27.01.2010, ((szene)) Wien

STRATOVARIUS

Veröffentlicht am 28.01.2010

(Fast) alle Jahre wieder kommen die finnischen Christkinder von STRATOVARIUS auch nach Wien, um uns hierzulande mit allerlei musikalischem Tand und Gezier zu verwöhnen. Doch das ist ja neuerdings gar keine solche Selbstverständlichkeit mehr, hat man STRATOVARIUS ja vor einigen Jahren bereits (das erste Mal) totgesagt, und auch der Austritt des langjährigen Bandleaders und Masterminds Timo Tolkki vor kurzem ließ erneute Zweifel am Weiterbestehen der Powermetal-Vorreiter aufkeimen. Aber - nichts da! Denn im vergangenen Jahr holte man nicht nur mit dem starken Comeback-Album "Polaris", sondern auch mit einer Tour samt neuem Gitarristen Matias Kupiainen zu einem Befreiungsschlag aus, der es in sich hatte. Bereits am Masters of Rock 2009 wurden STRATOVARIUS von ein paar tausend Tschechen frenetisch abgefeiert ob einer soliden Show gespickt mit neuen und alten Krachern der obersten Güteklasse, und dementsprechend war ich natürlich heute um so mehr gespannt, wie sich denn der "Neue" an der Klampfe mittlerweile in die Band eingewöhnt hat, und wie STRATO anno 2010 klingen würden. Doch den Anfang des Abends durften WINTER'S VERGE aus Zypern bestreiten, die mit ihrem gefälligen, aber etwas sensationsarmen Kraftmetall eher im internationalen Mittelfeld rangieren; zwar passt natürlich von Tightness und Instrumentenbeherrschung her alles, und auch der sympathische Fronter ist im grünen Bereich - allerdings bieten WINTER'S VERGE auch nicht grade viele Momente, die zum genaueren Hinhören anregen würden. Dennoch meistern die Zyprioten die ihnen zugefallene - und zugegebenermaßen nicht ganz leichte - Aufgabe doch recht gut, und können das bislang versammelte Publikum ganz gut anheizen. Potenzial ist bei dieser Band definitiv vorhanden, aber ein bisschen muss wohl noch an der Feinarbeit der Songs die Schleifmaschine angesetzt werden; doch wissen Songs mit klangvollen Titeln wie "Eternal Damnation" durchaus auch schon jetzt zu gefallen. Technisch deutlich versierter und insgesamt druckvoller präsentieren sich danach TRACEDAWN, die allerdings auf Grund ihrer doch deutlich härteren stilistischen Prägung hier im Tourpackage wohl etwas verkrampft miteingepackt wurden. Mir persönlich hätten hier andere der mit STRATOVARIUS auf dieser Tour umherziehenden Truppen wie MYSTIC PROPHECY oder insbesondere DREAM EVIL (die ab München dem Tourtross beitreten werden) weitaus mehr zugesagt. Nichtsdestoweniger liefern TRACEDAWN natürlich eine astreine Show, die auch beim vermeintlichen Nichtzielpublikum großteils gut angenommen wurde; und so wruden auch TRACEDAWN amtlich abgefeiert, wenngleich eine Spielzeit von fast einer Stunde mit massivem Instrumentalblock für einen Toursupport, der noch dazu nicht unbedingt in die stilistische Sparte des Hauptacts passen mag, vielleicht etwas übertrieben angesetzt ist. Aber der Unmut über das bedauerliche Fehlen von DREAM EVIL wird nach erneuter Umbaupause gleich wettgemacht durch den fulminanten Einstieg von STRATOVARIUS mit "Destiny", gefolgt von den absoluten Gassenhauern "Hunting High And Low", "Speed of Light" und "Kiss of Judas". Insbesondere nach jenem Tripel könnte der geneigte Fan ja eigentlich schon wieder die Heimreise antreten, denn genau wegen solcher Songs geht man natürlich auf ein STRATO-Konzert. Doch die Band, die je immerhin eine der längstdienenden des Genres ist, hat natürlich noch einiges in Petto, und zumal sich heute auch Frontsirene Timo Kotipelto in ausnehmend guter Form präsentiert (einzig beim Stimmbandreißer "Forever Is Today", wo ihm in den hohen Lagen gelegentlich ein bisschen die Puste ausgeht), liefern STRATOVARIUS eine Powermetal-Show der absoluten Oberklasse ab. Denn nicht nur alte Klassiker hat man im Gepäck, auch einige schöne Tracks des neuen Albums wie "Winter Skies" und die Single "Deep Unknown" werden präsentiert. Überraschend präsent ist auch das "Infinite" Album, von dem (neben dem bereits erwähnten "Hunting High And Low") auch noch "A Million Lightyears Away" und "Phoenix" gebracht werden; durch Abwesenheit glänzt dagegen das selbstbetitelte "Black Album" von STRATOVARIUS - was aber angesichts des sich darauf befindlichen eher zweifelhaften Songmaterials wohl nicht unbedingt als Fehlgriff erweist.

Schließlich gibt's neben einem irren Bass-Solo von Lauri Porra (der Typ ist einfach Wahnsinn!) auch noch ein paar flotte Riffs und Soli von Neo-Flitzefinger Matias am Sechssaiter (auf ein Jörg-Michael-Drumsolo muss man allerdings verzichten; seine besten Showeinlagen heute rühren aber eher daher, dass er es bis zum allerletzen Song eigentlich nie schafft, die von ihm in die Höhe geworfenen Drumsticks auch wieder aufzufangen), und auch Keyboardhexer Jens Johansson darf eine kleine Air-Variation und einige andere Spielereien einbringen, ehe man sich mit "Paradise" und "Eagleheart" aus dem regulären Set verabschiedet. Als Encores legen STRATOVARIUS dann nochmal nach mit der Überballade "Forever", dem seltenen Diamanten "S.O.S", und natürlich dem weit weniger seltenen, aber um nichts weniger wertvollen Diamanten "Black Diamond"; und traditionellerweise geht mit diesem Kracher auch diese Show von STRATOVARIUS zu Ende, die mit Sicherheit eine der besten war, die ich bisher von der Truppe erleben durfte - sowohl soundtechnisch als auch von der Performance der Band her; denn mit dem neuen Gitarristen und dem neuen Album dürfte der Band auch wieder neues Leben und neue Spielfreude eingehaucht worden sein; selten durfte man STRATOVARIUS so motiviert und begeistert erleben. Danke, gerne wieder!


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