19.02.2008, Spinnerei

DISMEMBER

Text: PMH
Veröffentlicht am 22.02.2008

Dienstag … hmmm. Kein wirklich passender Abend um Livemusic(k) zu geniessen. Die meisten Normalsterblichen müssen ohne allzuviel Schlaf in den Backen (nein, nicht diese!) den nächsten Arbeitstag angehen wie eine Professionelle ihren Beruf. Augen zu und durch – so die Devise… Erfrischt (nein, kein Ottakringer …) und mit „frisch“ eingesprühten Achselhöhlen (zum Duschen war – dank meiner Arbeitszeit - keine Zeit mehr. Mein Dank geht deshalb an Nivea for Men!) gings ab in die Spinnerei Traun . Ein Blick auf die Uhr (der Zeiger steht auf kurz nach halb8) liess noch auf eine kurze Verschnaufpause (sprich: Bier holen und die Fliesen giessen) hoffen, doch, wiedereinmal war die Beginnzeit eine andere als offiziell angegeben … So kamen wir erst mit viertelstündiger Verspätung zum Genuss der Show von

LAY DOWN ROTTEN

die sich vor sehr wenigen Leuten bereits seit halb8 abmühten und meine Wenigkeit aber von der ersten Sekunde (der 2. Halbzeit) an überzeugen konnten. Mit viel Elan, einem prima ausbalanciertem und dennoch druckvollem wie brutalen Sound im Rücken stolzierte die deutsche Mannschaft über die Kriegslandschaft, welche eine gewisse Ähnlichkeit zu BoltThrower nicht verleugnen konnte. Mit wesentlich mehr Tempo in den Fingern riffte man vorallem zu den Songs der letzten Alben „Reconquering the Pit“ bzw. „Breeding Insanity“ ab, die sich durch spielerische Raffinesse, Straightness UND Speed auszeichnen konnten. Dass dabei immer wieder die Matten (und Bäuche) der Musiker kreisten war ein angenehmer Nebeneffekt und würzte den musikalisch durchaus wertvollen Beitrag auch optisch eine Spur nach. Zum Abschluss der runden halben Stunde wurde mit „All of this Pain“ der nach und nach eintrudelnde Meute die Ohren nachhaltig verkloppt. Da gabs nix zu meckern. Bleibt zum Schluss nur eine Frage offen: warum durften LDR nicht nach Fall of Serenity ran ? Dürfte mal wieder eine Verkaufszahlengeschichte sein, meines Wissens nach haben LDR aber schon mehr Alben & Jahre als FOS auf dem Buckel und hätten sich (nicht nur meiner Meinung nach) einen späteren Auftrittszeitpunkt sehr wohl verdient !

Eine etwas andere Baustelle betraten nach einer kurzen Umbauphase die ebenfalls aus unserem Nachbarland stammenden

FALL OF SERENITY

Etwas weniger Death, etwas mehr Metalcore und eine Prise Thrash – leichte Parallelen zu den Landsmännern von Neaera waren durchaus vorhanden, diese Klasse wird aber derzeit (on Stage & auf Tonträger) noch nicht erreicht.. Der Sound war jedenfalls um einiges bassloser im Gesamtbild , dazu zwängten sich die Gitarren etwas zu sehr in den Hintergrund um wirklich Druck zu machen, dafür gabs aber immer wieder blastige Passagen die das ansonsten statische, rhythmusorientierte Material auflockerten und die etwas zu gesteltzen Ansagen von Fronter John Gahlert (wenigstens das Darkthrone-Shirt hatte Charisma!) wieder vergessen machten. Diverse Hinweise auf das tonnenweise mitgeschleppte Merchandising und das Verweisen auf die anderen drei Acts war - spätestens - nach dem zweiten Mal etwas nervig. Neben den Videocliptrack „Knive to meet you“ (flotter MelodicDeathcore mit eindringlichen Passagen) gabs auch noch den Titeltrack des neuen Rundlings plus einen Uralttrack vom Kassettendemo (fragt mich nicht nach dem Titel) und eine Prise von „Bloodred Salvation“ aufs Auge/Ohr. Nette Band, netter Auftritt – das wars aber auch schon. Wer sich derweil an der Bar herumtrieb oder den Tischfussballautomat (der im Übrigen ohne Kohle sein Werk verrichtete!) belästigte musste nicht unbedingt mit dem Gefühl „was wichtiges“ versäumt zu haben den Heimweg antreten…

Gespannt waren dann wohl nicht wenige der inzwischen auf 200 Freiwillige angewachsenen Besucherschar auf die neuformierten Dänen von

HATESPHERE

die sich - nicht nur – mit einen neuen , ziemlich jungen Bengel im „Barcode“-Dress am Mikro den Fans auf ihrer x-ten Rundreise in den letzten Jahren (wer Hatesphere bis dato noch nicht live gesehen hat wohnt vermutlich am Mars) präsentierten. Der Sound war jetzt wieder fetter, basslastiger und – auch betont grooviger seitens der Band. Nichts gegen den neuen Fronter – er machte seine Sache sicherlich gut und rundete das Material mit einer etwas tieferen Stimme durchaus gelungen in Richtung Todesmetall auf - in Punkto Charisma, Stimmflexibilität und Bühnenpräsenz ist er dem werten Ganzkörpertatoowerk Jacob Brehdal noch deutlich unterlegen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden … Die Songauswahl war – wie erwartet – vorhersehbar. Kaum Sachen der ersten 2 Alben, dafür gabs doch einiges vom bisher besten Werk namens The Sickness Within . Nicht der ( erwartete) Hammer ist nachwievor der aktuelle „Serpent Smiles..“-Longplayer, bei der „Venomous Attack“ riss gegen Ende auch noch eine BassSaite, welchen einen kurzen Boxenstopp nötig machte; dann aber nahtlos in „Let them Hate“ überging, welches wieder ordentlich in die Halle klatschte! Feiste Groovemonster (bestes Beispiel: "Only the Strongest“ – welches mich immer an ein verschollenes Entombed-Stück denken lässt; trotzdem schweinegeil für die Nackenmuskulatur !) mit einem spielerisch fitten Ensemble wurden neben faserierten Speedkeulen ala „The Sickness Within“ / „The Coming of Chaos“ für die steilgehende Menge bereitgehalten; Langeweile war in der Dreiviertelstunde ein Fremdwort! Gut so ! Als dann die Saallichter nach dem betagten „Low Life Vendetta“ angingen war wohl keiner der Anwesenden enttäuscht. Daumen hoch – ich habe mir echt Schlimmeres im Vorfeld erwartet …

Da dann doch einige Minuten Wartezeit angsagt war, wurde nochball König Fussball angepackt - dann jedoch gaben die Veteranen des Stockholm-Death ihre Visitenkarte in oberösterreichischen Traun mehr als eindrucksvoll ab

DISMEMBER

starteten furios, ohne Introgeplänkel oder sonstige Mätzchen in ihren leider zu kurzen ( dafür gabs aber diverse Krankheitsbegleiterscheinungen vom Vortag als gar nicht notwendige & von der Band auch nicht kommentierte Ausreden), aber äusserst brachialen Gig. Das minimalistische Drumset von Studiobesitzer Fred Estby war nicht der einzige Hingucker – nebst Postern von Priest, Maiden & Motörhead belustigte auch eine Stofffigur mit umgedrehten-aufgemalten Kreuz auf den Boxen enorm. Mit einem Augenzwinkern im Gepäck gabs dann eine volle Stunde feinsten Schwedenlärm für das durchgemischte Volk. Da gaben sich alte Recken im Benediction-Kleid ebenso wie hüpfende Karatekämpfer dem gepflegten Mattenschütteln hin, da gabs immer wieder humorvolle Ansagen von Matti der sichtlich erstaunt auf so manchen Zwischenruf reagierte – bestes Beispiel : ey, you wanna hear something from „Clandestine“ ? Oh my God, false Band Dude – we´re not Entombed, my Friend ! D´ you hear the Name Dismember the first Time ?“ Hahahahaha. Ihr wollt Songtitel ? Könnt ihr haben – nachdem das neue, selbstbetitelte Werk ja noch nicht am Wühltisch feilgeboten wurde gabs zuerst einen tiefen Griff in die Mottenkiste … „Bleed for Me“/ „Of Fire“ / „Collection by Blood“ / „Skinfather“/ „Dreaming in Red“ - daneben gabs auch eine Song für die werte Damenwelt namens „Skin her Alive“; all das in einem herrlich knarzenden, höllisch lauten Soundwerk - SO sollten Dismember auch auf ihren Studioalben klingen, da gabs kein Erbarmen! Auch das Posing war vom feinsten, der Aktionsradius der Herren Musiker war doch um einiges grösser als der sprichwörtliche Bierdeckel und die Stimmung nach den kurz-krachigen Uraltkamellen immer noch hoch! Als dann auch noch 2 sehr starke neue Nummern („Dark Dephts“ & das gegen Ende hin sehr maidenlastige „ Under a Bloodred Sky“ – ein Genuss!) in die Setlist integriert worden war der positive Eindruck vollendet. Mit Würden alt werden und dabei Arsch treten – was will man mehr ? Klar, eine Zugabe … und die kam auch ! Als da das Intro von „Override of the Overture“ vom Band lief, gabs für mich kein Halten mehr – rein in die Menge und ab gings ! Was für ein Killersong, was für eine Abschluss !!!

Abschliessende Randnotizen: der Preis von 19€ bzw. 23€ (VVK/AK) war für das Package absolut in Ordnung; das Merchandise (bis auf das kaum vorhandene des Headliners !! Mensch, wollt ihr keine Kohle auf Tour machen oder warum hingen da nur 2 lausige, steinalte Shirts in den absolut geilsten Grössen wie „Small“ oder maximal „M“ rum? ) üppig und preislich sehr fanfreundlich angesiedelt – Und: danke für den goilen Sound. Ist auch nicht immer selbstverständlich – darauf trinken wir. Prost. Ach ja : Dismember ole ! Nochmal Prost ! Kein Oldschool-Todesbleifanatiker sollte ohne „Like an everflowing Stream“ im Ohr abdanken müssen …


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