13.12.2010, Arena - kleine Halle

SAINT VITUS

Text: nagelfar
Veröffentlicht am 19.12.2010

Der Sänger und Frontmann von SAINT VITUS scheint ein echter Wiener, oder zumindest ein echter Wien-Fan geworden zu sein. Bereits Anfang des Jahres waren die Amerikaner zu Gast in Wien. Außerdem absolvierte Robert Scott „Wino“ Weinrich neben einem Solokonzert in der Szene Wien, auch einen Liveauftritt mit seiner Zweitband SHRINEBUILDER in der Arena. Nach dem gestrigen Graz Gig zieht es Wino und Co wieder einmal in die Arena und mit im Gepäck befinden sich REFLECTOR sowie THE GRAVIATORS.

Bereits der erste Saitenanschlag von REFLECTOR lässt den Zuhörer erstarren. Man spürt förmlich wie sich die kleinen Härchen auf den Armen aufstellen während der vibrierende Ton langsam ausklingt. REFLECTOR, welche trotz ihrer Vielschichtigkeit eher im Sludge zuhause sind, liefern ein Programm aus polyrhythmischen Läufen, tonnenschweren Riffs und kurzen Gesangsschnipsel. Die Grazer Band besteht zwar nur aus zwei Mitgliedern, gespielt wird aber mit der Wucht von zehn. Außerdem werden spielerisch Takt und Tempowechsel eingesetzt. Neben effektvoll lang ausgehaltenen Tönen kommen auch unberechenbar schnelle Riffs zum Einsatz, bei denen es sich gar nicht mehr mit rempeln lässt.

Nach der kurzen Pause lässt sich eine vertraut klingende Stimme aus der Halle vernehmen. THE GRAVIATORS stehen bereits in Startposition und spielen auch schon die erste Nummer an. Spätestens nach dem Blick auf das T-Shirt des Sängers ist klar, was während dieses Gigs auf einen zukommen wird. Die Band hat sich nämlich ganz dem Sound von BLACK SABBATH verschrieben. Anscheinend ist für die Schweden eher nur die Zeit als Ozzy Osbourne noch mit von der Partie war interessant, denn sogar die Stimme des Altrockers scheint in der Halle präsent. Die klassischen Riffs, der raue Gesang und der Spaß am Rocken kommt gut an und die klingenden Solos sorgen für Beifall.

Die Mitglieder von THE GRAVIATORS wollen sich den STAINT VITUS Auftritt nicht entgehen lassen und mischen sich nach ihren Momenten des Ruhms unters Publikum. Die Halle ist nun drückend voll, denn sogar die Besucher, für die bis jetzt nur die Bar interessant war, stürmen Richtung Bühne. Doch noch bevor sich SAINT VITUS lautstark willkommen heißen lassen hat Gitarrist Dave Chandler eine wichtige Ankündigung zu machen. Aufgrund des kürzlich verstorbenen Armando Acosta, welcher ein Gründungsmitglied der Band war, werden alle folgenden Konzerte dem ehemaligen Schlagzeuger gewidmet. Nach dieser respektvollen Geste starten die Amerikaner also, zu Ehren Acostas, mit Feuereifer ihre Show. „I Bleed Back“ kommt kraftvoll daher und erzeugt durch den schleppenden Rhythmus einen Dunstkreis aus Härte und rauchigem Gesang. Spätestens jetzt ist auch die Stimmung im Publikum am Siedepunkt, was sich bis zum Ende des Konzerts nicht mehr ändern sollte. Die amerikanischen Doomer haben über die Jahre hinweg kein Fünkchen ihrer Energie eingebüßt und auch Sänger Scott Weinrich, für welchen ein Wien Gig ja keine Seltenheit mehr ist, scheint Alles zu geben. „Look Behind You“ vom bereits 1986 erschienenem Album „Born too late“ wird präsentiert bevor mit „Mystic Lady“ eine noch ältere Nummer angespielt wird. Mitten in der einmaligen Hommage an zauberhafte Frauen scheint das Schlagzeug wie verhext. Mit einem Schmunzeln im Gesicht wird der Zwischenfall jedoch gekonnt überspielt, indem Hochprozentiges ans im Publikum verteilt wird. Chandler sorgt inzwischen mit vollem Körpereinsatz, inklusive Zähne, an der Gitarre für Ablenkung und im Handumdrehen geht es auch schon weiter. Das Anfangsriff von „Saint Vitus“ sorgt für Hochgefühl beim Zuhörer, leitet aber auch schon das Ende des Konzerts ein. Die Zugabe hat glücklicherweise noch einiges zu bieten und mit der Abschlussnumer „Born Too Late“ leistet man den Publikumswünschen folge.

Selten wirkt ein Abend so stimmig wie der heutige. Die Stile der drei Bands ergänzten sich ausgezeichnet und jede Band lieferte in ihrem Sektor eine einwandfreie Show. Außer Konkurrenz stand jedoch die Doom Combo von SAINT VITUS, welche eine kraftvolle, abwechslungsreiche und unglaubliche Show hingelegt haben. Der Umgang mit Zwischenfällen, die Kommunikation auf der Bühne und natürlich auch die Qualität der Performance beweisen die jahrelange Erfahrung, die diese fantastischen Musiker miteinander verbindet.


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