06.08.2010, Feierwerk

CONVERGE

Veröffentlicht am 08.08.2010

Ein mehr als amüsanter Abend sollte es letzten Freitag im Münchner Feierwerk werden, denn die Bostoner Mathcore Legende CONVERGE lud, mit einer Horde illustrer Bands im Vorprogramm, zum schweißtreibenden Mosh- und Bangmarathon. Als ich eine Viertelstunde vor Konzertbeginn das jetzt schon gut gefüllte Hansa 39, welches die größte der vier Locations des Feierwerks darstellt, betrat, war ich froh dem recht unsommerlichen Regenweter entkommen zu sein und stürtzte mich erst einmal auf die meterlangen Merchtische, bei welchen man von der jeweiligen Band von LPs bishin zu Gürteln wirklich alles erwerben konnte. Pünktlich um 20:30 eröffneten die sechs Norweger von KVELERTAK, mit ihrem selbsternannten Necro'n'Roll, den Konzertabend. Dass diese Band momentan sehr gehypt wird, zeigte sich an der großen Schar begeisteter Anhänger, welche den wirklich gelungenen Auftritt der Truppe ausgelassen abfeierten. Nur leider kam der Soundverantwortliche mit den drei Gitarren der Nordmänner wohl nicht ganz zurecht, worin ich den etwas matschigen und trommelfellschädigenden Gesamtsound vermutete. Das raubte erstklassigen Songs wie 'Mjød' oder 'Fossegrim' zwar ein bisschen die Wirkung, änderte aber im Endeffekt nichts an der überzeugenden Performance der Truppe. Frontsau Erlend Hjelvik setzte dann dem Ganzen die Krone auf, indem er zur Hälfte des Sets seinen vom Bier gestählten Traumbody entblöste. Von der Urgewalt der Norweger kann man sich in München schon wieder anfang November überzeugen. Dann stellen die Jungs nämlich den Support für die amerikanischen Punker COLISEUM und die Kanadier von BISON B.C.. Das Ganze findet auch wieder im Feierwerk statt, also auf keinen Fall verpassen!

Als nächste Band des Abends enterte die US-Grindcore Truppe GAZA die Bühne. Allein dieser abrupte Genrewechsel ist wohl Beweis genug für den vorhin angesprochenen bunten Stilmix des Tourpakets. Wirkte der zwei Meter große Frontmann des Quartetts beim Soundcheck noch äußerst zurückhaltend und schüchtern, entpuppte er sich während des Auftritts als wahres Stagemonster. Er brüllte seine apokalyptischen, sozialkritischen Texte derart hasserfüllt ins Mikro, dass einem wirklich Angst und Bange wurde. Den Höhepunkt erreichte der Gig von GAZA, als der Sänger auch noch extatisch ins Publikum lief und aus voller Kehle brüllte: 'Don't you know you stupid motherfuckers, we're all going to die!' Anderen Menschen hätte man soetwas vielleicht nicht abgenommen und sie schlichtweg für Poser erklärt, diesem Typen jedoch kaufte man seinen Hass auf das System und Heimatland ohne weiteres ab. Seine Begleitmusiker, die eher im Hintergrund blieben und die enormen Soundmonster erschufen, holten beim letzten Lied körperlich alles aus sich heraus, was in einem unbeabsichtigten Sturz des Gitarristen endete. Am Ende jedoch waren die Musiker wieder wie ausgewechselt und bedankten sich mehr als höflich für die zahlreich erschienenen Fans und die lautstarken Beifallsbekundungen.

Mit KYLESA ging es nun eher in die Richtung von Sludge und Stoner Metal. Dass es von solchen Bands in den USA reichlich gibt ist klar, doch diese Truppe hat zwei Eigenheiten vorzuweisen. Erstens den Einsatz von zwei Schlagzeugern, was die Musik sehr rhythmisch und erhaben erscheinen lässt, und zweitens eine tolle Frontfrau in Form von Sängerin und Erstklasse-Gitarristin Laura Pleasants. Man merkte deutlich, dass viele Besucher speziell wegen dieser Band erschienen waren, was sich für jene auch absolut auszahlte. Der Fünfer lieferte nämlich einen sehr intensiven Auftritt ab, wobei vor allem die leicht psychedelische Grundausrichtung des Songmaterials überzeugen konnte. Auch Zweitsänger und Gitarrist Phillip Cope machte seine Sache mehr als gut, da seine eher punkigen, Old-School Hardcore Vocals sehr gut zu den einzelnen Tracks passten, während Frau Pleasants mehr für die sludgigen Schreie sorgte. Nach einer knappen Dreiviertelstunde war der Spaß leider schon vorbei. KYLESA ist eine dieser Bands, welche man zukünftig im Auge behalten sollte, da man von ihnen noch Großes erwarten kann.

Als es dann um kurz nach 11 hieß, der Auftritt der Szeneheroen von CONVERGE stünde kurz bevor, war der Club schon fast überfüllt. Ausnahmevokalist Jacob Bannon vollführte, während des Soundchecks noch einige Aufwärmsprünge auf der Bühne, bis es dann endlich los ging. Das Publikum war von Beginn an hin und weg und im großen Moshpit vor der Bühne wurde so ziemlich alles zerlegt was nicht niet- und nagelfest war. Die Zuschauer glichen einem großen Menschenbündel, mit dem Mister Bannon immer wieder engen Kontakt suchte. Er brüllte, kreischte und ließ sogar vereinzelt Gangshouts zu, wobei es einem Wunder glich, dass er das lange Mikrokabel jedesmal unversehrt zurück auf die Bühne bringen konnte. Ein Kompliment muss man auch Gitarrist Kurt Ballou machen, der schier unvorstellbare Leistungen auf seinen Äxten vollbrachte. Auch die Rhythmussektion ist wohl eine der Besten im ganzen Musikgeschäft, da ihnen beim Spiel des irrwitzigen Materials mit seinen vielen jazzigen Breaks kein einziger hörbarer Fehler unterlief. Das Hauptaugenmerk bei der Songauswahl lag ganz klar auf dem neuen Meisterwerk 'Axe to Fall'. Vor allem 'Dark Horse' und der Titeltrack kamen super an. Sänger Bannon war sogar zu Scherzen aufgelegt und bedankte sich unentwegt für die großartige Unterstützung vonseiten der Fans. Dass dieser Mann absolut hyperaktiv ist, bewies sein ständiges hin- und herrennen auf der Bühne. Als der Gig nach einer guten Stunde Spielzeit leider vorbei war, lief ihm der Schweiss in Sturzbächen vom Körper.

Insgesamt kann man sagen, dass dieser Abend einer der besten war den München seit langem zu bieten hatte. Das soll schon was heißen, da so gut wie jede Tour in der bayerischen Landeshauptstadt Station macht. Einen derart intensiven Auftritt habe auch ich schon lange nicht mehr erlebt. CONVERGE haben ihren Sonderstatus in der Hardcore Szene mehr als beeindruckend untermauert und vor allem Frontmann Bannon muss man ein besonderes Kompliment für seine schier übermenschliche Gesamtleistung aussprechen. Und am Ende zahlte sich das kühle, regnerische Wetter doch noch aus, da es nach den Saunazuständen im Hansa 39 für die dringend benötigte Abkühlung sorgte. Die Fotos wurden uns freundlicherweise von www.stageload.de zur Verfügung gestellt.


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