10.12.2008, Helmut-List Halle

In Extremo

Text: mat
Veröffentlicht am 11.12.2008

Am Mittwoch, 10.12.2008, ist es soweit. In Extremo kündigen sich an und entern in Graz die Bühnen. Als Location wählen sie die relativ neue und modern ausgerichtete Helmut-List-Halle, was zwar nicht unbedingt zum Mittelalter-Flair der deutschen Rocker passt, aber man kann ja nicht alles haben. Um 19:00 Uhr wird der Einlass gestattet, sozusagen eine Stunde Aufwärmphase für das kommende Spektakel. Knapp vor 20:00 Uhr öffnen sich dann die Pforten zur Halle. Die Leute strömen in Richtung Bühne und man spürt förmlich das die Aufregung im Saal langsam ansteigt. Natürlich freuen sich die Fans auf dieses Event, da In Extremo ja nicht alle Tage in Österreich auftreten. Die diesjährige "Sängerkrieg"-Tour führt die Herren neben Graz, nur noch nach Wien und Hohenems. Dementsprechend groß waren die Erwartungen der wartenden Fans! Und dann geht's los! Als Vorband und Support haben In Extremo die deutsche All-Girlie-Group The Black Sheep im Gepäck. Die Musik der Band bewegt sich zwischen eingängigem Rock der Marke Die Happy, lockerem Emo-Rock und poppigen Melodien. Die vier Mädels betreten die Bühne, können aber leider nur verhaltenen Applaus ernten. Bei einem kurzen Rundumblick stelle ich fest, dass die Halle noch nicht wirklich gefüllt ist und der hintere Bereich noch eher leer wirkt. Die Musik der Black Sheeps klingt zwar auf eine bestimmte Weise wirklich gut und eingängig, nur leider trübt die falsche Sound-Einstellung den Gesamteindruck des Auftrittes ein wenig. Die Mädels, vor allem die charismatische Frontfrau, wirken aber trotz allem gekonnt und bringen mit der Zeit auch genug Schwung ins Publikum, um als guter Einheizer durchzugehen. Das Debut-Album der Black Sheeps soll Anfang 2009 erscheinen und trotz der etwas verpatzten Einstellungen, die den Sound einfach zu einheitlich und undifferenziert klingen ließ, freue ich mich schon auf diesen Longplayer, da ich wirklich der Meinung bin, dass diese junge Gruppierung musikalisches Potential hat. Nach etwa sechs Songs ist dann Schluss, die Mädchen verlassen die Stage, das Licht geht aus und...

... mit theatralischen Einstiegsmelodien bereitet sich die wartende Horde auf den Hauptact vor. Ein weiterer kurzer Blick durch den Saal zeigt mir, dass sich mittlerweile eindeutig mehr Leute in der Helmut-List-Halle eingefunden haben. Scheinbar war der Support für viele nicht vielversprechend genug. Tja schade, aber da kann man nichts machen. Die Merchandise-Abteilung scheint gut besucht und auch die Bar beginnt langsam ihre Tagesumsätze zu steigern. Hinter dem weißen, wallenden Vorhang wird noch heftig herum gewerkelt und insgeheim hoffe ich, dass die Soundeinstellung bei den Extremen besser sein wird, als bei The Black Sheep, denn sonst steht uns ein langer, mühsamer Abend bevor. Inklusive Tinnitus. Erleichtert stelle ich fest, dass die Hessen ihren eigenen Tontechniker mithaben, der schönes Hochdeutsch spricht und die Tonregler besser in Griff haben zu scheint. Gesagt, getan, der Vorhang fällt und In Extremo sind da! Ohne große Worte wird gleich beinhart mit "7 Köche" eingestiegen. Wie schon auf dem neuen Album "Sängerkrieg" eignet sich dieser Titel auch auf Tour als perfekter Einsteiger. Die Leute gehen gleich mit und merkt schon, dass hier wohl fast niemand wegen des Voracts gekommen ist. Alle wollen In Extremo!

Und diese bieten, wie zu erwarten, ein geniales Programm. Nachdem "7 Köche" ausklingt, wird mit dem Gassenhauer "Frei zu sein" weitergemacht und endlich begrüßt Das Letzte Einhorn Micha die Fans. "Schön wieder mal in Österreich zu sein... usw." Nett anzuhören, aber natürlich freuen wir uns eher auf "Liam" und seine Geschichten und auf den neuesten Nackenbrecher "En esta noche". Wie Micha verrät, wurde dieser Song deshalb auf spanisch eingesungen, da das Prädikat "jugendfrei" sonst wohl eher im Klo landen würde... Wenn wir schon bei Toiletten sind. Diese müsste ich schon länger aufsuchen, doch ich kann mich von diesem mittelalterlichen Spektakel einfach nicht losreißen. Wie immer in Lumpen und zerrissenen Shirts gekleidet, streifen Das Letzte Einhorn, Dr. Pymonte, Flex der Biegsame, Yellow Pfeifer und Co. über die Bühne, finden natürlich immer wieder die Zeit kleine Scherze abzulassen und fühlen sich sichtlich wohl in Graz. Also an Motivation und Enthusiasmus fehlt es den Herren sicherlich nicht! Sie spielen sich durch eine hervorragende Setlist und man merkt schon, dass sie sich langsam wirklich schwer tun werden bei der Auswahl ihrer Songs für eine Tour. Zu viele gute Tracks haben sich in den Jahren angesammelt...

Aber was will man mehr? Nur so kann man die Fans auch mal wieder mit einem selten gespielten Titel überraschen. Wiederum gesagt, getan und Micha kündigt "Nymphenzeit" an. Ein Song, der sich auf der "7"-Scheibe befindet und schon länger nicht mehr im Reportoire der Band vorkam. Natürlich dürfen Alltime-Favoriten, wie der "Spielmannsfluch" oder "Ai vis lo lop" nicht fehlen, doch man merkt schon, dass das Hauptaugenmerk auf den letzten drei erschienen Alben liegt. "Mein rasend Herz" oder auch "Poc vecem" sind aus der Setlist wohl nicht mehr wegzudenken, wobei vor allem letzteres bei den Fans wirklich totale Zustimmung erhält. Dass Songs, wie "Nur ihr allein" oder "Erdbeermund" einfach ausgelassen werden, zeugt von der Qualität des Backkataloges der Band! Der "Sängerkrieg" animiert die Fans zum freudigen Jump und Schrei, während "Ave Maria" die Gemüter wieder ein wenig beruhigt und der "Zauberspruch" zum sinnlichen Nachdenken einlädt. Wie man sieht, bieten In Extremo eine gelungene Mischung zwischen ihren brachialeren Songs und den langsameren Stücken! Auch der "Wind" darf durch die Helmut-List-Halle fegen, die "Flaschenpost" wird freudig aus dem Meer gezogen und auch "Mein Sehnen" nach einem grandiosen Konzertbesuch erfüllt sich. Nachdem wir "Omnia sol temperat" frenetisch mitsingen, "Hiemali tempore" wegen textlicher Unkenntnis nur mitsummen und Dr. Pymonte uns die Einleitungsmelodie des "Vollmond"s zupft, neigt sich das Ganze auch schon langsam dem Ende zu. Micha und Co. teilen noch ein paar Wasserflaschen an das erhitzte Publikum aus, trinken "Auf's Leben" und wollen somit schon die Bühne verlassen.

Natürlich darf man nicht vergessen zu erwähnen, dass es ab und zu auch mal knallt, ein paar Feuerwerke abgelassen werden, ein paar kleinere Flammen entzündet werden und die Lichtshow wirklich genial umgesetzt wurde. Doch wie zu erwarten, reagieren In Extremo sofort auf die lauten Zugaben-Rufe und entern erneut die Bühne, um mit "Küss mich" und die "Die Gier" einen grandiosen Abschluss zu bieten. Die frenetische Meute hat noch nicht genug und mit "Villeman og magnhild", dem obligatorischen Schlusstrack, verabschieden sich die Jungs aber dann doch schlussendlich vom Grazer Publikum! Zuvor wendet sich Micha aber noch an die hiesige Feuerwehr und bestraft sie mit einem ausgestreckten Mittelfinger und einem "Fickt euch!", da diese zuvor der Band einige ihrer feurigen Einlagen in dieser Halle verboten hatte. Natürlich hat diese Tatsache den Gesamteindruck nicht gestört, aber irgendwie muss man sich ja ausdrücken. Oder nicht? Ja, das war's dann wieder. Nach über zwei Stunden purem In Extremo-Sound verlassen wir die Location, setzen uns in den zur Verfügung gestellten Shuttlebus und lassen es gut sein. Tolles Konzert, gut aufgelegte Band, tolles Publikum. Eine perfekte Mischung! Und meine Ohren sausen heute noch...


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: VADER - Solitude In Madness
ANZEIGE