02.11.2009, Backstage (Werk)

THRESHOLD & SERENITY

Veröffentlicht am 04.11.2009

"Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet halt zum Berg kommen!" dachte ich mir im Vorfeld zu meinem Konzertbesuch auf der "Essence of Progression" Tour von THRESHOLD, SERENITY und SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE, zumal ja für den 3. November eigentlich auch ein Wien-Gig eingeplant gewesen war, der aber leider auf Grund mangelnder räumlicher Kapazitäten der in Frage kommenden Locations dann doch abgesagt werden musste. So hatten dann zwar die Bands zumindest einen Off-Day, ich musste aber doch eine geringfüg längere Anfahrt nach München auf mich nehmen, um mir die Show im dortigen "Backstage" anzusehen. Doch es sei Entwarnung gegeben: Der Ausflug hat sich - wie zu erwarten - gelohnt! Bei leider fast unzumutbarem Wetter, bei dem sich der Ortsunkundige Ösi in der Bayern-Metropole dann doch lieber per Taxi chauffieren lässt denn die öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen, fand ich mich dann doch recht pünktlich um 19.00 Uhr bei der Location ein, und das Backstage ist auch eine sehr sympathische Hütte - augenblicklich fühlte ich mich (auch ein bisschen wehmütig) an das alte Planet Music erinnert - doch leider blieben auch hier zunächst die Leute aus, und der Opener SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE (kurz "S.U.E.") mussten vor grade mal 70 Nasen ihr Set beginnen. Wirklich überzeugen konnten mich die Franzosen aber leider nicht - technisch spielt man sicher durchaus in einer hohen Liga mit, insbesondere Bassist John Drai macht eine sehr gute Figur, doch generell präsentiert sich die Band sehr spielstark. Leider können mich die Songs nur bedingt mitreißen; so sind sie zwar kompositorisch sicher schön "proggig" ausgefallen, leider fehlen aber oftmals die wirklich zwingenden, schönen Harmonien und Chöre, die sich beim Hörer sofort im Ohr festkrallen. So spielt sich der Fünfer zwar solide durch sein Set, und auch Fronter Franck Garcia legt sich ins Zeug (wobei er mir in den höheren Lagen deutlich besser gefällt, diese aber selten einsetzt und vielleicht etwas zu gezwungen "modern" klingen möchte) - leider fehlt ein bisschen der entscheidende Funke, der einfach nicht überspringen will. Und so beschränkt sich die Publikumsreaktion meißt auf einen Anerkennungsapplaus und gelegentliches Fäusterecken, wenn denn grad einer der Bandmember dazu animiert; wirklich begeistert wirkt aber auch der Rest des Publikums nicht. Dennoch muss natürlich gesagt werden dass SUE sicher eine gute Band sind, für den richtig großen Durchbruch ist aber das Songmaterial wahrscheinlich einfach ein bisschen zu beliebig und zuwenig zwingend.

Ganz anders geht's da natürlich bei "unseren" Burschen von SERENITY zu. Denn einerseits sind zu Beginn ihres Sets, das die Tiroler mit "Reduced To Nothingness" von ihrem Erstlingswerk einleiten, schon deutlich mehr Menschen in der Halle angekommen (wobei es auch später wohl nicht mehr als 150 geworden sind, was wohl für ein Deutschland-Konzert doch etwas wenig ist), andererseits sind (neben meiner Wenigkeit) doch auch einige Fans aus Österreich, Deutschland und auch aus Prag angereist, um die Herren rund um Fronter Georg ein bisschen abzufeieren. Und da passt dann auch bei einem kleineren Publikum absolut die Stimmung! Nach dem Opener setzt man aber dann nur noch auf Tracks des aktuellen Albums "Fallen Sanctuary", und feuert so Kracher wie "Rust Of Coming Ages", "Coldness Kills" oder "Sheltered By The Obscure" in die Menge, und natürlich darf auch die obligatorische Singleauskopplung "Velatum" nicht fehlen, bei der aber Sänger Georg, weil er grade noch mit Anmoderation tief beschäftigt war, den Einsatz ein bisschen verfehlt. Doch die Routiniers können auch das kleine Problem sehr schnell ausmerzen, und so läuft der Gig dann ohne weitere Probleme ab. Für die Stimmung in der Halle sind SERENITY aber natürlich pures Gold; nach der etwas (sowohl für Band als auch Publikum) mühevollen Performance von SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE herrscht dann bei den Tirolern von Beginn an ausgelassene Stimmung, und bei der Ballade "Fairytales" wird natürlich auch schon brav mitgesungen. Als Abschluss gibt's natürlich noch das phänomenale "All Lights Reversed", auf Zugaben in Form etwa von "Forever" oder "Engraved Within" muss man heute aber leider aus Zeitgründen verzichten.

Dennoch zeigen SERENITY auch hier wieder dass sie nicht nur auf CD auf internationalem Niveau mitspielen können, sondern insbesondere auch live eine sehr konstante, routinierte Band sind, die es aber immer wieder schafft, auch vor "neuem" Publikum brilliant zu performen und neue Fans zu begeistern. Die Arbeiten am "Fallen Sanctuary"-Nachfolger laufen übrigens auch schon auf Hochtouren, man darf also mehr als gespannt sein auf ein neues SERENITY-Output im Jahre 2010! Danke Jungs, gerne wieder! Als Headliner dieses Abends hatte man aber natürlich ein ganz besonderes Zuckerl eingepackt - und zwar die UK-Prog-Götter von THRESHOLD. Und als diese nach der etwas längeren Umbauphase ihr Set beginnen, ist auch schnell klar, warum diese Show in einer kleinere Venue keinen Platz gehabt hätte - opulente Videoleinwand mit Projektionen und teilweise auch Live-Kamera-Mitschnitten werden da aufgefahren, und auch das Stage-Setup benötigt verhältnismäßig viel Platz. Doch belohnt werden die Besucher dafür natürlich mit einem Prog-Metal-Konzert der absoluten Oberklasse. Mit zwei Äxten bewaffnet, einem charismatischen Sänger in Form von Damian Wilson am Mikro und einem Sound, der gleich mal um etliche Dezibel lauter ist als bei SERENITY, schicken sich THRESHOLD an, das Backstage in Schutt und Asche zu legen - und das gelingt auch fast. Denn die Herren legen gleich mal mit einem schönen Doppelpack los: Erst gibt's "Consume To Live" als Opener, gefolgt von "Fighting For Breath" vom letzten Langeisen "Dead Reckoning", das mir live besonders gut gefallen hat. Doch in der Setlist springen die Herren munter zwischen altem und neuem Material hinterher, und auch Damian Wilson präsentiert sich in sehr guter Form, zumal es für ihn sicher nicht ganz einfach ist, insbesondere die "Dead Reckoning"-Nummern zu singen, die ja doch Andy McDermott eingesungen hat, der eine gänzlich andere Stimmcharakteristik besitzt als Wilson. Doch der präsentiert auch Songs wie "One Degree Down" genauso hervorragend wie "Part Of The Chaos" oder "Avalon", und besondere Highlights sind natürlich "Critical Mass" oder "The Art Of Reason", das Damian Wilson als den "besten THRESHOLD Song" deklariert.

Langsam hat man dann auch den Volume-Regler wieder etwas besser im Griff, und auch wenn THRESHOLD immer noch bei gewaltiger Lautstärke alles niederblasen, ist es dennoch mittlerweile erträglich geworden, und so mancher Gast entfernt wieder die mitgebrachten Ohropax. Sehr tight agieren THRESHOLD natürlich auch, was inbesondere bei den Gitarrenduellen sehr positiv auffällt, und Damian Wilson präsentiert sich als sehr sympathischer Frontmann, der beim Intro von "Pilot In The Sky Of Dreams" auch mal das Mikro ins Publikum gibt und einen der Fans die ersten Zeilen des Songs singen lässt! Danach gibt's als letzte reguläre Nummer noch das famose "Slipstream" vom "Dead Reckoning"-Album, und nach kurzen, aber lauten Zugabe-Rufen hauen THRESHOLD noch mit "Mission Profile" und "Paradox" zwei wunderbare Kracher zum Abschluss raus, ehe dann Damian Wilson auf Grund des "arbeitsfreien" Folgetages ein ordentliches Gelage mit den Fans ankündigt. Fazit: Natürlich hat sich der Trip nach München mehr als gelohnt; denn wenn auch SPHERIC UNIVERSE EXPERIENCE nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen haben, hat dafür der Gig von SERENITY mehr als entschädigt, und THRESHOLD sind natürlich live ebenfalls eine absolute Macht. Schade, dass es dieses Package nicht nach Österreich geschafft hat - aber da SERENITY spätestens mit dem nächsten Album ohnehin für eine Headliner-Tour überfällig sein dürften, darf man zumindest hoffen, die sympatischen Tiroler auch in Zukunft häufiger in Rest-Österreich zu sehen - und vielleicht nehmen sie dann ja auch mal THRESHOLD als Support mit. ;)


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