12.05.2010, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

Unheilig - Grosse Freiheit-Tour 2010

Text: mat
Veröffentlicht am 13.05.2010

Die UNHEILIG-Euphorie hat nun auch Österreich respektive Wien erreicht. Hat der elektro-poppige Graf mit seiner Single "Geboren um zu leben" bereits die heimischen Charts - zurecht - gestürmt, sah man sich beim diesjährigen Wien-Abstecher der Unheiligen auch einer Vielzahl an Fanscharen ausgesetzt, die bei der Bandgründung vor elf Jahren in dieser Form wohl nicht einmal vorstellbar gewesen wäre. Waren UNHEILIG am Beginn ihrer musikalischen Karriere noch eher als elektrogeprägter Gothic-Außenseitertipp gehandelt worden, ist seit dem "Puppenspiel" aus dem Jahr 2008 der Start für einen auch kommerziell erfolgreichen Weg gelegt worden. Doch nun genug zur Hintergrundstory der deutschen Rocker, waren diese doch am Mittwoch, den 12. Mai, Gast in der planet.tt-Halle im ehrwürdigen Wiener Gasometer. Mit der norwegischen Synth-Rock-Band ZEROMANCER als Support im Gepäck, schauten der Graf und Co. dieses Mal im Gasometer vorbei. Aufgrund enormer Ticketanfragen wurde der Auftritt ja von der Szene im April auf den Mai-Termin in die größere und auch attraktivere Halle verlegt. Das war auch gut so, füllte sich der Saal doch mehr und mehr mit Leuten, sodass am Ende des Konzertes eine beinahe rappelvolle Halle vorzufinden war! Hut ab vor diesem Publikumsansturm! Doch um noch einmal schnell auf den Support in Form von ZEROMANCER zurückzukommen. Die Norwerger waren meines Erachtens alles andere als überzeugend. Auch wenn sich der ein oder andere Fan der Band scheinbar pudelwohl gefühlt hat, konnte der schweißnasse, oben ohne performende Fronter nur bedingt überzeugen, die mit Gothic-Elementen versetzte Musik des Fünfers hat man in dieser Form auch schon von einer Vielzahl von Bands besser gehört. Wie gesagt, alles in allem gelang ZEROMANCER ein schweißtreibender, energetischer Auftritt, der durch das schwächelnde Songmaterial nur bedingt zu gefallen wusste.

Um 21:30 Uhr wurde es dann endlich Zeit für die "Grosse Freiheit". Mit in Rot getauchtem Schiffsbug im Zentrum der Bühne, stilvollen Kerzenleuchtern an den Seiten und zwei Leinwänden an der seitlichen Front, wurde der gesamte, zur Verfügung stehende, akustische sowie visuelle Aspekt vollkommen ausgenutzt. Wer den Grafen bereits kennt, weiß ja, für welch energievolle und bewegegungsreiche Auftritt er bekannt ist. Das hat sich auch bei der "Grossen Freiheit"-Tour nicht geändert. Ganz im Gegenteil, rast der Graf doch knappe zwei Stunden über die Bühne, übt sich in gewöhnungsbedürftiger, manchmal etwas übertriebener Fingerakrobatik und lässt sich von einem begeisterten Wiener Publikum feiern. Die Setlist (siehe unten) konzentriert sich erwartungsgemäß auf das brandaktuelle "Grosse Freiheit"-Material und hat mit "Seenot", "Abwärts" und vor allem der emotionalen Ballade "Unter deiner Flagge" einige hochklassige Songs zu bieten. Während der Graf immer wieder sehr persönliche Anekdoten des Dankes an seine Fans weitergibt und sich bei seinen Anhängern für diesen gegenwärtigen Erfolg bedankt, werden natürlich auch altgediente Hits wie die klick-klackende "Maschine" und der atmosphärische "Astronaut" zum Besten gegeben.

Die unheilige Backmannschaft hält sich erwartungsgemäß im Hintergrund, Drummer, Keyboarder und Gitarrist bleiben eine Randerscheinung. Durch diesen Faktor muss sich der Graf als Alleinunterhalter nur noch mehr ins Zeug legen, um das Publikum bei Laune zu halten. Großteils gelingt ihm dies auch, so mancher lasziver Blick und die ein oder andere Selbstberührung sind dann aber doch etwas zu viel. Dass der Hüftschwung des charismatischen Fronters durchaus zu gefallen weiß, sollte jedem UNHEILIG-Fan bereits bekannt zu sein, trotzdem wäre etwas weniger manchmal doch mehr?! Insgesamt spielen sich UNHEILIG aber durch ein grandioses Programm, das eine ausgewogene Mischung aus harten Rockern und sensiblen, teils vom Keyboard getragenen Stücken aufweist. Der Graf hat die vollgestopfte planet.tt-Halle bis zur letzten Minute im Griff, animiert die Fans zu Hüpf- und Mitsummmomenten und zeigt einfach, warum ihm dieser Erfolg nach einer solchen langen Zeit durchaus vergönnt sei. Natürlich musste der ein oder andere Song aufgrund des Erfolgs des neuen Materials seinen sicheren Platz in der Setlist verlassen und so gehen mir Kracher wie "Spiegelbild" oder "Sage ja" ein wenig ab. Wenn der Backkatalog einer Band aber größer wird, geht es einem bei jedem Konzert so. Manches kommt, anderes eben nicht... Was aber sicher ist, ist die Tatsache, dass ich beim nächsten UNHEILIG-Gig wieder kommen werde, sorgt die deutsche Elektro-Pop-Institution doch für einen gelungenen, mitreißenden Abend, der aufgrund der (zumindest so scheinenden) Ehrlichkeit und Spiritualität eines sympathischen Fronters ein ganz besonderer werden kann. Zusammengefasst: Meinen totalen Respekt vor dieser Leistung! In einer vollen Konzerthalle als einsam agiernde Person eine solche Stimmung zu produzieren, muss dem Grafen erst einmal jemand nachmachen! Das ist die wahre große Freiheit!

UNHEILIG-Setlist (planet.tt, Gasometer, Wien) - ohne Gewähr: 1. Das Meer 2. Seenot 3. Schenk mir ein Wunder 4. Unter deiner Flagge 5. Feuerengel 6. Abwärts 7. Halt mich 8. An Deiner Seite 9. Freiheit 10. Astronaut 11. Große Freiheit 12. Kleine Puppe 13. Unter Feuer 14. Maschine Zugabe: 15. Für Immer 16. Lampenfieber 17. Geboren um zu leben 18. Mein Stern


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