03.12.2009, Helmut-List Halle

IN EXTREMO - Tranquilo Akustik-Tour

Text: mat
Veröffentlicht am 05.12.2009

Ein knappes Jahr nach dem letzten Auftritt der mittelalterlichen Lästerbalken von IN EXTREMO, wo der magische Siebener noch mit der rockigen "Sängerkrieg"-Tour in der Helmut-List-Halle für Unterhaltung gesorgt hat, schauen die Deutschen Mittelalter-Metaller also wieder einmal in Steiermarks Landeshauptstadt vorbei. Die Location ist also gleich geblieben und auch die Setlist hat sich erwartungsgemäß nicht sonderlich geändert, denn im vergangenen Jahr haben IN EXTREMO kein neues Material veröffentlicht. Das Besondere am heurigen Auftritt in der grünen Mark ist aber sowieso ein anderer Umstand. Und zwar sind IN EXTREMO zum ersten Mal mit einem Akustikprogramm durch die deutschsprachigen Länder unterwegs. Nach dem riesigen Erfolg des Auftritts beim Jugendradio Fritz, für das die Jungs den größten Teil ihres aktuellen Albums "Sängerkrieg" in akustischem Gewand und quasi unplugged eingespielt haben, haben sich die Mannen rund um Frontmann Micha entschieden, das Konzept auch großräumig anzulegen. Damit ist eine umfangreiche Tour gemeint, die ihren Auftakt mit einer Warm-Up-Show in Dresden fand und über Graz in die Schweiz und wieder zurück nach Deutschland führt. Dank der immensen Nachfrage wurde auch eine Fortsetzung der Tour im kommenden März bestätigt, die übrigens auch das Gusswerk in Salzburg beglücken wird. Doch lassen wir an dieser Stelle die Fakten Fakten sein und kommen zum Konzert in der Helmut-List-Halle zu sprechen. Zum ersten Mal ist die Location bei einem IN EXTREMO-Gig bestuhlt und auch das Bühnenequipment ist ähnlich gemütlich eingerichtet. Sitzgelegenheiten für alle Musiker und eine bequeme Couch, auf der sich Das letzte Einhorn später räkeln wird, stellen dabei den zentralen Blickfang dar. Aufgepeppt wird das Ganze mit dem gezielten Einsatz von Straßen- und Nachtkästchenlampen, die die Atmosphäre noch viel gemütlicher und familiärer gestalten.

Kaum ist der zugewiesene Platz erreicht, kann die Show mit einer knappen Viertelstunde Verspätung auch schon starten. IN EXTREMO, passend zur akustischen Ausrichtung, haben sich dieses Mal nicht für die typische Lumpenkleidung entschieden, sondern tragen Knickerbocker, Anzughosen und ein paar von ihnen haben sich - man höre und staune - sogar für ein Hemd plus Krawatte entschieden! Natürlich wartet das Publikum gespannt auf den Beginn des Gigs, denn zu Beginn weiß niemand wirklich, ob dieses gewagte Konzept auch aufgeht und auch für Stimmung sorgen kann. Dudelsack, Harfe, akustische Gitarre und Querflöten sind zwar wieder am Start, von Rock oder Lärm kann hier aber trotzdem keine Rede sein. Kaum starten die ersten Töne des Sets merkt man aber sogleich, dass dieser Abend etwas ganz Spezielles werden wird. Die Band wirkt lässig und gelassen, an den Ansagen von Micha, die immer lustig, aber ab und zu etwas pubertär daherkommen, merkt man aber schon, dass auch die Jungs etwas Angst vor den bevorstehenden Aufgaben hatte. Mit dem ersten Song ist das aber alles wie weggewischt und die absolut melodische Party kann starten.

IN EXTREMO spielen sich durch ein grandioses Best-Of-Programm und bieten dem begeisterten Publikum eine absolut gelungene Show. Überrascht muss ich zugeben, dass manche Songs im Unplugged-Gewand fast besser funktionieren, als in der rockigen Version. Die Mittelalter-Fraktion um Yellow Pfeifer und Co. gibt sich gewohnt spielfreudig und Gitarrist Van Lange kann endlich zeigen, dass er ein wahrlich begnadeter Saitenzupfer ist. Auch Dr. Pymonte zeichnet sich wiederum durch eine überwältigend variable Instrumentenwahl aus und sorgt vor allem durch seine harmonische Harfe für Stimmung. Im heutigen Mittelpunkt steht aber Aushilfs-Drummer Otto, der eigentlich zur Backcrew zählt, aufgrund einer kurzfristigen Operation von Fix-Drummer Morgenstern aber schnell einspringen musste. Da das Schlagzeug bei einer Akustik-Show ja dementsprechend noch mehr im Vordergrund steht, da hier absolut nichts verdeckt werden kann, muss man der Leistung des sympathischen Mannes noch viel mehr Tribut zollen. Fehlerlos spielt er sich durchs Programm und bekommt zurecht Extra-Applaus, den er sich wirklich redlich verdient hat! Neben Otto steht natürlich auch Reibeisenstimme Micha im Fokus der Bemühungen. Überraschenderweise kann er mit seiner kratzigen Stimme extrem viel Gefühl und Melodie erzeugen, was ich ihm im Vorfeld der Tour nicht wirklich zugetraut hätte. Seine Stimme zieht einen aber definitiv in seinen Bann und sorgt für mächtig Gänsehaut in manchen Passagen. Egal, ob Evergreens wie der gute, alte "Vollmond", die Uptempo-Nummer "Nur ihr allein" oder die mystischen "Merseburger Zaubersprüche" - IN EXTREMO zeigen, warum sie mittlerweile zu den erfolgreichsten Vertretern dieses teilweise verkannten Nischengenres zählen und auch große Hallen mit ihren Auftritten füllen können.

Die Setlist hält sich zwar größtenteils an die aktuelle "Sängerkrieg"-Scheibe ("7 Köche", "En Esta Noche", "Mein Sehnen", "Flaschenpost", "Frei zu sein", "In diesem Licht" und "Auf's Leben") und dessen Vorgänger "Mein rasend Herz" (Titeltrack, "Nur ihr allein", "Singapur", "Poc Vecem" und "Spielmann"), hält aber auch ein paar Überraschungen parat, wie zum Beispiel das schon ewig nicht mehr gespielte "Über den Wolken" oder im Zugabenteil die akustische IN EXTREMO-Version von AC/DCs Klassiker "It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)", die übrigens total gelungen war! Micha und Co. können gehörig unterhalten, stiften ein paar Mitsingorgien an und auch das genüssliche Räkeln und Liegen des Fronters auf der Couch trägt ihr Übriges zum Gelingen der Veranstaltung bei. Zwei Stunden, eine angebrochene Viertelstunde und der grandiosen Version von "Herr Mannelig" später, ist der ganze Zauber dann vorbei und IN EXTREMO verlassen unter weiteren Zugabenrufen die Bühne. Mit über zwanzig gespielten Songs wird der zahlende Fan mit einem umfangreichen Programm belohnt, das in dieser Form wirklich seinesgleichen sucht. Selten waren IN EXTREMO spielfreudiger als in Graz beim Auftakt ihrer besonderen "Tranquilo"-Tour. Leise sollte es sein und im Gegensatz zu vergangenen Konzertabenden mit den Mittelalter-Heroen war es das auch. Leise und hochklassig. Ein rundum perfekter Konzertabend, der hervorragend zum 15-jährigen Jubiläum der Band im kommenden Jahr passt! Denn dort sehen wir uns wieder... Fazit: IN EXTREMO im "Tranquilo"-Tour sind einfach nur zu empfehlen! Stecker raus und genießen!


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