war man für so ein Spektakel fehl am Platz was aber nicht heißen soll das man schlechte Arbeit abgeliefert hat eher im Gegenteil man unterbreitete das man es hier mit sehr guten Stimmakrobaten zu tun hatte. Nach 30 Minuten war aber dann auch schon die Zeit für diese Band gekommen sich zu verabschieden und den Platz für die nächste Band frei zu machen. Nun hatten die finnischen Power Metaller Tarot 30 Minuten Zeit zu zeigen das sie nicht nur ein Sideprojekt von Nightwish Basser Marco Hietala sind. Das ging leider zu Beginn deutlich in die Hose. Von Marco's Stimme war überhaupt nichts zu hören und Zachary Hietala (guit) kämpfte darum das man endlich seine Gitarre hören konnte. Also wir alle hoffen das der Herr hinterm Mischpult nach dem Auftritt ordentlich vermöbelt wurde, denn nicht nur bei dieser Band glänzte der Mann hinterm Mischpult mit Faulheit und Inkompetenz. Davon ließen sich aber Marco Hietala (bass & voc), Zachary Hietala (guit), Pecu Cinnari (drums), Tommi "Tuple" Salmela (keys & voc) nicht beirren und machten tapfer weiter. Mit dem neuesten Machwerk „Crows fly black" hatte man wieder einige Songs mehr mitgebracht die es galt dem Salzburger Publikum zu servieren. Man erntete zwar immer wieder Höfflichkeitsapplaus, aber zu mehr konnten sie die Leute vor der Bühne nicht animieren. Man ackerte sich brav durchs Set und steigerte zumindest das Spiel, denn man hatte ja nicht gerade einen Glanzstart hingelegt. Marco war an diesem Abend zumindest bei Tarot nicht gut bei Stimme und er hätte besser daran getan seinen Gesangsposten an Tommi abzutreten, denn dieser war eindeutig besser an diesem Abend. Mit den geilen Tracks des aktuellen Albums wie Traitor", „Bleeding Dust", der Hymne „Before The Skies Come Down", der Hitsingle „You" und einigen mehr hatte man gutes Power Metal Futter mitgebracht die dem Volk vor der Bühne serviert wurden. Nach gut einer halben Stunde war aber auch schon für Tarot die Zeit gekommen Good bye zu sagen und sich vom Acker zu machen da bereits Jesus on Extasy in den Startlöchern standen.

Jesus On Extasy hatten sich nun mit ihrem Electro Rock angesagt. Diese Formation war für mich wohl das uninteressanteste an diesem Abend. Denn außer zuviel Electro und weniger Rock konnten sich Dorian Deveraux (voc), Chai (bass), Alicia Vayne (guit), und Ophelia Dax (keys) nicht hin reißen lassen. Zu eintönig war dieses Material. Sicher spieltechnisch war man nicht schlecht, aber da gibt es weit bessere Bands aus diesem Genre die diese Band blass aussehen lassen. Mit Alicia hatte man zwar eine bekannte Dame im Boot (die gute zupfte die Seiten mal bei Peter Tägtgrens Pain) die es versteht in die Seite zu schlagen, half aber alles nichts denn viele Fans verließen die Halle mit den Worten: „Wenn ich mir eine Tokio Hotel Gruppe ansehen wollte dann würde ich mir die auch ansehen". Auch wir verließen nach ca. 3 Songs die Halle zu eintönig hörte sich das Material dieser Truppe an. Auf Amorphis hatte ich mich an diesem Abend am meisten gefreut und wurden dann bitter enttäuscht. Lediglich 6 Songs standen den sympathisch Finnen zur Verfügung um sich nach vielen Jahren mal wieder Live dem Salzburger Publikum zu präsentieren. Seit ihren Anfangstagen mit „The Karelian Isthmus" und „Tales from the Thousand Lakes" hatte ich diese Formation völlig aus den Augen verloren. Damals waren viele Fans enttäuscht dass man sich von einer Death Metal Band zu einer Progressive Metal entwickelt hatte. Dennoch die Jungs haben wieder zu alter härte zurück gefunden, so scheint es, denn auch live röhrte sich Tomi Joutsen (voc) amtlich durchs Programm das es unglaublich war. Tomi Koivusaari (guit), Esa Holopainen (guit), Jan „Snoopy" Rechberger (drums), Niclas Etelävuori (bass) und Santeri Kallio (keys) waren bei bester Spiellaune, auch wenn hier wieder der Mann hinterm Mischpult miese Arbeit geleistet hatte. Die Band scheint sich wohl zu fühlen und sich ihrer Stärken absolut bewusst zu sein und hat leichtes Spiel mit dem Publikum das den Finnen aus der Hand frisst. Der gesunde Querschnitt durch fast 18 Jahre Bandgeschichte ist gut gewählt auch wenn man nicht viel Zeit hatte. Tomi vereint Growls als auch die cleanen Parts in seiner charismatischen Stimme auf eine Art, dank der man ihm zu jedem Zeitpunkt abnehmen würde, dass er bereits seit 1990 in der Band ist. Immer weiter hätte es gehen können und das haben auch viele Fans so gesehen und wurden dann gehörig vor den Kopf gestoßen. Nach dem fünfte Song deutete der Roadie das man nur mehr eine Nummer spielen darf. Widerwillig feuerte man dann noch mit „A Black Winter Day" die letzte Granate ins Publikum. Zwar war ich Feuer und Flamme, dennoch half es nichts, denn die Jungs kamen nicht mehr auf die Bühne. Warum diese Band nicht den Co Headlinerplatz bekommen hat ist uns unbegreiflich diese Band ist seit 1990 im Musikbuisness und darf nicht mehr als 6 Songs spielen. Es ist und bleibt eine bodenlose Frechheit, der verantwortliche sollte sich in Grund und Boden schämen. Mehr Spielzeit für so einen Act hätte man getrost zugestehen können.

Warum Blind als Co Headliner fungieren durften ,ist mir sowieso schleierhaft. Ich denke das solche Musik, derzeit bei den Teenies relativ gut ankommt, aber mir hat die Musik die ein wenig an Billy Talent errinnert, nicht sonderlich zugesagt. Was auch vielleicht daran gelegen ist, dass der neue Longplayer erst erscheint und fast keiner die Songs kannte. Aber egal, nicht mein Ding.

Mein erster Kontakt mit Nightwish fand im Oktober 2000 im Schlachthof Wels statt. Absoluter Blickfang war damals Sängerin Tarja Turunen, die mit ihrer unglaublichen, zauberhaften Stimme und ihrer atemberaubenden Ausstrahlung alle begeisterte. Damals habe ich ein Konzertreview für das X Act Magazin geschrieben und was ich seinerzeit verfasst habe, möchte ich euch jetzt nicht vorenthalten: „Nightwish sind in dieser Verfassung wie sie sich heute präsentierten eine Macht und werden ihren Weg gehen, denn Lob gebührt denen, die den Mut für etwas Außergewöhnliches aufbringen und Nightwish haben das mit ihrer Melange aus Metal, Oper und Klassik eindrucksvoll bewiesen. Die Finnen haben einen Weg in eine neue Dimension gefunden und werden noch vielen anderen Bands so eine Art Vorreiter sein. Eine Show ohne schwächen, die ohne Übertreibung zu den Besten zählt, die ich besucht habe“ (X Act 2001). Nun im Jahre 2007 hat sich doch einiges verändert, Tarja Turunen ist leider Geschichte. Mit Anette Olzon wurde der Posten am Mikro neu besetzt und meine Prophezeiung wurde wahr, denn die sympathischen Jungs rund um Bandleader Tuomas Holopainen sind aus der Metalszene nicht mehr wegzudenken und gehören zu den absoluten Superstars im Metalbereich. So, genug den alten Zeiten nachgetrauert, denn nach dem beeindruckenden Rundumschlag, in Form des Albums „Dark Passion Play“, waren alle der circa 4500 Zuschauer in der Salzburg Arena auf die Live-Präsentation der Finnen gespannt. Wie ich von anderen Konzerten weiß, ist das Salzburger Publikum am Anfang immer ein wenig zurückhaltend, dennoch hätte ich mir nach dem Opener „Bye Bye Beautiful“ ein wenig mehr Stimmung erwartet. Aber egal, davon ließen sich Nightwish nicht beeindrucken und legten gleich den, mit Pyros und Feuerfontänen effektvoll in Szene gesetzten, Kracher „Cadence of the last Breath“ vom neuen Album nach. Beide Songs wurden von Frontfräulen Anette Olzon perfekt gesungen. Der Sound war arschgeil, Klampfer Emppu Vuorinen und Basser Marco Hietala sind ein kongeniales Dreamteam, das perfekt aufeinander abgestimmt ist. Die zwei würden die Halle sogar zum Kochen bringen wenn es eine Werbeveranstaltung für 90ig jährige Pensionisten wäre. Weiter ging’s mit „Dark Chest of Wonders“. Der erste Song der noch aus der Ära von Tarja stammt. Hier war es einfach so, dass der Song auf seine Art und Weise anders, vielleicht etwas gewöhnugsbedürftig, war, aber sicher nicht schlechter. Anette gewann sichtlich an Souveränität und steigerte sich im Laufe des Gigs immer mehr. Es ist schwierig einzelne Songs hervorzuheben aber „Sacrament of Wilderness“, „Sahara“, Nemo“ Amarath“ und der Song des Jahres 2007 “The Poet and the Pendulum“, bei dem des Öfteren Gänsehaut angesagt war, unterstrichen die perfekte Leistung die heute erbracht wurde. Nach den obligatorischen Zugaben in Form von „7 Days of the Wolfes“, „Wishmaster" und „I wish I had an Angel“ verabschiedete das jetzt endlich aufgetaute Publikum die Finnen mit frenetischen jubel. Fazit: Wie wir in der jüngsten Vergangenheit bei Bands die den Sänger verloren (zB: Iced Earth, Judas Priest, Iron Maiden) gesehen haben ,wird es auch heute wieder Nörgler geben, die auf Nightwish ohne Tarja keinen Wert legen. Aber eines sollte gesagt sein: Es mag schon sein, dass Anette Olzon derzeit noch nicht die Ausstrahlung, Sicherheit und Souveränität einer Frau Turunen hat, aber man muss ihr und der Band zu Gute halten, das sie heute eindrucksvoll bewiesen haben ,wie man mit einem sympathischen Auftreten das Publikum faszinieren kann . Die neuen Songs sind live schon jetzt erstklassig, die älteren wo der Vergleich mit der ehemaligen Frontdiva da ist, sind gewöhnungsbedürftig - anders - aber werden ihren Glanz nach öfteren Hören mit Sicherheit zeigen. Ich werde mir die Band auf der kommenden Tour noch einige male anschauen müssen, und dann werden wir ja sehen was danach kommt. Tolles Konzert.

So das war mein Review vom Konzert, aber daduch wir mehrere Leute bei dieser Show waren, möchte ich euch die Meinung von meinen Brother of Metal ,einen absolutern Verehrer von Tarja nicht vorenthalten. Außerdem bedanke ich mich bei Robert vom Metal Underground der mich bei diesem Artikel auch unterstützt hat. Naja, mein lieber Bruder, irgendwie siehst du das doch zuviel durch die rosarote Brille. Also erstens ist Tarja noch lange nicht vergessen. Anette wird nie die Ausstrahlung und diese Stimme haben. Und zweitens, dass die Halle kochte, da glaub ich waren wir auf 2 verschiedenen Konzerten. Außer du meinst, dass die Halle von den vielen Pyros und Feuersäulen warm wurde. Ich sehe das ganze etwas differenzierter, war ich 2000 doch ebenfalls mit Dir in Wels und das war Weltklasse. Auch später waren Nightwish live immer genial. Aber am Freitag bin ich mir bei vielen Songs, insbesondere bei den alten, vorgekommen, als wenn eine Coverband vor mir auf der Bühne stünde, die sich so recht und schlecht durch die genialen Tracks wie Nemo, Sacrament of Wilderness, Wishmaster, usw. quält. Teilweise hat Anette Olzon die neuen Songs auch tiefer gesungen als auf Cd (welche ich übrigens extrem gut finde), was den sehr guten Tracks auch einiges an Dynamik nahm, und bei mir kein Feuer entzündete. Natürlich ist Anette Olzon noch nicht so lange bei Nightwish, aber nach einer mehrwöchigen Tour, die sie vorher schon in Amerika hatten, muss sie einfach besser singen. Ich muss sagen, dass alles ganz nett zum Anschauen war, nicht mehr und nicht weniger. Von einem genialen Konzert war die Chose aber so weit entfernt wie Österreich vom EM-Sieg! Dem ungeachtet werden Nightwish so sehr viel neues Publikum erreichen, da einfach alles auf Mainstream und Massenkompatibilität zugeschitten ist. Am besten für Nightwish wäre es, so schnell wie möglich ein neues Album herauszubringen und dann einfach keine alten Tracks mehr zuspielen. Denn ich kann mir mit besten Willen nicht vorstellen wie sie „Planet Hell“, „Sleeping Sun“ oder „Walking in the Air“ usw. singen würde. Aber mal schauen was die Zeit bringt.. Resümee: Ein paar richtige metal Bands mehr hätten nicht geschadet. Die Preise für Merchandising waren natürlich wieder kräftig überteuert, und das Bier aus einer Plastikflasche und einem Preis von über 3 € (0,3 L) ist natürlich a Wahnsinn. Aber ich sage es immer wieder ,die Leute werden sich denken, die Metaller sind sowieso alle blöd, können eh alle nur saufen und zahlen sowieso jeden Preis. Ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich - leider.


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