16.07.2010 - 17.07.2010, Wiesen

FORESTGLADE 2010

Text: bender
Veröffentlicht am 19.07.2010

Das Forestglade Festival in Wiesen hat die letzten Jahre leider eine Pause eingelegt, aber zum 15 jährigen Jubiläum durfte es dann doch seine Auferstehung feiern. Das Programm war beinahe zu Gänze den 90ern gewidmet, denn bis auf JET und GOSSIP hätten sämtliche Hauptacts auch schon zu den Gründerzeiten des Festivals auftreten können. Freitag, 16.7.2010: Wegen der tropischen Hitze konnten die ersten Bands nur bescheidene Zusehergrüppchen anlocken, und erst bei K`S CHOICE begann sich der leere Raum vor der Bühne langsam zu füllen. Die Belgier haben ebenfalls eine längere Auszeit hinter sich, da sich ihre Sängerin Sarah Bettens zuletzt mehr um ihre Solokarriere gekümmert hat. Das Hauptmanko der Gruppe war immer ihre Beliebigkeit, und daran hat sich leider auch nicht viel geändert. Der gesamte Auftritt verlief ziemlich unspektakulär, und selbst ihr ebenfalls nicht gerade aufregender Hit „Not an Addict“ konnte keinen weiteren Eindruck hinterlassen. Da wussten die folgenden JET mit ihrem flotteren Garage-Revival Rock schon deutlich besser zu gefallen, obwohl ihr zusammengeklauter Sound garantiert keinen Originalitätspreis verdient hat. Der Großteil des Publikums dürfte ohnehin nur „Are you gonna be my Girl“ gekannt haben, da die Stimmung nach diesem zwischenzeitlichen Höhepunkt doch merklich abgeebbt ist.

Positiv konnten danach die Wiesen Urgesteine von NEW MODEL ARMY überraschen, die ihren Set gleich äußerst Stimmungsvoll mit „Green and Grey“ eröffneten, um danach mit einer gekonnten Mischung aus großen Klassikern („51st State“, „Vagabonds“) und aktuelleren Stücken („Today is a good Day“, „High“) aufzutrumpfen. Selbst zwei Nummern vom unterbewerteten „The Love of Hopeless Causes“ Albums wurden gespielt („Here comes the War“, „White Light“), weshalb man am Ende eigentlich nur die viel zu kurze Spielzeit beklagen durfte. THE CRANBERRIES waren die letzten 10 Jahre eigentlich nicht wirklich existent, und es verwunderte deshalb schon sehr, dass sich bei den Iren urplötzlich die Massen eingefunden haben, und die Gruppe dann auch noch richtig abgefeiert wurde. Einziger Blickfang war natürlich Sängerin Dolores O`Riordan, die nicht nur mit ihrer unbeschreiblich kräftigen Stimme zu beeindrucken wusste, sondern auch noch überaus quirlig und agil die gesamte Bühne beherrschte. Die Menge sang die meisten Songs freudig mit, wobei die Stimmung wenig überraschend beim unumgänglichen „Zombie“ ihren Höhepunkt erreichte. Der erste Tag wurde dann von den FANTASTISCHEN VIER beendet, die scheinbar immer freudig aufgenommen werden, auch wenn sie die letzten Jahre wohl bereits auf jedem Festival in Österreich mehrfach zu Gast waren. So mancher Besucher mag sie deshalb schon etwas zu oft gesehen haben, aber von einer allgemeinen Übersättigung war absolut nichts zu merken. Die Band präsentierte sich professionell und mitreißend wie eh und je, und dank ihrer beeindruckenden Anzahl an großen Hits kann man selbst auf vielgeliebte Oldies wie „Die da“ locker verzichten.

Samstag, 17.7.2010: Auch am zweiten Tag mussten sich die Eröffnungsbands vor einer spärlichen Kulisse abmühen, da hätte sich der Sänger von ZERONIC bei der noch immer anhaltenden Hitze gar nicht so herausputzen müssen, es hat ja ohnehin kaum jemand mitbekommen. GARISH gehören sicherlich zu den besten deutschsprachigen Bands die Österreich im Moment zu bieten hat, und in Wiesen haben sie eigentlich sogar ein kleines Heimspiel, aber wirkliche Begeisterung wollte bei ihrem Auftritt nicht aufkommen. Zur Freude der wenigen eingeschworenen Fans spielte man dennoch drei Zugaben, was einen Rekord an diesem Tag darstellen sollte. Seit EVERLAST 1997 zum Islam konvertiert ist, hat er sich vom harten Hip Hop Musiker zum melancholischen Blues-Rocker gewandelt, der mit „What it`s like“ sogar gleich einen richtigen Hit verbuchen konnte. Danach kam jedoch nicht mehr viel, da er sich meist nur selbst kopierte und sein Sound doch ein wenig zur Langeweile neigt. Und so war auch sein diesjähriger Auftritt größtenteils recht langatmig und wenig aufregend, sodass eine Wasserpistolenattacke aus dem Publikum für lange Zeit der einsame Höhepunkt bleiben sollte. Erst die einzige Zugabe sorgte nochmals für richtige Begeisterung, denn da spielte er doch noch die ersehnte HOUSE OF PAIN Nummer „Jump around“.

Die folgenden THERAPY? haben sich gerade erst mit ihrem stärksten Album seit Ewigkeiten („Crooked Timber“) zurückgemeldet, weshalb man auf ihren Auftritt wirklich gespannt sein durfte. Allerdings waren die Nordiren nicht nur die mit Abstand lauteste Band des gesamten Festivals, sondern scheinbar auch alles andere als nüchtern. So nervte Sänger Andy Cairns mit seinen penetrant gleichförmigen Ansagen, und die eigentlich gelungene Songauswahl drohte immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Gegen Ende schien man sich mehr auf die Songs zu konzentrieren, verschwand dann jedoch recht bald ohne Zugabe wieder von der Bühne. Da konnten GOSSIP dank ihrer imposanten Frontfrau Beth Ditto schon weitaus mehr überzeugen. Mit „Standing in the Way of Control“ erwischte die Truppe sogleich einen fulminanten Start, auch wenn man dieses Energieniveau erst wieder beim abschließenden „Heavy Cross“ erreichen sollte. Dazwischen gab es ein missglücktes Duett mit der Schwester von Frau Ditto, Ansagen in gebrochenem Deutsch und überraschend viele Coverversionen. Die CRANBERRIES Nummer „Linger“ sang sie zum Abschied kurz ganz alleine, während die restliche Palette an Fremdwerken von TINA TURNER („What`s Love got to do with it“), über AALIYAH, bis hin zu BLACK SABBATH („War Pigs“) reichte.

Letzteren Song haben ja einst auch FAITH NO MORE nachgespielt, und somit wären wir auch beim krönenden Abschluss dieses Festivals angelangt. Obwohl die Band seit 13 Jahren keine Platte mehr veröffentlicht hat, ist ihre Reunion eine der ganz wenigen, die auch wirklich Sinn macht, da ihr Sound einfach zeitlos ist und die Songs überhaupt nichts von ihrer Klasse verloren haben. Neben den perfekt agierenden Musikern liegt es vor allem an Mike Patton, dass wirklich jedes Konzert von FAITH NO MORE zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, da seine unvergleichliche Stimme und sein unberechenbaren Bühnenverhalten mühelos sämtliche Erwartungen übertreffen. Bereits nach dem Eröffnungs-Doppel „Midnight Cowboy“ und „From out of Nowhere“ wirft er sich mit einem gehauchten „Auf Wiedersehen“ ins Publikum, das er zwischendurch auch immer wieder mit dämonischer Freude provoziert, ehe er am Ende vom Verstärkerturm aus ins Schlagzeug und auf den armen Mike Bordin springt. Die Songauswahl hätte ebenfalls kaum besser sein können, so war neben den obligatorischen Highlights wie „Epic“, „Midlife Crisis“ oder „Ashes to Ashes“ sogar noch Platz für eine absurde Coverversion von MICHAEL JACKSON („Ben“), obwohl sich die Zuschauer eigentlich für eine Nummer der BEE GEES entschieden haben. Nach zwei ebenfalls recht ungewöhnlichen Zugaben („Edge of the World“ und „Mark Bowen“) war viel zu früh Schluss, und es bleibt nur die Hoffnung, dass sich FAITH NO MORE vielleicht doch noch zu einer weiteren Tournee entschließen werden. Das Forestglade Festival soll es nächstes Jahr aber auf alle Fälle wieder geben, und wenn die Veranstalter wieder mit so einem Kracher aufwarten können, dann ist das auch gut so. FAITH NO MORE Setlist: 1.Midnight Cowboy 2.From Out of Nowhere 3.Be Aggressive 4.Caffeine 5.Evidence 6.Surprise! You're Dead! 7.Chinese Arithmetic 8.Last Cup of Sorrow 9.Cuckoo for Caca 10.Easy 11.Ashes to Ashes 12.Midlife Crisis 13.Ben 14.The Gentle Art of Making Enemies 15.King for a Day 16.Epic 17.Just a Man Zugaben: 18.Edge of the World 19.Mark Bowen


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