04.02.2011, Wiener Stadthalle (Halle D)

DAVID HASSELHOFF

Veröffentlicht am 05.02.2011

So, wie rechtfertige ich das hier jetzt? Man hat's ja als Melodic Metal-Fan ohnehin schon nicht unbedingt leicht in dieser Szene, wenn von manchem Hörer mit mitunter zweifelhaftem Musikverständnis pauschal jene Musik, die tatsächlich noch "Melodie" enthält und nicht gänzlich aus zielgerichter Instrumentenvergewaltigung, Pigsqueals oder Gegrunze besteht, gleich mal als "Kinderkacke" oder Ähnliches abgetan wird. Aber gut, dagegen kann man ja mittels Argumentation vorgehen. Das hier aber, nun das ist eine komplett andere Liga. Eine gänzlich andere Dimension. Denn hier geht es um THE HOFF. Und der hat bekanntlich mit Metal und Hard Rock in etwa so viel zu tun wie Walter Meischberger mit seiner Leistung. Aber es ist und bleibt THE HOFF. Und er ist zurück. Aber der Versuch einer Begründung, irgendeiner Rechtfertigung für die Existenz dieses Artikels auf dieser unserer geliebten und geweihten Stormbringer-Erde, der soll mir gegönnt sein - und so möchte ich nun das Augenmerk des geneigten Lesers auf dies klassische Coverartwork lenken, welches anno dazumal das erste Album von DAVID HASSELHOFF zierte, das dazu noch den markanten Namen "Night Rocker" trug:

Da ist eine Gitarre drauf. Eine Strom-Gitarre gar. Und ein Auto. Und eine Lederweste. Und damit, meine Damen und Herren, ist bewiesen, dass THE HOFF nicht nur Metal spielt; THE HOFF

ist

Metal. Und darob alleine schon darf, ja muss dieser Bericht hier stehen. Und es ist für diesen Rezensenten ja eine Ehrenfrage eigentlich - denn es begab sich beinahe genau vor mittlerweile (auch stolzen) zwanzig Jahren, dass THE HOFF mir im zarten Alter von sechs oder sieben Jahren - damals freilich noch unter parentaler Aufsicht - mein erstes Konzerterlebnis beschert hat. Man war ja Fan; war es doch Michael Knight, der da sang. Der Knight Rider. Und man hatte ja sämtliche bis dato erschienen Alben auf Musikkassette(!) zu Hause, und konsumierte diese (sehr zum Leidwesen auch der bereits erwähnten parentalen Aufsichtspersonen) auch mit großer Begeisterung. Gut, mittlerweile hat sich der Musikgeschmack etwas gewandelt (böse Zungen könnten jetzt behaupten, nicht allzu sehr!), es werden grundsätzlich lieber andere Shows und Konzerte besucht; aber das Comeback von THE HOFF, die Rückkehr des Kindheitshelden, die muss natürlich in personam zelebriert werden. So, da nun diese Frage aus der Welt geschafft ist, wollen wir uns aber doch in medias res begeben, und die Show von Meister Hasselhoff in der Stadthalle Revue passieren lassen. Mit etwas Verspätung kamen wir leider an, und der Meister hatte bereits die Bühne geentert (wie mir gesagt wurde, zu einer kurzen Anspielung seines wohl größten Gassenhauers in hiesigen Breitengraden, "Looking For Freedom"); sonst hätte ich aber nicht viel verpasst. Als ich eintreffe, erklingen gerade die letzten Akkorde von "Gypsy Girl", und - zu meiner ehrlichen, großen Überraschung - singt der Maestro live. Und das gar nicht mal so verkehrt. Ich bin überwältigt. Überwältigt auch von der Stimmung in der Stadthalle; selten eine solche erlebt. Die geschätzen acht- bis zehntausend Besucher, die grundsätzlich allesamt auf Sitzplätzen untergebracht waren (man möchte ja Rücksicht nehmen auch auf die Musikantenstadl-Klientel), standen aber beinahe zur Gänze, und es wurde bereits brav mitgeklatscht und mitgeschunkelt. Und das auch den ganzen Abend lang. Das ist ja freilich auch nicht schwer, denn es ist und bleibt nun mal (englischsprachiger) Schlager, den der Herr Hasselhoff praktiziert, und das erklärt natürlich sowohl die gänzlich fehlende Popularität seiner Musik im englischsprachigen Raum, als auch (leider) die überschäumende Beliebtheit dieser Musik insbesondere in den deutschsprachigen Ländern. Was das über den kollektiven Musikgeschmack der Österreicher als Volk auszusagen vermag, das möchte ich mir lieber nicht vergegenwärtigen; akzeptieren wir die harten Fakten lieber einfach einmal, wie sie sind. Und: THE HOFF

ist

Metal. Aber für mich - wie für viele andere an diesem Abend wohl auch - geht es hier schon lange nicht mehr um die Musik. Es geht um den Mann. Den Mythos. Die Legende. Es geht um den Knight Rider. Es geht um Zeitlupen-Mitch. Um das Auto. Um die Brustmatte. Um die Berliner Mauer. Um Hamburger. Um hübsche Mädchen in engen Badeanzügen. Oh, erwähnte ich, dass es auch um das Auto geht??? Und so wird eben geklatscht und geschunkelt, und es feiern Kinder mit Omamas, Mütter mit Töchtern, Musikantenstadler mit Mittzwanziger-Powermetlern eine HOFF-Party für die Ewigkeit hier in der Stadthalle. Und so ist es auch gänzlich nebensächlich, ob THE HOFF nun Songs eigener Prägung wie den Schmachtfetzen "Flying On The Wings Of Tenderness" oder eine der zahlreichen an diesem Abend gespielten Coverversionen wie etwa den "Rhinestone Cowboy", "Country Roads" oder "California Girls" von den Beach Boys bringt, das er natürlich dann zum Besten gibt, als gerade mit der legendären Jimi-Jamison-Nummer "I'm Always Here" der BAYWATCH-Tribute-Part des Abends eingeleitet wurde, und die hübschen Tänzerinnen der Hasselhoff-Produktion stilecht im roten Badeanzug die Bühne unsicher machen - ehe dann der Meister höchstselbst in der wohl berühmtesten Rettungsschwimmerjacke der Geschichte, bewaffnet mit der klassischen roten Rettungsboje, erscheint. Ganz so bierernst nimmt er sich selbst mit nunmehr fast sechzig Jahren (im Juli wird THE HOFF bereits 59!) wohl glücklicherweise auch nicht mehr. Die Fans freut's natürlich, ganz besonders wohl jene, die sich richtig viel Mühe mit ihren Konzertoutfits für heute gegeben haben: So gab es mehrere mit Leucht-Leds bestickte Lederjacken, mitunter auch mit gut sichtbarem "H" im Design; viele grelle 80ies-Outfits und natürlich zahllose T-Shirt-Variationen, gewidmet dem "God Among Men", zu bewundern. Zwischenzeitlich gönnt sich der Meister auch noch eine formidable Pause (wie lang war's? Halbe Stunde? Dreiviertel Stunde?), ehe dann der zweite Teil des Abends mit DEM Kult-Thema der Achtziger schlechthin, dem KNIGHT RIDER-Theme, eingeleitet wird. Kurz dürfen dann aber des HOFFs Töchterchen mit ihrem Elektro-Pop-Projekt "Bella Vida" die Bühne übernehmen. Den HOFF-Jüngern gefällt der Versuch eines Lady Gaga-Verschnitts natürlich nur bedingt; ironischerweise ist das klangliche Produkt des Knight-Nachwuchses musikalisch wohl einige Klassen interessanter als der Output des Nightrockers höchstselbst; denn als der seinen "neuen Song, den er nur für euch geschrieben hat!" stolz ankündigt, dann aber 1.) eine exakte Kopie seines Hits "Crazy For You", lediglich mit neuem Text und minimalst geänderter Gesangslinie bringt, die 2.) noch dazu AUCH eine exakte Kopie des VILLAGE PEOPLE-Klassikers "YMCA" ist, muss auch dieser Rezensent doch etwas mehr als nur Schmunzeln.

Aber was soll's - wie schon erwähnt, man ist ja nicht wegen der Musik da! Und so ist es mir doch deutlich lieber, ich seh den Held meiner Kindheit im Glitzeranzug seine ollen Schmachtkamellen in die Meute schmettern und dabei ein wenig lächerlich wirken, als er ruiniert sich weiterhin mit Gevatter Alkohol und man sieht ihn nur burgervertilgend am Boden herumkugeln. Heute scheint es ihm aber gut zu gehen, dem HOFFMEISTER (Zitat: "There's no place I'd rather be than right here, right now!"), und wiederholt versichert er uns, dass er "uns alle liebt" - und dass er die deutsche Sprache auch liebt, ist klar; und ebenso klar ist, dass er auch seinen Kulthit "Wir Zwei Allein" im Duett mit schon der damaligen Duettpartnerin Gwen (die mittlerweile ja auch dreißig Jahre alt ist; mei wia die Zeit vageht!) ebenfalls im Programm haben muss. Genauso wie seine legendären Kracher "Do The Limbo Dance", "Everybody Sunshine" und "Crazy For You", mit denen er sich in die Zugabe verabschiedet. Diese wird dann überraschenderweise in bester Frank-Sinatra-Manier mit seinem Song "This Time Around" eingeleitet, den der Maestro auch gar nicht mal so schlecht intoniert, ehe dann natürlich mit dem unvermeidlichen "Looking For Freedom" das fulminante Finale folgt. Da das Publikum aber gar so lautstark und begeistert ist, beschließt der Meister, noch ein bisschen länger zu spielen, und während es Konfetti regnet und riesige Luftballons durch die Stadthalle geschubst werden [und der Meister höchstselbst (respektive natürlich in erster Linie seine Securities) noch mit ein paar Kandidaten zu schaffen hat, die tatsächlich auf die Bühne springen, um mit THE HOFF ein bisschen abzushaken - für einen besonders mutigen gibt's sogar ein High-Five vom lieben David selbst, bevor der extatische Fan dann von den Sicherheitskräften schnell abtransporiert wird], gibt es noch einmal den "Limbo Dance" zum Drüberstreuen, bevor dann THE HOFF seine Band, Tänzer und Vorgruppe "Egon 7" vorstellt und sich von seinen dankbaren Fans verabschiedet. Was bleibt also, wenn der Vorhang fällt? Gut, wie schon erwähnt - es geht hier einfach um den Kult. Musikalisch natürlich mehr als verzichtbar, aber THE HOFF ist einfach THE HOFF. Es hat schon etwas Auratisches, den Helden der Kindheit nach zwanzig Jahren wieder livehaftig erleben zu können; und man wünscht sich natürlich, dass er sich wirklich ein bisschen gefangen hat nun, und die Abendstunden seiner Karriere noch einmal genießen kann - und sei es auch nur im Musikantenstadl. Hierzulande hat er einfach immer noch eine unglaubliche loyale Fangemeinde, die ihm durch alle Peinlichkeiten hindurch jahrelang die Treue gehalten hat, und dies wohl auch in Zukunft tun wird. Positiv überrascht war ich aber von der hohen Anzahl an Songs, die tatsächlich live dargeboten wurden (Playbacks gab's in etwa nur bei jedem vierten Song, dazwischen sang der Meister tatsächlich selbst), und der überraschend guten stimmlichen Leistung des Vortragenden. Gut, dass wir es hier nicht mit einem Jorn Lande oder Russell Allen zu tun haben, war von Anfang an klar; aber innerhalb seiner Möglichkeiten schaffte es der gute David doch, seine Songs solide und hörbar darzubieten. Respekt vor dieser Leistung. Aber wir waren ja nicht da wegen der Musik; oh nein! Es galt, die Wiederauferstehung des Helden zu feiern. Es ging darum, danke zu sagen - für die Kinder- und Jugendtage mit Michael Knight und K.I.T.T., und für die (Jung-)Männertage mit Pamela Anderson im Badeanzug und in Zeitlupe bereits im Nachmittagsprogramm; und dafür werden ihm wohl sämtliche der versammelten männlichen Artgenossen auf ewig tief verbunden bleiben. Und wenn man so betrachtet, wie in trauter Einigkeit von Menschen sämtlicher Alters- und Sozialschichten hier zum "Limbo Dance" abgetanzt und bei "Crazy For You" mitgegrölt wird, da möchte man ja fast glauben, dass doch ein bisschen was dran gewesen sein könnte, an der höchsteigenen Illusion des HOFF, dass es letztlich doch er, und er allein war, der die Berliner Mauer zum Einsturz brachte. Ach ja: Und THE HOFF

ist

Metal.


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