03.12.2008, Spinnerei

UNLEASHED

Text: PMH
Veröffentlicht am 08.12.2008

Dass an einem nasskalten Mittwochabend keine Massen zu einem Todesmetall-Event strömen würden war schon im Vorhinein klar, trotzdem waren die rund 150 Besucher an diesem Abend dann doch zuwenig um die Veranstalter Hazard-Concerts ins Plus zu zerren… an den Bands kanns nicht gelegen haben denn weder Krisiun noch Unleashed oder die OneManArmy sieht man hier 3x im Jahr oder öfter (so wie … ach, ich nenn jetzt keine Namen) auf österreichischen Bühnen. Oder wars doch der etwas happige Preis von 25€ an der Abendkasse? MORBID BREED Na egal, als die Oberösterreicher von Morbid Breed pünktlich um 19 Uhr ihren Auftritt starteten waren jedenfalls die allerersten Besucher top motiviert um den groovigen Deathmetal gierig in sich aufzusaugen - für mich wars allenfalls Mittelklasse-Allerweltsstoff , der sich vor allem bei den älteren SixFeetUnder-Werken (oder wahlweise Ancient Existence) bediente und auch sonst nix Berauschendes in der runden halben Stunde bot. Pures Oldschool-Gerumpel, das sicherlich eingängig genug war um mal ein paar Sekunden die Matten kreisen zu lassen (wenn vorhanden) - und - bei „Cold Blooded Bitch“ wurde gar mal ein altes Unleashed-Riff („Before the Creation of Time“) recycelt .. noja. Den Status einer Vorband werden die Jungs in den nächsten Jahren wohl auch nicht mehr überspringen - aber das ist auch glaub ich gar nicht das Ziel der Morbiden Brut, oder? SHADE EMPIRE Leider stellten die finnischen Darkmetaller von Shade Empire keine Steigerung im Programm dar, ganz im Gegenteil: irgendwo zwischen Graveworm, Catamenia und den deutsch-deutschen Peinlichkeiten ala Crematory beheimatet war der Sound zwar eine Spur schneidender wie blacklastiger – dafür war das Bühnenoutfit der sechs Herren eine optische Zumutung: Der Sänger im Nieten-and-Gothicoutfit, (dazu kreischlastig wie nix Gutes) , daneben ein Hardcore-Tarnhosenfetischist im Metalcoreeinheitslook usw. Wenn dann auch noch das Keyboard in der ersten Reihe steht und den 2 Gitarren die Show stiehlt – sprich: viel zu laut tönte - helfen auch die ansatzweise hörbaren Songs („Adam and Eve“) nix mehr… da zitier ich jetzt mal eine berüchtigte MTV-Kuppelshow: NEXT!

OMAATUQ Die ONE MAN ARMY (namentlich: Johan Lindstrand) und sein Gefolge, das ständig wechselnde UNDEAD QUARTET kennt man vorallem durch Johan´s Mitwirken bei den legendären The Crown, seit nunmehr 3 Alben versucht er aber - ob erfolgreich oder nicht, sei mal dahingestellt - aus diesem Schatten zu springen, was immerhin ein paar gute Songs an diesem Mittwoch nach sich zog. Der Elvis-und Kiss Fanatiker Lindstrand turnte unermüdlich durch erstaunlich viele Sachen von den ersten 2 Alben (verstärkt durch extrem viel Hall auf dem Mikro) und seiner instrumental fitten Hintermannschaft die sich allerdings optisch wie spieltechnisch unaufdringlich durch eine alles in allem okayen Dreiviertelstunde Death/Thrash schlängelte. Auffälliger waren allenfalls die an BoltThrower gemahnenden Backdrops die man beiderseitig an den Boxen in Augenschein nehmen konnte, dazwischen gabs unter anderem „Devil on a Red Carpet“, „Such a Sick Boy“ (welches man dem etwas hüftsteifen Publikum widmete), den Neuling „Cursed by the Knife“ und natürlich den Beinahe-Klassiker „So Grim, So True, So Real“. Leider haben nicht alle Tracks diese Intensität von besagtem 3Minüter, vor allem das zeitweise lahmarschige Füllmaterial (zB „Death makes it all go away“) war alles Andere als ein Highlight. Das gabs erst wieder nachdem die Jungs die Bühne verliessen und David Hasseldoof mit „I´ve been looking for Freedom“ die Meute schnellstens zum Bierstand trieb ;)

KRISIUN Sick, sicker, Krisiun – so oder ähnlich kann / muss man das Musiziertempo des brasilianischen Trios umschreiben wenn man sich in das akustische Stahlbad der Hochgeschwindigkeitsfetischisten zu Gemüte führt. Mit enormem Tempo, einem durchdringenden Sound (trotz fehlender zweiter Gitarre ) und ordentlich Bewegungsmangel - bedingt durch die Dreierkonstellation – drang man instrumental in andere Sphären vor, die wohl 99,8% aller Hobbymusikanten entnervt zur Blockflöte greifen lässt… Auch wenn der Drumsound etwas trocken war tropfte im Gegensatz dazu der Schweiss von Alex und Moyses trotz minimalem Aktionsradius im Sekundentakt von den Handgelenken – kein Wunder bei dem Abrissprogramm: „Dawn of Flagellation“, „Bloodcraft“, „Hatred Inherit“ und die vom neuen Album stammenden „Slaying Steel“ / „Combustion Inferno“ bolzten grossteils mit Lichtgeschwindigkeit aus den Boxen , kleinere Midtempopowerpassagen zum Halswirbeleinrenken waren eher in der Unterzahl. Unterm Strich wars eine technisch perfekte Show, die auch für offene Münder sorgte – aber berühren kann mich die technische Mucke von Krisiun nicht wirklich. Da gibt’s - weniger im DM Bereich - für mich halt bessere Alternativen…

UNLEASHED Die Schwedenbomben von Unleashed rund um den fülligen Johnny hatten im Anschluss als Headliner eine runde Stunde Gelegenheit zu zeigen wer der Herr im Hause ist - alle vier klassisch in Schwarz gekleidet legten nach einen heroisch angehauchten Intro auch gleich los wie die Feuerwehr: „The Greatest of all Lies“ , als Nachschub gab´s den Altherrenhit „Legal Rapes“ - das Blastbeatkommando war da anfangs pünktlich zur Stelle. Zwar werden auch Unleashed nicht jünger, aber mittlerweile bekommt das aktuelle Material mehr Speed und Härte ab als die etwas schludrigen Mittneunzigeralben. Und höchstenfalls mittelmässige Dinger wie „Warrior“ oder „Hells Unleashed“ liess man auch (bis auf 2 kleine Ausnahmen) im Schrank liegen … Feine Sache, auch spieltechnisch zeigt man sich keineswegs gealtert sondern durch und durch fit und um Längen versierter als in der Vergangenheit. Keine Sorge, auch das Midtempostampfmaterial für die schlichten Gemüter war gut vertreten - „Don´t want to be Born“ oder der Titeltrack vom letzten Studiolangeisen „Midvinterblot“ wurden bier- und fusswippend honoriert, meinereiner kann ja besser mit einem Mix aus beiden Welten (u.a. der Videtrack „BlackHorizon“) oder dem mit leichten Blackmetal-Einsprengseln versehenen Uptempomosher „Winterland“ umgehen. Mag die Setlist für so manche Altfans leicht befremdlich gewirkt haben (von den ganz alten Sachen war leider wenig am Start), so gabs wenigstens keine langen Pausen oder ellenlanges Gelaber zu hören – only pure Swedish“fuckin“Deathmetal, welcher gleich bei zwei Songs um Publikumsgesang bereichert wurde: zum einen „In Victory or Defeat“ und das als Abschluss gereichte „Death Metal Victory“, welches die Generation Ü30 eh im Schlaf und nach 10 Bier mitbrummeln kann.

Schade nur, dass halt nicht mehr Leute anwesend waren … beim nächstjährigen Paganfest wird’s wohl für Unleashed besser laufen – da sind dann auch ein paar Bands für die Nachwuchstrinkhornrebellen am Start, welche ihre Ohren dann auch hoffentlich von all dem Durchschnittsmüll freigeblasen bekommen. Ausser man lebt in Bayern oder muss vor Mitternacht daheim bei Mami sein … der Rest sollte sich eine Packung Unleashed abholen: Ewig wird es die wohl auch nicht mehr on Stage zu sehen geben, immerhin kursieren bis jetzt stolze 9 Studioalben und unzählige Livemitschnitte & EPs um die knappen 20 Jahre Bandgeschichte... Setlist UNLEASHED: Intro The Greatest of all Lies Legal Rape This is our World now Your Children will burn In Victory or Defeat Winterland Don´t want to be Born Black Horizon Intro Warriors of Midgard Midvinterblot Into Glory Ride Hammer Battalion To Asgard we Fly Victims of War Death Metal Victory


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