02.12.2010, Planet.tt, Bank Austria Halle, Gasometer

W.A.S.P.

Veröffentlicht am 15.01.2011

Mit ein wenig Verspätung ist nun auch unser Live-Bericht zu einem DER Ereignisse 2010 für Metaller der alten Schule online - und zwar gastierten im Dezember die Herren von W.A.S.P. rund um Bandchef und Ur-"Wild Child" Blackie Lawless im Rahmen ihrer "Babylon"-Tour nochh einmal im Wiener Gasometer! Und dass man sich eine Kultfigur wie den Herrn Lawless live nicht entgehen lassen sollte, das versteht sich wohl von selbst. Den Anfang an diesem Abend hätten jedoch eigentlich die heimischen Rock-Haudegen von BLIND PETITION machen und zum Abschluss ihrer Karriere noch einmal im großen Stil performen sollen; diese mussten aber kurzfristig absagen, und so kam die Wiener Rocktruppe XPACT in den Genuss, den Abend für die Wespen eröffnen zu dürfen. Kurz gesagt, die Show war zwar nicht schlecht, ein wenig behäbig zwar manchmal, und auch der stilistische Zugang der Frontlady sagt mir nicht immer zu. Und ob das Teufelchen-Kostüm beim STONES-Cover "Sympathy For The Devil" wirklich notwendig war, auch darüber lässt sich streiten. Insgesamt liefern XPACT an diesem Abend ein hauptsächlich aus Covern sämtlicher Rock- und Metalgenres bestehendes Set, das zwar auf kurze Distanz gut zu unterhalten weiß, wirklich mitreißend aber nicht ausfällt. Weiter im Programm ging's dann mit den Brasilianern von SHADOWSIDE, ebenfalls mit Frontfrau. Diese gute Dame, mit Namen übrigens Dani Nolden, hat grundsätzlich aber dankenswerterweise einen anderen Zugang zum Thema "weibliche Lead Vocals" als das Gros vergleichbarer Genrebands, und so wird bei SHADOWSIDE deutlich mehr gerockt und geröhrt als bei vielen anderen Truppen. Stilistisch als durchaus passend liefern die Brasilianer hier gutklassigen Hard Rock (und auch ein bisschen Metal), der beim bereits erwartungsvoll geifernden Publikum durchaus auf Gegenliebe stößt, und auch die immer wieder von Fronterin Dani angeregten Mitsingspielchen werden bemüht angenommen. Insgesamt ist zwar das Publikum (wohl auch ob des vor der Türe herrschenden Schneechaos) etwas unterkühlt, SHADOWSIDE liefern aber einen soliden Job ab, und auch die gebotenen Songs ihres aktuellen Albums "Dare To Dream" wissen zu gefallen. Und auch wenn Sängerin Dani zu Beginn des Sets nicht so ganz stimmsicher ist, kommt sie im Laufe der Show immer besser in Fahrt und schreit sich dann gegen Ende auch schon brav die Seele aus dem Leib, dass es eine wahre Freude ist! Somit verabschieden sich SHADOWSIDE mit einem positiven Ersteindruck, und langsam macht sich Unruhe im Publikum breit. Schließlich ist es so weit, und der Altmeister höchstpersönlich entert mit seiner starken Backing-Band und drei Videoleinwänden im Rücken die Bretter des Wiener Gasometer! Überraschend und nicht unoriginell fällt das Konzept der Bühnenshow auf - auf spektakuläre Stage-Sets und Aufbauten wird verzichtet, stattdessen spielt man über die vorhandenen Videowalls einfach die Original-Videos zu den gespielten Songs aus den Achtzigern ein! Und irgendwie ist es natürlich amüsant, einerseits den jungen Blackie Lawless, der in den Videos teilweise wie eine böse Version von Bill Kaulitz von TOKIO HOTEL wirkt, und den älteren, doch etwas in die breite gegangenen Blackie realiter vor sich auf der Bühne zu haben.

Von seiner Spritzigkeit hat der gute Blackie allerdings nur wenig verloren, und auch die Stimme macht mit - und so kann der Gesetzlose ein Hitfeuerwerk in die Meute feuern, das sich gewaschen hat: Granaten wie "Wild Child" und "L.O.V.E. Machine" fehlen da ebensowenig wie - natürlich - "I Wanna Be Somebody". Gut, Kommunikation mit dem Publikum seitens des Meisters findet so gut wie nicht statt, immerhin gibt's ein paar klassische Rockstar-Posen und viel, viel tropfenden Schweiß von Mister Lawless; gut, der Jüngste ist er ja auch nicht mehr. Etwas ernüchternd allerdings der Gesamtsound; so kommt Blackies Stimme mir teilweise einfach zu leise vor; und ernüchternd auch die Setlist. Grad mal eine gute Stunde wird hier (inklusive der Zugaben "Chainsaw Charlie", "Heaven's Hung In Black" und "Blind In Texas"!) gerockt - das zwar auf durchaus hohem Niveau und mit großer Hit-Dichte... aber für den doch gesalzenen Ticketpreis könnte der geneigte Fan doch etwas mehr verlangen. Aber was soll's; den angereisten hartgesottenen W.A.S.P.-Fans gefällts auch so, die Pommesgabeln werden brav gen Himmel (den der geläuterte Blackie Lawless ja neuerdings liebend gerne preist) gehoben und die Mähnen geschüttelt; und W.A.S.P. stehen auch im Jahre 2010 immer noch für hocklassigen Heavy Metal der alten Schule, den man sich ansehen kann - auch wenn man mit Herrn Lawless' neugefundener Gottesfürchtigkeit und politischer Rechtsaußenposition ansonsten nichts anfangen kann.

Setlist W.A.S.P. (ohne Gewähr):

On Your Knees The Real Me L.O.V.E. Machine Crazy Live To Die Another Day Wild Child The Idol I Wanna Be Someobdy ------ Chainsaw Charlie (Murders In The New Morgue) Heaven's Hung In Black Blind In Texas


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