15.03.2008, ARGE Kultur

SPRING METAL FESTIVAL 2008

Text: PMH
Veröffentlicht am 17.03.2008

Die Jungs von Metallic-Arts, hatten für die fünfte Ausgabe des alljährlichen SpringMetal-Festivals mal wieder ein feines Paket geschnürt – 9 Bands (vielleicht doch etwas zuviel des Guten?) aus den verschiedensten Winkeln des metallischen Paralleluniversums zerlegten die Arge in Schutt & Asche; der Besucherandrang war überwältigend (Ausverkauftes Haus / rund 700 Besucher) und die Parkplatzsuche für auswärtige Besucher ein Problem … So verpassten wir auch gleich den Auftritt von ULTRAWURSCHT, die sich schon um viertel nach 5 die Ehre gaben. Shit happens – doch die Wurschtmaschinerie wird man in unseren Breitengraden sicher nicht zum letzten Mal auf den Brettern gesehen haben ! Also fiel - nach dem obligatorischen Aufwärmbierchen – mein Startschuss ins Frühlingsfestival bei BURNING SKIES: Die kurzbehaarte Truppe von der Insel machte von der ersten Sekunde an mächtig Druck, hatte aber den Nachteil dass der Sound etwas zu dumpf aus den Boxen quoll… Jede Menge Breaks, Blasts und zerfahrene Passagen prägten den halbstündigen Auftritt der DeathMetalcoreband. Zumindest gabs gegen Mitte des Sets zwei etwas straightere (neuere?) Songs zu hören die sehr wohl aufzeigten und bei mir auf mehr Gegenliebe stossen als das Auf und Ab im Programm. Burning Skies sind ein typisches Produkt unserer Zeit – Instrumental fit, aber die Songs wie so oft ein Aneinanderklatschen von Riffs, Breakdowns und Gebrülle (die zweite Stimme des Bassers ging leider oft unter). Eben nur was für Fans …

Den dritten Startplatz hatten die Norweger HELHEIM inne – dessen zeitweise progressiv angehauchter Viking Blackmetal (optisch stilecht in Kettenhemden dargebracht) hatte dieses gewisse Etwas was vielen anderen Bands der heutigen Zeit fehlt – Charisma ! Der anfangs etwas diffuse Sound wirkte bei den ersten 2 Nummern leicht chaotisch (der knarzende Bass war im übrigen einer kaputten Monitorbox zuzuschreiben, trotzdem klangs interessant!) und trieb so manche Teenies in die Flucht. Auch egal. Ein neuer Track inmitten des Sets sorgte für Kurzweil: atmosphärisch, midtempolastig und nahezu hymnisch angelegt - sehr fein! War früher noch ultraschnelles Gepolter angesagt so wendet sich mit den Jahren das Blatt - dafür gabs aber für die Altfans noch eine Uraltnummer von „Jormundgand“ zu bestaunen: „Nattravnes Tokt“ polterte klirrend, rasend &keifend durchs Programm und steuerte so den gelungenen Schlusspunkt unter einen viel zu kurzen Set bei. Daumen hoch ! Brechend voll wars dann um halb8 bei den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS: deren Gute-Laune-Popgrind war anscheinend genau das richtige Fressen für die zahlreichen Alkoholsurfer – 2 Sangeskünstler gaben die zahlreichen Hits zum besten, darunter solche Perlen wie „Ein bisschen Grind muss sein“, die EAV-TributeNummer „Fata Morgana“ (welches ziemlich naturbelassen rüberkam – sprich: ohne deftige Grindpassagen !), die David Hasseldoof-Verarsche „Looking for Grindcore“ (herrlich schräge Gesangsperformance haha), den Technotrack „Nein, kein Grindcore" undsoweiterundsofort. Als dann auch noch das Publikum beim „Staatsgrind Nr. 1“ miteinbezogen wurde war die Stimmung sowieso am Höhepunkt und nach der „astralen Kuhglocke“ auch geschafft. 35 Minuten Happygrind – am besten mit jeder Menge Alkohol angereichert zu geniessen ! Rülps. Den Kontrastpunkt setzten im Anschluss die Blackmetaller DARK FORTRESS – nach einem spannungsgeladenen Intro marschierte die Sechs Mann starke Horde durch ein Programm (welches abgesehen von den zu leisen Gitarren bei den ersten beiden Brechern keine Schwachpunkte innehatte!) voller Inbrunst, Leidenschaft und Hass … „Self Mutilation“ vom 2004er Fabelwerk „Stab Wounds“ brachte das Eis binnen weniger Minuten zum Schmelzen und offerierte eine kalte, misantrophische Welt in dessen gefühlvoll ausstaffierten Programm (Lichtshow und Stageacting vom Feinsten) kein Platz für Verschnaufpausen war – „Cohorr“ & „Baphomet“ vom aktuellen Langeisen „Eidolon“ wurden live genauso intensiv wie auf Tonträger zelebriert und fanden zahlreiche dankbare Abnehmer. Zumeist im rasenden Tempo unterwegs, sorgten die etwas unterrepräsenten Keyboardtupfer für etwas Farbe im Spiel; mit den Riffmassaker „Poltergeist“ und dem etwas schwerfälligeren „Like A Somnambulist In Daylight's Fire“ gings nach einer knappen Dreiviertelstunde leider ohne Zugabe ins Freie. Mehr davon !

Warum die deutschen WAR FROM A HARLOTS MOUTH soweit oben im Billing (und das mit nur EINER komplettenCD im Rücken!) auftauchten wissen wohl nur die Geier – Fakt ist dass der zwar exzellent gespielte Death/Core/Grind/Jazz-Stilmischmasch sicherlich sehr livetauglich rüberkam, aber eines sehr wohl klarmachte – richtige Songstrukturen oder gar Seele & überzeugende Leidenschaft konnte man nicht feststellen. Klar, der brutale Sound hat für die Unter-20-Fraktion sicher seine Reize, mir sind diese chaotisch-disharmonischen Tonfolgen mitsamt dem Kreisch-Growl-Wechselgesang und den tausenden Breaks jedoch eine Nummer zu anstrengend. Und fragt bitte nicht nach Songtitel … Wie immer: reine Geschmackssache – für eine junge, aufstrebende Band aber sicherlich kein schlechter Auftritt, zumal das Energielevel sich meist im roten Bereich plazierte … Ein Publikumsmagnet war sicherlich der Auftritt von ENDSTILLE, welche schon optisch eines klarmachte: hier werden keine Kompromisse gemacht! Das MG im pentagramverzierten Backdrop und die dazugehörige Evil-Posing-Show sorgte zwar anfangs für eine aufgeheizte Stimmung, die kaum varieerenden Songs (bei nur einer präsenten Gitarre) waren aber spätestens nach 15 Minuten ein Langweiler sondergleichen. Immer nur im Highspeed und ohne nennenswerte Abwechslung im Sound bolzte man sich durch fast 50 Minuten Schwarzmetall, die Ansagen ala „Salzburg, habt ihr Spass?“ darf man sich als trve-Blackies in Zukunft aber verkneifen … für das einzigen Highlight zwischen Tracks wie „Frühlingserwachen“ (passend zum Festivalnamen) oder „Endstilles Reich“ sorgte lediglich das permanente Gespucke vom Bassisten. Ansonsten dominierte ein ermüdendes, breakarmes Geprügel welches auch beim Publikum nicht so wie erhofft ankam. Da ging bei Dark Fortress stimmungs-und bangtechnisch doch einiges mehr …

Wuchtigen Hardcore mit dezenter Metalschlagseite präsentierten dann die Holländer BORN FROM PAIN. Die zumeist sehr midtempoverliebten Kompositionen wurden konsequent brachial-stumpf in die Menge geschleudert, immerhin lieferten zahlreiche Soloparts die nötige Abwechslung im Kontext. „Rise & Die“ war ein Groovemonster erster Klasse, die spartanischen Uptempoausfüge einladend, die bemühten Reden des Fronters Kevin obgleich des zumeist unverständlichen Genuschels Zeitverschwendung und das Gehüpfe der Mannschaft sicherlich nicht jedermanns Geschmack - zum Drüberstreuen wurden noch „Behind Enemy Lines“ (mit Gastauftritt an den Vokals!) und das leicht Slayer-eske „Crusader“ feilgeboten. Als die Saallichter nach dem Schlussbatzen „Fear this World“ angingen war jedenfalls wieder klar: Not my Cup of Tea, aber trotzdem ein solider Gig. Mir wars jedoch zuviel Core & zuwenig Metal ;) Lange nach Mitternacht war die Zeit dann endlich reif für den Headliner ABORTED - im letzen Jahr auf zahlreichen Touren/Festivals präsent konnte man Qualität quasi vorraussetzen: Der kurz vor der Show noch einsetzende letzte Soundcheck machte zwar wenig Stimmung; trotzdem konnte man die Erwartungshaltung der immer noch zahlreich vorhandenen Meute (nur die wenigsten hatten bisjetzt die Heimreise angetreten) förmlich spüren – nach einem kurz gehaltenen Intro gaben die Belgier auch sofort Gas ohne Ende: der mittlerweile rasiermesserscharfe Sound der Deathgrind-Profis manifestierte sich in Songperlen ala „Gestated Rabidity“, „Avenious“ oder „Dead Wreckoning“. Die Bühnenperformance von Svencho war aggressiv wie Sau, souverän und trotz der wechselnden Stimmlage immer ein Genuss. Egal ob tiefe Deathgrunts oder hysterisches Gekeife – alles passte nahezu perfekt zu den technisch sehr anspruchsvollen Geprügel. Eine Prise Carcass, viel technischer Death, zweistimmiges Chaos und ein Schuss Core waren genau die richtigen Zutaten für diese Uhrzeit – als dann noch ein niegelnagelneuer Song (ziemlich straight, aber genauso fix und brutal wie der Rest) das Arge-Publikum ausknockte war die Zeit für etwas älteres Material gekommen: „The Saw and the Carnage done“ war ebenso wie „Sanguine Verses ..“ Ohrenfutter vom Feinsten! Und als nach dem Blastgewitter „Hecatomb“ um mittlerweile halb 2 Uhr morgens das Schlächterensemble die Bühne verliess waren wohl nicht nur meine Energievorräte dem Ende nahe. Zaghafte Zugaberufe verblieben dennoch nicht ungehört – einen Song gabs noch für den Heimweg, danach war die einstündige Spielzeit aber aufgebraucht und das 5. Springmetalfestival endgültig vorbei …

P.S.: Dass die diversen Bars (Bier, Nusschnaps usw.) inkl. dem Futterstand und dem grosszügig angelegten Merchbereich (in doppelter Ausführung) reichlich frequentiert wurden und der Eintrittspreis gewohnt niedrig ausfiel muss nicht weiter erwähnt werden. Ebensowenig wie der obskure Ausflug mit 2 Bandmembern von den ehrenwertenGrindfuckers nach dem Gig …


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