17.02.2009, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

ICED EARTH + SAXON

Veröffentlicht am 21.02.2009

Ein gar hübsches Tourpackage wurde uns da im Rahmen der METAL CRUSADE - Tour präsentiert: Die NWoBHM-Legende SAXON geht mit einer der längstdienenden Powermetalband aus den USA, ICED EARTH, gemeinsam auf Tour. Na wenn das mal kein Grund zur Freude ist! Überraschend früh geht's dann auch bereits mit ICED EARTH los - dürfte wohl auch daran gelegen haben, dass der Event in Wien an einem Dienstag stattfand. Nichtsdestoweniger war die Gasomter-Halle doch gut gefüllt; gemeinsam werden die Herren rund um Jon Schaffer und Biff Byford wohl schon so um die 700 Leute hinterm Ofen hervorgelockt haben, was ja für Wiener Verhältnisse eh schon beträchtlich ist. Nach kurzem Intro vom aktuellen Scheibchen "The Crucible Of Man" legen Jon Schaffer und Co, allen voran natürlich der "heimgekehrte Sohn" Matt Barlow, auch schon mit einigen Tracks von den beiden jüngsten Scheiben los - "In Sacred Flames" und "Behold The Wicked Child" eröffnen das - auf Grund der Co-Headliner-Situation "nur" 75 Minuten dauernde - Set der Jungs aus Florida, das aber (fast) keine Wünsche offen lässt. Klar gibt's relativ viel Material jüngerer Generation wie "Setian Massace", "Declaration Day" von der "Glorious Burden" oder auch "The Ten Thousand", das wohl eines DER Ripper-Vorzeigestückerl seiner IE-Ära war, das aber natürlich Sangesgott Matt Barlow auf seine eigene Art interpretiert und so auch absolut erstklassig darbietet.

Doch natürlich dürfen bei ICED EARTH auch einige der absoluten Bandklassiker im Set nicht fehlen, sonst gäb's wohl Ausschreitungen. Aber glücklicherweise hat man doch Gassenhauer wie "Vengeance Is Mine", "Violate" oder "Burning Times" dabei, bei dem der geneigte Fan gefrorener Erde wohl genüsslich das Haupthaar - so noch vorhanden - geschüttelt haben dürfte! Während der Sound zwar nicht großartig war - mir persönlich waren die Vocals eine Spur zu leise, und die Gittaren fast zu höhenlastig, während der Bass doch ziemlich präsent war - ging er doch größtenteils in Ordnung. Und als dann mit die All-Time-Hits "Watching Over Me" und "Melancholy" mit Barlow hinterm Mikro ins geifernde Publikum gefeuert werden, ist dann doch endgültig Gänsehaut angesagt. Gerade die beiden Semi-Balladen zählen ja nicht zu Unrecht mit zum Besten, das Jon Schaffer je verbrochen hat; und dass mein persönlicher Lieblingstrack der "Horror Show", nämlich "Dracula", auch seinen Weg ins Set gefunden hatte freute mich natürlich besonders.

Und nach dem abschließenden "Iced Earth", dass aus Zeitgründen die einzige Zugabe darstellte, verabschiedeten sich die Herren auch bereits wieder von der Bühne nach einer vielleicht nich absolut großartigen, aber doch sehr guten Show mit einem Matt Barlow in sensationeller Form, den man natürlich sehr gerne wieder in den Reihen von ICED EARTH sieht. Die Umbauphase dauert dann doch etwas lang, da zunächst das gesamte(!) ICED EARTH-Drumset ab- und das Saxon-Set aufgebaut werden wollte. Zeit genug jedenfalls für ein Getränk (oder auch zwei), doch schon bald waren auch die Briten von SAXON am Start, und gingen mit dem Opener des aktuellen Albums "Into The Labyrinth", genau gesagt einem Stück mit dem klangvollen Titel "Battalions of Steel", gleich in die vollen. Dabei fiel mir positiv auf, dass gerade die neuen Sachen im Set, wie etwa das erwähnte "Battalions of Steel", aber auch das atmosphärische dichte "Valley of the Kings" sehr starke Songs geworden sind, und auch live sehr gut angekommen sind!

Die "graue Feder" Biff Byford ließ sich auch in seinem mittlerweile doch etwas fortgeschrittenen Alter von 58 Jahren live nicht lumpen, und wer SAXON schon mal live gesehen hat, weiß, dass man hier eigentlich nichts falsch machen kann. Der Sound war hier deutlich ausgewogener als bei ICED EARTH davor, und so kamen auch die Backing Vocals gerade bei den bombastischeren Stücken wie "Valley of the Kings" oder "Crusader" gut zur Geltung. Wie zu erwarten lieferten auch die Sachsen einen ausgewogenen Mix aus alten und neuen Sachen, wobei wie erwähnt erstaunlicherweise das neue Material durchaus gut angekommen ist; aber natürlich erst bei den richtigen Klassikern wie "747 (Strangers In The Night)", "Heavy Metal Thunder" oder auch "Wheels Of Steel" auch die letzten Mähnen in den hintersten Reihen geschüttelt wurden. Auch positiv anzumerken war die doch hohe Bewegungsfreudigkeit der Truppe, die zu großen Teilen ja doch schon ein paar Semester mehr auf dem Buckel halt als die aus Florida mitgereisten Kollegen von ICED EARTH. Klar, dass ein Biff Byford mit fast sechzig Jahren nimmer wie ein Derwisch über die Bühne fegt, sollte klar sein - aber die Herren zeigen doch insgesamt genug Einsatz; davon könnten sich etliche jüngere Bands durchaus noch ein Scheibchen abschneiden!

Nachdem man also routiniert alte und neue Hits wie "Witchfinder General" vom "Lionheart"-Album (das allerdings nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommen wurde, oder "Power and Glory" und "The Eagle Has Landed" gebührend abgefeiert wurden - während sich das Publikum bei der ihm gestellten Auswahlmöglichkeit auch klar gegen "Atila The Hun" von "Inner Sanctum" aussprach - gab es schließlich mit "Crusader" und "Princess Of The Night" noch zwei absolute Klassiker zum Rausschmeißen. Alles in allem gute Gigs beider Bands bei durchaus solidem Sound, der eigentlich sein Geld Wert war. Sowohl Biff Byford als auch Jon Schaffer präsentierten sich im Vorfeld auch noch als sehr sympathische und angenehme Interviewpartner - insofern gibt's von meiner Seite her eigentlich kaum etwas auszusetzen! Tolles Package, annehmbarer Preis - wenn noch ein Support dabei gewesen wär, hätt das sicher nicht geschadet; aber für ein Konzert unter der Woche war so wenigstens die Länge in Ordnung!


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