25.07.2008 - 26.07.2008, Festung Kniepass

RUBBERFRESHTIVAL

Text: chris
Veröffentlicht am 29.07.2008

Nach einjähriger Abstinenz durfte ich mich dieses Jahr wieder auf das mittlerweile schon mehr als legendäre

RUBBERFRESHTIVAL

in Unken (Sbg) begeben. Für alle, denen das nichts sagen sollte, noch schnell eine Kurz-History: das Freshtival ging dieses Jahr in die achte Runde und wurde von der Band RUBBERFRESH somit 2001 zum ersten Mal in Kooperation mit dem Kulturverein Binoggl veranstaltet. Die ersten beiden Male noch in Lofer, dann einmal in Weissbach veranstaltet, gibt’s das Freshtival nun schon zum fünften Male auf der Festung Kniepass bei Unken, mit der die Jungs rund um Sänger Maschtn wirklich die perfekte Festivallocation gefunden haben. Mitten im Wald auf einer nicht mal so kleinen Erhebung steht da die Festung Kniepass, die durch das abschüssige Gelände für jede(n) gute Sichtverhältnisse auf die Bühne garantiert. Für mehr Infos zu den bisherigen Freshtivals und dazupassenden Fotos verweise ich mal ganz frech auf diese Seite. Soviel zur Vergangenheit, wenden wir uns doch einfach wieder der Gegenwart zu. Am 25. und 26. Juli fanden sich also Rock-Fans aller Art, und wohl gemerkt nicht nur aus dem wunderschönen Pinzgau, auf einem kleinen Parkplatz zwischen Unken und Lofer ein. Auch ein kleines Rasthäuschen kann man dort bestaunen, aber sonst? Ja, es verwundert schon etwas, dass hier im Nirgendwo so viele Autos stehen, als ob man sich neben einer gut befahrenen Autobahn befinden würde. Und schon ab knapp 19:30 Uhr weiß man auch, warum. Ein ziemlicher Lärm bricht über die Idylle zwischen Wald und Bach (und dazwischen Straße) herein und man wendet gekonnt den Kopf in südwestliche Richtung, wobei man die hintere Wand der Bühne vom Freshtival erblicken kann. Diejenigen, die sich entschlossen haben, diese zwei Tage stilgerecht im Zelt zu verbringen, werden von hier aus einen kurzen Fußmarsch auf sich nehmen, um auf dem halben Weg zum Festivalgelände ihre Behausungen auf zu schlagen. Und auch dieses Jahr war man am Zeltplatz keineswegs alleine. Wie immer stellt sich dann die Frage, wo ist jetzt eigentlich die größere Party am laufen?



Day One – Freitag, 25. Juli

Meine Wenigkeit kam in Begleitung des LEAK-Gitarristen Dani kurz vor 19 Uhr beim Parkplatz an. Gut gefüllter Parkplatz, einige Leute, die noch beim Auto sitzen und sich aufwärmen, sowie erste Soundchecktöne von der Bühne gut 100 Meter oberhalb unserer Köpfe ergeben ein nettes Empfangskomitee. Die erste Band

GREAN

verpassten wir allerdings aus unerfindlichen Gründen und von

FEINMOTORIK

, die als zweite Band auf die Bühne gingen, hörten wir nur noch die letzten Töne. Immerhin hatten wir durch unseren späten Aufstieg zum Gipfel des Pinzgauer Rockolymps genügend Zeit, uns für

LOXODROME

gut zu positionieren. Allerdings fiel dies am Freitag auch noch einigermaßen leicht, da das Freshtival zwar nicht verlassen, aber eben auch nicht überfüllt war. Und die Jungs aus Oberösterreich konnten mit ihrem zweiten Auftritt nach 2006 auch gleich voll überzeugen. Mit neuem Gitarristen am Start (wie man später im Interview erfuhr) konnten sie die anwesenden Menschen durch ihren druckvollen Sound durchaus begeistern. Der Beginn war noch klar von eher melodiösem Rock geprägt, der Sound wurde aber zusehends härter und vor allem Drummer Chris druckte dem Set mit seinem sehr tightem und harten Spiel seinen Stempel auf. Der harte und trockne Groove von PANTERA traf hier auf teils sehr melodische und eingängige Refrains von Bands à la SYSTEM OF A DOWN. Aber letztlich haben LOXODROME doch einen sehr eigenständigen Sound gefunden, der sich speziell bei neueren Nummern wie „The Fire“ – auch die Abschlussnummer, die auf jeden Fall noch mal für offene Münder gesorgt hat – manifestiert. Von dieser Seite mal viel Respekt und Glück für die Zukunft für diese 4 Jungs.

Da sich nach diesem Auftritt auch gleich die Möglichkeit zum Interview mit der versammelten LOXODROME-Mannschaft ergab, kann leider auch zur vorletzten Band, den

SURFAHOLICS

, an dieser Stelle nicht viel erzählt werden. Sie hatten leider das Pech, den üblichen Regenschauer dieses Rubberfreshtivals abzubekommen, allerdings dauerte dieser zum Glück nur knapp eine halbe Stunde. Aber ein Freshtival ohne Regen, gibt’s so was überhaupt? Gehört mittlerweile auch irgendwie dazu. Während dieser Zeit haben sich dann doch auch viele Leutchen bei der Bar gleich nach dem Eingangsbereich eingefunden, die – mit schönem Zelt überdacht – in so einer Situation natürlich bald sehr gemütlich wird. An dieser Stelle sollte man auch mal kurz die gekonnte Verpflegung durch Getränke verschiedenster Art sowie Schnitzelsemmel und Co. erwähnen – wie immer sehr gelungen. Und die Barcrew beim Rubberfreshtival ist sowieso immer sehr kompetent und freundlich. Als Headliner am ersten Tag durften die sonnigen Ska-Punker von

FANDANGLE

das Haus rocken. Die Briten brachten dabei genug positiven Vibe mit, der irgendwie beim Freshtival verpflichtend zu sein scheint. Da scheint dem Publikum sogar nach Mitternacht die Sonne aus dem Arsch, gut so! Da aber späte Stunde und nette Bar zu speziellen Zuständen führen kann, neigte sich dieser erste Tag für uns noch während FANDALGE zu Ende und wir traten müde, aber glücklich den Rückweg zum Parkplatz an. Aber auch eine kleine Waldwanderung um diese Uhrzeit mit völlig Unbekannten kann so seine gewissen Reize haben. Vorbei am Zeltplatz, wo die Stimmung zu dieser Zeit mehr als gut war, kamen wir schließlich an und ließen uns in das Auto fallen. Na dann gute Nacht.



Day Two – Samstag, 26. Juli

Am zweiten Tag war der Andrang zum Freshtival schon um einiges größer, wie auch der schon um kurz vor 7 ziemlich gut gefüllte Parkplatz bezeugte. Schon um halb 5 unterhielt

JOHNNY GASS

die ersten Fans am Gelände, dem die holländischen

NOTHERN COMFORT

auf der großen Bühne folgten. Die erste Band, die ich dann mit eigenen Ohren bestaunen durfte, war

SYGNUM

aus Deutschland, die nach

DELILAH

auf dem Programm stand. Allerdings konnte ich von SYGNUM auch nur die letzten Nummern hören und muss auch gestehen, dass ihr Sound zwischen Rock und Gothic nicht unbedingt ganz meinen Hörgewohnheiten entspricht. Jedenfalls war zum Zeitpunkt, als die nächste Band die Bühne erklommen, das Gelände schon mehr als gut gefüllt. Ob das für

BAD REVERB

nun gut oder schlecht war, ist nicht so einfach zu sagen. Ihr Postrock, der mit einigen progressiven, dann aber auch wieder relativ harten Ideen verfeinert wurde, war für den Großteil des Publikums ziemlich schwer verdaulich. Dies zeigten auch die „Emo“-Rufe aus den vorderen Reihen. Ob es auf der anderen Seite so gut ist, sein Set mit einer derart sperrigen Nummer zu eröffnen, wie BAD REVERB es taten, ist auch ziemlich fraglich. Jedenfalls mündete das Ganze dann in einer Ansage des Sängers, dass jetzt „sowieso eine MY CHEMICAL ROMANCE Nummer kommt“ – nun ja. Das war zwar nicht der Fall, aber wirklich besser wurde die Chemie zwischen Band und Publikum auch nicht. Mir persönlich gefielen die Ansätze der Band zwar nicht schlecht, aber muss man bei einer knappen Stunde Spielzeit wirklich jeden Song mit einer Feedback-Orgie beginnen oder enden lassen? Irgendwo zwischen MUSE, MOGWAI und Grunge endete dieser Auftritt dann auch so, wie er begonnen hatte. Vielleicht läuft’s beim nächsten Mal besser. In eine etwas andere Kerbe schlugen dann die Kärntner

ASSTRONAUTS

, die mit Punk und Alternative Rock, aber vor allem jeder Menge Humor vollends überzeugen konnten. Zwar klangen die ersten paar Songs etwas schief – war da irgendwas falsch gestimmt oder hab ich ein anderes Harmonieverständnis als ihr? – aber nach der Hälfte der Spielzeit stimmte dann auch das! Noch dazu als direkte Vorband für RUBBERFRESH waren sie perfekt gesetzt, können doch auch die Localheroes durch ihren Spassfaktor immer wieder überzeugen. Und nicht mal die Aufforderung des Sänger und Gitarristen, diejenigen, die zuvor bei BAD REVERB gestänkert haben sollten doch auf die Bühne kommen, dann könnte man sich das ja „ausreden“, konnte die Stimmung kippen. Nach der Ansage „Und du bist der Nächste“ flog zwar mal ein Becher Bier auf die Bühne, aber der zweite Sänger und Bassist konnte auch das als Sieg für die Band verbuchen: „Hättst mir das geben, dann hätt i das wenigstens trinken können!!“ Damit waren auch die letzten Störenfriede – von denen es sowieso kaum eine Handvoll gab dieses Jahr – besänftigt und die Party ging weiter.

Um Mitternacht, nach knapp einer halben Stunde Umbauzeit und genau so langer Beschallung mit TINA TURNER war es schließlich so weit, und die meisten Besucher, die bis dahin am hinteren Hügel saßen, begaben sich nach vorne „in die Gruabn“, um beim Auftritt von

RUBBERFRESH

auch ja nichts zu verpassen. Gekonnt wie immer starteten Drummer Tom, Gitarrist Magi, Basser Töni und Frontsau Zmaschtn in ein Best Of Set mit einigen neuen Tönen, vielen Späßen und noch mehr „Danke, Danke, Danke“-Ansagen an die diversen Helfer und – natürlich – an die Leute im Publikum. Es ist schon verwunderlich, wenn man bedenkt, dass RUBBERFRESH über die Jahre immer wieder einige sehr, sehr gute und nicht mal unbekannte Bands auf ihr Freshtival holten, so blieben und bleiben sie doch immer die Attraktion Nummer Eins, auch wenn man davon ausgehen kann, dass die meisten Zuseher sie schon x-ten Mal bestaunen durften. Aber was soll man sagen, ihr Sound zwischen dem Funk der CHILI PEPPERS, dem Groove und der Härte von RAGE AGAINST THE MACHINE und den sehr eigenständigen Texten und Melodien ist immer wieder eine Klasse für sich. Auch und vor allem die neueren Nummern peppten das Set auf und man konnte auch diesmal wieder erkennen, dass die Jungs sich über die Jahre gewandelt haben und um einiges reifer wurden. Ruhigere, melancholischere Töne sind zwar noch immer eher in der Unterzahl, geben dem Sound aber einen eigenen Dreh und passen einfach perfekt ins Konzept. Die abschließende Party im Barzelt war auch dieses Jahr wieder nicht von schlechten Eltern und ging sicherlich bis in die frühen Morgenstunden, auch wenn der Autor dieser Zeilen dem langen Wochenende Tribut zahlen musste und ca. gegen 3 Uhr den Nachhauseweg antrat. Es bleibt nur zu sagen, dass es sich auch 2008 mehr als ausgezahlt hat, den Weg nach Unken anzutreten. Von der Organisation, über die komplette Crew – von Kasse über Bar bis Sound usw. – bis hin zum wichtigsten, den Bands, war alles sehr stimmig und macht wirklich Lust auf das nächste Jahr. Wer sich in den Sommermonaten in den Pinzgau verirrt, sollte sicherstellen, dass das Freshtival 2009 auf dem Road Trip ganz dick eingezeichnet wird.


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