13.03.2011, Komma

POWER OF METAL TOUR 2011 - Wörgl feat. NEVERMORE, SYMPHONY X and more

Veröffentlicht am 16.03.2011

Ein frühes Highlight des Konzertjahres 2011 machte dieser Tage im Rahmen der POWER OF METAL-Tour auch hierzulande halt, denn niemand geringerer als die US-Prog-Götter von SYMPHONY X und deren Landsmänner der großartigen NEVERMORE statteten uns einen Besuch ab; und tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von den Powermetal-Durchstartern von THAUROROD, MERCENARY und den kultigen PSYCHOTIC WALTZ im Reunion-Lineup! Kurzum, ein Hammer-Package, das (fast) alles hielt, was es versprach! Ausnahmsweise war ich diesmal ja gar nicht bei der Show im Wiener Gasometer dabei, sondern erst am folgenden Tag im Komma in Wörgl - eine sehr feine Location übrigens - und als wir ankamen, hatten THAUROROD auch schon in ihr Set gestartet. Bei sehr druckvollem und klarem Sound wurden da natürlich etliche Gassenhauer des Debütalbums "Upon Haunted Battlefields" in die zu diesem Zeitpunkt noch etwas spärlich vor der Bühne versammelte Meute gefeuert. Dabei ist die augenfälligste Änderung im THAUROROD-Komplex auch die wahrscheinlich wichtigste; denn der bisherige Frontmann Markku Kuikka, der auch besagtes Album eingesungen hat, wurde kürzlich aus den Diensten der Band entlassen (nachdem es angeblich in Punkto Liveperformance ein paar Problemchen gegeben hatte), und an seiner Statt hat sich die Truppe kurzerhand Goldkehlchen Michele Luppi zur stimmgewaltigen Unterstützung geangelt! Und wer um die Qualitäten dieses Ausnahmesängers weiß, dem ist natürlich sofort klar, dass hier nur eine absolute Top-Performance erfolgen konnte... und dem war auch so. Und zwar Herr Luppi an dem Abend sogar so gut, dass er nur noch von einem gewissen "Sir" Russell Allen übertroffen wurde. Insofern lieferten THAUROROD eine sehr energiegeladene, punktgenaue Performance ab, und melodische Kracher wie "Warrior's Heart", "Scion of Stars" oder "Shadows and Rain" wurden verdientermaßen abgefeiert. Ein Klasse-Opener für ein ohnehin schon mehr als formidables Package, und mit Sicherheit eine Band, von der man noch hören wird! Ob allerdings Michele Luppi auch nach der Tour fester Bestandteil der Truppe bleiben und kommende Alben einsingen wird, steht derzeit wohl noch in den Sternen.

Setlist THAUROROD:

Warrior's Heart Tales Of The End Morning Lake Guide For The Blind Scion of Stars Shadows And Rain Die folgenden MERCENARY waren dann eher weniger mein Ding, was natürlich vornehmlich an den heftigeren Vocals lag. Fronter René legte sich natürlich dennoch ordentlich ins Zeug, und generell gefiel die Band vor allem durch formidablen Groove und aggressiven Stil. Insofern begnüge ich mich hier mit einer kurzen Zusammenfassung der Setlist, wie immer ohne Gewähr!

Setlist MERCENARY

Into the Sea of Dark Desires World Hate Center The Endless Fall Through The Eyes Of The Devil In A River Of Madness In Bloodred Shades The Follower Firesoul Erstmals richtig spektakulär wurde es dann mit den wiederformierten Psychedelic-Metallern von PSYCHOTIC WALTZ. Gut, dass diese Truppe sicher eine etwas andere Gangart an den Tag legen würde, als der Rest der im Billing vertretenen, war ziemlich klar - für mich war eher überraschend, dass die Kult-Truppe rund um Wahl-Österreicher "Buddy Lackey" alias Devon Graves sehr begeistert angenommen und abgefeiert wurde, zumal ja das Songmaterial der Amerikaner sicher weitaus sperriger und ungewöhnlicher ist, als man das meist aus dem Genre kennt. Dichte Atmosphäre, ungewöhnliche und schräge (aber immer perfekt intonierte) Vocals von einem der wohl charismatischsten Frontmänner der Szene, durchsetzt mit etlichen pfeilschnellen Gitarreneinlagen - PSYCHOTIC WALTZ können an diesem Abend definitiv fett Punkte sammeln, was sich auch in einem regen Ansturm an den Merch-Stand nach dem Gig niederschlägt. Und auch SERENITY-Keyboarder und langjähriger PSYCHOTIC WALTZ-Fan Mario Hirzinger zeigte sich begeistert, und ließ sich im Anschluss an die Show noch ein gerahmtes Poster aus dem Rock Hard-Magazin von anno dazumal signieren.

Setlist PSYCHOTIC WALTZ:

Ashes Spiral Tower Haze One Into the Everflow Morbid Halo of Thorns Nothing I of the Storm

Mein persönliches Highlight, und natürlich damit der für mich primäre Grund, die POWER OF METAL Show zu besuchen, sollte natürlich dann folgen: SYMPHONY X, rund um Gitarrenvirtuoso Michael Romeo und Sangesgott Russell Allen standen in den Startlöchern, und sollten das Komma standesgemäß rocken. Auf showtechnisches Kleinod wie Intros oder dergleichen wird gewollt verzichtet, stattdessen starten die US-Progger gleich mal standesgemäß mit "Of Sins And Shadows" in ihr kurzes, aber knackiges Set, und nehmen - wie zu erwarten - keine Gefangenen. Herr Romeo fudelt sich die Seele aus dem Leib, der kleine Mann hinter den Drums, Jason Rullo, scheint stets kurz davor zu sein, sein Drumset komplett zu zerstören, und "Sir" Russell Allen beweist wieder einmal, warum er wohl neben Jorn Lande der derzeit beste Metal-Sänger der Welt ist (und mir persönlich in der Livesituation sogar etwas besser gefällt als der ebenfalls natürlich großartige Norweger). Auffällig ist am Set von SYMPHONY X allerdings, dass natürlich vornehmlich die heftigeren Kracher der jüngeren Alben, insbesondere Tracks vom sensationellen "Paradise Lost" gespielt werden. So bekommt man nämlich neben "Domination", "Serpent's Kiss" und dem Titeltrack auch noch das abschließende "Set The World On Fire" geboten. Aber es ist natürlich auch irgendwie klar - die neueren Stücke sind eben doch ein wenig aggressiver und rockiger ausgefallen, und weniger vertrackt und sperrig wie Tracks frührer Jahrgänge. Schmerzlich leider die Kürze der Setlist: So musste glaube ich das starke "Inferno (Unleash The Fire)" leider dran glauben (und es gab somit gar keinen Song von der "Odyssey"), dafür gab's aber "Smoke and Mirrors" statt "Evolution" (wie bei der Wien-Show). Auch der neue Song "End Of Innocence" vom kommenden Album "Iconoclast" wurde präsentiert und ordentlich abgefeiert, und schließlich endete man (mutig) mit dem neuen "Dehumanized" und dem erwähnten "Set The World On Fire". Rundum ein absolut großartiger, wenn auch leider etwas kurz ausgefallener Gig der Amerikaner - aber Fans können beruhigt sein: Drummer Jason Rullo erzählte uns nach dem Konzert unter anderem, dass im Herbst auch noch mal eine Headliner-Tour zum neuen Album geplant ist, die auch wieder durch Europa (und wahrscheinlich auch durch Wien!) führen würde!

Setlist SYMPHONY X:

Of Sins and Shadows Domination Serpent's Kiss End of Innocence Paradise Lost Smoke and Mirrors Dehumanized Set the World on Fire (The Lie of Lies) Und die letzte Band des Abends war natürlich für viele der eigentliche Headliner: Die US-Prog/Power Metal-Macht von NEVERMORE, rund um Saitenhexer Jeff Loomis. Diese Herrschaften verzichten nicht auf ein kurzes Intro, das aber natürlich ordentlich Stimmung macht und das Publikum anheizt, ehe man dann mit "Inside Four Walls" in ein durchaus ansprechendes Set startet. Klar, bei einer Band mit so vielen starken Songs fehlt einem immer mal wieder der eine oder andere Kracher... aber für mich persönlich war die Songauswahl durchaus gelungen, zumal meine Favorites "The Heart Collector" und natürlich das mächtige "Born" dabei waren. Zugegeben, Warrel Dane hat schon einen sehr eigenwilligen Gesangsstil, der auch meinen Geschmack nicht immer trifft - aber live drücken NEVERMORE natürlich ordentlich an, und sind schon eine ziemliche Bank. Über die Talente von Jeff "Schaufelhand" Loomis braucht man sowieso keine großen Worte mehr verlieren, auch der neue zweite Mann an der Gitarre, Attila Voros, weiß zu brillieren. Übrigens hatten NEVERMORE auch eine Dame am Bass dabei diesmal, zwecks Vetretung - aber auch die gute Lady hat ihren Job natürlich formidabel erledigt, und NEVERMORE konnten überzeugen wie eh und je.

Setlist NEVERMORE:

Inside Four Walls Moonrise (Through Mirrors of Death) The Termination Proclamation Your Poison Throne Born The Heart Collector The River Dragon Has Come Emptiness Unobstructed This Godless Endeavor Enemies of Reality Fazit: Naja, solche Packages sind halt ein zweischneidiges Schwert - einerseits bekommt man viele gute Bands zu sehen, andererseits sind natürlich die Beginnzeiten Wahnsinn (in Wörgl war Einlass um 17:30, Beginn der ersten Band um 18:10!), und dafür die Set-Zeiten der Bands wiederum sehr kurz: Sowohl SYMPHONY X als auch NEVERMORE hatten jeweils nur eine Stunde Spielzeit, was für die vielen Fans, die sicher hauptsächlich wegen einer dieser beiden Acts vor Ort waren, natürlich etwas bitter ist. Da könnte man schon argumentieren, es wäre vielleicht sinnvoller, eine der beiden ersten Support-Bands zu kürzen, dafür die gewonnene halbe Stunde Spielzeit auf die beiden Headliner-Acts aufzuteilen, die dann jeweils doch 2-3 Songs mehr hätten spielen können. Nichtsdestoweniger war die "Power Of Metal-Tour" sicher ein voller Erfolg, auch wenn die Besucherzahlen - wie für Österreich leider typisch - wohl wieder etwas hinter den Erwartungen geblieben sind. Es bleibt also zu hoffen, dass sich weder die Bands noch die Promoter davon abschrecken lassen, und uns Acts wie NEVERMORE oder SYMPHONY X auch hierzulande möglichst bald wieder präsentieren; denn Bands von diesem Kaliber gibt's halt auch nicht mehr allzu viele dieser Tage.


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